390
er wagte es nicht, weil ein ſolcher unerlaubter Eingriff in fremde Rechte doch unangenehme Folgen für ihn haben konnte.
Die Nächte brachte er conſequent auf dem Felde zu. Er ward ärgerlich, daß kein verdächtiger Herumſchleicher ſich ſehen ließ; denn er hätte doch gar zu gern einen der Schälke, von denen er mehrere zu kennen glaubte, auf friſcher That ertappt. Recht würde er ſich dann ſchon ſelbſt auf ſeine Weiſe verſchafft haben, ohne die weltliche Obrigkeit zu incommodiren und den Ergriffenen in ſchwere Strafe zu bringen. Es blieb aber in jeder Nacht Alles ſtill, und Martin Ulrich langweilte ſich ganz entſetzlich. Auch begann ihn das Wetter zu geniren. Schien am Tage die Sonne, ſo regnete es regelmäßig des Nachts mehr wie einmal, und der Wachehaltende wurde durchnäßt bis auf die Haut. Dennoch gab er ſein Vorhaben nicht auf, weil er feſt überzeugt war, die ſchlauen Felddiebe würden ſich einfinden, ſobald ſie ſich ſicher wüßten.
Am meiſten verdroß es den Bergbauer, daß des Nach⸗ bars Sohn jeden Abend, wenn er mit ſeiner verroſteten Flinte den Rain heraufſchritt, um die nutzloſe Wache anzu⸗ treten, regelmäßig von ſeinem Felde heimging. Der Burſche war ſo malitiös, ihn dann ganz freundlich zu grü⸗ ßen und allemal auch gute Wache zu wünſchen.
„Könnt' ich dem Bengel doch ans Fech!“ knirſchte Martin Ulrich.„Er weiß, daß ich ſeine paar lumpigen Aehren mit bewache, und gerade darum thut er ſich im Hauſe „was zu Gute!“
Das that Chriſtfried England auch wirklich. Es ver⸗ ging kkeine Nacht, wo er nicht mit der Tochter des alten Brummbärs zuſammen ſteckte, nur hütete er ſich das ge⸗ liebte Mädchen im Hauſe zu beſuchen. Denn wäre Mar⸗ tin Ulrich unerwartet heimgekommen und hätte ihn betrof⸗ fen, ſo würde bei dem wilden Jähzorn des Bauers das größte Unglück aus ſolcher Begegnung entſtanden ſein.
dem Felde zubrachte, wollte der junge England ſein Mäd⸗ chen erſt gegen Mitternacht beſuchen. Er mußte für den Vater zum Stellmacher gehen, der zwei Stunden entfernt wohnte, und da er erſt gegen Sonnenuntergang frei ward, konnte ſich die Rückkunft bis ſpät in die Nacht hinein ver⸗ zögern. Als Ort des Stelldicheins war die ſehr verſteckte und dicht mit Gebüſch umgebene Laube im Garten Eng⸗ lands beſtimmt.
Ein paar Gewitterſchauer zogen am Tage längs des Gebirges hin, weiter abwärts fiel nur dünner Sprühregen. Gegen Sonnenuntergang hellte ſich das Wetter auf, und als Martin Ulrich mit ſeiner Flinte, die er mit großer Mühe etwas vom Roſt gereinigt, ſpäter vorſichtig aufs Neue geladen hatte, nachdem er den nun ſchon mehrere Tage alten Schuß herausgezogen, ſeine Wache antrat, ſtrahlte der Himmel im reinſten Aetherblau.
Auch in dieſer Nacht zeigte ſich dem Wachenden nichts Verdächtiges. Es war der klaren Luft wegen heller wie in den früheren Nächten, obwohl der Mond nicht ſchien.
Der Bergbauer fühlte ſich, als er ein paar Mal ſeine Felder umſchritten, auch ein paar der am weiteſten nach dem Berge vorgeſchobenen Puppen genau beſichtigt und die Garben gezählt hatte, ermüdet.
Er ſetzte ſich daher weiter abwärts, das Geſicht halb dem Dorfe, deſſen Hunde er bellen hörte, halb ſeinem Felde zugekehrt, neben eine der Puppen, die ihm Schutz gegen den ziemlich ſcharfen Wind gewährte, der vom Gebirgs⸗ kamme herüber pfiff. Manchmal vernahm er das Rauſchen des Wehres— dann dachte er an ſeine Reuſen und nahm ſich vor, gleich am nächſten Morgen nach abgehaltener Wache nachzuſehen, ob ſich viele Schmerlen darin gefangen hätten.
Bald fühlte er ſich von Schläfrigkeit dergeſtalt über⸗ mannt, daß er vergebens dagegen ankämpfte. Zwar ſchlief er nicht ordentlich ein, er dämmerte nur ſo hin, quälte ſich
In der fünften Nacht, die der Bergbauer wachend auf
mit Träumen und hörte doch das Geräuſch im Dorfe⸗
Nach acht Tagen war der Cornet in Paris.— Als er dem Car⸗ dinal vorgeſtellt wurde, erwähnte er natürlich ſeine Verſe nicht,
ſondern ſprach den Wunſch aus, ſeine Ergebenheit für den König,
ſeine Liebe zum Vaterlande und ſeine unbegrenzte Dankbarkeit Sr. Eminenz dem Cardinal beweiſen zu können.— Der Cardinal
verſicherte ihm ſeine Protection und fügte wohlwollend hinzu:
„Die Verſe Louis de Lyrac's waren ein wenig boshaft; aber Louis
. de Lyrac exiſtirt nicht mehr, ich kenne nur den Capitän du Caſſe
und ich werde mich ſeiner immer erinnern, ſeid deſſen gewiß. Hier iſt etwas zu ſeiner Ausrüſtung.“ Der Prälat drückte dem glück⸗ lichen Capitän eine Rolle Goldſtücke in die Hand und war ſogar ſo herablaſſend, die Adreſſe des Capitäns aufzuſchreiben.
Nach einigen Tagen empfing der Capitän, was er ſich nicht hätte träumen laſſen, eine Einladung zum Diner bei Sr. Eminenz in Ruel..
Er kleidete ſich ſorgfältig an und, da das Wetter ſchön war,
machte er ſich zeitig zu Fuß auf den Weg; er kam bis eine Stunde
vor Ruel ohne Zufall an, die reine Luft hatte ſeinen Appetit ge⸗
ſchärft und er dachte über die ſo plötzliche glückliche Wendung ſei⸗
nes Schickſals nach. Einige Regentropfen entriſſen ihn ſeinen Träumereien und er ſuchte Schutz unter einem Baume; der Regen hörte aber nicht auf und der Capitän ſah mit Kummer die Unord⸗
nung, in welche der Regen ſeine Toilette bald bringen werde—
da hörte er das Rollen eines Wagens. Aber was war das für ein Wagen? Ein langer Weidenkorb auf zwei Rädern, mit einer Decke von Wachsleinwand, aus mehreren Stücken von verſchiede⸗ ner Farbe zuſammengeflickt; auf dieſer Equipage, von einem klei⸗ nen gut ausſehenden Klepper gezogen, ſaß ein kräftiger, dicker Mann. Dieſer hatte Mitleid mit dem Capitän und bot ihm einen
Platz auf ſeinem Wagen an.— Der Capitän nahm das Anerbie⸗ ten dankbar an und, um den rechtſchaffenen Fuhrmann. wiſſen zu laſſen, wen er aufgenommen habe, erzählte er ihm, wer er ſei, woher er käme und wohin er gehen wolle.
„Denkt Euch, mein guter Mann, daß ich außer meinent leh⸗
haften Geiſt, der ein Erzeugniß der Gascogne iſt, auch noch die Gabe der Poeſie beſitze. Ihr ſeht in mir einen würdigen Schüler Desportes, Malherbe's und des Marquis von Racan. Durch den göttlichen Phöbus begeiſtert, wielleicht auch ein wenig vom Teufe verleitet, verfaßte ich bei meinem Eintritt in das Regiment ein Spottgedicht, was mir verdienten Ruf erwarb. Meine Verſe vet⸗ breiteten ſich mit der Schnelligkeit des himmliſchen Feuers, den ſie entſtammten, über ganz Frankreich und drangen ſelbſt bis zu den Ohren unſers guten Koͤnigs, welcher ſelbſt gute Verſe macht Se. Majeſtät freute ſich darüber, die Hofleute lachten und glaubte mein Glück gemacht zu haben, aber nein, es war das e⸗ gentheil. Der leichte Nachen der Söhne Apoll's ſchaukelt ſichn auf dem Pactolus und die Sonne muß gratis die Welt erleuch⸗ ten; kurz, ich blieb im Dunkel, bis eine unerwartete gute Laume des Schickſals mich daraus hervorzog.— Doch bevor ich Eu weiter erzähle, hört erſt mein Gedicht.“ „Ich bitte Euch darum,“ ſagte ſein Gefährte. das Der Capitän huſtete, und nachdem er erklärt batte, 3 2 Gedicht zu der Zeit gemacht worden ſei, als ſich die Roche
pfer gegen die königlichen Truppen unter Richelieu vertheidigtet
declamirte er:
„Hört nun, wie unſer großer Cardinal 1 Sich fähig glaubte ſchon zum General, 1 Weil er mit einem Federhut ſich deckte—
—
3
lIV. Jahrg. ſr 25]
zeite Flinte p kehrend, de
uft gehen m
ort nickend: Schlaf abzuſ ſchreiten. Ein ſtar Jemand eine erweckte den Stelle munt Nal blinzen, Noch ſaf ſend und der ſommen ſchie Ein paa dieder. E⸗ treckte die fr Martin vürde man muf dem A haben. No egen, was Da ſal
atte, zu w
ſe brach ſe ſen bewegt rrimmten? ee weln berga
„Hall ſenden nac ſel nach!“
2 * Selne“
ind der H ſen an die
—
6(
B „Nicht ſe Andern V „Erlau ſeche— 8 „Verſe „Aber d
1 w 8 0


