Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
474
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474 Novellen⸗Zeilung.

Beide, wer und was ſie einander waren, und daß nicht die eigne Schuld ſie getrennt!

Albin genas bald und ſein erſter Ausgang war zu Aurelien, um ihren Eltern, die keine Ahnung von der Liebe der Tochter, noch von dem Schritt hatten, den ſie, von ihr getrieben, gethan, dieſe Liebe zu geſtehen und ſie um die Hand der Tochter zu bitten. verheißen, wenn er nach vollendeten Studien ſie noch be⸗ gehren werde. So hatte er einweilen doch das Recht, ſie täglich zu ſehen und des reinſten Liebesglückes ſich zu er⸗ freuen. Sein Freund Armin konnte das von ſich weniger ſagen, denn ſein Röschen ſchäkerte mit ſeinen Kameraden nicht zurückhaltender, als mit ihm, und ward endlich gar die Braut eines Stockphiliſters, um eine ehrſame Bürgers⸗ frau zu werden. 7

Die geheimnißvollen Damen blieben in ihrer Woh⸗ nung, man ward es endlich doch müde ſich um ſie zu küm⸗ mern, neue Intereſſen verdrängten die alten. Niemand außer Aurelien wußte, daß Albin wenigſtens wöchentlich einmal in dem verſchloſſenen Hauſe bei der Burg Einlaß fand und ſeiner Mutter von ſeinem Leben erzählte.

So währte es ſeine ganze Studienzeit hindurch. Als dieſe beendet war, war bald darauf das myſteriöſe Haus noch ſchneller abgebrochen, als es erbaut war, und die Be⸗ wohnerinnen waren ſpurlos verſchwunden. Sie hatten es mit dem ſtillen Schloſſe der Fräulein von Burg vertauſcht, wo ſie als deren Verwandte galten. Auch hier lebte Eli⸗ ſabeth für alle unſichtbar, als eine Nervenkranke geltend, außer für die bewährte Jugendfreundin, den Sohn und ſeine Gattin Aurelie, die zuweilen auf Tage oder Wochen mit ihrem Beſuch die Stille des einſamen Schloſſes halb theilten, halb verſcheuchten. Louiſe Otto.

Sie ward ihm für den Fall

Atlantiſche Bilder.

Von

E. Heuſinger.

b Der Ueger.

Freiheit, Freiheit oder Tod!

Der Mond vergoldete die ſandigen Ufer des Maſipita; noch war die Luft glühend heiß; die Mücken verließen die Sümpfe und ſchwirrten mit gellendem Summen um die Bambusſtauden. Die ſtrahlende Scheibe des größten Ge⸗ ſtirns der Nacht glänzte als eine Feuerkugel durch die auf⸗ ſteigenden Nebel; die Heerden verließen den Wald, um den ſtechenden Inſecten zu entgehen, und brüllten und blöckten am Ufer der Seen. Die Rehe, ſchmerzlich verwundet durch die Stiche der Muskitos, ſtießen ein klagendes Seufzen aus, das weit hin durch die Wälder tönte; die Schlange kroch über die feuchten Fußſteige, während das Röcheln des am Strande ſchlafenden Krokodils ſich mit den Seufzer⸗ tönen vermiſchte, welches der ſchwarze Strom in ſeinem langſamen Dahinwallen von ſich gab.

Unter dem hohen Geſträuch wandelte lachend ein Trupp von Negern mit eiſenbeſchlagenen Stöcken bewaffnet. Hin⸗ ter den Schwarzen keuchte eine Meute Hunde mit herab⸗ hängenden Ohren und geſenktem Schwanze. Der eine Neger trug die friſch abgezogene Haut eines kleinen Pan⸗ thers auf ſeinem Rücken, ein Anderer ein erlegtes Beutel⸗ thier, Manche hielten die mit Schildkröteneiern gefüllten rothen wollenen Mützen ſorgfältig vor ſich hin, während die kleinen Negerbuben mit ihren Stöcken, gelenk wie junge Hirſche, die den Weg verſperrenden Baumſtümpfe über⸗ ſprangen.

Kaum auf dem Platze angekommen, der zu den Hütten führte, ertönte die rauhe Stimme des Aufſehers durch ihren Geſang, und es folgte tiefes Schweigen. Er drohete

welchen die Oeſterreicher ſich nach und nach zurückgezogen hatten,

um, die äußere Schanzenumfaſſung preisgebend, ſich in den Kernwerken der Befeſtigung zu concentriren. Nachdem dies ge⸗ ſchehen, machte Erzherzog Carl mit ſeinem Centrum von St. Gregorio aus eine Vorrückung gegen Caldiero, welche mit einer

ſolchen Klarheit und Einhelligkeit ausgeführt wurde, daß Maſſena

trotz der vorzüglichen Haltung ſeiner Truppen aus der errungenen Stellung gedrängt wurde und das Schlachtfeld den Oeſterreichern überlaſſen mußte, wo ſich Letztere auch behaupteten. Leider mach⸗

ten es höhere Rückſichten nothwendig, Angeſichts der Vorgänge

in Deutſchland den hier erkämpften Vortheil aufzugeben.

DieStellung von Caldiero macht auf den Militär einen eigenthümlichen Eindruck. Die Höhe von Colognuola iſt von rundgeformten Thälern leicht eingeſchnitten und erhebt ſich amphi⸗ theatraliſch aus dem Etſchthale, welches von dem mit Mauern,

Weingärten und Bäumen bedeckten Fuße der Hänge begrenzt

iſt. Das Plateau der genannten Höhe trägt mehrere aufgeſetzte Kuppen, deren Gipfel mit den Häuſern von Colognuola Alta gekrönt ſind. Auf allen vortheilhaften Punkten waren Redouten und Batterien erbaut, welche ſich gegenſeitig flankirten und deren Feuer die Schluchten bis in die Thalſohle beſtrichen. So war die von Weſt nach Oſt gedehnte Stellung mit Benützung eines jeden Winkels und Vorſprunges mit Erdwerken, Palliſaden, ſpa⸗ niſchen Reitern und Verhauen geſchützt.

CErzberzog Carl vertheidigte ſeine geſchloſſenen Schanzen ſtets durch Offenſivbewegungen und kräflige Gegenangriffe mit allen Waffen. So oft die Franzoſen ſich den Verſchanzungen hinreichend genähert, drangen die öſterreichiſchen Colonnen aus den Zwiſchenräumen hervor und warfen ſie zurück. Zwar gelang

es den Franzoſen mit der blanken Waffe hie und da durchzu⸗ dringen, in Folge deſſen theils an den Bruſtwehren oder in den Kehlen der Redouten manch erbitterter Kampf herbeigeführt wurde; ein franzöſiſches Regiment hatte ſogar ſchon ſeine Adler auf der Bruſtwehr eines Werkes aufgepflanzt, allein keine einzige der Verſchanzungen gelangte ganz in den Beſitz des Feindes, denn immer ſtürmten öſterreichiſche Reſervecolonnen hervor und warfen den Gegner zurück.

So dauerte die Schlacht bei Caldiera durch zwei volle Tage und endete damit, daß Erzherzog Carl ſeine Stellung unverändert behauptete. Während Maſſena ihm gegenüber lagerte, blieb eine Nachhut in der Stellung kampfbereit ſtehen und ſicherte ihrer Armee einen geregelten Rückzug, welcher am 1. November von dem Gros angetreten worden. Erſt am 2. November folgte Maſſena auf die Nachricht des Rückzuges nach.

Bei Vicenza machte die oͤſterreichiſche Armee Halt, verſchanzte ſich neuerdings und bemmte den Feind wiederholt durch eine energiſche Vertheidigung in ſeinen Fortſchritten. Während hier die Nachhut abermals kämpfte, gewann das Gros abermals Zeit zur Erholung und zur Fortſetzung ſeines Marſches.

Der ganze Rückzug des Erzherzogs Carl, von der Etſch bis zum Iſonzo, ſtets den Feind an der Ferſe, war Angeſichts der tapferen Armee Frankreichs und der Tüchtigkeit des Generals Maſſena ſo meiſterhaft ausgeführt, daß er ſtets ein belehrendes Muſter in der Kriegsgeſchichte ſein wird.

[V. Jahrg.

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