Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
411
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V. Jun Nr. 26.] ins weit of V Einem, der meinem Herzen nicht immer ſo nahe ſtand, als her ſollte. Aber nun iſts gut, die Geſchichte iſt aus! Du

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ſollſt nicht mehr ungedankt durch den Baumgarten gehen. Magſt Du heut' noch die Tochter eines Verſchimpfierten,

da nimm ſie! Nur abgebauert wird bei mir noch nicht!

Die Bewegung, womit der Bergbauer Marianne dem

Gärtnersſohne als Braut zuführte, war nicht ſehr ſanft.

Sie glich eher einem Rucke, der mit einem Falle endigen konnte, was jedoch nicht geſchah. Das frohe Lachen, welches nach dieſen Worten des Vaters das junge Mädchen an der Bruſt ihres Geliebten vernehmen ließ, erfüllte alle Umſtehenden mit Jubel.

Martin Ulrich ging wie ein Spielball von Hand zu Hand. Jeder ſeiner Leute drängte ſich an den ſo lang' ent⸗ behrten Herrn, um ihn zu begrüßen. Zuletzt ſprang bel⸗ lend der Hund an dem alten Bauer empor und gab ſich nicht eher zufrieden, als bis dieſer ihm alter Gewohnheit nach die Ohren gekraut und lobende Worte geſagt hatte. Die Letzte, welche Martin begrüßte, war Frau Eliſabeth. Sie umarmte ihn erſt an der Stubenthür.

Böſer, lieber Mann! ſprach ſie gerührt, aber unter Thränen lächelnd,wenn Du wiſſen willſt, wie Jemand zu Muthe iſt, der jeden Augenblick unehrlich gemacht werden ſoll, ſo frag' mich. Du mußt Dich fein brav halten, ſonſt verſündigſt Du Dich an mir und verdienſt nicht, daß ich ohne Murren das Alles über mich ergehen ließ!

Schon gut, Mutter, verſetzte Martin, ſeiner Frau auf die Wangen klopfend,will's itzund ſo einrichten, daß Du mich auf allen Kindeleſſen auch auf dem, das die Beiden da über's Jahr hoffentlich ausrichten werden als einen Muſtermann ſollſt auspoſaunen können.

Damit betrat er nach viermonatlicher Abweſenheit ſein Cabinet wieder. Er fand Alles in gewohnter Ordnung. Der Tiſch war ſchon ſauber mit weißem Damaſt überdeckt, ein Wecken der ſchönſten Butter, das Bild des kreuztra⸗

Dritte folge.

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genden Lammes im Hautrelief zeigend, lächelte den Berg⸗ bauer beſonders freundlich an. Auch die geſchliffene Kry⸗ ſtallflaſche mit dem ſelbſt deſtillirten Kirſchbranntwein, der bei einem richtigen Karpfenſchmauſe nie fehlen durfte, hatte Frau Eliſabeth aufzuſetzen nicht vergeſſen.

Marſch mit Euch hinter'n Tiſch! befahl jetzt Mar⸗ tin den beiden jungen Leuten, die Hand in Hand hinter ihm eintraten.Als Verſprochene gehört ihr heut' auf den Ehrenplatz. Nur macht der Köcherei Mutter Eliſabeths keine Schande, ſonſt kriegt Ihr's noch einmal mit mir zu thun. Und bin ich wild, iſt mit mir ſchlecht ſpaßen! Mor⸗ gen geh' ich auf die Pfarr'. Muß dem Herrn Paſtor doch zu wiſſen thun, daß ſie mich ungehangen haben laufen laſ⸗

ſen. Noch bin ichs gewohnt einen Stumpen*) einzu⸗ ſtecken, ſpäter könnt' es mir wieder ſauer werden. Dann beſtell' ich gleich die Verlobung zum zweiten Weihnachts⸗ feiertage, und wenn die heiligen Dreikönige durchs Land gelaufen ſind, wird Hochzeit gemacht. ˙s iſt hohe Zeit, rechn' ich mir, und eben darum ſolls geſchwind gehen.

Die Liebenden hatten nichts gegen dieſe Anordnungen des Bergbauers zu erinnern. Das Mahl des Wieder⸗ ſehens und herzlicher Verſöhnung verlief heiter und mun⸗ dete Allen vortrefflich.

Martin Ulrich hielt, wie er es im Guten und Böſen von jeher gethan hatte, auch diesmal Wort. Am zweiten Weihnachtsfeiertage gab es luſtige Verlobung und drei Wochen ſpäter eine der größten und geräuſchvollſten Hoch⸗ zeiten, die je im Dorfe ausgerichtet worden waren. Alle Dienſtboten und Arbeitsleute Martin Ulrich's erhielten reiche Geſchenke, und zwanzig der Bedürftigſten wurde freies Eſſen und Kuchen ins Haus geſchickt. Kein Bettler ward abgewieſen, ſelbſt fremde nicht, deren ſich aus bloßer Neugierde eine ganz anſtändige Zahl einfand.

*) Einen Verweis.

Dr. Guſtav Kühne, welcher mit ſeiner Europa bei uns eingezogen ſſt und, wie es Jedem geht, der einen Apfel auszutheilen hat, dem Vorwurf nie dabei entgeben konnte. Es bleibt dem Kritiker end⸗ lich nichts übrig, als ſich in ſeine Tugend einzuhüllen und ſchwei⸗ gend ſeine Bahn zu wandeln; ſchweigend, aber ſchreibend. Le si- Janeeedes peuples est la legon des rois.

Robert Waldmüller(Herr Duboi), Ferdinand Stolle, Hoff⸗

nann, der Kinderſchriftſteller, und Nieritz leben in der Neuſtadt,

und dies Jenſeits iſt eine Entfernung, welche hinreichend ſcheidet.

Sie ſind in dieſe Geſellſchaft bis jetzt nicht einzudringen bemüht

geweſen.. 3 Director Hettner, als Aeſthetiker, gehörte Anfangs den Belle⸗

wiſten an, dann aber entfremdeten die Verhältniſſe ihn dieſem

Kreiſe. 23 Profeſſor Andrée hat ein Landhaus zu ſeinem Aufenthalte

ewählt, wo er ungeſtört ſeiner Arbeit leben kann. Sein wunder⸗

jares Gedächtniß, ſein Reichthum an Kenntniſſen ſind ein Schatz, welcher der Literakur zum Nutzen ausgebeutet wird.

Alexander Ziegler, der einzige unverheirathete Schriftſteller

in Dresden, ſchließt ſich an Andrée an, weil ihre Studien zuſam⸗ rien gehen und der Eine aus Anſchauungen kennt, was der An⸗ tere durch Bücher gewonnen hat, wodurch ihre Unterhaltung höchſt nikant wird.

Hofrath Klemm, der Verfaſſer der Culturgeſchichte, iſt eine

eebendige Encyklopädie und immer bereit aus den Kammern ſeines Bedächtniſſes hervorzuholen, um dadurch zugleich etwas Ordnung linein zu bringen. Solche Sammler ſind nothwendige Vor⸗ urbeiter, deren Werth mit den Jahrhunderten ſteigt. Sein Werk ſt in allen Bibliotheken des Erdballs zu finden und von den äußer⸗

ſten Grenzen Aſiens kommen Gelehrte hierher, um den Verfaſſer kennen zu lernen.

In ſeine Fußſtapfen tritt Hofrath Dr. Gräße, doch bis jetzt noch nicht mit gleichem Erfolge. Er ſchreibt augenblicklich an einer großen Encyklopädie in achtzehn Bänden, welche zugleich in

Deutſchland und in Frankreich erſcheinen wird. Als Nebenbeſchäf⸗ tigung beaufſichtigt er die koſtbare Porzellanſammlung im Japa⸗ niſchen Palais.

So viele bedeutende Namen würden, zu einem Kreiſe vereint, einen großen Einfluß üben; ſo aber wandeln ſie, Planeten gleich, ihre einſame Bahn, glücklich genug, wenn einige Satelliten ſie umkreiſen und kein Komet ihren Lauf unterbricht.

Amely Bölte

Miscellen. Die gabel ein Symbol der Civiliſation.

Nach einem geiſtreichen Ausſpruch, der wenigſtens viel Wah⸗ res an ſich hat, wenn man ihn auch nicht unbedingt als richtig anerkennen will, iſt die Gabel ein ſicheres Kennzeichen von der ſtufenweiſen Zunahme der Civiliſation.

Völker, welche auf der niedrigſten Stufe der geſellſchaftlichen Bildung ſtehen, bedienen ſich der ihnen von der Natur verliehenen Gabel, ihrer Finger, um die Speiſen zum Munde zu führen. Wird dieſe Rohbeit abgelegt, ſo bedient ſich der Menſch einer Spitze, um die größeren Speiſe⸗Brocken damit aufzuſpießen, das Landvolk vieler in den höberen Kreiſen bereits ſehr civiliſir⸗ ter Länder ißt mit zweizinkigen Gabeln; Engländer, Deutſche,