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Gedanken an einen guten und an einen böſen Genius er⸗ griffen wurde, wenn man neben der ſchönen Geſtalt den hereuliſchen Negerprinzen erblickte.
Beide ließen es nicht an Geſchenken fehlen, die das ſchlaue Soldatenkind von ihnen auch annahm, während ſie innerlich den Schwarzen, obgleich wir ihn faſt ſämmtlich, was ſeine ſchöne Geſtalt und ſeine ſchönen, blitzenden Augen betraf, für einen hübſchen Mann hielten, wegen ſeiner Hautfarbe verabſcheute, dagegen den Zimmermann ſichtlich begünſtigte.
Der Mohr hatte demohnerachtet ſeine Bewerbung fortgeſetzt und ſeine Geſchenke bis zu dem verhängnißvol⸗ len Abend noch verdoppelt. Wiederholt hatte er Maria heute zum Tanz aufgefordert, aber immer eine ausweichende Antwort erhalten, weil ſie, die ihm ſonſt berechneterweiſe immer einige Tänze bewilligt hatte, bald mit einem unſerer Huſaren, bald mit Mr. Brown, dem ſchlanken hübſchen Zimmermann, der ſchon Haus und Hof in Greenwich hatte, engagirt war.
Ich war ein genauer Beobachter der Scene. Es war mir nicht entgangen, wie ſich das Weiße im funkelnden Auge des Negers allmählich zu röthen begann, wie er heftiger ſprach und kurz, aber krampfhaft zuſammenzuckte, als das hübſche deutſche Kind ihm abermals einen Korb gab und dabei auf einen Landsmann zeigte, dem ſie den Tanz zugeſagt hatte. Die Neger ſind bekanntlich leiden⸗ ſchaftliche Tänzer, ſobald ſie in die Zuſtände europäiſcher Cultur übergetreten ſind, und auch Irim— ſo nannte man den Schwarzen— machte, ſelbſt wenn er nicht mit⸗ tanzte, gewöhnlich hinter der Colonne die Pas der Tänzer mit. So that er auch jetzt, doch ohne dabei das Idol ſeiner Liebe, die ſchöne deutſche Maid, das Licht ſeines Lebens, wie er ſie ſchwärmeriſch benannte, je aus den Augen zu laſſen. Der Tag war zu Ende. Maria wollte ſich, weil es ſchon ſpät war, unter das Verdeck zurückziehen. Da trat Mr. Brown an ſie heran und bat ſo inſtändig,
Novellen⸗Zeitung.
indem ſie im Begriff, ihm gute Nacht zu wünſchen, ſich zärtlich an ihn anſchmiegte, daß ſie trotz der Abmahnung der Mutter, die den Neger dieſen Abend beſonders über⸗ wacht hatte, den Bitten des geliebten Mannes nicht zu widerſtehen vermochte. Eben thaten die Geiger, ein luſtiges Brüderpaar aus dem muſikaliſchen Thüringerlande, die erſten Striche zu einem„Lang Engliſchen“, indem Brown ſeine Geliebte unter einer zierlichen Verneigung zum Ehrenplatz führte, als der Neger, unter jenem ſchrecklichen Aufſchrei, wie ihn nur die höchſte Wuth im wilden Natur⸗ zuſtande auspreßt, gleich dem Tiger mit einem jähen Satze ſeinem Feinde an die Kehle flog und ſie mit der einen hereuli⸗ ſchen Fauſt zuſammendrückte, während er mit der andern das bereits gezückte Meſſer ihm zweimal raſch hinter einander in den Leib ſtieß. Heulend in ſchrecklicher Freude zog er das blutige Meſſer aus der Wunde, warf es dem unter einem Wehruf zuſammenknickenden Mädchen vor die Füße und ſchwang ſich, ehe man ihn daran verhindern konnte— ſo ſchnell war das Erzählte vor ſich gegangen und ſo be⸗ täubend hatte es auf die Umſtehenden gewirkt— mit einem gewaltigen Sprunge über Bord.—
Im nächſten Augenblick, als noch Alles Getümmel und Verwirrung auf dem Schiffe war, während man den todtwunden Schiffszimmermann in ſeine Hängematte legter und die ohnmächtige Marie unter Deck brachte, ertönte der Ruf:„Mann über Bord!“ Sofort gebot der zweite Steuermann das kleine Boot herabzulaſſen und zu beman⸗ nen; indeſſen verſagte Mr. Bacon, der ſchon in ſeine Ca⸗ jüte hinabgegangen, als ſich der Unfall ereignete, und jetzt auf das Geräuſch wieder nach oben gekommen war, mit ernſter Stimme jeden Rettungsverſuch.„So oder ſo,“ lauteten die Worte des biederen Capitains—„iſt er dem Tode verfallen. Möge er den Tod eines ehrlichen See⸗ mannes ſterben! Beſſer als daß er die Raa des Vortop⸗ maſtes ziert! So lange als ich ein Schiff unter meinem Commando gehabt, hat keine andere Strafe als eine leichte
gade abgeſchnitten, von hinten angegriffen. Nicht einen Augen⸗ blick beſinnt er ſich, läßt ſeine Soldaten Kehrt machen, wirft ſich im dichteſten Kugelregen dem andringenden Feinde entgegen und fordert ihn auf, die Waffen niederzulegen. Das Dunkel der Nacht begünſtigt das Wageſtück, der Sarde glaubt ſich von allen Seiten umſchloſſen, von Uebermacht angegriffen und ſtreckt das Gewehr. Truppen waren unterdeſſen nachgerückt, die Stadt ward vom Feinde gereinigt, ſechs Kanonen, viel Gepäck, der Marſtall des Herzogs von Savoyen erobert, über zweitauſend Gefangene gemacht. Das Ende des Feldzugs war nahe, am folgenden Tage führte Benedek ſein Regiment noch einmal zum letzten, entſcheidenden Angriff, und in Novara konnte dem Sarden der Friede dictirt werden.
Schon im April ſtand Benedek einem anderen Feinde in Ungarn gegenüber und erfocht ſich neue Lorbeeren bei Raab und vor Komorn. Am 11. Juli gegen 3 Uhr Nachmittags ſah es be⸗ denklich aus vor dieſer Feſtung. Die Ungarn waren im Begriffe gegen Acs vorzudringen, und ſtürmten eben mit aller Macht gegen den Meierhof Chém. Die öſterreichiſche Schlachtlinie bildete einen Bogen, in der vorſpringenden Mitte ſtand unſer Held. Mit beiſpielloſer Heftigkeit richtete der Feind das concen⸗ triſche Feuer mehrerer Batterien gegen den Punkt, den Benedek und ſeine Truppen beſetzt hielten, der Verheerung preisgegeben. Kalt ſtand der Führer im heftigſten Feuer, entſchloſſen, nicht einen Schritt zu weichen; ſein Beiſpiel wirkte mächtig auf die Truppen, auch ſie verließen nicht einen Augenblick ihre ausgeſetzte Stellung. Dieſe Haltung imponirte dem Feinde, er wagte weder mit dem Bajonnete zu ſtürmen, noch einen Reiterangriff zu machen. Die zähe Ausdauer Benedek's unter dem Hagel der Todesgeſchoſſe
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gab den Flügeln die Möglichkeit, wieder vorzudringen, den Re⸗ ſerven, in’s Feuer zu rücken, der Schlacht eine günſtige Wendung zu geben. Der Erfolg des Tages iſt ſein Werk.
Noch zweimal maß ſich Venedek nach dieſem Tage mit dem Feinde: Angeſichts deſſelben ſetzte er über die Theiß, jagte ihn aus den Häuſern, vertrieb ihn aus Uj⸗Szegedin und erſtürmte die an der langen Brücke aufgeworfene Schanze. Ein Prellſchuß, den er bei dieſer Gelegenheit bekam, hinderte ihn nicht, am 5. Auguſt noch an der Schlacht von Szöreg rühmlich Antheil zu nehmen, aber durch einen Granatenſplitter, der ihn am Fuße verwundete, während er an der Spitze ſeiner Brigade gegen die Ungarn vordrang, wurde er gezwungen, von ſeinen Waffenge⸗ fährten ſich zu trennen. Wehmüthig nahmen ſeine Soldaten Abſchied von ihm, ſie liebten den heldenmüthigen, menſchlich⸗
edlen Führer.
Die Friedensjahre brachten ihm die Ernennung zum Feld⸗ marſchalllieutenant und an die Spitze des 4. Armeecorps in Lemberg, bis der neue Krieg ihn aufs wohlbekannte Feld der Ehre rief. Alle wiſſen, welche Aufgaben ihm dort in dieſen Tagen zu Theil wurden, wenn er auch fürs Ganze nicht entſchei⸗ dende Erfolge errang.(Wanderer).
Miscellen.
Das Händeffeſt in London.
Bei den Muſikaufführungen der großen Händelfeier in Lon⸗ don am 20. 22. und 24. Juni ſind im Ganzen nicht weniger als 3158 muſikaliſche Kräfte thätig geweſen, nämlich 2765 Sänger
[V. Jahrg.
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