Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
494
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auch ſehr wohl möglich ſein, denn es war der vierzehnte Tag, ſeitdem wir von Gibraltar wieder unter Segel ge⸗ gangen waren, und davon waren nur etwa zwei wegen Windſtille gänzlich unbenutzt verſtrichen.

Der Augenſchein belehrte mich, ſobald ich aus der Of⸗ ficiercajüte auf das Quarterdeck getreten war, daß wirklich ein großer Strich Landes mit Hügelreihen im Vorder⸗ und Bergketten im Hintergrunde, die letzteren in einen fein blauen Duft gehüllt, ſichtbar war. Wir ſteuerten mit allen Segeln darauf los, und gegen Mittag war aus dem ſo luftig erſcheinenden Lande ſchon eine artig weite Landſchaft geworden. Auch ein ſchwaches Auge konnte ſchon allerhand niedlichen Zauber darin entdecken, als weite Buchten von grünen Hainen umſäumt, Dörfer und Kirchthürme, zwiſchen dunkelm Laube halb verſteckt weite weiße Mauern, wie man ſie um Kloſterhöfe ſich denkt, und auf ſanft an ſteigenden Höhen etwas wie alte Schlöſſer und neue ge⸗ ſchmackvolle Landhäuſer, jedoch ſämmtlich gekennzeichnet durch einen gewiſſen Anſtrich, als ſei es der morgenlän⸗ diſch⸗gothiſche Styl geweſen, nach dem man hier äußer⸗ lich gebaut und getüncht hätte.

Das war alſo das Land der Verheißung für die Einen, und das der Sehnſucht für viele Andere! Nun immer friſch drauf los! Je eher man ankommt, deſto ſchneller ſchwindet die Täuſchung!

Und als es Abend war und die Sonne mit ihren letz⸗ ten Strahlen das altromantiſche Land weithin vergoldete, da jagte unſer Schiff wie der fliegende Holländer durch die purpurgerötheten Wellen mitten in die Bucht hinein. Von den Thürmen klang das Angelus in tiefen Molltönen über die Bollwerke hinab, als der Anker fiel. Nach wenigen Minuten lag die ſtolze Roweliff unbeweglich an dem von den Engländern erbauten Molo nahe der Porta della Reyna. Die Stadt aber präſentirte ſich in ihren dichten Ge⸗ hegen von Myrthen und Orangen, die ſteilen Mauern hoch überragt von vielen Kirchthürmen und Minarets und den

Ueberbleibſeln eines alten Kalifenſchloſſes, als der eigent⸗ liche Anfang des glückſeligen Zauberlandes, in welches uns die Erzählungen der Mütter und Lehrer ſo oft, ſchon in der Jugend ſüße Zukunftsträume erweckend, verſetzt hatten.

O, ſchönes ſpaniſches Land! als wir Dich zum erſten Male vom Meere aus erblickten, als wir uns berauſcht fühlten vom Hauche der tauſend Blüthen, welche Deine Luft durchwogen; als wir die ſchlanken Palmen erblickten, die das königliche Haupt über den einſamen Burgen neigen, von denen manche noch edeln Maurenfürſten zum Wohn⸗ ſitz dienten; als die erſten ſchlanken Frauengeſtalten mit züchtig verhülltem Haupte und mit Augen, die wie Sterne durch den Schleier blitzten, mit leichtem Schritt, kaum hör⸗ bar, gleich Houris aus Mohamed's Paradieſe an uns vor⸗ überſchwebten da rief wohl mancher Kamerad dem anderen zu:Hier iſt gut ſein, hier laßt uns Hütten bauen! Und wer hätte es ihnen verargen mögen, den braven deutſchen Burſchen, deren Viele ſchon vor Jahren, kaum wiſſend wie ihnen geſchah, vom Buchweizentopf der Lüneburger Haide an Englands mit Roaſtbeef und Plum⸗ pudding verſehene Tafel verſetzt waren, wenn ſie im An⸗ blick der Goldfrüchte, die ſo reichlich hier auf den Bäumen wuchſen, wie die Kartoffeln bei ihnen zu Lande unter der Erde, ſtaunend da ſtanden, bis ihnen vor allem Sehen die Augen übergingen! Wer hätte ſie ſchelten mögen, wenn ſie, verloren in der wunderreichen Schau der Gegend, oft aus der Marſchordnung geriethen, als das Regiment ſich end⸗ lich gegen Abend von der Küſte entfernte, um ſein erſtes Quartier in einigen nahen, reizend gelegenen Ortſchaften V zu nehmen, von wo der Weg ſie ſchon nach wenigen Wochen weiter in die prachtvolle Huerta de Valencia, all⸗ V mählich über den Ebro und endlich bis unter die Mauern von Barcelona führte, wo der letzte franzöſiſche Marſchall in Spanien vor ihnen und ſeinen ſiegreichen engliſchen Geg⸗ nern das Feld räumen mußte!

gungen gewonnen. Thackeray verpflichtet ſich, zwei Erzählungen,

jede zu 16 Theilen, zu liefern, deren je einer monatlich erſcheint, ſo daß eine Erzählung durch 16 Monatsnummern laufen würde. Dafür erhält er ein Honorar von 350 Pfd. Sterling jeden Mo⸗ nat, oder in 32 Monaten die Summe von 11,200 Pfund oder

74,666 Thlr. 20 Ngr. Doch behalten ſich die Verleger das

Recht vor, von den Erzählungen noch je eine Separatausgabe ne⸗ ben dem Abdruck in den Monatsheften zu veranſtalten. p.

Das neue ſo eben an die Bühnen verſandte fünfactige Drama

von Guſtav Kühne führt den Titel:Kunſt und Gelübde oder:

Die Geheimniſſe von Venedig.

Das TrauerſpielFerdinand Schill von Rudolph Gott⸗ ſchall, das vor zehn Jahren mit Glück einige Bühnen betrat, dann

aber der politiſchen Verhältniſſe wegen unterdrückt wurde, iſt in einer neuen Bearbeitung zu Schill's hundertjährigem Geburts-

tage kürzlich in Braunſchweig gegeben und mit großem Erfolge aufgenommen worden.

Der Papſt hat neulich zwei neue Heilige canoniſirt, jeder Partei zu gefallen, wählte er dazu einen Franzoſen und einen Oeſterreicher. Das heißt doch die Wage der Neutralität mit höchſt unparteiiſcher Hand gehalten. p.

Seeſchlachten-Maler. 8

Uum

Die gefangenen öſterreichiſchen Officiere erhalten von der franzöſiſchen Regierung folgende, nach dem Jahre berechnete Ge⸗ halte: Ein Deviſionsgeneral 4000 Fr.; ein Brigadegeneral 3000 Fr.; ein Stabsofficier 2400 Fr.; ein Subalternofficier 1200 Fr. Ein Capitän wird ſich daher bei dem letztern Gehalt von etwa 30 Thalern monatlich ſehr einſchränken müſſen, während

der Unterlieutenant ſogar mehr erhält, als er gewohnt iſt. a. Der Abbé Beauvais, Sohn eines Hutmachers und ſelbſt Lehrjunge dieſes Gewerbes, bevor er ſich dem geiſtlichen Stande widmete, beſchloß, ſobald er in den Orden getreten, entweder ein Bisthum zu erobern, oder in die Baſtille eingeſperrt zu werden. Als er eines Tages nach Verſailles berufen wurde, um vor Lud⸗ wig XV. zu predigen, erhob er ſeine Stimme kräftig gegen das lockere Leben mancher Greiſe. Der König hatte keine Luſt, die Anſpielungen auf ſich zu beziehen, wandte ſich alſo gegen den Marſchall v. Richelieu und ſprach zu ihm:Nun, Richelieu! mir ſcheint, der Prediger hat brav Steine in Ihren Garten geworfen! Ja, Sire! entgegnete der Marſchall,er hat ſie mit ſolcher Stärke geſchleudert, daß ſie bis in den Park von Verſailles zu⸗ rückgeprallt ſind. Der Abbé wurde Biſchof von Sens, und ſeine Steine erhielten eine andere Richtung. Den berühmten Hannöverſchen Leibarzt Johann Georg von Zimmermann fragte der König von Preußen, Friedrich II., ob er ſchon viele Menſchen in die andere Welt befördert habe?Nicht ſo viele, antwortete Zimmermann,als Ew. Majeſtät, und auch nicht mit ſo vielem Ruhme.

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