Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
392
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392 Nooellen⸗

Gott den Herrn! wiederholte mit lallender Zunge Martin Ulrich.Wenn Gott der Herr mir doch gnädig ſein wollte!

6.

Marianne ſchlich ſich bald nach elf Uhr aus dem Hauſe, ſtieg über den Zaun und eilte nach der verſteckten Laube. Hier vernahm ſie den Schuß, und ein eigenthümliches Bangen befiel ſie. Sie gedachte ſogleich des Vaters, und es wollte ſie nicht beruhigen, daß derſelbe bei jedesmaligem Verlaſſen des Hauſes der Mutter die Verſicherung gab, ſeine Flinte ſei bloß für Spatzen geladen.

Die Zeit ward dem harrenden Mädchen entſetzlich lang. Chriſtfried war doch ſonſt ſo flink und ließ ſich keine Mühe verdrießen, wenn er nur ein paar Minuten mit ihr plau⸗ dern konnte. Warum zögerte er heute ſo ewig lange?

Es litt Marianne bald nirgends mehr. Durch den ganzen langen Baumgarten bis hinunter an das ſteile Flußufer ſchritt ſie, auf jedes Geräuſch horchend, immer in der Hoffnung, der Geliebte müſſe es ſein und ſie zärtlich an ſein Herz drücken. Dann ging ſie wieder zurück, lieb⸗ koſte den Kettenhund, der ihr dankend die Hand leckte, ſah nach, ob auch in den Stallungen Alles ruhig ſei, und wagte ſich endlich bis an das nur angelehnte Hofthor. Die großen Lindenbäume vor demſelben boten einen trefflichen Verſteck. Ein ſtarker Mann konnte ßeh hinter jedem der⸗ ſelben verbergen und dabei doch bequem nach dem Felde kuslugen.

Sie hatte nur einige Minuten hier gelauſcht, als ſie die Geſtalt eines Mannes vom Felde hereinſchreiten ſah. Er ging raſch, offenbar weil er Eile hatte.

Da kommt er! jubelte Marianne im Herzen. Nun wart', Schelm! Dafür, daß Du mich ſo lange haſt

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Hinter dem Stamme der leis rauſchenden Linde ver⸗ vorgen, horchte ſie genau auf die Schritte des ziemlich ſchnell näher Kommenden. Jetzt vernahm ſie ſie am Rande des Pflanzengärtchens jetzt ſtieß der Eilende an den Stein im Fahrwege nun hatte er nur noch zwei Schritte bis zum Baume. Eins zwei zählte das glückliche Mädchen die Geſtalt ſchritt vorüber und Marianne traf mit derbem Schlage ihre Schulter.

Nachtſchwärmer! ſprach ſie kichernd und wollte den ſehnlichſt Erwarteten mit beiden Armen umfangen. Da packte ſie plötzlich ſtarres Entſetzen, ihr Blut ſtockte denn ſie ſah in die geiſterbleichen, verſtörten Züge ihres Vaters!

Ein halb unterdrückter Schrei entglitt ihren Lippen. Martin Ulrich rief zurücktretend nur das eine Wort: Marianne!

Furcht lähmte in den nächſten Augenblicken die Zunge der Tochter, Argwohn und die gerechtfertigte Vermuthung, das Mädchen wandele auf verbotenen Wegen, ließ den Vater nicht gleich zu Worte kommen.

Wem galt Dein Gekicher? ſtammelte dann der ver⸗ ſtörte und doch auch von aufwallendem Zorn wieder be⸗ herrſchte Bauer.Erwarteſt Du den verdammten Kerl vom hintern Zaun her? Wenn's das wäre, bei meinen Eid, die Kehle könnt' ich Dir zudrücken wie einer Katze! Es liefe dann Alles auf Eins hinaus.

ich hörte ſchießen und da hatte ich

Weſen nicht entging, Wo ließt Ihr denn die

keine Ruhe mehr im Hauſe. Flinte?

Dieſe Frage verwirrte Martin Ulrich dergeſtalt, daß er im Hinblick auf das Unglück, das er wahrſcheinlich an gerichtet hatte, den Kummer vergaß, den ihm die Tochie verurſachte. Gebieteriſch ſtreckte er den Arm aus nach der

warten laſſen, mußt Du einen kleinen Schreck haben!

Hofe, und ohne eine weitere Unterredungemit der ängſt

guten Eigenſchaften ſeiner Weine nicht zu ſchätzen wußte, ſo wollte er nur Champagner trinken. Der deutſche Wein mußte unter frem⸗ dem Aushängeſchilde auftreten, und der Käufer mußte die glän⸗ ende und gleißneriſche Etiquette theuer bezahlen. Dem Fabrikanten jedoch kam der theure Preis nicht zu gute; den größten Antheil davon mußte er dem Weinhändler überlaſſen, der ja wußte, daß die Waare nicht echt.

Endlich ſtrebt man auch in Deutſchland dahin, die nationale Eigenthümlichkeit unſerer Weine auch den Schaumweinen zu er⸗ halten. Die eitle Sucht, den franzöſiſchen Wein nachzuahmen, wird immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Es wäre zu wünſchen, daß endlich auch das deutſche Publicum zu der Einſicht käme, die Vorzüge der deutſchen Schaumweine zu würdigen. Wäre es dem Fabrikanten verſtattet, ſeine Waare frank und frei und ohne die lügneriſche Etiquette auf den Markt zu bringen, ſo könnte er ſtatt der oft ſehr leichten und geringen Weinſorten, die er zu verwenden gezwungen iſt, um dem Geſchmack der Trinker zu fröhnen, gehaltvollere, geruch⸗ und bouquetreichere Weine aus⸗ wählen, die ein ſpecifiſch vaterländiſches Product geben würden, das dreiſt mit dem Champagner in die Schranken treten könnte. Man hat es mit der Zeit in Deutſchland gelernt, einen Schaum⸗ wein zu fabriciren, der zu ſeiner Empfehlung keines fremden Aus⸗ hängeſchildes bedarf.

Zuerſt Deutſchland durch Keßler in Eßlingen vorzugsweiſe betrieben; dieſe Fabrik florirt noch und liefert jährlich bis 100,000 Flaſchen. Die Neckarweine ſind ganz beſonders zur Fabrikation mouſſiren⸗

Weine geeignet und kommen von allen deutſchen Schaum⸗ gen dem Champagner am nächſten. Außer in Eßlingen werden

wurde die Fabrikation der mouſſirenden Weine in

auch in Stuttgart und Heilbronn bedeutende Quantitäten be⸗ reitet. Auch am Rhein wird die Fabrikation der Schaumwein ſchon lange betrieben; der Schaumwein von Hochheim iſt der beit⸗ unter den einheimiſchen mouſſirenden Weinen. Die mouſſirenden Moſelweine von Trier, Coblenz u. ſ. w. und der Schaumwit

von odendon an der Aar rangiren gleich nach den Schaumane nen vom Neckar. Auch in Franken, namentlich zu Würzburg, i zielt man Schaumweine, die eine delicate Süße beſitzen und 3 Feinheit und Geſchmack dem echten Champagner aͤhnlich ſian Hier geſchah die Einführung des neuen Fabrikationszweiges u ungefahr 20 Jahren durch den Kellermeiſter Oppmann in Würz burg; durch den Weinhändler Döring dafelbſt wurde der ern

Vater, verſetzte Marianne, der ſein verändertes.

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Schaumwein aus Franken in den Handel gebracht. Die gut Markgräflerweine, die auf dem Kaiſerſtuhl in vulcaniſchem Bod

wachſen, liefern einen Schaumwein, der ſich ſeines deutſchen Ae⸗ einen ſolchet

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V erhalten. Oben an ſteht das Erzeugniß von