488 Noveſten⸗Zeitung.[V. Jahrg.
ſuche— vorzubereiten und mich mit Standhaftigkeit zu wappnen.— Gott, der ſich meiner ſo gnädig angenommen hat, wird mir dazu Muth und Kraft verleihen, wie ich den ernſten Willen habe!“
Dann trat ſie zu der Lampe, und obgleich ſie den Brief beinahe auswendig wußte, las ſie nochmals:
„Meine geliebte Tochter! Nach Jahren zum erſten Male wieder hörſt Du von Deinem unglücklichen Vater— nein, nicht mehr unglücklich kann ich mich nennen, denn ich bin reich zurückgekehrt, ſehr reich. Aber noch darf ich mich nicht öffentlich zeigen, wenigſtens nicht unter meinem wirk⸗ lichen Namen, denn zuvor muß ich meine Angelegenheiten ordnen, die Schande verwiſchen, die noch auf mir haftet. Das wird hoffentlich bald geſchehen ſein, denn was ließe ſich nicht mit Geld durchſetzen, und ich bin entſchloſſen, es daran nicht fehlen zu laſſen, damit Du ſchon in nächſter Zeit nicht mehr nöthig haſt, Dich Deines Vaters zu ſchämen.
„Aber unmöglich kann ich ſo lange in Deiner Nähe weilen, ohne Dich zu ſehen, nachdem es mir mit vieler Mühe gelungen iſt, über Dich, Dein Leben und Deine Lage Näheres zu erfahren. Allein noch iſt es mir nicht ver⸗ gönnt, Dich offen zu beſuchen, deshalb bereite ich Dich durch dieſe Zeilen darauf vor, daß ich dieſen Abend zu Dir kommen werde, wenn ich dies unbemerkt thun kann, und ich bitte Dich, mich zu erwarten, auch Deine Anſtalten ſo zu treffen, daß mich Niemand bei Dir eintreten oder von Dir fortgehen ſieht.— Ich habe meine beſondern Gründe zu dieſem Verlangen und erforſchte bereits den Weg zu Deinem Cabinet durch den Gartenſalon.
„Ehe es mir aber vergönnt iſt, Dich in meine Vater⸗ arme zu ſchließen, laß mich Dir meinen herzlichen Dank für die muſterhafte Aufführung ſagen, die man Dir überall nachgerühmt hat, wo ich Gelegenheit fand, mit der nöthigen Vorſicht Erkundigungen über Dich einzuziehen. Es herrſcht nur eine Meinung darüber, daß Deine Tugend, Deine eheliche Treue maAllos, ſelbſt über den leiſeſten Ver⸗
dacht erhaben iſt, und das iſt doppelt viel werth bei einer jungen, ſchönen Frau, die einen alten, kränklichen Mann hat, und die gewiß bei den leichten Sitten der Kreiſe, in denen Du lebſt, ſo manche Verſuchung zu beſtehen hat, der hundert Andere an Deiner Stelle erlegen wären!“
Als die junge Frau dieſe Worte las, preßte ſie die
Hand auf ihr Herz, ſeufzte tief und ſchwer, und richtete
aufwärts einen Blick, deſſen volle Bedeutung nur ſchwer zu erklären geweſen wäre. Dann fuhr ſie fort, zu leſen:
„Ich war ſtolz auf Dich, mein geliebtes Kind, als ich aus jedem Munde ſo Dein unbedingtes Lob vernahm, aber zugleich fühlte ich mich dadurch auch in meinen eigenen Augen gehoben, denn ich erblickte in Deinem tugendhaften Wandel die glücklichen Folgen der Grundſätze, die ich Dir in Deiner erſten Jugend durch die ſorgfältigſte Wahl bei Deiner Erziehung einflößte, nachdem durch deu frühen Tod Deiner vortrefflichen Mutter mir dieſe Sorge zugefallen war, ſo wenig auch ein Mann in der Regel dazu geeignet iſt, die Erziehung eines Mädchens zu überwachen.
„Bewahre Dir immer dies Bewußtſein reiner Tugend, und Du kannſt Dich nie ſo unglücklich fühlen, wie Dein beklagenswerther Vater ſich jahrelang fühlen mußte.“
„O, mein Gott, mein Gott,“ ſeufzte die junge Frau und ſchlug erröthend die Hände vor das Geſicht,„wie nahe war ich daran, dies beglückende Bewußtſein für immer zu verlieren!— Jetzt aber bin ich gerettet, denn ich fühle mich wieder ſtark; und dieſe Rettung, dieſe Stärke ver⸗ danke ich Dir, mein geliebter Vater, den ich nach ſo langen Jahren ſchmerzlicher Trennung vielleicht ſchon in der nächſten Minute an mein Herz ſchließen ſoll!“
Ihr Auge funkelte bei dieſen Worten vor Freude, und ein Strahl des Glückes überfleg ihr liebliches Geſicht; plötzlich aber verfinſterten ſich ihre Züge und mit dem Aus⸗ drucke des Schreckens rief ſie:
Aber mein Himmel, wie konnte ich denn über dieſer
Freude ſo ganz vergeſſen, daß auch Arthur heute
Auge hat, ausgenommen, wenig für die Ausſchmückung der Stadt gethan. Die ganze Umgegend iſt ſo flach und einförmig wie eine Tiſchplatte, und wahrſcheinlich würde, außer Geſchäftsmännern, Niemand dieſen Erdfleck zu ſeinem Wohnort gemacht haben. Den⸗ noch aber hat Chicago als eine bloße Gewerbſtadt viel mehr freundliche Elemente in ſich, als manche alte Handelsſtadt in Europa. Man hat mit Gartenanlagen und Baumpflanzungen reichlich nachgeholfen, und wenn man die Stadt von einer Anhöhe überblickt, ſcheint ſie faſt in einem Gehölz mitten in der Prairie zu liegen. Schon hat man begonnen, einige Straßenenden zu erhöhen und mit Steinen zu pflaſtern, und bei der Schnelligkeit, mit welcher hier Alles fortſchreitet, wird man bald das Wachs⸗ thum dieſer Straßen⸗Pflaſterung nach Meilen zählen. Viele be⸗ haupten auch, daß die Architektur der Stadt, namentlich die öffent⸗ lichen und großen Gebäude nicht in dem echten claſſiſchen Style ſeien. Dies iſt allerdings ſo. Allein jedenfalls finden ſich einige tauſend Gebäude vor, bei denen, wenn man dieſelben in eine alt⸗ modige Stadt Frankreichs oder Belgiens verſetzen wollte, die Leute ſtehen bleiben und ausrufen würden:„O wie nett und proper! wie zierlich und wohnlich!“ Indeß ſelbſt große und maſſive Gebäude ſind auch ſchon in ſo bedeutender Zahl vor⸗ handen, daß man vollkommen ungläubig wird, wenn man hört, daß ſie ſich alle zuſammen erſt von 1851, 52, ˙53 oder 54 datiren, oder„geſtern Morgen“ fertig wurden.
Die Stadt wird durchſchnitten von den beiden großen Zweigen des Chicagofluſſes, welche ungefähr in einer Entfernung von% Meilen vom Seeufer ſich vereinigen. Auf dieſe Weiſe wird Chi⸗ cago in drei Theile getheilt. Der Hauptſtrom direct nach Oſten fließend, hat eine Breite von 50 bis 75 Yards, und iſt 15 bis 20
Fuß tief. Er bildet einen der ſchönſten natürlichen Häfen für die Stadt und iſt ſo tief, daß große Seeſchiffe 5 Meilen weit den
Fluß hinauf mitten in die Stadt zu fahren vermögen.
Die Verbindung von einem Ufer zum andern findet durch eine Art von drehbaren, flachen Brücken ſtatt. Obwohl der Me⸗ chanismus derſelben ſehr einfach iſt, und ſie beim Durchpaſſiren der Schiffe wunderbar ſchnell gehandhabt werden, ſo gibt es doch da⸗ bei in den geſchäftigen Theilen der Stadt, die von eilenden Men⸗ ſchen, Wagen und Stages faſt eben ſo wimmeln, wie die belebteſten Straßen von London und New⸗York, immer verdrießliche Auf⸗ tritte. Die äußerſt flache Geſtaltung des Terrains, das ſich überall nur wenige Fuß über das Waſſer erhebt, macht den Bau von hohen Bogenbrücken unthunlich. Man hat daher, um obigem Uebelſtande abzuhelfen, den Plan gefaßt, eine Menge Tunnels unter dem Waſſer hinzuführen. Auf ſolche Weiſe wird Chicago ſogar eine der merkwürdigſten Städte Amerikas werden, gleich ausgezeichnet durch Handel und Gewerbe, als durch künſtliche Bauwerke.
Aus der Gegenwart.
Friedliche Skizzen vom Rriegsſchauplatz. X Nach der Schlacht von Magenta ſah ein Zuave unthr den öſterreichiſchen Gefangenen einen noch ſehr jungen deutſchen Sol⸗ daten, der durch einen Bajonnetſtoß in den Schenkel zieſmlich ſchwer verwundet war, ſich nur mühſam fortſchleppte, leidhen⸗ lüaf ausſah und jeden Augenblick ohnmächtig werden zu wohlen ſchien.
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