Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
476
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V 476 Noveſlen⸗Zeitung.[V. Jahrg. V Grauſamen Kniee umklammert hielten, und geißelte ihn noch wiemeſſer, um die Krokodile zu verjagen, die ihre Rachen a nit ſtärker, und bald legten die blutgerötheten Lederknoten die aus dem Waſſer ſtreckten. Am andern Ufer ſchwang er ſich der S Knochen des Negers bloß. auf ein im Freien weidendes Pferd, warf ihm ſein Fang⸗ bunde Und die anderen Neger waren ſcheu zurückgewichen. ſeil um den Hals und krümmte ſich mit der Geſchmeidig⸗ ſorſch Der, den ſie als ihr Oberhaupt verehrten, deſſen Zurück⸗ keit eines Wurmes auf dem Rücken feſt. Dann ſtachelte G bleiben ſie verheimlichen wollten, lag da, ſcheinbar ohne fer den Renner mit der Spitze des Meſſers und verſchwand unter eine Spur des Lebens. Der weiße Mann aber betrachtete einem Centaur ähnlich über den Lichtungen des Waldes.

ihn mit wilden Blicken, während man nichts als zuweilen ein ſchweres, dumpfes Röcheln aus der Bruſt des Ge⸗ fangenen vernahm. Alle waren ſtill. Man ſah wie die Neger kämpften zwiſchen Schmerz, Furcht und Haß. Da erhob er ſich plötzlich vom Boden, und der Schatten ſeines rieſenhaften Körpers verdunkelte die hagere, ausgemergelte Figur des Aufſehers.

Herr! ſprach er, die beiden Hände ſeines Peinigers mit einer Fauſt erfaſſend,ich liebte Dich, ich rettete Dir das Leben, als die Rothhäute Dein Haus und Hof ver⸗ wüſteten; ich arbeitete Tag und Nacht, um das Waſſer ab⸗ zuleiten, welches Deine Ernte bedrohte. Zwanzig Jahre habe ich Deinen Acker beſtellt; denn Du haſt mich gleich dem Stier an den Pflug geſpannt, und ich habe die Furchen gezogen, ich, der ich einſt frei war wie Du und das Haupt meines Stammes. Ich ſattelte Dir Dein Pferd, hielt Dir die Steigbügel; ich ſchlief vor Deiner Thür! Genug; Du zitterſt, Du kannſt nicht ſchreien? Fürchte nichts! Ich, einſt der Herr meines Stammes, ich verachte Dich, aber ich räche mich nicht an Dir. Aber wiederſehen von heut' an ſollſt Du mich nicht; Du ſollſt mich nicht mehr gleich Deinem Schatten hinter Dir er⸗ blicken zu Deinem Schutze. Deinen Zorn verlache ich. nit Der Aufſeher vermochte nicht zu antworten. Der Neger aber band den Gürtel des Yuko los, in welchem ſein Meſſer ſteckte, und band damit die Hände ſeines Feindes, dann warf er ihn bei Seite und verſchwand im Dickicht.

Der Neger ſtürzte ſich in den Fluß. Mit einem Arme ſchwimmend, ſchwang er mit dem andern ſein großes Bo⸗

Das Pferd flog pfeilſchnell und fegte mit ſeinen langen Mähnen den Boden. So flog der Neger dahin, den Tod ver⸗ geſſend, der ihm auf den Ferſen folgte; denn der erſte Halt war ſein Grab; er rannte fort und ſeine volle Stimme ertönte durch die Nacht, bis ſie ſich endlich in der Ferne verlor.

Der flüchtige Sclave ſang ſein Lied von der Freiheit, und der Wind pfiff durch ſein wolliges Haar. Bei Tages⸗ anbruch ſtürzte das Roß zu Boden. In der Nähe befand ſich eine verlaſſene Hütte, die der des weiten Reviers kundige Neger ſchon kannte. Lange irrte er in ihrer Nähe umher, ungewiß ob er ſich darin verbergen ſollte. Endlich ſuchte er Schutz in einer Zuckerpflanzung.

Der Auſſeher hatte ſich inzwiſchen ermannt und die Hunde geholt, und dieſe kamen dem Unglücklichen auf die Fährte. Seine Mitſelaven ſchritten ernſt und trüb ge⸗ ſtimmt mit den Hunden der Folge, bis ſie am Morgen den Rand des Feldes erreichten, in dem er ſich verborgen. Hier befahl der Aufſeher bei Todesſtrafe, das Zuckerrohr abzuſchneiden bis zum letzten Schößling. Die Hunde wur⸗ den gehetzt und der Herr ging langſam, das Beil in der Hand, voran. Plötzlich ſah man hinter einem dichten Röhricht etwas zum Vorſchein kommen. Es war der Neger, der, als er ſeinen Herrn erblickte, die noch bluten⸗ den Hände unter einem furchtbaren Kehllaut über dem Kopfe erhob. Statt eine Antwort, drückte der Aufſeher ſeinen mit ſchweren Kugeln geladenen Musketonner ab, und der eine Arm des Negers ſank zerſchmettert nieder. Doch nur einen Augenblick ſtand dieſer regungslos; dann trennte

neuen Geſtalten. Auf der Terraſſe ſind oft nur ein Dutzend Gäſte

zu zählen. Ernſt ſieht man der kommenden Zeit entgegen, deren Ungewißheit es unmöglich macht, ſein Kreuz zu ertragen.

Die Kunſtausſtellung hat ihre Räume auf der Brühlſchen Terraſſe geöffnet, und bietet manches Sehenswerthe. Auch eine Dame iſt aufgetreten, Thereſe Wolfbagen, die Schweſter der Schriftſtellerin Marie Norden, der Verfaſſerin des geſchichtlichen RomanesWilhelm III. und ſeine Zeit. Thereſe Wolfhagen arbeitet mit unermüdlichem Fleiße und großem Ernſt, die Liebe zur Kunſt füllt ihr Leben aus, ſie iſt glücklich in ihrer Arbeit, ſie hat alſo den Stein der Weiſen gefunden, den die Frauen im All⸗ gemeinen auf einem ganz falſchen Wege zu heben ſuchen. Eine würdige Vorgängerin auf dieſem Pfade, der zu innerer Ruhe, Zufriedenheit und damit zu wirklichem Glücke führt, iſt Thereſe aus dem Winkel. In einem andern Jahrhundert geboren, reprä⸗ ſentirt ſie allein uns jetzt noch die vergangene Zeit mit ihrem Idealismus, ihrer Romantik, ihrer Freude an allem Schönen, ihrem Cultus der Künſte und der Bewunderung für jedes Talent. Der Anfang dieſes Jahrhunderts ſah ſie in Paris als bewunderte Harfenſpielerin. In die Heimath zurückgekehrt, wurde ſie ein Mitglied des Dichterkreiſes, für den ein Tiedge dichtete, ein Tieck den Shakeſpeare las. Faſt alle ausgezeichneten Perſönlich⸗ keiten Europas ſind an ihr vorübergegangen, ſeit mehr als einem halben Jahrhundert hat ſie ebenbürtig mit ihnen verkehrt. Ihre Copien der Meiſterwerke unſerer Gallerie ſind nach allen Gegen⸗ den der Welt gewandert, in Schweden, in den Oſtſeeprovinzen findet man ganze Sammlungen davon, ihr Fleiß hat ſie lange unſterblich gemacht. Und wie viel Gutes hat dieſer Fleiß auch ſonſt noch geſtiftet, wie viele unbemittelte Eltern danken ihr die

Erziehung ihrer Kinder, wie vielen armen Mädchen hat ſie un⸗ entgeltlich Unterricht ertheilt und ihnen damit das beſte Capital auf dem Wege des Lebens mitgegeben das Vertrauen auf ſich ſelbſt! Und auch heute noch iſt ſie in gleicher Weiſe thätig; heute noch iſt ihr Fleiß, ihr Streben daſſelbe, lehrend, wirkend, ſchaf⸗ fend, kennt ſie kein Ruhen und der Abend ihres Lebens iſt ein ewiger Morgen. Geachtet, geliebt, verehrt, wie wenige Frauen, lebt Thereſe aus dem Winkel ein ſo heiteres Leben, ein ſo unge⸗ trübtes, daß ihr Beiſpiel, und ſpäter ihre Geſchichte, allen denen ein Vorbild ſein kann, welche nur da Befriedigung ſuchen, wo es keine gibt, welche den Sturm und Drang der Leidenſchaften als einziges Mittel betrachten, der im weiblichen Herzen wohnenden Liebe ihren Ausdruck zu leihen; welche eine Stellung in der Ge⸗ ſellſchaft, die Achtung ihrer Mitbürger nur durch das Anlehnen an einen Mann gewinnen zu können glauben. Ihr Irrthum läßt ſie oft die ſchönſten Jahre verlieren, in denen ſie durch ein ernſtes Streben, ein ernſtes Wollen alles das gewinnen könnten, was die Grundlage ihres Wünſchens und Begehrens iſt, ohne daß ſie ſich ſelbſt darüber klar ſind: die Achtung ihrer Mitmenſchen, eine gewiſſe Selbſtſtändigkeit.

Wie ſicher ihnen ein ſolches Ziel wäre, beweiſt uns eine junge Dame, deren Lebensgang des Publicum mit wachſendem Inter⸗ eſſe begleitet hat. Fräulein Bertha Glöckner hat ſeit ihrem ſechzehnten Jahre, ein Alter, wo junge Mädchen meiſtens höchſt leichtſinnig die Zeit mit Putz und Bällen verſcherzen, die Miſſion der Frauen als Lehrerinnen und Bildnerinnen der Jugend in ihrem ganzen Ernſt empfunden und ſich vorbereitet, eines Tages dieſem Beruf auf eine würdige Weiſe nachkommen zu können. Durch die Verhältniſſe ihres Elternhauſes begünſtigt, konnte ſie

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