Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
408
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Es ſteht geſchrieben, Vater: das Weib ſoll dem Manne anhangen und ihm zu Liebe Vater und Mutter verlaſſen. Vertreibt Ihr mich wie eine Verworfene, Chriſtfried wird ſeine Thür öffnen und mich aufnehmen mit frohem Herzen. Und wenn ich nackt und bloß an ſein Gitter klopfe, er dankt doch Gott, wenn er mich nur ſieht!

Wenn mich der Schlag gerührt in den letzten Tagen, 's wär' beſſer für uns, Marianne! Einer von uns Beiden wird jetzt zum Lügner vor'm Herrn!

Martin Ulrich's Stimme klang bei dieſer letzten Aeuße⸗ rung mehr betrübt als hart. In Mariannnes Buſen flackerte ein ſchwacher Hoffnungsfunke auf. Sie durfte jetzt nicht nachgeben, das fühlte ſie. Sie mußte ſtreng bei der Stange bleiben und mit überzeugender Kraft ihre Liebe und deren Berechtigung dem Vater gegenüber vertheidigen. Ein glücklicher Gedanke fiel zündend und erleuchtend zu⸗ gleich in ihre Seele, als ſende ihn Gott ſelbſt ihr auf dem hereinflammenden Sonnenſtrahle zu.

Ihr habt freilich geſchworen, Vater, daß ich bei Eue⸗ ren Lebzeiten nie Chriſtfried England's Frau werden ſoll, ſprach Marianne;der Schwur aber geht Euch heute nichts mehr an.

Nicht! Meinſt, ich macht's wie des Papſtes ſchwarze Garde und ſchwör' mit heimlichem Vorbehalt? Verdammt will ich ſein drei Tage über die Ewigkeit hinaus, und der Teufel Alleroberſter ſoll mich zehntauſend Millionen Schock Meilen weit durch alle Tiefen der Hölle zerren an meinem

dünnſten Haare, wenn ich ſo ſpielen könnt' mit meinem

Eide! Ich bin ein altluther'ſcher Chriſt, und dem gilt ein Eid ſo viel wie die Seligkeit! Das gilt er mir gerade auch, Vater. Aber damals, als Ihr ſchwurt, war't Ihr ein Anderer als itzund. Als itzund?

Ja, Vater. Ihr war't damals der reiche Bauer

Martin Ulrich, dem Keiyer nachſagen konnte, daß ein Un⸗

Noveſſen⸗Zeitung.

IV. J ahrg

auf Euere Bauerſchaft dürft Ihr nicht mehr ſein.

Schiem*) übrig! Das Stockhaus iſt kein Ehrenplatz, und

ten nicht mehr hoch tragen. Gott bitten, daß er mir den Chriſtlieb nach dieſer Prüfung nicht abſpenſtig macht; denn ein Bauernſohn ſieht mich nach dieſer ſchlimmen Zeit ſchwerlich mehr freundlich oder gar ehrerbietig an.

Bei dieſer Rede ſeiner Tochter ging mit Martin Ulrich eine furchtbare Veränderung vor. Es war, als ſtände hin⸗ ter ihm ein ſtrafender Engel und ſtreife mit unſichtbarer Geiſterhand den alten unbeugſamen Menſchen von ihm ab. Es war vorüber mit allem Stolz, allem Hochmuth, allem Trotz des Bergbauers. Vor Mariannens Worten brach er innerlich zuſammen. Sie hatte ja Recht, das unbarm⸗ herzige Kind, und ſie konnte noch viel härter, viel liebloſer zu ihm ſprechen. Sein Unrecht, ſeine Sünden hielt ihm

gehabt, deutete ſie hin. das böſe, liebeſtarke, eigenſinnige Kind! Er war nicht mehr wie der gemeinſte Vagabond, der um den Abfall des

er gar nicht grob abweiſen, wenn er in ſeinen Hof treten ſollte. Sie waren ja Kameraden geweſen im Stockhauſe!

Röchelnd wie ein Sterbender ſaß Martin Ulrich auf dem Schemel. Sein Kopf hing niedergeſenkt auf die Bruſt, die linke Hand lag kraftlos auf dem Tiſche. Der ganze

V

*) Ein Flecken. **) Ein matter Schimmer.

gänzen und nutzbar machen konnte. Und zwar geſchah dies erſt, ſeit deutſche Wiſſenſchaft und deutſche Ausdauer ſich mit dem bri⸗ tiſchen Unternehmungsgeiſte verband. Die erfolgreichen Anregun⸗ gen eines Bunſen und Petermann, die jahrelange raſtloſe Hinge⸗ bung, der bis zum Aeußerſten ausdauernde Muth und Fleiß der Reiſenden Overweg, Barth und Vogel machen die im Jahre 1849 begonnene Entdeckungsreiſe zu einem Triumphe des deutſchen Geiſtes. Durch ſie wurde der größere weſtliche Theil des Sudan in helles Licht geſtellt, ein bis ins Herz von Afrika führender ſchiffbarer Nebenfluß des Kowara⸗Niger, der Benue, entdeckt, welcher bereits von Dampfſchiffen befahren worden iſt, und die Erforſchung der öſtlicheren Länder, welche den Tſadſee von dem Gebiete des oberen Nil trennen, angebahnt.

Egyptiſcher Aberglaube.

Beinahe allgemein iſt noch jetzt bei den Egyptern der Glaube, Jeder habe einen unſichtbaren Geiſt zum ſteten Begleiter und werde durch denſelben, je nachdem er Schutzgeiſt oder Dämon iſt, zum Guten oder zum Böſen geleitet, zum Gluͤck oder zum Unglück.

Dieſer Aberglaube bringt manche komiſche oder lächerliche Folgen hervor. So ſagt z. B. ein Egypter, der eine Laſt trägt und ſie einen Augenblick niederlegen will, um auszuruhen, zu⸗

vor mit großer Feierlichkeit:Mit gnädigſter Erlaubniß! Denn er fürchtet, ſeinen unſichtbaren Begleiter zu beleidigen, in⸗

dem er ihm etwa unverſehens die Laſt auf die Zehen würfe.

um ſich in das Haus des von ihnen Begleiteten einzuſchleichen, und nur durch artige Bitten, ſo wähnt der Aberglaube, können ſie bewogen werden das Haus wieder zu verlaſſen.

In Kairo iſt ſelbſt unter den gebildeteren Claſſen der Glaube

an Vampyre herrſchend, welche vom Grabe aus an dem Leben

ihrer nächſten Angehörigen ſaugen, um ſie ſich nachzuziehent

am meiſten verbreitete Aberglaube iſt indeß der des böſen Blicks⸗ Die Wirkungen dieſes Zaubers ſind mannigfaltig und oft furcht⸗ bar, indeß gibt es dagegen auch mancherlei Schutzmittel. Bei Pferden und Kameelen befeſtigt man z. B. an dem Geſchirre eine größere Anzahl jener kleinen weißen Muſcheln, die unter demn Namen der Schlangenköpfchen bekannt ſind und welche man auch bei uns einige Zeit lang, beſonders an dem ſogenannten un⸗ gariſchen Zaumzeuge, als Zierrath verwendete.

Menſchen ſichern ſich gegen die Wirkungen des böſen Blickes

dadurch, daß ſie an ihrem Leibe als Talisman einen Zettel ver⸗

ergen, auf dem die 99 Eigenſchaften Gottes neben einem Ver⸗ zeichniß von den Gegenſtänden geſchrieben ſind, die ſich in dem Nachlaſſe des Propheten befanden.

Ein anderer Talisman wird gegen allerhand Augenkrank⸗ heiten angewendet. Er beſteht in kleinen Plätzchen, welche in Medina von den Prieſtern am Grabe des Propheten aus dem mni Speichel durchkneteten Staube des Grabes verfertigt waber. Die Pilger, welche die heiligen Städte Mekka und Medina d2 ſuchen, treiben mit dieſen Talismanen einen ſtarken Handel. a.

Eine andere Folge iſt eine große Höflichkeit gegen ſchwarze

venitzen, denn in ſolche ſollen die Geiſter ſich zuweilen verwandeln,

thätel*) an ihm ſei. Itzund iſt das anders geworden. Iht ſeid wohl Bauer geblieben und wohlhabend dazu, ſtolz aber Gegen den Martin Ulrich, der dazumal ſchwur, ſein Kind mit der Karbatſche aus ſeinem Hauſe zu peitſchen, wenn ſie von dem Gärtnersſohne nicht laſſe, iſt heute bloß noch ein

wen ſeine Obrigkeit verurtheilt mit allerhand Lumpenvolk zu arbeiten und zu eſſen, der darf den Kopf vor den Leu⸗ Ich denk', Vater, wir müſſen

die Tochter nicht vor, nur auf die traurigen Folgen, die ſie Und ſie hatte ſo furchtbar Recht,

Geſindetiſches bettelte! Den liederlichen Korb⸗Jörge⸗durfte

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