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[V. Jahrg.
das ſich in dem Zipfel eines Tuches befand, welches dem der Herzog durch einen ſeiner Adjutanten, den Grafen ausgeſetzten Albin beigegeben.„Und was geſchah weiter? von Matuſchka, daß eine Anzahl Pferde, wie auch mehrere was dachte Albin?“ fragte das Fräulein geſpannt und be⸗ von Dresden nach Wittenberg gebrachte bedeutende Geld⸗
ſorgt zugleich.(Schluß folgt.)
Ein Streifzug braunſchweigiſcher Jäger im Jahre 1809.
Das tapfere Corps, mit dem ein echter Welfe, Herzog Friedrich Wilhelm von Braunſchweig, ſich als erſter Vor⸗ kämpfer für Deutſchlands Wiedererſtehung den kriegsge⸗ wohnten Heeren des fränukiſchen Gewalthabers und denen ſeiner Verbündeten gegenüberſtellte, gab bei allen Gele⸗ genheiten Beweiſe von einem Muthe, einer Entſchloſſen⸗ heit und Kühnheit, die au keinem noch ſo gewagten Unter⸗ nehmen zweifeln ließen, und für junge nicht ausgebildete Soldaten bewunderungswürdig waren. Der unterneh⸗ mende Geiſt des für die Rettung des Vaterlandes ent⸗ flammten Fürſten ging bald auf die ihm ergebenen Truppen über, und ſpiegelte ſich zuvörderſt in den meiſten der ihm todesmuthig ergebenen Officiere wieder.
Wir haben in einer der letzten Nummern der Novellen⸗ Zeitung die Beſchreibung eines von einigen Huſarenoffi⸗ cieren des Corps mit eben ſo viel Beſonnenheit als Erfolg ausgeführten Wagſtücks gegeben. Erzählung eines von einem Jägerofficier des Schwarzen Corps bewerkſtelligten Coups folgen, dem wenige ähnliche an die Seite geſtellt werden können.
Das Corps war in Oſchatz eingerückt. Hier erfuhr
Wir laſſen heute die
transporte von dort durch die Lauſitz nach Frankfurt a. d. O., nur von einigen Beamten begleitet, abgeführt werden ſollten. Sogleich entſtand bei den Officieren, denen der Herzog dieſe Nachricht mittheilte, der ſehnliche Wunſch, dem Corps eine ſo reiche Beute zu verſchaffen. Da aber die Entfernung nach dem in jenem Bericht angegebenen Orte der Niederlauſitz, durch welchen die Wagen und Pferde kommen ſollten, von Oſchatz ziemlich bedeutend war, auch das Unternehmen die größte Eile verlangte, ſo veſchloß man daſſelbe in eigenthümlicher Weiſe auszufüh⸗ ren. Der Capitain von Sander, der Jägervolontair Häusler, nebſt den Oberjägern Sauer, Richter und Sten⸗ gel, vier Mann, nur mit ihren Waffen und ſo vielen Pa⸗ tronen verſehen, als ſie bei ſich führen konnten, ſetzten ſich in eine Chaiſe und fuhren mit Extrapoſt nach Torgau. Sie erreichten die Stadt Abends ſpät, wechſelten die Pferde und langten, über Herzberg eilend, am andern Morgen mit Tagesanbruch vor Schlieben an. Der Weg führte nicht durch das Städtchen, ſondern lief dicht neben dem Thore her. Als ſie bei demſelben ankamen und in die nächſte Straße blickten, ſahen ſie plötzlich feindliche Truppen. Dem Poſtillon rufen ſie ein donnerndes Halt! zu, ſtürzen aus dem Wagen und ſtürmen ohne Zaudern oder ohne irgend eine Abrede zu nehmen, die Straße hinauf, au deren Ende ſie auf einen Trupp unberittener Dragoner ſtoßen, welche eben im Begriff ſind, ihren Weitermarſch zu Wagen anzutreten. Mit gefälltem Bajonnet dringen ſie auf dieſelben ein, entreißen ihnen die Säbel und Carabiner und machen in wenigen Minuten zwei Officiere, einen Arzt, einen Fourier und ſiebzehn Dragoner zu Gefangenen. Zwar will der ſchnell herbeieilende Commandeur der Abtheilung Gegen⸗ wehr leiſten; da er aber ſieht, daß ſeine Soldaten be⸗
reiche Feinde, die er ſich durch ſein ungeſtümes Weſen unter Katholiken und Proteſtanten bereitet hatte, gehaßt und verfolgt, zu Padua ſtarb.— l.
Aus der Gegenwart.
Ein Beſuch in den Hoſpitälern der Verwundeten und Kranken in Mailand,
Ich hatte mich, ſchreibt ein Schweizer Arzt der Allg. Z., in den letzten Tagen auf kurze Zeit vom Kriegsſchauplatz entfernt, und eilte nach Mailand in der Abſicht, die Hoſpitäler der verwun⸗ deten und kranken Soldaten zu ſehen. Es iſt mir gelungen, den größten Theil derſelben in Augenſchein nehmen zu können, und
über die Einrichtung, Pflege und Behandlung nicht nur der alliir⸗
ten Truppen, ſondern ganz beſonders auch der armen Verwundeten
und Kranken des öſterreichiſchen Heers die genaueſten Nachrichten
einzuziehen, und ich glaube, daß ich in der Mittheilung des Nach⸗
ſtehenden denjenigen einigen Troſt und einige Beruhigung ver⸗
ſchaffe, welche Angehörige in den hieſigen Hoſpitälern haben.
Die Zahl der Hoſpitäler, welche allein nur zur Aufnahme der verwundeten und kranken Soldaten in Mailand beſtimmt ſind, beträgt 24; ſie ſind folgende: Hoſpital Maggiore, S. Am⸗ brogio, S. Francesco, Sta. Maria di Loreto, Monaſterio Mag⸗ giore, S. Bernardino alle Monache, Caſa Borromeo, S. Luca, S. Filippo, Orfanotrofio Marchile, Lugo Pio Trivulzio, S. Praſſede, Seminario Maggiore, Seminario alle Canonica, Fatebene⸗Fratelli, S. Angelo, Caſa di Salute, Caſa di Corre⸗ zione, Caſa Melzi, Caſa Beretta, Fatebene⸗Sorelle, Caſa Cat⸗
taneo, Incoronata und Senavra; außerdem haben noch mehrere Familien nicht allein Offioiere der Alliirten, ſondern auch Schwer⸗ verwundete des öſterreichiſchen Heeres in ihre Wohnungen aufge⸗ nommen. Die Anzahl der Verwundeten und Kranken betrug im Laufe der vorigen Woche im Ganzen noch 8071, worunter 4513 Franzoſen, 662 Italiener und 2896 öſterreichiſche Soldaten ſich befanden. In den Hoſpitälern S. Ambrogio, Ospedale Mag⸗ giore, S. Filippo und Praſſede befinden ſich hauptſächlich Fran⸗ zoſen, in Monaſterio Maggiore die meiſten Italiener, und in
S. Francesco und S. Angelo die größte Anzahl öſterreichiſcher Soldaten.
Die Verwundungen haben bei einer großen Menge Ampu⸗ tationen nöthig gemacht, und es ſcheint, daß ſie mit vieler Ge⸗ ſchicklichkeit ausgeführt werden, da nur wenige bei denſelben unterliegen.
Sammtliche Hoſpitäler haben ihre Directoren, welche wie⸗ derum unter der Oberaufſicht des franzöſiſchen Generals de Besville, interimiſtiſchen Commandanten in Mailand, ſtehen. Die Aerzte ſind größtentheils Franzoſen und Italiener, welche bei der Ausübung ibrer Function ſämmtlich graue lange Kattunröcke als Abzeichen tragen. Die Verwundeten, namentlich die Soldaten des öſterreichiſchen Heers, ſind mit den Aerzten und deren Be⸗ handlung ſehr zufrieden, was wohl den Grund darin hat, daß die öſterreichiſchen Aerzte hier im Allgemeinen noch ſehr jung ſind, und in der Behandlung der Soldaten im Kriege nicht die gehörige Erfahrung beſitzen können.
In jedem Hoſpital haben Damen von guter Familie die Aufſicht des Leinenzeuges und der Lebensmittel ꝛc., ſo wie die über die angeſtellten und bezahlten Krankenwärter übernommen,


