Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
410
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mehles darin zu backen. lebhaft und heiter zugegangen in des Bergbauers Hofe. Unter der Hausthür hingen geflochtene Tannenreiſer mit Ebiſchbeerbüſcheln verziert. Die ganze lehmgeſchlagene Hausflur war mit ſchneeweißem Sande beſtreut, und das Arom verbrannten Wachholderreiſigs erfüllte das ganze Haus mit angenehmem Dufte.

Auf dem Heerde in der Küche brannte ein praſſelndes Feuer. Darüber hing ein großer kupferner Keſſel, reich⸗ lich zur Hälfte mit Waſſer gefüllt, in dem geſchnittene Peterſilienwurzeln, Möhren und Zwiebeln ſchwammen. Frau Eliſabeth hatte auf Alles ein ſcharfes Auge, Mari⸗ anne ſah man nicht.

Jetzt trat ein junger Mann ein, der ein Netz trug, in welchem ſich vier köſtliche Karpfen befanden. Er hinkte ſtark, als er über die Flur nach der Küche ging, deren hell⸗ rother Feuerſchein an der gegenüber ſtehenden Wand in

zuckenden Flammen ſpielte.

Es ſind die fetteſten im ganzen Hälter, Mutter, ſprach er fröhlichen Geſichts.Ich will ſie gleichreißen, damit ſie fertig ſind, wenn ſie angerutſcht kommen. Länger, wie eine Viertelſtunde kann's nicht mehr dauern.

Der junge Mann war Chriſtfried England. Der Schuß des jähzornigen Ulrich hatte ihn auf Lebenszeit ge⸗ lähmt, ſonſt fehlte dem Gärtnersſohne nichts mehr. Seine Lahmheit ſchien ihn auch nicht weiter zu drücken, denn er war ſehr geſprächig, ſcherzte und lachte, während er mit geſchickter Hand die Karpfen ſchlachtete, zerſtückte und ſie Frau Eliſabeth zur Weiterbeförderung in den Keſſel hin⸗ reichte. Dieſer begann eben mit ſeinem Inhalt hoch auf⸗

zuwallen, als ſich lautes Peitſchengeknall und das lärmende

Geräuſch unharmoniſcher Schellen vernehmen ließ.

Heida, das ſind ſie! rief Chriſtfried, zog ſchnell die Jacke an, deren er ſich vorher beim Schlachten der Fiſche

entledigt hatte, eilte ſo ſchnell wie möglich nach der Hof⸗

Seit Monaten war es nicht ſo

thür und ſah eben denRennſchlitten ins weit offen ſtehende Thorweg einbiegen.

Caro, der wachſame Hund, riß wie toll an der Kette, ſprang hin und her und ſtieß ganz eigenthümliche Töne aus, mit denen er ſeine Freude bezeigen wollte.

Als Lenker des Schlittens, den zwei muthige junge Brandfüchſe zogen, die ſchönſten Pferde des Bergbauers, figurirte der lange England. Im Schlitten, von dicker troddelreicher Decke gegen die Kälte geſchützt, ſaß Martin Ulrich mit ſeiner jungen, jetzt wieder blühend ausſehenden Tochter.

Der Bergbauer warf einen mißtrauiſchen Blick über ſein Gehöft und nach der Thür des Hauſes. Sein Ge⸗ ſicht aber erheiterte ſich merklich, als er hier die Knechte und Mägde, alle feſtlich gekleidet, gewahrte, wie ſie ihm freund⸗ lich zunickten.

Na, ganz aus der Art geſchlagen iſt das Volk noch nicht, ſeh' ich, ſprach er in zufriedenem Tone.Wenn's ſo fortmacht, vertragen wir uns auch nach dem.

Jetzt trat Chriſtfried an den Schlitten und reichte dem herausſpringenden Bauer die Hand zum Gruße.

Gott ſei mit Euch, ſprach der junge Mann,und wenn's ſein kann, ſo laßt mich Euch Vater nennen.

Martin Ulrich erwiderte den derben Händedtuck des Gelähmten.

Die Sache iſt in Ordnung gebracht, Chriſtfried, verſetzte er,und wenn's mir nachgeht, ſo verlieren wir kein Wort mehr drüber.'s lebt eben Keiner auf Erden und ſei's ein Fürſt oder Kaiſer oder unſer allerbeſter Pfarr er kommt nicht durch, ohne daß er einmal ſtol⸗ pert und einen dummen Streich macht. Ich bin's gewahr worden die Zeit her ſeit der Weizenernte. Feſt ſein iſt gut, aber zu feſt kann Einem die Knochen brechen. Ich hab' was gelernt unter dem Pack, und daß ich itzund nicht ſelber ein Stück davon bin, das, mein' ich, verdank' ich

wird ein Roman, Carl Maria von Weber, in das Leben treten, von Meidinger hier nach der Meſſe perſönlich beſtellt. Auf dieſe Weiſe greifen ſich die ſchönen Künſte jetzt unter die Arme und fördern und ergänzen ſich gegenſeitig.

Wenn man grade in Dresden eine ſolche Beſtellung machte, ſo war die Urſache dazu nicht allein darin zu ſuchen, daß der Künſtler hier geboren, ſondern weil die Belletriſtik grade hier ihren beſondern Sitz aufgeſchlagen. Die Zahl der Schriftſteller und Schriftſtellerinnen iſt unglaublich gewachſen. Dazu gibt es am Orte ſelbſt keine Gelegenheit ihre Kräfte zu verwenden; Ver⸗ lagsbuchhandlungen bietet Dresden nicht, und die beiden einzigen anſtändigen Localblätter, die Conſtitutionelle Zeitung und das Dresdner Journal, ſind nur auf die Stadt ſelbſt berechnet und können, bei ſo geringem Abſatz, kein Feuilleton mit wechſelnden Mitarbeitern bieten. Jeder Schriftſteller in Dresden muß daher in der Ferne ſeine Arbeit verwerthen, und wie angenehm und ge⸗ legen kommt dann ein ſolcher Auftrag.

So wie Dresden ſich mehr vergrößert, zerſplittern ſich auch die geſelligen Kreiſe, und nicht mehr, wie ſonſt, bildet die Literatur eine eigene kleine Welt für ſich. Die ſchönen Zeiten, wo Arthur von Nordſtern hier an der Liedertafel präſidirte, ſind dahinge⸗ ſchwunden. Damals wehte ein Geiſt durch die Belles lettres, dem Alle huldigten; es war die Sehnſucht nach einer erträumten idealen Welt, welche die Gemüther beherrſchte. Jetzt ſchwört Je⸗ der zu ſeinem eigenen Gotte und will, daß er der alleinige ſei. Roch vor wenigen Jahren vereinigte ein gemeinſamer Trieb der Mittheilung deſſen, was tief in jedes denkenden Mannes Bruſt ſchlummert, dieſe verſchiedenartigen Elemente unſerer Ritter vom Geiſte; doch auch die Sonne ſollte ſinken. Der Realismus trat

dem idealen Streben immer ſchroffer entgegen, bis beide ganz auseinander fielen. Jetzt heißt es;: Jeder für ſich und der Ruhm für uns Alle! Gutzkow, deſſen bedeutenden Geiſt wohl Niemand verkennt, hat uns auf kurze Zeit verlaſſen. So wie er ſich entfernt, fühlt man gleich die Lücke und weiß ihn nicht zu erſetzen; denn ſtets bedeutend, wo er ſich auch befinde, und unwillkürlich hebt ſich die Stimmung, wo er eintritt, und Jeder bemüht ſich ſein Be⸗ ſtes zu ſagen, ſo wie er erſcheint. Da er der Schmuck der geſelli⸗ gen Kreiſe iſt, ſo kann man ihn hier wohl im Sommer, doch nie im Winter entbehren. 3 Auerbach, der liebenswürdige Held der Dorfgeſchichten, wird uns nächſtens gleichfalls verlaſſen. Auch er ſteht für ſich allein da auf ſeinem Felde, und die ſich zu ihm geſellen, Wolfſohn und Otto Ludwig, neigen ſich mehr dem Menſchen als dem Schriftſteller zu⸗ Ein eigenthümliches Kleeblatt, dieſe Drei! Wolfſohn mit ſei⸗ nem Pathos des Dramatikers, dem angeborenen Ich; tto Ludwig mit dem langen Geſichte, dem langen Haare, Alles an ihm ungeſchickt und eckig, mit Gedanken, die er wie Bauſteine zu⸗ ſammenträgt, hoffend, daß endlich ein Münſter daraus werden und neben dieſen das offene Geſicht Auerbach's, der mit geſundem Sinne den Nagel auf den Kopf treffen kann, ſo oft er ihn treffen will. Von dieſer Gruppe abgeſondert wandelt der lyriſche Dichter Julius Hammer, eine fein angelegte, ideale Natur, mit feinen Augen immer nur gute Menſchen ſehend. Er beſorgt das Feuil⸗ leton der Conſtitutionellen Zeitung und beſitzt dadurch eine Macht, welche die hier lebenden Dichter bald fürchten, bald verachten, je nachdem der Moment über ihre Empfindungen beſtimmt. ſt Ein anderer einſamer Wanderer auf unſerm Parnaſſus iſ

[IV. Jahrg.

nr 26]

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