Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
457
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der zweiten Woche ſegnete, an welchem endlich Fräulein von Burg eintraf, die bei den damaligen unzulänglichen Beförderungsmitteln für Briefe wie Perſonen nur mit Mühe und Noth nach ſo viel Tagen eintreffen konnte, als jetzt Stunden dazu erforderlich wären.

Nachdem ſich die gute Dame ſelbſt, ohne von dem theuern Pflegeſohn erkannt zu werden, von ſeinem trau⸗ rigen Zuſtande überzeugt hatte, wie hätte es nicht ihre zweite Frage an ſeinen bewährten Kameraden ſein ſollen, wie und wodurch er in denſelben gekommen?

Armin ergriff die Hand des würdigen Fräuleins, das ihm ſogleich Hochachtung einflößte und ihrem ganzen Weſen nach das Lob rechtfertigte, das ihr dankbarer Pflegling ihr immer geſpendet, und ſagte:Gewiß ver⸗ traut Albin ſelbſt Ihnen noch mehr, als mir, und es wäre unrecht von mir, auch gegen Sie daſſelbe Schweigen wie gegen andere Perſonen zu beobachten. Laſſen Sie mich ſogleich zur Sache kommen. Vielleicht haben Sie auch ſchon von den beiden geheimnißvollen Damen ſprechen hören, um die ſich dieſe gute Stadt, ſeitdem ſie hier ſind, beun⸗ ruhigt?

Ich weiß, ich weiß! unterbrach ihn das Fräulein in ängſtlicher Spannung.

Armin fuhr fort:Albin ward gleich durch die erſte Nachricht von ihrem Erſcheinen in die größte Aufregung verſetzt, die ſich ſehr natürlich ſteigern mußte, als er in dem Höôtel, in dem ſie abgeſtiegen, nach ihnen forſchend, erfuhr, daß auch er ihr Intereſſe erregt. Er verſuchte zu ihnen zu dringen, aber ſie ließen ihn nicht vor, ſondern waren eben ſo plötzlich wieder abgereiſt, wie ſie gekommen. Indeß erſchöpfte man ſich in der Stadt mit Vermuthungen, wer die Damen ſeien, die eine fürſtliche Vollmacht beſaßen, incognito zu bleiben und Grund und Boden neben der Burg zum Bau eines Hauſes zu uſurpiren; man nannte die Jüngere als eine Geliebte des Fürſten, und in einer Zuſammenkunſt von uns Studenten erhielten ſie außer

dieſem noch minder anſtändig lautende Ehrentitel. Albin ergriff für ſie Partei, behauptete, Niemand habe ein Recht das zu ſagen, da es Niemand beweiſen könne, und da Einer hartnäckig für das Gegentheil ſtritt, wobei von bei⸗ den Seiten Anzüglichkeiten ſielen, ſo kam es zu einer Her⸗ ausforderung. Zu Albin's Secundant erwählt, ſuchte ich Beide zu verſöhnen; davon wollte Albin nur hören, wenn Jener wiederrufe, was aber ebenfalls verweigert ward. Ich ſtellte Albin noch, als ich mit ihm allein war, vor, wie thöricht es ſei, ſich um fremder Damen willen zu ſchlagen, die im beſten Falle doch nur Abenteurerinnen wären; da geſtand er mir, daß die Fremden ihn zuerſt darum intereſſirt, weil ſie auch, wie er ſelbſt, in nicht docu⸗ mentirter Verbindung mit dem Fürſten zu ſtehen ſchienen, und wie er ſchon nach der Beſchreibung, dann aber auch, als er die Eine am Fenſter geſehen, ſie als dieſelben Damen erkannt habe, die in Italien ihm ſo oft begegnet waren, daß es immer geweſen, als ob eine Abſicht dabei im Spiele; nun ſei ihm vor wenig Tagen ein anonymer Brief von zierlicher Frauenhand zugegangen mit den geheimniß⸗ vollen Worten:Forſche und frage nicht, ſondern glaube und vertraue! Es iſt gut, daß wir uns nahe ſind. Wie mir Dein Ruf heilig iſt, ſo ſei es Dir der meine, nähere Dich mir nicht, ſondern harre nur ſtill und lebe würdig, wie es dem Sohne einer Fürſtentochter geziemt, vielleicht iſt die Zeit nicht mehr fern, wo mir vergönnt iſt, Dich in meine Arme zu ſchließen, wenn Du wirklich der Einzige biſt, den ich ſuche.

Armin hatte dieſen Brief, den ihm Albin ſelbſt gezeigt, aufbewahrt, damit er nicht in fremde Hände käme, und übergab ihn jetzt Fräulein von Burg. Sie war ſichtlich bewegt, da ſie die Schrift und das Siegel ſah; jene war ihr in früherer Zeit wohl bekannt geweſen, doch ſie konnte irren und Handſchriften konnten ſich von den verſchiedenſten Perſonen gleichen, aber das Petſchaft, ein mit dem fürſt⸗ lichen Wappen verſchlungenes M war daſſelbe geweſen,

dieſer Rolle geeignet, der er einen um ſo ſtärkeren Ausdruck zu geben wußte, als ihm Lebensart, Beſcheidenheit und Achtung vor hohem Stande, weltlichem und geiſtlichem, völlig abgingen und er die abſcheulichſten Läſterungen mit kaltem Blute auszu⸗ ſtoßen fähig war. Zwiſchen dieſen beiden Männern entzündete die lächerlichſte Eitelkeit einen heftigen Streit.

Scaliger gab nämlich im Jahre 1594 ein Werk heraus, in welchem er, von raſendem Stolze getrieben, das Alterthum und den Glanz ſeines Geſchlechts in der ausſchweifendſten Weiſe zu erheben ſuchte. Daß ſein Vater aus dem veroneſiſchen Gebiete gebürtig war, von wo er ſich nach Frankreich begeben und in Agen niedergelaſſen hatte, und daß ſein Familienname an den der alten Fürſten von Verona, dell Escala, erinnerte, war ihm genug, um ſein Geſchlecht von jener Fürſtenfamilie abzuleiten; noch lächer⸗ licher aber war der Glanz, mit dem er die Perſon ſeines Vaters zu umgeben ſuchte. Derſelbe wurde als der größte Krieger ſeiner Zeit dargeſtellt, während er theils aus Untauglichkeit zu einem andern Berxufe, theils aus Noth Kriegsdienſte genommen und als gemeiner Soldat einige Feldzüge in Italien mitgemacht hatte; als der beſte Arzt in Europa, während er mit Mühe an der Univerſität zu Padua die akademiſchen Grade erlangt und, weniger um Andere zu heilen, als um nicht zu verhungern, ſeine Kunſt ausgeübt hatte; als ein Lateiner, beſſer als Erasmus, und ein Gelehrter, größer als Cardanus, während er in Wirklichkeit nur ein geſchworner Feind jener Beiden war. Gegen dieſes Werk trat nun Scioppius mit ſeiner ganzen Derbheit auf, fand vier⸗ hundertundneunundneunzig Unwahrheiten darin und efklärte hin⸗ ſichtlich der Abſtammung Scaligers, ſein Großvater ſei ein

Schullehrer, Namens Benedict Burdon, geweſen, der in Venedig,

ſei es, daß er in der Leitergaſſe gewohnt oder eine Leiter zum Zeichen ans Haus gehängt, den Namen Scaliger(Leiterträger) angenommen habe. Sich ſelbſt gab er dagegen für einen Edel⸗ mann aus, der aus einem der vornehmſten Häuſer in der Pfalz abſtamme. Als Antwort auf dieſe Erklärung ſchrieb der ge⸗ demüthigte und an ſeiner empfindlichſten Seite angegriffene Scaliger in aller Eile eine Schmähſchrift, in der er zunächſt ſeinen hohen Adel entſchieden vertheidigte, ſodann aber die Schandflecken der Familie des Scioppius ſchonungslos aufdeckte. Hiernach war des Letzteren Vater Todtengräber, Markthelfer, Herumträger, Soldat, Müller, endlich Bierbrauer geweſen. Seine Mutter ſei ihrem Manne entlaufen und habe ſich lange in Ungarn umherge⸗ trieben, ſei ſpäter zurückgekehrt, von ihrem Manne aber nur als niedrige Magd behandelt worden. Schließlich gab der Verfaſſer zu verſtehen, daß dieſe Skizze nur ein flüchtiger Verſuch ſei und daß er künftig ausführlicher ſein werde. 1

Und Scioppius, der ſich vor Fürſten und Gelehrten nicht fürchtete, der gegen den Jeſuitenorden allein mehr als dreißig Schmähſchriften herausgab und gegen König Jakob I. von Eng⸗ land grob genug verfuhr, was für Repreſſalien ergriff er hierauf? Er ſammelte alle Schmähungen und Läſterungen, die er nur gegen Scaliger auftreiben konnte, und gab ſie in einem dicken Bande heraus, der an Abſcheulichkeit Alles übertraf, was die Literatur nur je zu Tage gefördert hatte. a zu Leyden 1609. Seine Freunde ſtreuten Blumen auf ſein Grab und rächten ihn durch Schmähſchriften gegen ſeine Feinde. Scioppius überlebte ſeinen Gegner volle vierzig, Jahre, bis er hochbetagt und durch Zuſchriften mehrerer Papſte und Fürſten, ja durch hohe Titel und Würden geehrt, aber auch durch zahl⸗

Scaliger ſtarb aus Gram darüber