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Getha 1859
—
Novellen-Zeitung.
Die Damen von der Burg.
Aus den Geheimniſſen eines Fürſtenhofes.
1(Fortſetzung.)
Er eilte vom Fenſter, voll Entzücken war er bereit dieſem Wink zu ſolgen— da trat Röschen wieder ein, lächelte und es ſchien, als ob ihr Etwas das Herz ab⸗ drücken oder in Worten ſich Luft machen wolle.
Albin gab ſeinen Entſchluß auf und blieb prüfend vor dem Mädchen ſtehen, ja, er fuhr ihr mit der Hand unter's Kinn und ſagte:„Nun, liebes Röschen, reden Sie nur— Sie haben jedenfalls eben einen Spaß erlebt, und wenn Sie mir Etwas davon mittheilen, werde ich Ihnen jeden Gegendienſt leiſten, den Sie fordern— Sie ſehen, ich
langweile mich koloſſal, und Sie ſollten für die Unter⸗
haltung Ihrer Gäſte ſorgen.“ „Nun denn,“ ſagte ſie und nahm ihn vertraulich bei
der Hand—„ich fürchte mich gar nicht mehr vor den
fremden Damen, ſie ſind gerade ſo neugierig und ſehen ge⸗ rade ſo gern nach hübſchen jungen Herren wie Andere—“
„Nun, Sie ſtocken— was iſt das weiter?“ ſagte Albin und ſuchte zu verbergen, in welcher äußerſten Span⸗ nung er war.
„Sie hörten doch, daß die Damen ſchellten?“ begann Röschen,„ein kleiner Dienſt, den ſie verlangten, nicht werth, daß man darum ging— aber da ich ihrem Geheiß gefolgt war, fragte die jüngere— nun, was meinen Sie wohl, was ſie fragte?“
„Was wird es geweſen ſein!“ rief Albin mit erheuchel⸗ ter Gleichgültigkeit.
„Sie werden dieſen Ton noch bereuen!“ ſagte Rös⸗ chen.„Was war es, was ſie fragten? Wer der hübſche junge Herr ſei, der vorhin ins Haus gegangen und ob er
öfter bei uns vorzuſprechen pflege.“
Albin erglühte und rief:„Das hätten ſie geſagt?— Nein, es iſt nur ein dummer Scherz.“
„Bitte recht ſehr!“ antwortete Röschen.„Schade daß ich Etwas ſagte!“
„Nun, ſo laſſen Sie weiter hören— was antworteten Sie darauf?“ fragte Albin geſpannt.
„Ich nannte Ihren Namen— und ward entlaſſen. Aber nun ſind mir die Damen nicht mehr unheimlich, da ich gemerkt habe, ſie ſind gerade wie andere Menſchen⸗ kinder.“
„So iſt mir hoffentlich daſſelbe erlaubt, wie ihnen,“
forſchte Albin;„ihre Namen—?“
„Haben Sie dieſelben vorhin im Fremdenbuche ge⸗ funden?“ neckte Röschen.
„Sie ſtehen nicht darin.“
„Natürlich, denn ſie haben keinen Namen.“
„Aber das iſt wider Ordnung und Polizei.“
„Das iſt des Vaters Sache, oder vielmehr die des Herrn Bürgermeiſters; ſeit der ſelbſt bei den Damen ge⸗ weſen iſt und uns befohlen hat, ſie mit der größten Rückſicht zu behandeln und Alles zu thun, was ſie wünſchten, es habe Alles ſeine Richtigkeit— ſeitdem fällt alle Verantwortung auf ihn allein,“ erklärte das Mädchen.
wenn ſie zuſammen ſprechen?“
„Die Jüngere nennt die Aeltere Tante, und dieſe jene: Minona.“
Minona! das war der Name, den Albin ſchon in Italien gehört hatte; mit Haſt forſchte er nach ihrem weiteren Signalement.
Röschen ließ ſich endlich auch dazu herbei:„Die alte Gräfin Tante habe ich nur einmal geſehen, ſie iſt lang, ſchlank und gelblich blaß, ein ſchwarzer Schleier, den ſie immer wie ein Tuch um den Kopf gewunden trägt, ver⸗ birgt ihr Geſicht faſt ganz. Fräulein Minona iſt zart und ſchön, blendend weiß, hat dunkles Haar und Auge— ſie ſehen Beide immer ſehr traurig aus und tragen auch Trauerkleider— aber alle ihre Sachen ſind ſo fein und vornehm, wie ich ſie noch nicht in meinem Leben geſehen habe.“ 4 So trifft doch Alles! dachte Albin— ganz ſo waren ihm die beiden Damen in Italien erſchienen.„Und ſie wollen hier bleiben?“ fragte er.
„Wie es ſcheint; ſie bauen ſich eine Wohnung bei der Burg,“ und während Röschen weiter von dem Beſuch des Herrn Bürgermeiſters daſſelbe erzählte, was ſchon zu den Ohren der Studenten gekommen war, kam mit ge⸗ waltigem Peitſchenknall ein Lohnkutſcher an, der ſeine Paſſagiere hier ablieferte. Albin konnte ſich keine Rech⸗ nung darauf machen, heute noch mehr zu hören, und ging.
Die Fenſter des Hôtels gingen an der Seite auf die Promenade. Dort lagen die beſten Zimmer, und es ließ ſich wohl annehmen, daß die vornehmen Fremden dieſe inne hatten. Eines dieſer Fenſter ſtand offen.
Beunruhigt und erregt irrte Albin wohl eine Stunde lang, bis es ganz dunkel ward, da auf und nieder— aber keine Bewegung, noch weniger ein menſchliches Weſen zeigte ſich an dieſen Fenſtern. Endlich gab er es auf, ſich tänger
ſo erfolglos auf die Lauer zu ſtellen, und ging. Ein ſchwerer Druck hatte ſich auf ſein Herz gelagert, und er wußte nicht, wie er ſich ſeiner entledigen ſollte.
„Aber auch keinen Vornamen? wie nennen ſie ſich,


