Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
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dete er ſich zu dem General⸗Auditeur,daß ich an den Grafen Maienburg einige vorläufige Fragen richte?

Thun Sie, was Ihre Pflicht erfordert, entgegnete ſehr kalt der Auditeur.

Kennen Sie oder vielmehr kannten Sie einen gewiſſen Don Montaldi? fragte hierauf der Polizei⸗ beamte den Grafen.

Ich höre den Namen zum erſten Male in meinem Leben nennen, entgegnete Graf Arthur.

Aber Sie ſahen doch geſtern Vormittag in der Wein⸗ handlung einen großen, hageren, ſchwarzbraunen Mann, der in Ihrer Gegenwart einen Haufen ſpaniſcher Dublo⸗ nen auf den Tiſch ſchüttete?

Allerdings!

Und Sie äußerten bei dem Anblicke des Geldes gegen einen neben Ihnen ſitzenden Freund: Was meinſt Du, wenn wir den Kerl todt ſchlügen?

Ha! rief der Graf aus und ſchien zu erſchrecken, als er dieſe Worte vernahm.

Ich bitte mir zu antworten, ſagte ſpitz der Polizei⸗ beamte.Machten Sie dieſe Aeußerung?

Ich kann und mag nicht leugnen, daß ich dieſe oder denen ganz ähnliche Worte geſprochen habe, ſagte der Graf.

Gut! Dieſer Mann iſt nun aber geſtern Abend wirklich todtgeſchlagen, d. h. ermordet worden!

Was ſagen Sie? Ermordet? Gerechter Himmel,

das kann, das darf nicht ſein! Das wäre zu fürchterlich!

rief der Graf.

Der Polizeibeamte warf dem Auditeur einen vielbe⸗ deutenden Blick zu und fuhr dann fort:

Dennoch iſt es ſo, und Sie müſſen eingeſtehen, daß zwiſchen Ihren Worten und der That wenigſtens ein auf⸗

Noveſſen⸗Zeitung.

fallender Zuſammenhang beſteht. Doch weiter!

Wollen Sie nach dieſem erſten Geſtändniß wohl die Güte

[V. Jahrg.

haben, mir zu ſagen, wo Sie am geſtrigen Abend von neun bis zehn Uhr waren?

Zwiſchen neun und zehn Uhr? wiederholte der Graf und erblaßte.

Ja; denn in dieſer Zeit muß das Verbrechen be⸗ gangen ſein. Ich frage Sie alſo nochmals: Können Sie glaubwürdig nachweiſen, wo Sie während dieſer Zeit waren?

Ich kann es nicht, ſagte der Graf kaum hörbar und ſchlug verwirrt die Augen zu Boden.

Ich beſchwöre Sie, Herr Graf, fiel erſchrocken der General-Auditeur ein,bedenken Sie wohl, was Sie ſagen! Laſſen Sie keine ängſtlichen Rückſichten über die Verwendung Ihrer Zeit wäbrend dieſer verhängnißvollen Stunde walten, denn wahrſcheinlich allein von dem Be⸗ weiſe des Alibi hängt Ihre Rechtfertigung, Ihre Rettung aus der drohenden Gefahr ab.

Ich muß dieſer Erklärung des Herrn General⸗Au⸗ diteur beiſtimmen, ſagte der Polizeibeamte mit einem leiſen Anfluge von Gutmüthigkeit.Vermögen Sie den Beweis des Alibi nicht zu liefern, dann ſind Sie nach den bereits gegen Sie vorliegenden anderweitigen Bewei⸗ ſen ſchwerlich zu retten.

Ich kann dieſes Alibi nicht darthun, mag auch dar⸗ aus entſtehen, was da wolle! ſagte der Graf finſter.

Das bedauere ich! ſagte der Polizeibeamte mit der frühern Schroffheit.Nach dieſer Erklärung werden Sie wahrſcheinlich auch den Aufſchluß darüber verweigern, wie Sie in den Beſitz eben der Dublonen kamen, durch deren Anblick Sie geſtern in der Weinhandlung zu dem Wunſche ihres Beſitzes gereizt wurden?

Ob es eben die ſind, wie Sie ſagen, weiß ich nicht; Recht aber haben Sie in der Vermuthung, daß ich nicht anzugeben vermag, wie ich in den Beſitz dieſer Goldſtücke gelangte.

Das dachte ich mir, ſagte kopfnickend der Beamte;

Wer Worte liebt und ſcheuet die Thaten, Der glaubt den Teufel im Mondſchein zu braten.

So ungefähr lauteten, ins Deutſche oder Gothaiſche über⸗ ſetzt, die Betrachtungen, welche ſo eben ein ſehr ehrenwerther Mann aus der Gemeinde zu Mendelsheim unweit Zweibrücken in der Rheinpfalz anſtellte, als er über einen grünen Raſenplatz daber ſchritt. Er war nicht allein, denn es waren noch einige Vierzig mit ihm, welche durch das allgemeine Gemurmel guter Parlamentsmitglieder ihr Daſein bekundeten. Dieſer Patriot hieß Naver Ferkelhuber und war der Schweinhirt von Mendels⸗ heim, der im Begriff war die Heerde der Gemeinde zu weiden.

und wie Oeſtreich in allen Stücken Unrecht hat und unterliegen

muß; der Mendelsheimer dagegen verſtand freilich kein Fran⸗

zöſiſch ſondern nur Bayriſch, aber er las die Augsburger Zeitung, worin es immer ſteht, wie falſch Frankreich iſt, und wie Oeſtreich in allen Stücken Recht hat und endlich gewinnen muß. Dieſe beiden Organe hatten endlich die Saat des Unfriedens bei den treuen Herzensfreunden zur Reife gebracht. Wenn der Lothringer im Moniteur las, wie drei Franzoſen achtzehn Oeſtreicher ge⸗ fangen genommen hätten, und wie bei der muthigen That von dieſen drei Franzoſen nur fünf verwundet und einer getödtet, von

den Oeſtreichern dagegen zwanzig verwundet und neunzehn ge⸗

Er lebte ſeit langen Jahren in der innigſten Freundſchaft mit b g 2

einem alten Standesgenoſſen, der mit ihm die gleiche Kunſt be⸗ trieb, Gottlieb Deutſchmann, welcher die Heerde von Erchingen hütete. Erxchingen iſt ein lothringiſcher, alſo franzöſiſcher, aber in Sprache und Einwohnerſchaft ganz deutſcher Ort. Oft trafen die beiden Freunde auf der Grenze zuſammen, ſchritten Arm in Arm über den Wieſenplan und plauderten endlich im Schatten kühler Saudiſteln von allem Möglichen, von den ſchönſten ihrer Thiere, von den biſſigſten Schweinen, von den Fürſten und ihren Welt⸗ händeln und ſo endlich leider immer mehr und mehr von der Politik. Sie, welche durch ihre vollendete Wechſelwirkung von Bosheit und Blödſinn alles Klare trüb und alles Geſunde räudig macht, vergiftete endlich auch die edele Freundſchaft der beiden Schweinhirten, und was ſo lange in Frieden beſtanden hatte, wurde durch Meinungsverſchiedenheit zerſtört. Wie konnte es auch anders kommen! der Lothringer verſtand außer ſeiner Mutterſprache auch etwas Franzöſiſch und ſomit las er den

blieben ſeien, während einer von den drei angreifenden Franzoſen, ein Zuavenſergeant, mit jeder Hand zu gleicher Zeit eine Kanone genommen hätte, und in demſelben Augenblick von ſeiner ihm auf dem Torniſter ſitzenden getreuen Katze ein öſtreichiſcher Kaiſer⸗

jäger niedergekratzt worden wäre, wenn der Lothringer ſolche

kühne Affairen las, ſo vergaß er, daß er Deutſchmann hieß, ſeine

deutſche Abkunft machte ihn erröthen und er bedauerte, daß ſeine Frau Mutter, die Wäſcherin von Erchingen, in gutem Ruf ſtehe, da er ſich ſonſt hätte mit der impoſanten Möglichkeit brüſten können, vielleicht der uneheliche Sohn eines franzöſiſchen Ser⸗ geanten zu ſein. Im Vollgefühl dieſer Gloire beneidete er ſelbſt ſeine Schweine um ihre reinere franzöſiſche Abkunft, und ſein Ge⸗ ſicht wurde vor ſtillem Ingrimm blaß und ſeine Naſenſpitze ſchön gelb, wie dies die Phyſtologen bei in ſich gekehrten Menſchen be⸗ obachtet haben.

Da kam gerade, bieder und breitbeinig, der Mendelsheimer

Hirt dahergeſchritten und rief ihm ſeinGrüß Dich Gott!

Moniteur, worin es immer ſteht, wie hochherzig Frankreich iſt,

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entgegen.

uraus ülte ſonder

Graf. darau handle Händ aus

ſchar