Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
438
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Perſon in der geheimnißvollen Dame und es ſoll mir nicht viel fehlen, er bietet ſich ihr zum chargé d'affaires für dieſe gute Stadt!

Il. Albin.

Albin von Burg war in der That durch die Erzählung ſeiner Kameraden in eine fieberhafte Aufregung verſetzt worden. Als er im vorigen Jahre in Italien reiſte, war er in verſchiedenen Städten mit zwei ſchwarz gekleideten Damen zuſammen getroffen, die nicht anders als ver⸗ ſchleiert ſichtbar waren. In demſelben Hötel eingekehrt wie Albin, waren ſie dennoch nie an der table d'hoôte, noch ſonſt im Salon oder Speiſezimmer erſchienen. Er hatte ſie nur zuweilen abreiſen und ankommen ſehen und im Fremdeubuch ihren Namen ſuchend immer denſelben ge⸗ funden: Signora Romeiro und Geſellſchafterin er hielt ihn für einen fingirten aber niemals war es ihm ge⸗

nan die Damen zu ſprechen oder Näheres über ſie zu er⸗ ahren.

Reich und vornehm ſchienen ſie zu ſein und doch erſchien es dann wieder ſonderbar, in der damaligen Zeit, wo das Reiſen beſchwerlich und darum ſelten war, daß ſie ſo allein und nur in Begleitung eines alten Die⸗ ners reiſten. Am Sonderbarſten aber war ihm doch dies öftere Zuſammentreffen mit ihnen aber da ſie nie vor, ſondern ſtets nach ihm ankamen, ſo kam ihm zuweilen der Gedanke, daß ſie ihm nicht ohne Abſicht ſo auf dem Fuße folgten. Gleichwohl: welche konnte es ſein, da ſie jede Be⸗ gegnung mit ihm vermieden? Wären es Männer geweſen,

er hätte ſie für Polizeiſpione gehalten aber Damen?

Welche Rollen auch die Frauen ſeiner Zeit, zumal ſeiner Kinderzeit, in der Politik geſpielt hatten: als begeiſterte, aufopfernde Töchter des Vaterlandes, oder als kluge Jatri⸗ gantinnen in den Salons nie hatten ſie ſich doch gleich den Männern zu Creaturen der Polizei erniedrigt und

was gab es dann bei ihm zu beobachten? Freilich, er hatte ſchon mehr als einmal die Erfahrung gemacht, daß er beobachtet werde, und weil er nicht wußte, warum und zu welchem Zweck, da er ſich durchaus keines Aufſehen er⸗ regenden Weſens bewußt war, ſo kam er ſehr natürlich auf den Gedanken, daß hierbei irgend ein perſönliches Inter⸗ eſſe für ihn im Spiele ſei, und nur gerade das quälte ihn am meiſten, daß daſſelbe niemals weitere Folgen hatte und daß dieſe flüchtigen Zeichen davon bald wieder ſpur⸗ los und ſcheinbar für immer entſchwanden, ſo daß er ſich nachher fragte, ob denn nicht Alles nur ein neckiſcher Zu⸗ fall geweſen, wie er im täglichen Leben und noch vielmehr im bewegteren Reiſeleben wohl ſein Spiel treiben könne und dann ſchämte er ſich, daß er Beziehungen geſucht, wo es ſehr wahrſcheinlich gar keine gab, und er nahm ſich feſt vor, ſich nie wieder von ſolchen Dingen beunruhigeu und beirren zu laſſen bis es bei der nächſten Veran⸗ laſſung doch wieder geſchah.

Eben jetzt befand er ſich wieder in dieſem Falle.

Konnten die beiden geheimnißvollen Damen, die hier angekommen waren und eine fürſtliche Vollmacht bei ſich führten, nicht dieſelben ſein, die ihm im vorigen Jahre in Italien begegnet waren? Dann mußte er ſich diesmal Zu⸗ gang zu ihnen verſchaffen, ſie mußten ihm Rede ſtehen, ihm ſagen, mit welchem Recht und auf welche Veranlaſſung ſie ſo ſeine Nähe ſuchten.

Albin war ohne Eltern. Zwei Fräulein von Burg, die ohnweit der fürſtlichen Reſidenz ein kleines Landgut be⸗ ſaßen und die, wie man ſagte, nur deshalb nicht heiratheten, weil ſie ſich weder von dieſem reizenden Beſitzthum, noch von einander trennen konnten, waren die Erzieherinnen des Knaben geweſen. Man hatte dieſen einſt in einem Körb⸗ chen im Garten des Pfarrers gefunden. Der gute Mann, der ſelbſt kinderlos war und ſein gutes Auskommen hatte, hätte den Kleinen mit Freuden aufgenommen; aber ſeine Frau war anderer Meinung, und nach ziemlich heftigen

men, und ſeien Sie überzeugt, daß man mich nicht wieder lebendig herauswirft, war zur Wahrheit geworden. Aber noch hatte die Stunde des vollſtandigen Sieges nicht geſchlagen, die blutige, heiße Arbeit noch nicht ihr Ende erreicht. Plötzlich, um 5 Uhr, erfolgte eine heftige Exploſion, eine Säule von Feuer und Rauch umhullre den Malakoff und die ganze linke Seite der Courtine bis zu dem Punkte hin, wo ſie mit der Baſtei zuſammenhängt; das ganze Heer mußte glauben, die ganze Diviſion, Mac⸗Mahon mit derſelben, ſei in die Luft geflogen, oder unter den Trümmern begraben. Aber bald theilte ſich der Rauch, und die Fahne Frank⸗ relchs flatterte auf der Bruſtwehr.

Die Poſition Mac⸗Mahons auf dem Malakoff war ent⸗ ſcheldend für den Erfolg des Sturmes, aber es ſollte ihm noch eine das Heer rettende That gelingen. Gleich beim Beginne des

Srurmangriffes hatte ſich ein ruſſiſcher Officier mit geringer

Mannſchaft in den Thurm des Malakoff geworfen und verthei⸗ digte ſich dort wie ein Verzweifelter. Aus nächſter Nähe wurde ein mörderiſches Feuer auf die Franzoſen unterhalten, die nur langſam, in ſchmalen Reihen vorrücken konnten. Da befahl Mac⸗Mahon, den Thurm mit brennenden Faſchinen zu umgeben und den Feind durch den Rauch zur Uebergabe zu zwingen. Noch zu rechter Zeit aber erinnerte er ſich, wie der Brand den Thurm ſelbſt erreichen und eine Exploſion der Pulvermagazine bewirken

könnte. Die Faſchinen wurden durch Erde gelöſcht, der erſte

Spatenſtich förderte einen elektriſchen Draht zu Tage, durch den unterirdiſch das Pulvermagazin in Brand zu ſetzen war, und bald fanden ſich noch mehre derſelben und wurden unſchädlich ge⸗ macht. Eine fürchterliche verheerende Exploſion war gehindert, Tauſende von Menſchenleben gerettet.

Wenn wir dieſe Kriegsthaten eines der feindlichen Heer⸗ führer überblicken, müſſen wir geſtehen, daß man einem mit allen⸗ Schrecken und Künſten des Krieges vertrauten, alles wagenden Feinde gegenüberſteht, der mit allem Aufwand von Energie, That⸗ kraft und Raſchheit, wie wir ſie von Oeſterreichs Heerführern er⸗ warten, bekämpft werden muß. Aber je tapferer und erprobter der Feind, deſto größer der Ruhm des Siegers.(Wanderer.)

Geſchichten aus alter Zeit. Eine Fürſtenbraut.

Im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts lebte in der alten ſächſiſchen Bergſtadt Freiberg die Witwe eines Steuer⸗ ſchreibers Wenzel mit ihrer einzigen Tochter. Dieſe mochte als Erbin eines großen Vermögens das Ziel der Wünſche manches jungen Mannes ſein; aber alle Bewerbungen prallten ab an dem Hochmuth der Mutter ſowie der Tochter, denn beide hatten ſich's in den Kopf geſetzt, es müſſe wenigſtens ein Graf als Freiers⸗ mann kommen. Es kam aber kein Graf, ja nicht einmal ein Baron. Da machte ſich die Tochter auf und ging zu einerklugen Frau, die damals als Wahrſagerin aus der Karte und dem Kaffeeſatz in Freiberg ihr Weſen trieb, um zu erfahren, ob denn nicht bald ein vornehmer Freier komme, widrigenfalls ſie ſich ent⸗ ſchließen wollte, einem andern ihre Hand zu reichen. Das Orakel aber befeſtigte nicht nur die wankend gewordene Hoffnung aufs Neue, ſondern es ſteigerte ſie noch, indem es der jungen Dame keinen geringern Freiersmann verſprach als einen Fürſten, der in