Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
453
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V. Jahrg.

a, bei dem ſie ahnungsvolle Ungebung nie⸗ mer nur Pro⸗ iebe Limmchen, ih wenn ſie es ah da ſie ſich Vähl eben ſo Wiinm ertönen. ſeine Sime er⸗ das ſie ſch danz ihren vor Rah⸗ ſchwammen. eichte des Bür⸗ der ſchon piele Viele bezaubert mpfinden, als euen Anbeters auf ihre Zahl

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Nr. 29.]

Papiere in ſeinem Zimmer durchſtöberte, die nicht einge⸗

iſt der Onkel ſo treu ergeben, daß er für deſſen Maitreſſen

ruhigte Natalie und konnte es doch nicht erwarten, ihre un⸗ angenehme Botſchaft der Freundin mitzutheilen.

Nun? Gib mir das Gift nicht tropfenweiſe, flehte Aurelie, indem ſie ſich wieder aufrichtete und der Freundin den runden Strohhut abnahm, um beſſer in ihren Augen leſen zu könen. 18

Der Recke hat wie andere Menſchen und Philiſter auch begann Natalie in dem ihr durch jahrelangen Unggang ziemlich geläufigen Studentenjargonbehauptet, daß die fremden Damen nichts weiter ſeien, als frühere Geliebten des Fürſten, denen er einen abenteuerlichen Wunſch erfüllen muß, um nicht von ihnen compromittirt zu werden; Albano iſt darüber in Feuer und Flammen gerathen.

O, es ſteht ihm wohl an, rief Aurelie,ſeinen fürſtlichen Gönner gegen unwürdige Anſchuldigungen zu vertheidigen!

Natalie lächelte:So ſiehſt Du es an? Du fühlſt Dich nicht empört, daß er für dieſe fremden Geſchöpfe mit dem mehr als zweifelhaften Rufe ſein Leben einſetzte?

Weißt Du, wer ſie ſind? Haſt Du etwas entdeckt? fragte Aurelie mit Haſt.Dein Onkel, iſt er allen Fragen und Bitten unzugänglich?

Ach, der Onkel iſt ſtumm wie das Grab! klagte Natalie;man erfährt von ihm nicht mehr, als die ganze Stadt weiß, daß die Damen ihm eine fürſtliche Vollmacht zeigten, nur in ſeine Hände ihre Papiere legten; aber ſeit⸗ dem verſchließt er ſein Pult noch einmal ſo ſorgfältig als vorher, und wenn ich auch in einer einſamen Nacht alle

ſchloſſen waren, ich ſtieß nur auf ſehr langweilige Amts⸗ ſachen und fand nicht, was ich ſuchte. Dem Fürſten aber

dieſelbe Ergebenheit empfinden wird; daß er mit dem höchſten Reſpect von den Damen ſpricht, macht ſie mehr verdächtig, als wenn er ſie verdammte.

Aber der Fürſt ſoll ja ſo glücklich leben als Gatte und Vater.

Natalie lachte:Wahrhaftig, Du biſt manchmal ganz ſo unſchuldig wie Dein Lämmchen da, als ob die hohen Herrſchaften nicht alle anders lebten, als die kleinbürger⸗ lichen Leute! Gewiß iſt unſer Hof der beſte er hält auf Ehrbarkeit vor der Welt, vielleicht aber ſind darum gerade bei uns ſolche Geheimniſſe möglich, wie das Haus bei unſrer Burg.

Pfui, Natalie! rief Aurelie entrüſtet über dieſe Lehren ihrer Freundin.Aber Albin, bat ſie,ſprich von ihm!

Nun, ich ſagte es ja ſchon, war die Antwort: Albin iſt mit dem Recken losgegangen, weil dieſer ehren⸗ rührig von den geheimnißvollen Damen geſprochen und ſein Wort nicht hat zurücknehmen mögen.

Sage, was Du wlllſt, es iſt eine ritterliche That, für wehrloſe Frauen in die Schranken zu treten! rief Aurelie ſich höher emporrichtend. 1 3

Und Du biſt ſo edel, Andern dieſen Ritter zu gön⸗ nen? fragte Natalie boshaft und ließ die braunen Augen durchdringend auf der Freundin ruhen.

Aurelie bezwang ſich nicht länger mehr un ſeufzte: Ach, dieſer ſchöne Traum iſt vorbei, ich habe Albin ſeit Wochen nicht geſehen und will ihn nicht wieder ſehen, ich habe ihn abweiſen laſſen, als er kam; ſie wollte nicht Alles ſagen und in ihren eignen Augen, wie in denen der Ge⸗ ſpielin, nicht als die Zurückgeſetzte erſcheinen; die weibliche Eitelkeit behauptete in ihr noch den Sieg über die damals moderne Sentimentalität.

Albin hatte ſie bald nach ſeiner Ankunft im Orte kennen lernen und da Aurelie zwar nicht ſo ſchön und herr⸗ lich wie eine Linde, aber doch ſo zart und lieblich wie eine Liane war, da ſie zu den gebildetſten Mädchem ihrer Vater⸗ ſtadt gehörte, Schiller und Goethe und Jean Paul geleſen, für Letztern aber ſchwärmte, ſo kam Albin öfter zu dem

mit den ſchönſten Flieſen ausgelegten Straßen langten wir bald in unſerm Quartier an.

An der Table d'hôte, an der wir unſere doch mehr oder weniger räthſelhafte Reiſegefährtin, ihres uns gegebenen Ver⸗ ſprechens ungeachtet, nicht erſcheinen ſahen, herrſchte eine außer⸗ ordentlich lebhafte Unterhaltung, und die Stichworte der Tages⸗ politik, die ſonſt in Italien nicht ſo leicht öffentlich gehört werden, ſchallten von allen Seiten her laut und heftig gegen unſere Ohren. Es waren Fremde und Italiener in bunter Miſchung, welche ſich in dieſem Kreis befanden, und man ſprach durcheinander von der itglieniſchen Revolution und von der Freiheit und Einheit Italiens wie von einer neuen Schüſſel des Diners, die jeden Augenblick aufgetragen und ſervirt werden könne. Man ſchien des Schutz⸗ und Trutzbündniſſes mit Frankreich, ja mit Rußland gewiß, und ehe man es ſich verſah, flog der Säbel gegen Oeſterreich, gegen alle Völker, die dem neuen König von Italien entgegen treten würden, ganz nackt aus der Scheide. Die Sarden ſind ei freundliches, heiteres, dabei ungemein bewegliches und zum Enthuſiasmus geneigtes Volk, und obwohl das Diner faſt zu ſehr von Kriegsbegeiſterung raſſelte, ſo konnte man doch finden, daß ſie dieſen braunen, charaktervollen, feuxigen Geſichtern ſchön ſtand, wenn man ſich auch dabei ſagen mußte, daß die Rechnung duf die Einheit Italiens, namentlich von dem mit Napoleoniſchem

errath gedüngten Piemont aus, auch diesmal wieder, und mehr als je, eine Rechnung ohne den Wirth ſein werde....

Wir wurden pon dieſer Situation abgezogen, indem ein leb⸗

haftes Geſpräch, das von einigen ſardiſchen Officieren in unſerer

Nähe geführt wurde, unſere ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch zu nehmen anfing. Man wollte die Nachricht haben, daß die

Gräfin Giuſtiniani heute in Turin angekommen und in demſelben Höôtel, in dem wir uns befanden, abgeſtiegen ſei, was der Wirth des Hauſes, der jetzt hinzutrat, mit einigen weitern Mittheilungen beſtätigte. Dieſe Dame ſchien eine ſo bedeutende Perſönlichkeit in den neueſten Tageswirren der italieniſchen Bewegung zu ſein, daß ihr Name bald an der ganzen Tafel mit einem elektriſchen Intereſſe ſich verbreitete, und die wunderbarſten Geſchichten über ſie umherliefen.

Die Gräfin Giuſtiniani, deren Schönheit, Liebenswürdigkeit und Begeiſterung für die Nationalſache man gleich ſehr rühmte, wurde der Stern der italieniſchen Revolution genannt, und man bezeichnete zugleich ihre Villa am Lago Maggiore, die ſie ſeit einiger Zeit auf dem weſtlichen, zu Piemont gehoͤrigen Ufer deſſelben bewohnte, als eine geheime Werkſtatt, in der für die neue National⸗ erhebung Italiens, die in Piemont wie eine ausgemachte Sache A Aller Lippen ſich ſchaukelte, unaufhörlich gearbeitet würde.

er künftige König von Italien, Victor Emanuel, als deſſen Parteigängerin die Gräfin mit allen ihren bedeutenden und ver⸗ führeriſchen Mitteln arbeiten ſoll, hatte ihr das Aſyl in Piemont geöffnet, nachdem ſie aus Venedig, dem ſie durch ihre Geburt und ihre Familie angehörte, durch den öſterreichiſchen Erzherzog Ferdinand Max ausgewieſen worden. Es war alſo vielleicht dieſelbe Gräfin Giuſtiniani, von deren fanatiſchem Muth und Trotz die Zeitungen öfter berichtet, und die ſich im Theater zu Venedig mehrere bizarre Ungezogenheiten gegen die Erzherzogin Maximilian, die Gemahlin des Generalgouverneurs des lombar⸗ diſch⸗venetianiſchen Königreichs erlaubt hatte. Wenn dieſe De⸗ monſtrationen auch nur in verächtlichen Gebehrden und Mienen von Loge zu Loge und darin beſtanden, daß die Gräfin ihren