Jahrgang 
28-52 (1859)
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mögen, um dies beſeligende Ziel näher zu rücken, ich will ſie erfüllen!

Sie entzog ihm ihre Hand, deutete wieder auf den Sitz, den er ſo eben verlaſſen hatte, und ſagte dann:

Das liegt nicht in Ihrer Macht, Graf Maienburg; doch ich bitte Sie, mich jetzt ruhig bis zu Ende anzuhören, dann aber mich zu verlaſſen, denn Sie können ſich wohl denken, daß mir jetzt jede Minute des Alleinſeins mit Ihnen ſehr peinlich iſt.

Nach einer kurzen Pauſe fuhr ſie hierauf fort:

Ich wollte Ihnen ſagen bis vielleicht der Him mel die Bande löſte, die mir heilige Pflichten auferlegen, welche ich eben ſo heilig zu erfüllen feſt entſchloſſen bin. Wie ich Ihnen geſtanden habe, daß ich Sie liebe, ſo geſtehe ich Ihnen jetzt, was Sie bei der großen Verſchieden⸗ heit unſeres Alters ohnehin ſchon gewußt, oder doch wenig⸗ ſtens vermuthet haben werden: daß ich meinen Mann nicht liebe. Ich ſchäme mich dieſes Geſtändniſſes nicht, denn die Liebe läßt ſich nicht erzwingen, wenigſtens die Liebe nicht, wie ſie eigentlich zwiſchen Chegatten beſtehen ſollte. Aber wenn ich auch meinen Gatten nicht ſo liebe, wie ich ſollte, ſo ehre, ja verehre ich ihn doch wegen ſeiner vielen edlen und vortrefflichen Eigenſchaften; ich bin durch die Bande der Dankbarkeit für den Edelmuth, den er mir bewieſen, für die Stellung, zu der er mich erhoben hat, an ihn geſeſſelt, und ich hänge an ihm, wie die liebende Toch⸗ ter an ihrem Vater.

Frau Präſidentin, ſagte Arthur, und das Beben ſeiner Stimme verrieth ſeine Rührung,jedes Ihrer Worte erfüllt mich mit Bewunderung für Sie, und wie ich mich früher durch Ihre Liebe beglückt fühlte, ſo bin ich jetzt ſtolz darauf, ſie gewonnen zu haben. Mich derſelben ſtets würdig zu zeigen, ſoll mein eifrigſtes Beſtreben ſein, und ich verſpreche Ihnen daher, Alles zu erfüllen, was Sie von mir verlangten und ferner von mir verlangen werden. Wollen Sie mir aber jetzt eine Bitte erfüllen, ſo geben

[V. Jahrg.

Sie mir Aufſchluß über die mir räthſelhaften Worte, daß Sie dem Herrn Präſidenten zu ſo großer Dankbarkeit ver⸗ pflichtet ſind.

Gern bin ich dazu bereit, entgegnete Amalie.Ja, was noch mehr iſt, ich halte es ſogar für meine Pflicht, dies zu thun, denn ſollte dieſe Hand frei werden, und Sie dann noch den Willen haben, ſie in die Ihrige zu legen, daun dürfte nichts von meiner Vergangenheit für Sie dunkel bleiben. Hören Sie alſo, was ich Ihnen wenigſtens kurz andeuten will.

Mein Vater war einer der reichſten Kaufleute in doch der Name des Ortes, wo ich meine Kindheit und erſte. Jugend verlebte, thut nichts zur Sache. Er ließ mir die ſorgfältigſte Erziehung geben, und bildete mich außer⸗ dem durch den Luxus, der in ſeinem Hauſe herrſchte, zur vornehmen Dame, die ich auf eine beinahe wunder⸗ bare Weiſe zu werden beſtimmt war. Mochte es nun der eben erwähnte Luxus ſein, oder waren es große Un⸗ glücksfälle genug, mein Vater machte plötzlich Banke⸗ rott und entfloh bei Nacht und Nebel, ſich kaum ſo viel Zeit laſſend, von mir einen flüchtigen Abſchied zu nehmen. Ich wurde dadurch von dem Gipfel des Reichthumes in den Abgrund der bitterſten Armuth geſchleudert, denn Alles, was mein Vater zurückgelaſſen hatte, verfiel den Gläubigern und den Gerichten, und in dem Alter von funfzehn Jahren ſah ich, das verwöhnte, verzogene Kind, mich hülflos in die Welt hinausgeſtoßen. Aber Gott er⸗ barmte ſich meiner, indem er mir den Muth verlieh, das Unvermeidliche zu ertragen, außerdem aber noch mich in einem Städtchen, nicht weit von meiner Vaterſtadt, brave Leute, die ein kleines Wirthshaus hielten, finden ließ, welche ſich auf meine dringenden Bitten bereit erklärten, mich in Dienſt zu nehmen, ſo wenig ich auch zu leiſten ver⸗ mochte. Beinahe wie ein leibliches Kind gehalten, lebte ich ſeit drei Jahren in dieſem Hauſe, als unmittelbar vor der Thür deſſelben ein Reiſewagen, deſſen Pferde ſcheu ge⸗

Feuilleton.

G

Die Herzogin von Orleans. II.

In den erſten Tagen des Mai wurde der Herzog von Chartres krank. Die Herzogin von Orleans beunruhigte ſich nicht ernſtlich darüber; ſie vertraute indeſſen Niemandem die Pflege an, deren der Kranke bedurfte. Jeden Augenblick kam ſie in das Zimmer ihres Sohnes und mehr als eine Nacht wurde ſchlaflos zugebracht. Dieſe Aufregung zunächſt, danach die Freude üder ſeine Wiedergeneſung vermochten wohl auf ihre ſchwache Conſtitution nachtheilig einzuwirken; aber im Ganzen war dieſe ſchon geknickt. Dieſe unbedeutenden Veranlaſſungen, welche nur bei denen, die nachbleiben, von Wichtigkeit ſind, weil ſie ſich an ſie als an das Nächſtliegende anklammern, gleichſam um eine Nahrung für ihren Schmerz zu haben, fallen in Wirk⸗ lichkeit in der empfindlichen Wage, mit der Gott unſere Lebenszeit abgewogen, kaum bemerklich in's Gewicht. Eine Reihe zu leb⸗ hafter Gefühlserregungen, die ihren Körper aufzehrten, liehen ihr bis zu ihrem Lebensende eine augenſcheinliche Kräftigkeit, die über ihre wirklichen Kräfte nur Täuſchung veranlaßte. große Zahl von Wogen war über dieſe zartgebaute Pflanze

Eine ſo

hinweggeſtürzt,

daß man die letzte, viel ſanftere Welle nicht be⸗ merkte, die ſie mit ſich binwegſpülen ſollte!. Sonntag, den 9. Mai, empfing ſie einen Beſuch von Paris und unterhielt ſich mit großer Lebhaftigkeit von Frankreichs Zu⸗ 2 ſtande und den verſchiedenen Ausſichten für die Zukunft. Sie war bereits von einem Schnupfen befallen und legte ſich deshalb Dienstags zu Bette. Schon von vornherein war ihre Schwäche viel größer, als die Natur ihres Unwohlſeins es erwarten ließ; Niemandem kam es indeſſen bei, ſich darüber zu beunruhigen. Ein Brief des Prinzen von Joinville, der an dieſem Tage ge⸗ ſchrieben wurde, iſt das einzige Zeichen eines unbeſtimmten beun⸗ ruhigten Gefühles. Aber in ihrer Umgebung dachte Niemand an Gefahr, ſo ſehr man auch bedacht war, ihr die ſorgfältigſte und

eingehendſte Pflege zu Theil werden zu laſſen, wie ſie eben eine

ſo ſchwächliche Geſundheit jederzeit nothwendig machte; die Her⸗ zogin dachte noch weniger als Irgendwer an eine ſolche Gefahr. Als am Donnerstage Morgen am Himmelfahrtsfeſte Frau von B..., die faſt nie von ihrer Seite ging, vor dem Er⸗ wachen der Herzogin eiligſt nach der Kirche gegangen war, um deſto früher wieder bei ihr zu ſein, machte Letztere ihr darüber Vorwürfe:Warum ſind Sie ſo früh aufgeſtanden? Haben Sie

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