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ngen, wingen! Schuß,
alten
führen, aber gegen unſere
nicht hätten, elbſt. Welch
orifährt Holz⸗
dazu.
von
Otto Banck.
Beethoven. Hiſtoriſcher Noman von Heribert Rau. Frankfurt, 1859. Meidinger Sohn u. Comp.
Ueber die Neuigkeiten vom Büchertiſch, welche Sie die Güte haben, mir in die Ferne zu ſenden, theile ich ganz Ihre Anſicht, daß die Darſtellung vom Leben Beethoven's den hervorragendſten Erſcheinungen zugezählt werden muß. Sie finden ſchon das allein dankenswerth, uns einem ſo gewaltigen Stoff nahe zu bringen. Gewiß wird deshalb auch der Stoff allein ſchon zünden, ſo wenig ebenbürtig auch die Ausführung dahinter zurückſtehen mag⸗
Berühmte Perſönlichkeiten, zumal aus der Welt des Schaffens, zu den Trägern eines Romans oder Dramas zu wählen, charakteriſirt unſre Zeit im Allgemeinen. Man findet, daß ſolche Geſtalten weiter greifen und ausgiebiger ſind, als rein componirte Helden, deren Namen eben ſo gut eine Nummer vertreten könnte; freilich muß der Schrift⸗
ſteller dabei auch weiter greifen und ausgiebiger ſein, denn wo es gilt einen Genius zu zeichnen, da läßt ſich dies eben ſo weuig mit ſchwachen Mitteln thun, als ob ein Maler den Duft einer Roſe mit rother Erde malen ſollte.
Noch ſchwieriger wird die Aufgabe, wenn der Autor keinen materiellen Helden der That, keinen Feldherrn, Di⸗ plomaten, Fürſten oder dergleichen, ſondern einen Heros des Gedankenlebens, einen Mann aus der Sphäre der Production
zu verherrlichen ſucht. Die erſtere Gattung wird ſich ſtets,
was Compoſition und Spannung anlangt, viel dankbarer zeigen und leichter behandeln laſſen. Im Leben ſolcher Männer findet ſich ganz naturgemäß mehr Action, mehr dramatiſches Element: Liebesabenteuer, Zweikämpfe, Be⸗ wegungkn von einem Ort zum andern, überraſchende Ver⸗ wicklungen und Schläge des Schickſals— an ſolchen Dingen fehlt es dort nicht. Bei einem Apoſtel des Geiſtes oder Sohn der Muſen pflegt es ſtiller und einfacher herzu⸗ gehen. Ich will damit durchaus nicht angedeutet haben, daß ihm die Ueberraſchungen und Schläge des Schickſals fehlten,— im Gegentheil, er bekommt gewöhnlich die Prü— gel für zwei gewöhnliche Erdenſträflinge, an den unange⸗ nehmſten Ueberraſchungen fehlt es ihm ſelten, und wenn irgend Jemand, ſo kann der Schaffende den Spruch aus⸗ rufen:
Ich bin ich weiß nicht wer;
Ich komme ich weiß nicht woher;
Ich gehe ich weiß nicht wohin:—
Mich wundert, daß ich ſo fröhlich bin.
Drum ſagte auch der bitterſte Philoſoph, den wir hatten: „Nun, die ungeheure Ueberzahl der ſogenannten Vernünf⸗ tigen iſt fröhlich. Eine kleine Minorität theilt dieſe An⸗ ſicht indifferenter Vertrauensduſelei nicht, da ſie erwacht iſt; dieſe auserwählte Schaar, welche den Traum der ſüßen Täuſchung, in dem man immer wieder weiter träumt, von ſich abgeſtreift hat, wird aber in beſondern Häuſern einge⸗ ſperrt, und jene große Majorität nennt ſie verrückt, was ſich nicht hindern läßt, da die Maſſe dem Geiſt gegenüber immer Recht behält.“ Der berühmte Mann wollte mit dieſem
verſtimmten und vergifteten Paradox Niemand überzeugen,
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ſondern nur einen Aufſchrei thun über die Dunkelheit des Endes oder des ewigen Anfangs. Dieſe Dunkelheit wird dem tiefſten Denker am jähſten nahe treten, während die gewöhn⸗ lichen Menſchen im ganzen Leben kein Räthſel finden, als die paar elenden Charaden, welche ſie ſich vorlegen.
Das Leben Ludwig van Beethoven's iſt an großartigen, erſchütternden Räthſeln reich, ſein eigenes Individuum iſt ein ſolches Räthſel und Phänomen. Laſſen Sie uns offen reden, mein Freund. Wenn ich die Culturgeſchichte des Menſchengeſchlechts durchblicke, ſo fühle ich mit Ehrfurchts⸗ ſchauer, daß ſich der gütige Geiſt der Gottheit, der ſchaffend das All durchdringt und den alle Zungen anders nennen und anders anbeten, daß ſich dieſer ſegnende Welt⸗ odem des Lebens ſtündlich und allenthalben ſelbſt bezeugt, daß er ſich aber mit der ſtärkſten Kraft in einzelnen Per⸗ ſönlichkeiten offenbart hat. Zu ihnen zähle ich nach den verſchiedenſten Richtungen hin vor allem Sokrates, Dante, Rafael, Spinoza, Shakeſpeare, Beethoven und Goethe. Laſſen Sie uns nicht über dieſe Namen ſtreiten; ſie ſollen nichts Beſchränkendes ſein. Ich wollte nur Erleuchtungs⸗ fackeln für die Menſchheit nennen, deren Licht zum primi⸗ tivſten Glanz gehört.
Beethoven gehört ſicher zu dieſen Sternen, die mitten in die Dämmerung der Welt geſetzt ſind. Alle ſind mehr oder weniger mißverſtanden, von den Mitmenſchen verleug⸗ net oder gar verdammt worden, weil das blöde Auge den Blick in das reine Licht als etwas Fremdartiges nicht ver⸗ tragen konnte, ohne ſich geblendet, bedrückt, verletzt, ja ver⸗ rathen zu fühlen. Die Maſſe will eine Vermittelung haben, ein trübes Fluidum, wodurch die Nacht der Geiſter wie durch Nebel gemildert wird. Was heißt das anders, als: die Menge will in dem Erwählten etwas vom eigenen Element ihrer Mittelmäßigkeiten und Schwächen ſehn, um ſich zur großen Erſcheinung heimiſch und wahlverwandt zu empfinden? Wie wahr dies iſt, beweiſt die Thatſache, daß der weniger begabte Genius, das kleinere Talent viel ſelte⸗ ner verkannt wird. Dazu kommt noch, daß alles Ideale, welches bei den höchſten Geiſtern Pfvi wird, der na⸗ türliche Freund alles Materiellen iſt. Phyſis und Pſyche
bleiben ewige Gegner, und es kann nur die Eine auf Koſten der Andern ein Totalleben führen.
Mit welchem Recht kann ſich daher wohl der Genius beklagen, auf dieſer Welt ſchlecht placirt zu ſein! Bringt er wirklich Alles mit, was ſeinen Halbbrüdern hienieden vertrauenerweckend iſt? Kam er nicht, um ihnen die Worte der Aufklärung, der Prophetie ins Ohr zu rufen, deren tiefe Sinnenträthſelung die müden Geiſter zu An⸗ ſtrengungen ſpannt, die ihnen auf die Dauer verhaßt ſind? Hat der Genius darum einen Grund, die Welt unvollkom⸗ men zu nennen, oder dürfen wir es ſtatt ſeiner thun 2 Einer jener Auserwählten, der Mann mit dem mathematiſchen Blick der Wahrheit, Spinoza, ſtaunte ſelbſt die Vollkom⸗ menheit der Welt an und er fand ſie bewieſen in all' ihren Theilen. Jeder Aufrichtige muß dies nachempfinden, und je trüber es ihm geht, je mehr ihn die Welt zurückweiſt, je vollendeter muß ſie ihm erſcheinen, da die Schuld jedes⸗ mal an beiden Theilen liegt, und dieſe wohlbegründete Disharmonie zwiſchen ihm und ihr,— das iſt ja eben die ſchönſte Vollendung der Welt. 2
Und iſt ſo der Genius Fremdling auf Erden, wird er


