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1 Aufmerkſam⸗ ſpruch genom⸗ ingen, als die ſich hören.
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ſagte Fräulein ſanften, reinen ungen die Hand ard von meiner es eine Ueber⸗ ſchwer auf das zu ſehen; er⸗ ze und ſehe, ob das gewiß ſehr —
glich zu venek⸗ Situnſt und die
..Jahrg.
aufregend für ihn iſt. Erlauben Sie mir, daß ich ihm Ihren Namen nenne, ich weiß ihn nicht,“ fügte ſie nach einer Pauſe hinzu.
„Aurelie,“ antwortete dieſe, die ſich nun zuſammen⸗ raffte,„aber wenn Sie ihm ſagen, daß ich da bin, ſo ver⸗
geſſen Sie nicht hinzuzufügen, daß ich nur auf ſeine oder
Ihre Veranlaſſung kam, daß es in der Gewißheit geſchah, Sie hier zu finden.“
Mit beklommenem Herzen eilte die treue Pflegerin an das Bett ihres kranken Lieblings, der eben jetzt nach ihr rief.
„Wer ſpricht drinnen?“ fragte er erregt,„iſt es nicht Aurelie? aber wie wäre das möglich?“
„Sie iſt es!“ antwortete die alte Dame erleichtert, da ſie aus Albin's Stimme hörte, daß ihn dieſe Ausſicht mit Entzücken erfüllte.„Sie iſt es, die ſich hinter dem Na⸗ men der Madame Müller verſteckt hat, um von Dir zu hören, ohne ihr zartes Intereſſe für Dich zu verrathen, und nur auf meine eigne Veranlaſſung und unter meinem Schutz iſt ſie hier.“ Sie ſprach die letzten Sätze abſicht⸗ lich laut, damit Aurelie im Nebenzimmer ſie hören und davon ſelbſt beruhigt werden konnte.
„O, welch' ein Glück!“ rief Albin, und er drang dar⸗ auf das Bett zu verlaſſen und ſich nur im türkiſchen Schlafrock ſeinem Mädchen zu zeigen. Die gute Cordchen dachte, daß ſie bei der Sommerwärme und ſeinem eignen Kraftgefühl ihm das wohl geſtatten könne. Nicht lange währte es, ſo führte ſie ihn in das Zimmer, in welchem Aurelie bebend und erröthend mit niedergeſchlagenen Augen ſtand und kein Wort zu ſagen wußte.
„Aurelie!“ rief er freudig bewegt,„Ihre Theilnahme macht mich geſund! o, daß ich ſagen dürfte: Ihre Liebe! Sie kommen, um mir zu vergeben. Sie wiſſen es, Sie fühlten es, mit welcher Sehnſucht ich Ihrer gedacht, Ihr Genius führt ſie her, Sie, mein Genius.“
Dritte folge.
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Siezvermochte nicht anders zu antworten, als mit einem Druck ihrer kleinen Hand; er zog dieſe an ſeine Lip⸗ pen und redete weiter:
„Sie zürnten mir, Sie hatten mich von ſich geſcheucht — und jetzt nahen Sie ſich mir, wo vielleicht Alle mich verdammen, und die gewiß zumeiſt, die Ihnen die Nächſten ſind; o, daß ich vor Ihnen gerechtfertigt wäre!“
„Sie ſind es ja,“ unterbrach ihn Aurelie,„ſind es, ſeit ich weiß, für welche erhabene Frau Sie Ihr Leben wagten, ſeit ich ahne, was Ihnen dieſelbe iſt.“
„Was ſagen Sie, Sie wiſſen—?“ rief Albin in äußerſter Spannung.
Aurelie antwortete mit einem bedenklichen Blick auf die alte Dame und einem fragenden auf Albin. Dieſer ergriff auch die Hand ſeiner Pflegerin und ſagte:
„Sprechen Sie ohne Rückhalt; nun Sie hier ſind, habe ich kein Geheimniß vor ihr, meiner mütterlichen Vertrauten; ich hatte nur eine, meine Liebe zu Ihnen, und das hat ſie ſelbſt errathen und meinen verwegenſten Wunſch erfüllt!“
„So laſſen Sie mich Ihnen Alles geſtehen!“ ſagte Aurelie zärtlich und verſchämt es duldend, daß ſein Arm ſich um ſie ſchlang;„ich war eiferſüchtig auf die geheim⸗ nißvollen Damen, weil Sie vom Augenblick ihrer Her⸗ kunft an mich um ihretwillen, wie ich bald erfuhr, ver⸗ nachläſſigten. Vergeben Sie mir, ich war es nur ſo lange, als ich nicht wußte, welche unglückliche hohe Damte hinter dieſem Geheimniß ſich verbirgt; ſeit ich es erfuhr, begriff ich, daß Sie, der zu dem Fürſten in ſo naher Beziehung ſteht, auch das Recht hatten, zu ihr in dieſelben zu treten, ja, die Pflicht, ſie zu vertheidigen.“
„Sie wiſſen—?“ riefen das Fräulein und Albin zu⸗ gleich in äußerſter Spannung, und Letzterer fuhr immer heftiger eregt fort:„O, keine halben Worte! reden Sie, ſagen Sie Alles, nennen Sie den Namen! woher wiſſen
lichung jenes janusköpfigen Ideals, jenes Kunſtwerkes der Zukunft zu befürchten ſteht, außer in irgend einem Utopien, das zu ſeinen nothwendigen Vorausſetzungen gehört.
Richard Wagner wird ſcheinbar von einem ſittlich refor⸗ matoriſchen Drange getrieben, er iſt ein äſthetiſcher Jean Jacques Rouſſeau. Unſer ganzer Culturzuſtand mit der Fülle ſeiner Be⸗ ziehungen iſt ihm läſtig und unbehaglich; er geißelt ihn, wo er kann, mit ätzender Schärfe. Er will den Menſchen aus allen ſeinen Hüllen herausſchälen— was bleibt da übrig, als der nackte, auf allen Vieren kriechende Urwäldler des Einſiedlers von Montmoreney ² Unſer Staat, unſere Geſellſchaft, unſere Religion und Sitte ſind ihm nur Feſſeln des Menſchenthums. Sein Ideal iſt der naive Gefühlsmenſch— das rechte Ideal eines Muſi⸗ kers. Und in der That verkappt ſich unter dem ſittlichen Refor⸗ mator nur der„abſolute Muſikus,“ dem der ganze Reichthum unſerer Cultur zuwider iſt, weil er ſie nicht in Muſit ſetzen kann. Denn er beſitzt äſthetiſche Einſicht genug, um über den Stand⸗ punkt der Componiſten hinaus zu ſein, welche glauben jeden Thorzettel in Muſik ſetzen zu können. Er will die Schranke ſeiner Kunſt zur Schranke aller Künſte machen. Darum ſetzt er die Malerei zur Decorationsmalerei herab, und ſeine Liberalität gegen die Poeſie, welche dieſelbe mit vollſtem Rechte zurückweiſen darf, iſt nur eine ſcheinbare. Er küßt ſie wie Judas, indem er ſie gefangen nehmen läßt. Doch wird man uns entgeg⸗ nen: er räumt ihr ja ein höheres Recht ein, als alle früheren Componiſten; er will ſie ja von ihrer Dienſtbarkeit gegen die Muſik im Operntexte befreien; er macht ja umgekehrt die Muſik nur zur Auslegerin der Poeſie. Man vergißt aber dabei, daß die andern Componiſten die Poeſie nur für ihre Zwecke dienſtbar
machten und ihr außerhalb der Oper ein Reich unbeſtrittener Herrſchaft ließen, daß aber Wagner außerhalb des Kunſtwerkes der Zukunft keine Poeſie mehr gelten läßt! Und dies Kunſtwerk der Zukunft iſt, trotz der ſcheinbar demüthigen Stel⸗ lung der Muſik, ſo weſentlich Oper, das Drama verzehrende Oper, daß die Poeſie nur die Rolle einer apanagirten Prinzeſſin ſpielt, nachdem man ihr all' ihre Königreiche geraubt. Man hat die Oper überhaupt einen conſtitutionellen Staat genannt, ob⸗ gleich in ihr nur ein Scheinconſtitutionalismus Geltung hat, indem die Muſik alle Herrſchaft und die Poeſie nur eine berathende Stimme hat. Dies Verhältniß iſt im Kunſtwerke der Zukunft keineswegs aufgehoben, und man braucht bloß an mit voller Orcheſterbegleitung geſungene Strophen zu denken, um die be⸗ ſcheidene Rolle anzuerkennen, die hier dem dichteriſchen Worte zufällt. Ob aber die Muſik ihrerſeits bei dieſer declamatoriſchen Richtung gewinnt, welche die Melodie nicht gelten läßt, ſondern nur einzelne melodiöſe Sätze, die Muſik an Sylben, Worte, Metren bindet, es nur zu muſikaliſcher Erwärmung bringt: das iſt eine Frage, deren Beantwortung den Muſikern von Fach zu⸗ fällt. Jedenfalls ſieht Wagner nur mit dem Auge des Muſi⸗ kers. Darum wüthet er gegen das Literaturdrama, d. h. gegen die dramatiſche Dichtung, welche die Charaktere auf den Boden reich gegliederter Lebensverhältniſſe ſtellt.„Der Menſch, der im Drama der Zukunft ſich darſtellen wird, hat mit dem proſaiſch intriguanten, ſtaatsmodegeſetzlichen Wirrwarr, den unſere moder⸗ nen Dichter in einem Schauſpiele auf das Umſtändlichſte zu wirren und zu entwirren haben, durchaus nichts mehr zu thun; ſein naturgeſetzliches Handeln und Reden iſt: Ja, ja! und Nein, nein! wogegen alles Weitere vom Uebel, d. h. modern, überflüſſig


