Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
471
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V. Jahrg. 1.

Nr. 30.] Dritte

wie ihre Tochter geliebt worden war, zur Begleiterin mit⸗ gegeben und ſie mit dieſer und einem bewährten Diener nach Italien reiſen laſſen, ihr ſo vergönnend, ihren Sohn zu ſehen und ihm unerkannt zu folgen. Aus demſelben Grunde habe ſie jetzt ihr Aſyt bei der Burg geſucht, um dem hier ſtudirenden Sohne nah zu ſein, und obwohl es in ihrem eignen Intereſſe gelegen, ſich ihm nicht zu erkennen zu geben, und in dem ihrer Wächter, es zu verhüten, ſo ſei doch zu befürchten, daß es geſchehen, da der Sohn ſich für die Ehre ſeiner Mutter geſchlagen habe. Man müſſe hier⸗ über ſuchen ſich Gewißheit zu verſchaffen. Dem Bürger⸗ meiſter war wie bisher das ſtrengſte Schweigen befohlen.

Welche Bewegung brachte dieſe Mittheilung unter den Hörern hervor! wie paßte hierzu auch der geheimnißvolle Brief, den Albin erhalten hatte! Er war von ſeiner un⸗ glücklichen Mutter. Nicht kalt und herzlos hatte ſie ſich von ihm, ihrem Kinde, getrennt, man hatte es ihr, da ſie geiſteskank geweſen, genommen; wer weiß, war ſie es nicht dadurch geworden, durch ſeinen Verluſt dem dunklen Ge⸗ biete des Wahnſinns anheim gefallen? Seine Ahnung be⸗ trog ihn nicht. Aber was ſollte er nun thun, was konnte geſchehen? Ihn feſſelte das Fieber, ſie das Gebot ihrer Wächter, vielleicht ihr eigner Wille.

Wie immer, wußte das gute Fräulein von Burg auch den erſten und ſchnellſten Rath. Wie gut entſann ſie ſich der Prinzeſſin Eliſabeth! Bei ihrer Mutter war Frau von Burg Oberhofmeiſterin geweſen, und damals war auch Concordia als junges Mädchen oft mit an den Hof und in die engeren Cirkel deſſelben gekommen. Prinzeſſin Eliſa⸗ beth, mit ihr faſt im gleichen Alter, hatte ihr immer liebende Anhänglichkeit gezeigt, und wer weiß, war ſie nicht dadurch von manchem Vorurtheil frei geworden, das ſonſt auch die beſten Prinzeſſinnen beherrſcht. Aber freilich zu ihrem Nachtheil! Sie liebte einen Kammerjunker von Eberſtein, und weil der Hof in ſeinen Kreiſen weder auf ſtrenge Etiquette noch auf Stand und Stammbaum derer

folge. 471 hielt, denen er Zutritt zu ſich geſtattete, ſo dachte die Prinzeſſin, von leidenſchaftlicher Liebe verblendet, ſie könne auch Herz und Hand ohne dieſe Rückſichten eigenmächtig verſchenken. Aber als der Erbprinz eines andern befreun⸗ deten Hofes um ſie warb, ſagten ihre Eltern ihm ihre Hand zu und erwarteten von Eliſabeth, daß ſie ſich gehorſam zeige. Wie ſie auch widerſprechen mochte, die Verlobung ward gefeiert und in einem halben Jahre ſollte die Ver⸗ mählung folgen. Während ihres Brautſtandes ward die Prinzeſſin krank, nach ein paar Monaten, in denen ſie Niemand ſah, ward ihr Tod gemeldet, es hieß, daß ſie an einer entſtellenden Krankheit geſtorben und in aller Stille und ohne öffentliche Schauſtellung der Leiche beigeſetzt ſei. Dies Alles gab damals in allen Schichten der Bevölkerung viel zu reden und zu denken. Einige Wochen vorher hatte ſich Herr von Eberſtein erſchoſſen, er war immer ein Enthuſiaſt fürWerthers Leiden geweſen und man zählte ihn mit unter den Opfern, für welche man dies Buch ver⸗ antwortlich machte. Niemand glaubte die Lesart, welche der Hof in Umlauf ſetzen wollte, daß ihn ſeine Gläubiger zu dem Entſchluſſe der Verzweiflung getrieben, ſondern Alle dachten nur an ſein unglückliches Liebesverhältniß mit der Prinzeſſin. Die Nachricht von deren Tod befeſtigte das nur noch mehr. An ihn knüpften ſich nun die verſchieden⸗ ſten Gerüchte. Auch von ihr ſagten Einige, weil die Leiche nicht ausgeſtellt ward, ſie habe ſich ſelbſt entleibt, Andere, ſie ſei wahnſinnig geweſen, noch Andere, ſie ſei als Mutter geſtorben, und Viele behaupteten dies Alles zugleich und erklärten Eines aus dem Andern. Aber auch das Auf⸗ regendſte, Seltſamſte wird endlich vergeſſen, ſo bald die Zeit darüber hingerauſcht, ohne es durch Neues, darauf Bezüg⸗ liches im Vordergrund zu erhalten; neue Ereigniſſe ver⸗ drängen, was früher von Intereſſe war, und ſo ging es auch der Prinzeſſin Eliſabeth und ihrem myſteriöſen Tode. Fräulein von Burg hatte ihr ein treues Andenken bewahrt ſund, dem Zuge ihres edlen Herzens folgend, von Allem,

entgegenkommen. Ebenſo ſoll er den Einzelnen der Maſſe ent⸗ gegenkommen, Kämpfe und große Erſchütterungen der Maſſen vorführen. Er muß allen einzelnen Muſikformen vom Lied und Duett bis zum Sextett, vom Chor bis zum allſtimmigen Finale Gelegenheit geben, ſich geltend zu machen. Dabei darf er freilich das poetiſche Geſetz richtiger Motivirung nicht vernachläſſigen. Seine Kunſt wird gerade darin beſtehen, all' jene Formen, ſo wie der Dramatiker ſeine Scenen, aus dem natürlichen Gange der Handlung einfach zu entwickeln, ſo daß man nirgends die Abſicht merkt, wie der Dichter zwei oder vier oder ſechs Helden nur äußer⸗ lich zum muſikaliſchen Appell zuſammenbläſt. Dieſe folgerichtige Entwickelung aus dem Gefühle erſtreckt ſich auf die Scene, welche ein Recht hat, in der Oper mitzuſpielen und ihren ganzen Reichthum zu entfalten, doch innerhalb der Grenzen poetiſcher Wahrheit. Deshalb tadelt Wagner mit Recht den Sonnen⸗ aufgang in MeyerbeersPropheten, der nicht dramatiſch motivirt iſt, obwohl dies ſo leicht möglich war. Das Schlitt⸗ ſchuhlaufen in dieſer Oper fällt unter denſelben Geſichtspunkt. Die meiſten Operntexte leiden am Mangel einfach klarer und folgerichtiger Motivirung. Daher ſind ſie zum Theil unſinnig, zum Theil unverſtändlich. Was nun den dichteriſchen Text ſelbſt betrifft: ſo muß er zunächſt rein und wohllautend ſein, mit größ⸗ ter Einfachheit die Empfindung ausſprechen, da hier der Muſiker, nicht der Dichter die reichere Farbengebung übernimmt. Tiefe Gedanken, vrächtige oder breite Schilderungen, hinundhergehende Reflexionen ſind eben ſo ausgeſchloſſen, wie allzu üppige rhyth⸗ miſche Formen. Klarer, angemeſſener, harmoniſcher Ausdruck und Reinheit des Reimes und Rhythmus ſind dagegen durchweg erforderlich. Nur indem die Poeſie auf die Fülle und den Glanz

ihres Weſens verzichtet, kann ſie mit der Muſik ein Bündniß ein⸗ gehen. Dieſe Verzichtleiſtung erkennt auch das Kunſtwerk der Zukunft an; aber indem es ſie zur abſoluten macht und die ganze Dichtkunſt auf das Niveau eines guten Operntextes herabdrückt, erweiſt es ſich nur als ein reactionärer Rückgang zu den Anfängen der Kunſt und entſpricht jenem unhiſtoriſchen Standpunkt ikari⸗ ſcher Sittlichkeir, der aus der reichen Entwickelung der Geſchichte heraus in irgend ein geträumtes Eldorado flüchtet. Wagner iſt in derAeſthetik ebenſo abſtract, wie jene Naturrechtslehrer Hobbes und Hugo Grotius, welche eine vor⸗ oder nachge⸗ ſchichtliche Zeit zur Begründung ihrer Lehren wählten. Seine Kunſtlehre iſt ſo einſeitig, wie jene Rechtsphiloſophie, und ſein abſolutes Kunſtwerk wäre zugleich eine Vermiſchung der Gat⸗ tungen und ihr ununterbrochenes Opferfeſt.

Aus der Geſchichte.

Wie Frankreich ein Raiſerreich wurde.

In einer zu Paris 1815 unter dem Titel: La Théorie des Factieux, par Fonvielle, erſchienenen Schrift wird Folgendes erzählt:

Ein Glas Wein, welches auf Rußlands Grenzen zu viel getrunken ward, iſt die Urſache, daß wir einen 18. Brümaire, ein Conſulat, ein Kaiſerreich und Alles das bekommen haben, was darauf ſtatt einer ſchönen und guten Revolution gefolgt iſt, welche die Bourbons in der Perſon Ludwig XVIII. auf den Thron geſetzt haben würde. Ohne jenes unglückliche Glas Wein würde