Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
455
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7. Juhrxz. Dritte folge. 455

Van ihr bee

So hatte ſie glauben, die imnißvollen ten Ehre ſein ſteilich für Daber immer unem gewöhn⸗ Kräſſes hatte erwarteten Er⸗

Empfindungen fich zurecht zu rwie Sporen ne Stimmen, erſchien ein dem Garten ang mahnend

Natalie. hnte Aurelie,

dem vorbei⸗ gehört hatte, nicht ſtören,

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gleich mit dem geſtrengen Herrn Vater vermelden, und auch den Pedellen noch ſo ſehr drohte:Pudel weg! er

weiter zog der Trupp und rief:Burſche raus! In allen Häuſern faſt fand der Ruf ein Echo und Hörer, überall traten Studenten heraus und geſellten ſich zu den Uebrigen.

Wie erſchrocken auch die beiden Mädchen waren, und wie ſehr auch Aurelie Urſache hatte, um ihren Vater zu bangen, der mit dem Rector immer gemeinſchaftlich handelte und faſt noch mehr, als dieſer, ein abgeſagter Feind alles Raufboldthums war jetzt hatte ſie vor allen nur die Worte behalten, daßEiner mehr als gewöhnlich verwun⸗ det; wenn es Albin war? aber wie hätte ſie ſich über⸗ winden mögen weiter zu fragen, ſeinen Namen zu nennen? Ich muß wiſſen, ob er es iſt! ſagte ſie zu Natalien und wollte fort.

Aber dieſe hielt ſie zurück und zog ſie mit ſich in das bergende Haus.Ich bitte Dich, bat ſie,wie kann man ſich jetzt auf die Straße wagen? Ich werde ſelbſt hier bleiben müſſen, bis der Tumult vorüber.

Indeß die Mädchen entſchwanden, tobten die von Bier erhitzten Studenten bei der einbrechenden Dämmerung weiter durch die Gaſſen und zogen, auf jedem Schritt ihre

Schaar vermehrend, vor das Haus des Rectors, ſangen

unter ſeinen Fenſtern ihr gaudeamus igitur, riefen ihn höh⸗

nend heraus, daß ſie gekommen wären ihre Waffen abzu⸗

liefern, damit man ſie fortan als gute Kinder behandeln

könne, und klirr! klirr! flog der erſte Stein von ſicherer

Hand geſchleudert in das erleuchtete Fenſter des Hauſes. Ich werde zu dieſer Serenade illuminiren laſſen! ſagte der Rector, indem er ein Fenſter öffnete,man ſieht daun auch beſſer, wer mir dieſe Artigkeit erweiſt, und er gab gleichzeitig Befehl, Licht an alle Fenſter zu ſtellen. Einen Augenblick imponirte den Studenten dieſe

Ironie und Ruhe, dann aber ſandten ſie eine volle Ladung

Steine wider die Fenſter, wenn ſie auch dasjenige ver⸗ ſchonten, an welchem der Rector ſelbſt ſtand. Alle über⸗ ragte auch jetzt die große Geſtalt des Recken, und wenn er

konnte ſicher ſein, daß er nicht überſehen und vergeſſen ward, freilich war er ſchon als Duellant von dieſem Morgen die gravirteſte Perſon.

Als man nun ſo an dem derzeitigen Haupte der Uni⸗ verſität ſein Müthchen gekühlt, riefen die Einen:Zum Bürgermeiſter! die Andern aber:Auf die Burg!

Sicher war das letztere Unternehmen ungewöhnlicher und auch deshalb von Werth, weil es außerhalb der Stadt vollführt werden konnte, und wer etwa ſich nicht ſicher fühlte, konnte dann leicht das ganze Stadtgebiet vermeiden oder unterwegs ſich aus dem Staube machen, und war weder vom Pudel noch Philiſter ſo zu controliren, wie innerhalb der engen Gaſſen und Plätze.

Vielleicht nur die Hälfte der verſammelten Studenten, aber doch immer noch ein anſehnliches Häuflein rief dem Recken und ſeinem Vorſchlag Beifall zu und rückte mit zur Stadt hinaus. Die friedliche Stille in der Natur draußen, vielleicht auch der weite Weg wirkte beſänftigend auf die Einen, indeß die Anderen ſich ſelbſt noch mehr er⸗ hitzten und aufregten und, weil ſie einmal ins Toben ge⸗ kommen, nun ſelbſt erklärten, daß es nicht bei dem erſten kleinen Spaß bleiben dürfe, ſondern daß man ſich erſt austoben müſſe. 1

Indeß war die Zahl dieſer doch die geringere, die Meiſten verloren ſich unterwegs und ſchließlich klommen nur Wenige zur Burg hinauf. Was nun eigentlich hier beginnen? fragte man untereinander. Doch nicht wehrloſe Frauen überfallen, die, mochten ſie auch ſein, wer ſie wollten, doch im guten Glauben auf die vollſtändige Sicherheit dieſer Gegend hier ſo allein vertrauensvoll ſich niedergelaſſen? Im Verruf für immer, wer je einer Gemeinheit oder Ge⸗ waltthat gegen Damen ſich ſchuldig machte! Aber eine Katzenmuſik, das konnte nicht ſchaden, und dazwiſchen der Zuruf, daß ſie Albin's Wunden auf dem Gewiſſen hatten!

Mythologie unter uns fortleben und ſich den Namen, mit dem ſie ſich zur Zeit ihres Glanzes und ihrer höchſten Macht ſchmück⸗ ten die Mutter des Aberglaubens zu ſein auch unter uns noch dadurch verdienen.

Wer ſich mit den Kunſtwerken dieſes ſeltſamen Volkes be⸗ kannt gemacht hat, wird ſich entſinnen, daß die Trennung der Seele von dem Körper der ſchauerliche Uebergang vom Sein zum Nichtſein, vom Leben zum Tode, von der Erde zum Himmel durch eine Geſtalt zu Pferde vorgeſtellt ward, welche im Begriffe ſtand das Weite zu ſuchen.

Ohne hier weiter der erhabenen Viſion in der Apokalypſe zu gedenken, wo der Tod ſich dem prophetiſchen Auge des heiligen Johannes offenbart, und zwar auf einem weißen Roſſe ſitzend, wie wir ihn ſo häufig auf den Gräbern der Etrurier erblicken, wollen wir hier nur einer Anekdote erwähnen, von Baronius er⸗ zählt, indem er Michaele Mercato dabei als ſeinen Gewährs⸗ mane aaſführte 3i 4 4

Marſiglio Fiano, das Haupt der platoniſchen Akademie in Florenz, zur Zeit des Cosmo und Lorenzo di Medin beſaß einen Freund, Namens Michaele Mercato, gleich ihm der Philoſophie des Plato zugethan. Oftmals unterhielten ſich Beide über den

myſteriöſen Zuſtand der Seele nach dem Tode; und da ihr Glaube

an die Unſterblichkeit mitunter wankte, ſo gaben ſie ſich eines Tages das feierliche Verſprechen, es ſolle der 85 minſhern aus n Leben Scheidende dem Andern, wenn es ihm möglich ſei, erſcheinen und ihm berichten, wie es in der andern Welt zuginge.

Nicht lange Zeit nachdem dies Gelübde von beiden Seiten feierlich beſchworen war, fand ſich Mercato eines Morgens in

ſeinen Studien durch ein Geräuſch vor ſeinem Fenſter unter⸗

brochen, das dem Stampfen eines Pferdes glich. Er lieh ſein Ohr und hörte, daß es vor ſeiner Thür anhielt, worauf die Stimme ſeines Freundes Fiano zu ihm herauf ertönte, mit den ihm ganz vernehmlichen Worten:O, Michael! Michael! es iſt leider nur zu wahr! 4: 1

Ueberraſcht durch die wohlbekannte Stimme, ſprang er auf, eilte an das Fenſter und blickte hinab. Hier gewahrte er, auf weißem Roſſe, ſeinen Freund Fiano, ihm den Rücken wendend, und eilig davon reitend.

Raſch öffnete er das Fenſter und rief mit lauter Stimme hinab:Marſiglio! Aber ſeine Worte verhallten im Winde und Roß und Reiter entſchwanden ſeinem Blicke.

Tief ergriffen von dem was er geſehen, ſandte er ſogleich einen Boten an ſeinen Freund ab und erhielt die Trauerbotſchaft, daß er in jener Stunde geſtorben. 4

Jede weitere Erklärung dieſes Vorfalls iſt hier überflüſſig; nur die Bemerkung läßt ſich daran knüpfen, wie ſehr das Studium der Philoſophie des Plato dazu beitrug, bei den Florentinern jenen in den Gräbern ruhenden Aberglauben der Etrurier zu neuem Leben zu erwecken. 5

Die Liebe zur Allegorie, die myſtiſche Deutung der Natur⸗ kräfte, das Studium der Aſtrologie, die theologiſchen Skrupel, das Alles wurde das Erbtheil der Söhne dieſes Bodens. Die Philoſophie des Plato erhielt durch dieſe Vermiſchung mit den Ideen des Heidenthums einen ſo ſeltſamen Zuſatz, daß der attiſche Weiſe mit Verwunderung ſeine Weisheit in einem ihr ſo wenig anſtehenden Gewande wieder erblickt haben würde, und ſeinen Schülern eine ſolche Anwendung ſeiner Lehren ſchwerlich Dank gewußt hätte S