Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
439
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N. Jahrg.

reilich, er hatte macht, daß er warum und zu s Aufſehen er⸗ r natürlich auf ſänliches Inter⸗ ade das quälte tarFolgen hatte ald wader ſpur⸗ n, ſo dh er ſich in neckiſchet Zu⸗ nd noch viehmehr treiben könne gen geſucht, wo d er nahm ſich en beunruhigeu nächſten Veran⸗

im Falle.

amen, die hier macht bei ſich rigen Jahre in h diesmal Zu⸗ ede ſtehen, ihm Veranlaſſung

in von Burg, s Landgut be⸗ ht heiratheten, ſitzthum, noch ieherinnen des meinem Körb⸗ er gute Mann, Kkommen hatte, nen; aber ſeine eemlich heftigen feindlichen Heer⸗ n einem mit allen alles wagenden n Energie Thot⸗ Heerführern er⸗ und erprobter der Wanderer.)

Nr. 28.]

Debatten erklärte ſie ihrem Manne, wenn er ein Kind

haben wolle, was ſie durchaus nicht ſo wünſchenswerth. finde, ſo möge er ihr lieber das ärmſte Dorfkind ins Haus bringen, als ſolch einen Ausſetzling, der jedenfalls von anſtößiger Herkunft ſei und durch den man in wer weiß was für Colliſionen mit ſeinen Anverwandten kommen könne. Nach dieſer beſtimmten Erklärung, die, wie der Pfarrer aus Erfahrung wußte, auch beſtimmt gehalten ward, brachte er es doch dahin, den Kleinen ſo lange zu behal⸗ ten, bis es ihm gelungen ſei, ein anderes Unterkommen für ihn zu ermitteln. Natürlich theilte er den Vorfall zuerſt ſeiner Gutsherrſchaft, den beiden Fräulein von Burg, mit. Die Schweſtern ſahen einander fragend, dann lächelnd, dann ein wenig erröthend an. Keine wollte zuerſt ent⸗ ſcheiden, zuerſt ſprechen; endlich ſagte aber doch die Aeltere, die ſchon vierzig Jahre und ziemlich zehn Jahre älter als ihre Schweſter war:Was meinen Sie, Herr Pfarrer, ob wir einen Knaben erziehen könnten? ein Mäd⸗ chen wäre uns freilich lieber geweſen und auch lieber, wenn es ein Kind armer ehrlicher Leute, ſtatt vielleicht vor⸗ nehmer Sünder iſt indeß, Sie kennen meine Manieren: man muß nehmen, was der Himmel ſchickt, und die Feſte feiern, wie ſie fallen.

Niemand war froher als der Pfarrer über dies Er⸗ bieten und er unterſtützte mit all' ſeiner Beredſamkeit den edlen Entſchluß, vornehmlich dadurch, daß er verſprach, für die ſpäteren Lebensjahre des Kindes, wo ſie für ſeine Er⸗ ziehung und ſeinen Unterricht, beſonders auf dem Lande, eines männlichen Beiſtandes bedurften, denſelben mit Freuden zu bieten. So geſchah es auch. Die beiden Fräulein nahmen das Kind in ihr Schlößchen, der Ge⸗ richtsdirector des Gutes erließ die nöthigen Aufrufe und Bekanntmachungen in Betreff des Findlings, die aber nicht die mindeſten Folgen hatten, und ſo adoptirten die Fräulein von Burg den Knaben förmlich und ließen ihn auf ihren Namen taufen machten dies aber auch öffent⸗

lich bekannt, um ſich auch für die Zukunft jede Verant⸗ wortung und für die Gegenwart jeden Verdacht zu er⸗ ſparen, als hätten ſie ſich zu irgend einer unwürdigen Heimlichkeit hergegeben.

Albin wuchs auf, ohne daß ſich irgend eine Spur ſeines Herkommens hätte entdecken laſſen; es gab ſich auch gerade Niemand ſonderliche Mühe, danach zu forſchen. Seine Erzieherinnen ließen ſich von ihmTante nennen, nach Vater und Mutter zu fragen hatte er nie gelernt und war in dem Glauben aufgewachſen, daß er eine Waiſe ſei. An ſeiner Confirmation erhielt er plötzlich von dem Fürſten ein Geſchenk von zehntauſend Thalern mit dem Bemerken, daß man es ihm ſelbſt als das Erbe des Knaben anver⸗ traut, das bei ſeiner Confirmation ihm ausgezahlt werden ſollte; eine goldene Uhr und eine Freiſtelle auf dem Gymnaſium der Reſidenz fügte der Fürſt ſelbſt bei aus Intereſſe für den elternloſen Knaben und ſeine Erziehe⸗ rinnen, deren Mutter einſt ſeine Oberhofmeiſterin geweſen.

Die beiden guten Damen fühlten ſich durch dies uner⸗ wartete Eingreifen des Fürſten mehr beunruhigt als er⸗ freut. Es ſchien ihnen, als verlören ſie dadurch etwas von ihren Rechten auf Albin. Auch bedauerten ſie ihn nun aus ſeiner kindlichen Unwiſſenheit reißen und ihm erzählen zu müſſen, auf welche Weiſe ſie zu ihm gekommen. Gemüth und Phantaſie des Knaben, durch das ganze Weſen ſeiner Er⸗ zieherinnen vorzugsweiſe entfaltet, gewannen durch dieſe Mittheilung die mächtigſte Nahrung. Er hatte viel durch⸗ einander geleſen und märchenhafte Vorſtellungen, die Mu⸗ ſäus und die Grimm eben ſo gut wie Tauſend und eine Nacht ihm zugeführt, verband er nun mit ſeinem eignen Schickſal. Wer waren ſeine Eltern und lebten ſie noch? warum hatten ſie ihn ausgeſetzt? oder vielleicht that er ihnen Unrecht, vielleicht waren ſie todt oder man hatte ihn geſtohlen! Wo kam das Geld auf einmal her? warum be⸗ kümmerte ſich der Fürſt um ihn? Albin war aus ſeiner glücklichen Unbefangenheit geriſſen und erſchien ſich plötz⸗

nicht mehr ferner Zeit ſie heimholen werde. Mutter und Tochter glaubten feſt an den Orakelſpruch und hielten noch ſtrenger als erſt jeden bürgerlichen Bewerber von ſich fern. Aber der verheißene Fürſt verzog lange zu kommen. Da kam der bairiſche Erfolge⸗ krieg und brachte Preußen ins Land. Ein Regiment preußiſche Musketiere, unter dem Oberſten Haake, rückte in Freiberg ein, wo ſie in den Bürgerhäuſern einquartiert wurden. Auch die Häuſer der Frau Steuerſchreiber Wenzel erhielten Einquartierung. Eines Morgens ſitzen Mutter und Tochter beim Frühſtück, als gerade der viſitirende Corporal in die Hausflur tritt und unter den hier einquartierten Soldaten auch einenFürſt ruft. Die Mutter horcht, die Tochter horcht. Sollte das nicht der ver⸗ heißene Fürſt ſein? fragen ſich beide. Gottes Schickung iſt oft wunderbar! ſpricht die Mutter und eilt hinaus, die Treppe hinab, und fragt unten nach dem Fürſten. Ein ſtrammer, blühender Musketier tritt auf und ſtellt ſich als Fürſt vor. Er mochte wohl auch ein ſchlauer Burſche ſein, denn er richtete ſeine Antworten auf die Fragen, welche die Frau an ihn richtete, ſo ein, daß ſie ſie ganz nach ihrem Wunſche nehmen konnte. Und ſie nahm ſie auch nicht anders; hocherfreut lud ſie den vermeinten Fürſten zu Tiſche, überhäufte ihn mit Chrenbezeigungen und verlobte ihm nach wenig Tagen ihre Tochter. Zur Vermählung war aber die Einwilligung des Oberſten erforderlich; dieſer erfuhr, welchem Irrthum ſein Musketier die Hand eines der reichſten Mädchen von Freiberg ver⸗ dankte, und hielt es für ſeine Pflicht, bevor er die Einwilligung gab, die Mutter der Braut über ihren Irrthum aufzuklären. Umſonſt, die Frau glaubte ihrem Orakel und ihrem Hochmuth mehr als der Verſicherung eines Ehrenmannes; ſie beſtand darauf, daß Fürſt der Gemahl ihrer Tochter werde. Da gab der Oberſt

ſeine Einwilligung, und die Hochzeit ward vollzogen. Vierzehn Tage lang führte Fürſt mit ſeiner jungen Gattin ein fürſtliches Leben; da ward eines ſchönen Morgens zum Abmarſch geblaſen, auch Fürſt mußte mit marſchiren als gemeiner Musketier, und die vermeinte Fürſtin hat von ihrem Gemahl nie wieder etwas geſehen noch gehört. p.

Ein geſpenſt.

Zu einer Zeit, da der Geſpenſterglaube noch in voller Blüthe war, um das Jahr 1683, reiſte der Zehntner der freien Bergſtadt Annaberg über das Gebirge, um ſeinem alten Freunde, dem um des Glaubens willen aus Böhmen eingewanderten Begründer des Hammerwerkes Wittichsthal bei Johanngeorgenſtadt, Kaspar Wittich, einen Beſuch abzuſtatten. Die alten Freunde hatten ſich bei einem Wildſchweinsbraten und etlichen Flaſchen Oeſtreicher eine Güte gethan, und es war ſchon ſpät in der Nacht, als Wittich ſeinen Gaſt zu Bette führte. Der edle Sorgenbrecher wiegte dieſen bald in ſanften Schlummer. Aber nicht lange währte es, ſo ward er durch ein Geräuſch erweckt. Der Mond ſtand hoch am Himmel und goß durch das weite Gemach ein dämmeriges Licht. In dieſem ſah der Erwachte, ſeiner Sinne nur halb Mächtige, eine dunkle, hochgehörnte Geſtalt durch die Thür und gerade auf ſich zuſchreiten.Alle guten Geiſter loben Gott den Herrn! ſtammelt der Zehntner entſetzt, denn wer konnte dies langbeinige, gehörnte Weſen anders ſein, als der böſe Feind der Menſchheit? Aber die von der ſeligen Großmutter erlernte Bannformel erwies ſich ſammt dem Kreuzeszeichen völlig unwirkſam Die Erſcheinung blieb in einiger Entfernung ſtehen und glotzte den Mann im Bette