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In dunkles Grau verwoben liegt rings ſchon Berg und Flur, Von unten her die Waſſer ſprühn weiße Funken nur; Glühwürmchen jezuweilen an dunkler Bergeswand Zieh'n hin, wie ſpäte Schwärmer, Laternchen in der Hand.
Erwartend ſteht die Menge— da, horch! ein jäher Knall, Und brauſend von den Bergen dumpf kracht der Wieder⸗ hall! Ein zweiter Schuß, ein dritter, und wie mit Zauberſchlag Steht rings auf allen Kuppen im Glanz der junge Tag; Von allen Gipfeln lodert der Flamme leuchtend Heer, Die alten Burgen baden ſich ganz im Feuermeer. Es glühn ſo ſtolz die Mauern der Kunitzburg in Gold, Von drüben grüßt der Dornburg Geſchwiſterzinne hold; Das Schlachtenfeld von Jena, es ſteht im Purpurſchein— Sog wohl manch blut'ge Thräne von Preußen⸗Augen ein! Schon ſteigt vom Berg hernieder, ſchon wallt durchs ganze Thal, Erhellt die grünen Matten der Lichtſtrom allzumal; Vom Blumenkelch die Biene fliegt ſummend durch das Ried, Zum Himmel ſteigt die Lerche und ſingt ihr Morgenlied; Der Strom, der kurz noch dunkel durchs Thal dahingerollt, Er fließt wie Lava glühend, en blitzt wie flüſſig Gold.
Und droben auf der Brücke, da zieht der Feuerſchein Von Strom und Thal und Hügel in alle Herzen ein;
Der Greiſe Wangen glühen im erſten Jugendroth, Durch Männeradern ſiedet Begeiſtrung bis zum Tod;
Des Jünglings Auge dlitzet in wilder Schlachtenluſt, Ein innig, gläubig Beten erfüllt der Jungfrau Bruſt!
Auch ich ſtand auf der Brücke zu Jena jene Stund', Sah lodern und verlöſchen die Feuer in der Rund'; Sah' glüh'n den letzten Funken am letzten Feuerſcheit, Und trug ein Stück nach Hauſe der großen Heldenzeit;
Noveſlen⸗Zeitung.
[V. Jahrg.
Denn was durch Thal und Herzen geflammt, heiß und froh—:
Die Freudenfeuer waren's der Schlacht bei Waterlool*)
*) Die Feier dieſer Schlacht wurde zu Jena 1857 wegen des damit zuſammenfallenden Geburtsfeſtes des Großherzogs in der Johannisnacht begangen.
Das Hoferlied.
Die Feuer ſind verkniſtert, die Funken ſind verſprüht, Ein Männerhauf verſchwiſtert zum Marktplatz ſchwei⸗ gend zieht; Sie ſtellen ſich zum Kreiſe beim Sternenlichterſchein, Sie ſingen eine Weiſe ſo traurig, mild und rein. Bald lodern auf die Stimmen, von wildem Schmerz durchglüht, Bald ſcheinen zu verglimmen in Wehmuth Ton und Lied. S iſt eine alte Weiſe und trüb wie Mondenſchein, Fließt deutſchem Volk doch leiſe noch heut' durch Mark und Bein! Füllt heut' noch tief mit Trauer jedwede deutſche Bruſt, Gießt heut' noch Racheſchauer ins Herz und Zornesluſt! Um Hofer iſt's die Klage, die keine Zeit verklingt, Die noch am letzten Tage der letzte Deutſche ſingt! Sie ſangen's immer leiſer, es klang ſo dumpf und hohl: „Für Franz, den guten Kaiſer, erſchoſſen in Tyrol!“
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general forey.
Dieſer franzöſiſche General, welcher ſich im Gefecht bei Montebello ſo ſehr ausgezeichnet, heißt mit ſeinem Taufnamen
Elie Frederic, wurde im Jahre 1804 zu Paris geboren und dort
auch in der Militärſchule von St. Cyr erzogen. Er begann ſeine Laufbahn als Officier in der Armee von Algerien. Seine erfolg⸗ reichen Feldzüge in Afrika als Bataillonschef bei den„Chaſſeurs“ erwarben ihm den Rang eines Oberſten. Nachdem er eine Zeit lang eine Verwaltungsſtelle bekleidet, wurde er 1848 zum General ernannt. Während des Krimkrieges war ihm zum Theil die Leitung der Belagerung von Sebaſtopol anvertraut, wobei er jedoch nicht beſonders glücklich war. Waffenthat von Montebello ſeinen Ruf als General feſtgegründet. Seit 1854 iſt General Forey Großofficier der Ehrenlegion. p.
george Sand und Muſſet.
Die neueſte Literatur des franzöſiſchen Kaiſerreichs muß
doch nach und nach die Franzoſen ſelbſt um die civiliſatoriſche Miſſion des„ſuperioren“ franzöſiſchen Geiſtes beſorgt machen. Kaum hat die große Nation„Fanny“ aus der Hand gelegt, ſo wird ihr nebſt. dieſem„Daniel“ von der ehrwürdigen Revue des deux Mondes eine Scandal⸗Geſchichte„Elle et lui“ ſervirt, die ihresgleichen ſucht. Dieſe neueſte Novelle der Frau Dudevant iſt jetzt in 2 Bändchen ſeparat erſchienen unter dem Titel„Sie und Er.“ Es iſt darin die Liaiſon, welche der verſtorbene Dichter Alfred de Muſſet mit der Verfaſſerin unterhielt, rückſichtslos vor
Indeß hat ſeine glänzende
die Oeffentlichkeit gebracht und zwar zum großen Nachtheil des Todten, welcher der Verachtung und dem Hohn auf eine empörende Weiſe Preis gegeben wird, und dies durch eine Perſon, die am meiſten dabei intereſſirt war, jene Liaiſon in Vergeſſenheit ruhen zu laſſen. Wäre Muſſet noch zwanzigmal tadelnswerther geweſen, als er es iſt, ein ſolcher Angriff auf den Charakter und den Ruf eines Verſtorbenen iſt und bleibt höchſt verwerflich. Aber man gewöhnt ſich nach und nach in Paris an dieſe Verwirrung der ſittlichen Begriffe, und mit Geſchichten wie dieſe machen die Buch⸗ händler die beſten Geſchäfte. Die Mitarbeiter der„Revue“ ſind wenig erbaut davon, wie ihrem ehemaligen Collegen und Freunde mitgeſpielt wird. Sie können daraus ſehen, welche Art von Leichenrede ſie demnächſt zu erwarten haben. Natürlich war man ſehr geſpannt auf eine Beantwortung dieſes ſchmußigen. Pam⸗ phlets durch den Bruder des Geſchmähten, Paul de Muſſet, der denn auch in dem Magazin de Librairie unter dem Titel„Er und Sien eine autbentiſche Darſtellung der berühmten Reiſe Alfreds und der Dudevant durch Italien giebt. Die Dichterin der„Lelia“ wird darin ganz unbarmherzig bloßgeſtellt, und da es Fehler und Schwachheiten auf beiden Seiten gegeben hat, ſo erfährt ſie damit eine ganz wohl verdiente Behandlung. In der übrigens ſehr mittelmäßigen Erzählung figuriren eine Menge Perſonen, welche in Paris leben, und der Verfaſſer hat ſich nicht bemüht, ſie ſehr zu verhüllen. Man kann ſich daher denken, wit welchem Eifer dieſe Dinge geleſen werden und wie nahe die Aufforderung liegt, das Feld der literariſchen Scandalgeſchichte ferner zu bebauen.
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