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ein Kind mi de chen, wenn ſie vr bloß noch ei Ehrenplatz, mn
and Lumpenvo Kopf vor den Lan Vater, wir müſſe nach dieſer Prüfun uernſohn ſieht mit
nehr freundlich ode
Körper des ſtarken Mannes, der nicht wußte was Krank⸗ heit war, zitterte und zuckte, als litte er an toniſchen Krämpfen.— Faſt erbarmte es jetzt die Tochter, daß ſie ſo unbarmherzig dem Vater ſein Unrecht und ſein Unglück vorgehalten hatte. Sie kniete vor ihm nieder und rief ihn mit thränenerſtickter Stimme beim Namen.
Martin Ulrich blickte matt auf wie Einer, der aus ſchwerer Ohnmacht erwacht. Es dauerte noch eine gute Weile, ehe er die Sprache wiederfand. Kraftlos legte er die Rechte auf das Haupt des knieenden Kindes.
„Steh' auf, Marianne!“ ſprach er mit Mühe.„Es iſt ein ſchrecklich Ding, wenn der Menſch auf einmal ſich ganz ſo ſieht, wie er wirklich beſchaffen iſt. Ein Geiſt, denkt er, tritt ihm entgegen und wollte ihn ſchrecken, und
g mit Martin Ulri doch iſt er's ſelber, wie er leibt und lebt. Du haſt mir
als ſtände hi einen Spiegel vorgehalten, in dem ich lieber gleich verblin⸗ nit unſichtban det wär'!— Es iſt nichts Gutes mehr an mir, ich ſeh's tenſchmn von ihm u V ein, und wenn Einer mir künftig auf den Fuß tritt und
n Hocmuth, aln nicht ſagt: mit Verlaub, Martin, ſo werd' ich wohl ſtill dens Worten bn halten müſſen.— Wollt', wär' zu Ende, das Biſſel elend Leben, das mir ſo niederträchtig verſchimpfiert worden iſt! Wird mir hart ankommen es drin auszuhalten, will's aber doch verſuchen, um den Leuten zu zeigen, daß ich trotz des Unglücks, das ſich über mir aufthürmt, doch ein ganzer ſträmmer Bauer bin!“ Martin Ulrich erholte ſich ſichtlich von ſeiner Nieder⸗
Recht, das undar bärter, viel liebloß *Sünden hielt it n Folgen, dief
ſo furchtbar Rac
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n den Abiällde geſchlagenheit. Er ſah ſchon wieder feſt um ſich und die Garb⸗ölge durf V alte Zuverſicht trat auf ſeine Stirn. Marianne lehnte ſich en Ho un an ihn..
in Stokkhauſ„Was ſoll ich Chriſtfried für eine Antwort bringen,
wenn ich heimkehre?“ fragte ſie ſchüchtern.
Der Vater ließ abermals den Kopf auf die Bruſt ſin⸗ ken und ſein Auge umſchleierte ſich.
„Keine, Marianne, von mir keine!—— Morgen iſt auch noch ein Tag. Ich muß Zeit haben und will mich
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Dritte folge.
„Ich beſuch' Euch übermorgen wieder, Vater! Dann
habt Ihr Euch ſchon darein gefunden, und Ihr werdet
ſehen, daß Euer neuer Rock nicht ſo arg kratzt, als er ſich anfühlt.“ Martin bewegte ſinnend den Kopf, dann reichte er ſei⸗
ner Tochter die Hand und ſprach:
„Geh' heim, Marianne, und grüße die Mutter. Du magſt wieder kommen, wenn Dichs Herz hierher treibt. Der alte Adam ſoll begraben werden mit der Zeit; ich muß nur erſt die Grube mit den Händen aufwühlen, damit ich den unbequemen Kerl auf einen Ruck hineinſchmeißen kann! Es heißt zwar— ſprechen die Predigtleute die Reue ſei gut Ding und brüte die Demuth aus, ich find' aber, es iſt ein verdammt bitter Kraut, die Demuth, und ſchwer hinunter zu ſchlucken.— Na behüt' Gott, Marianne! Schlag' mir nicht ganz fehl, daß mir doch ein Troſt bleibt in meiner ſchweren Prüfung!“
Er drückte der Tochter die Hand, duldete ihre flüchtige Umarmung, wobei ein paar Thränen aus ihren Augen in ſeinen Bart rollten, und ſah ſich einen Moment ſpäter al⸗ lein in dem Zimmer, wo dieſe erſchütternde Unterredung ſtattgefunden hatte.
8.
Es war acht Tage vor Weihnachten, dichter Schnee be⸗ deckte die feſtgefrorene Erde, und hin und wieder zeigte ſich bereits ein leichter Schlitten mit reich geputztem ſchelleube⸗ hangenen Pferde.
In Martin Ulrich's Hauſe ward gefegt und geſcheuert, als wolle man Kindtaufe ausrichten oder Hochzeit geben. Vorbereitungen zum nahen Feſte konnten dies nicht ſein, denn da mußte zuvor der Backofen geheizt werden, um ein paar in Chriſtbrode verwandelte Scheffel feinſten Weizen⸗
beſinnen.“
— Aus der Gegenwart.
Plaudereien aus Dresden. Kunſtausſtellung. Rietſchel. Dichter und Gelehrte.
— 24,4g. Eine Pracht von Blüthen ſchmückt in dieſem Augenblicke die Stadt und ihre nächſte Umgebung. Wohin das Auge ſich wendet, f begegnet es dem höchſten Reichthum friſch aufgeblühter Knospen, 1 welche die Atmoſphäre mit ihrem Wohlgeruche tränken.— Muſik⸗ Sch hmitte⸗ chöre ſpielen nah und fern. Man braucht nur das Ohr zu leihen, de Geſchit⸗ um nach irgend einer Richtung hin durch die Tonkunſt begrüßt zu weln, die untn werden. Dresden iſt im Juni wahrhaft bezaubernd ſchön, nur tnd und wlt darf das Wetter nicht durch ſeine Unbeſtändigkeit, wie jetzt, den „ſogenannten Genuß an der Natur ſo bitter ſchmälern.— ſ Auf der Terraſſe haben ſich alle Stammgäſte eingefunden, denen ſich ſchon einzelne Fremde zugeſellen.— Die Dampfſchiffe 55 chaben ihren Lauf begonnen, die Landhäuſer ſind bezogen; ein 1 Kommen und Gehen von nah und ferne belebt den Verkehr. die ſh Die Kunſtausſtellung auf der Terraſſe hat das günſtigſte Local für ſich gewählt; denn wie oft, um eine müßige Stunde d Au auszufüllen, tritt hier ein Spaziergänger ein.— Augenblicklich hen, wringt ſie, als beſonderes Reizmittel, die Nauſikaa von Profeſſor Ha Bendemann, ein Bild, das der König von Preußen bei ſeinem letz⸗ nen Beſuche für ſich in Beſchlag nahm, deſſen Vollendung aber durch das Augenübel des Künſtlers verzögert ward.— Wie ſehr wird die Kunſt einſt Friedrich Wilhelm vermiſſen! Außerdem iſt noch das von dem deutſchen Kunſtverein in Auftrag gegebene Bild, Kaiſer Rudolfs letzter Ritt, aufgeſtellt.—
B. von Schwind hat mit der Ausführung dieſes Thema’s keine Ehre eingelegt. Die Compoſition iſt ſteif und einförmig und das Colorit unter aller Kritik. Es fragt ſich, ob der Kunſtverein ge⸗
bunden iſt einen ſo mangelhaft ausgeführten Auftrag anzuerken⸗
nen; denn freilich würde unſere deutſche Geſchichte durch ſolche Darſtellungen wenig gewinnen.
Der Congreß von Paris iſt in einem Locale neben an zu ſehen und erregt, ſchon wegen der vortrefflichen Portraits, das allgemeine Intereſſe. Es iſt ein Bild der lebensvollen Wirklich⸗ keit, es iſt die gemalte Geſchichte unſerer Zeit.— Neben dieſem Bilde hat noch das Modell eines Brunnens ſeinen Platz gefunden, der, nach chriſtlichen Motiven, von dem Grafen von der Recke aus⸗ geführt iſt. Der Vater dieſes Grafen iſt der Begründer einer chriſtlichen Kinderbewahranſtalt zu Düſſelthal bei Düſſeldorf.— Es herrſcht alſo ohne Zweifel viel frommer Sinn in dieſer Fa⸗ milie, und ſicher hat die künſtleriſche Geſtaltung eines Brunnens ihren Urſprung der Idee zu verdanken, es ſolle das Waſſer des Lebens den Gläubigen zufließen.
Da es Dresden gänzlich an ſchönen Brunnen mangelt, ſo wäre es ſehr löblich von dem gräflichen Künſtler, wenn er in eige⸗ nem Auftrage ſein Modell bei uns ausführte und ſich damit dau⸗ ernd einen Namen in der Geſchichte Sachſens erwürbe. Es iſt ein großer Vorzug ſein eigener Mäcen ſein zu können, und mancher Künſtler möchte ihn darum beneiden.
Auf unſerer Terraſſe befindet ſich auch noch das Atelier des berühmten Profeſſor Rietſchel, auf den Dresden nicht ohne Grund ſtolz iſt.— Seine neueſte Arbeit, Carl Maria von Weber, ſteht zum Guſſe bereit und verſpricht viel Schönes, obwohl es vielleicht kein Pendant zu Leſſing bilder.— Zugleich mit dieſer Statue


