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Der Polizeiſpion.
vII. Der Urtheilsſpruch. (Fortſetzung.)
Dieſe verſchiedenen Angaben waren allerdings ſehr verdächtigend, dabei blieb es aber auffallend, daß man weder die Ledertaſche, welche die Dublonen enthalten hatte, noch irgend einen der andern geraubten Gegenſtände von Werth, die Wenkſtern ziemlich genau zu beſchreiben ver⸗ mochte, in dem Beſitze Arthur's gefunden hatte, und auf dieſen Umſtand ſtützte der Aſſeſſor die Hoffnung, durch Auffindung dieſer Pretioſen den wahren Mörder zu ent⸗ decken. Allein ſeine Hoffnung erwies ſich als eitel, denn obgleich die Polizei ihre ganze Thätigkeit aufbot, auch Wenkſtern aus ſeinen eigenen Mitteln eine namhafte Be⸗ lohnung für die Auffindung dieſer Sachen ausſetzte, war davon nicht die leiſeſte Spur zu entdecken.
Eben ſo ſchmerzlich ſah ſich Wenkſtern in ſeiner andern Hoffnung getäuſcht, Arthur zu einer offenen Angabe über die Verwendung ſeiner Zeit an dem verhängnißvollen Abend zu bewegen. Zwar erlangte er den gewünſchten Zutritt zu ſeinem Freunde, aber vergebens drang er in ihn, die zu ſeiner Rettung unerläßlichen Aufklärungen zu geben, wie er in den Beſitz der Dublonen und des blutigen Tuchs gelangt ſei, auf welche Weiſe er die Wunde erhal⸗ ten, und wo er zu der Zeit geweſen, als Don Montaldi ermordet worden ſein mußte.
„Arthur,“ ſagte er mit dem flehendſten Ausdrucke, „ich bitte, ich beſchwöre Dich, gib dieſe unerklärliche Hart⸗ näckigkeit auf. Ich weiß, daß Du unſchuldig biſt, aber den Gerichten mußt Du es auch beweiſen.— Bedenke auch den Kummer, die Schande, die Du Deiner Familie
machſt!“
„Ich danke Dir, mein Freund,“ ſagte Arthur,„daß Du nicht an meiner Unſchuld zweifelſt. Dieſe Verſicherung mildert weſentlich das Harte meines Schickſals, aber än⸗ dern läßt ſich daſſelbe nicht.— Die Schande, die aus meinem vorgeblichen Verbrechen nach den ungerechten Vor⸗ urtheilen der Welt auf meine Familie zurückfällt, betrübt mich tief, aber ich kann das nicht verhindern. Wollte, könnte ich die Aufklärungen geben, die Du von mir for⸗ derſt, ſo wäre ich ein Ehrloſer, während ich es jetzt nur
zu ſein ſcheine.— Mir bleibt daher nichts übrig, als
mich in das Unvermeidliche zu fügen und es dem Himmel anheim zu geben, einſt meine Unſchuld an den Tag zu bringen. Daß dies geſchehen wird, davon bin ich feſt über⸗
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zeugt, und eine leiſe Hoffnungsſtimme flüſtert mir ſogar zu, daß es bald geſchehen wird. Bis dahin muß ich mein Geſchick tragen, und ich will dies ohne Murren thun. Das ſchönſte Glück wird mich dafür belohnen, deſſen bin ich gewiß.“
„Ach, Arthur,“ ſagte Wenkſtern mit einem ſchmerz⸗ lichen Seufzer, und indem er nur mühſam den Ausbruch der Thränen unterdrückte, die in ſeiner Stimme zitterten, „wenn Du auf Deinem Willen beharrſt, dann muß ich mit blutendem Herzen von Dir Abſchied nehmen, denn über Dein Urtheil kann ich als Juriſt keinen Augenblick in Zweifel ſein, und ich betrachte Dich als einen Todten, denn an die wunderbaren Enthüllungen durch das Schickſal, auf die Du ein ſo feſtes Vertrauen ſetzeſt, glaube ich nicht im Geringſten.— Lebe daher wohl für dieſes Leben, mein armer unglücklicher Freund!“
Er reichte Arthur die Hand und wendete dabei den Kopf, um die Thränen zu verbergen, die jetzt unaufhaltſam hervorſtürzten.
„Lebe wohl,“ ſagte Arthur mit feſter Stimme, indem er die Hand des Freundes herzlich ſchüttelte.„Lebe wohl, doch nicht für dies ganze Leben, denn gewiß, und viel⸗ leicht ſchon bald, ſiehſt Du mich aus dem Grabe aufer⸗ ſtehen, in welches ich hinabgeſenkt werde.“
Wenkſtern vermochte nicht zu antworten. Er ſchloß den Freund noch einmal voll Inbrunſt in die Arne und enteilte dann dem dumpfen Kerker, deſſen Thür raſſelnd hinter ihm zufiel.
Arthur ſah ihm ſtarren Blickes einige Secunden lang nach, dann preßte er beide Hände gegen die Stirn, und endlich ſeufzte er:
„Es muß ſein!— Ich kann nicht anders handeln!“
Acht Tage darauf war ſein Urtheil gefällt, und abermals acht Tage ſpäter beſtätigt. Er war des Raubmordes für ſchuldig erachtet worden; da aber ſein eigenes Geſtändniß fehlte und er ſogar fortwährend ſeine Unſchuld behauptete, konnte er nicht zum Tode verurtheilt werden, ſondern nur zu lebenslänglicher Zuchthausſtrafe. Weil aber ſeine Rich⸗ ter in ſeinem hartnäckigen Leugnen eine Vergrößerung ſeiner Schuld erblickten, lautete das Erkenntniß auf den ſtärkſten Grad der Strafe.
vIII. Geſtändniſſe eines Sterbenden.
In Nizza ſaß an dem Krankenlager des Präſidenten von Neuenbeck Amalie, die treue, ſorgſame Pflegerin ihres Gatten.


