Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
389
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(V. Jahg

ſo ein Narr und Unter die Sper⸗ wehren. Daß uf den Puppen fie ab. Un hören, kanne tkeine Courage. ieß jetzt ihre d gehen und

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die beleidigende Haltung des hochmüthigen Bergbauers nicht..

Ich wollte doch, die Diebe ſpielten dem unleidlichen Nann einen Schabernack, daß ihm die Augen übergingen! ſprach Chriſtfried geärgert.Alles, was jedem Anderen den Hals bricht, das geht ihm durch. Zuletzt trommelt er uns noch auf dem Rücken herum, bloß weil kein Chriſten⸗ menſch mit dem Eigenſinn anbinden will! Aber wenn ich zmal rackrig werde, ſo rücke ich ihm doch auf den Leib, Ihr mögt ſagen, was Ihr wollt, Vater!

Thu es nicht, Chriſtfried, es iſt Dein eigener Schade, warnte der alte Gärtner.Das Mädel entläuft Dir nicht. Sie hat Charakter, und wenn der alte Streithahn erſt ſieht, daß bei der bloßen Dickthuerei der Glückstopf im Hauſe nicht einmal voll wird, viel weniger überkocht, ſo zieht er ſchon, um ſein Kind ehrlich unter die Haube zu bringen, ganz von ſelber andere Saiten auf.

Mit ſeinem verroſteten Blaſerohre wird er keinen be⸗ herzten Kerl von ſeinem Weizen verjagen.

Er bild't ſich's doch ein.

Ein derber Knittel iſt viel beſſer.

's ſieht doch nach'was Rechtem aus.

Ja gerad' ſo, wie wenn er mit Spörnern aufs Pferd ſteigt, ſagte Chriſtfried lachend.Dann hält ihn keiner für einen richtigen Bauer; viel eher iſt man gemeint, es mit einem böhmiſchen Viehhändler oder ſo'was zu thun zu haben. Der verfluchte Eigenſinn!

Martin Ulrich's Nachbarn gingen ebenfalls Weizen ſchneiden. Es war Zufall, daß Englands mit Weizen be⸗ ſtellter Acker gerade mit dem des Bergbauers grenzte, nur lag er etwas weiter nach dem Berge zu und wohl acht bis jehn Fuß höher.

Wenn er's wirklich durchführt und alle Nächte mit

eeiner Donnerbüchſe richtig den Wächter ſpielt, ſo iſt's gut

für uns, ſagte der junge England, die Senſe wetzend. Er bewacht dann unſern Weizen gleich mit.

folge.

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Er hält's keine drei Nächte aus, meinte der Vater.

Bei ſeinem Kopfe? Ich glaube doch.

Deſto beſſer für uns! Kommen doch noch Diebe aus der Nachbarſchaft, ſo vergreifen ſie ſich ſchwerlich an unſe⸗ rer Frucht. Ulrich's iſt ſchwerer, und dann iſt's bei der großen Menge ſeiner Puppen auch nicht gleich zu merken, wenn's Einer nur ein Biſſel geſcheidt anfängt und die Gar⸗ ben wieder geſchickt zuſammenſchiebt.

Dies Geſpräch zwiſchen Vater und Sohn verſtummte mit Beginn der Arbeit. Um Mittag lag aller Weizen in Gelegen. Nach Tiſche begann das Aufbinden des Getrei⸗ des und gegen Abend ſtanden vier Reihen der ſchönſten Puppen auf den hohen Stoppeln.

Chriſtfried gab genau Achtung auf das, was beim Nachbar vorging. Nartin Ulkich ging richtig bei Ein⸗ bruch der Dunkelheit wieder aufs Feld und kehrte erſt am hellen Morgen von ſeinem Wachpoſten zurück.

Wohl bekomm's, alter Eigenſinn! brummte der junge Burſche.Wenn die Katzen auf den Dächern ſpa⸗ zieren gehen, haben die Mäuſe gut tanzen. Alter ſchützt vor Thorheit nicht!

Noch im Laufe dieſes Tages ſtieg Chriſtfried auf den größten Sauerkirſchbaum, der voller halbreifer Früchte hing. Ganz oben an den Wipfel brachte er eine jener klap⸗ pernden Windmühlen an, deren faſt ununterbrochenes Ge⸗ lärm die Vögel verſcheucht. Es währte gar nicht lange, ſo lockte das laute Geklapper Marianne ans Fenſter. Chriſtfried nickte ihr verſtohlen zu, band dann noch ein paar verknotete Bänder an die Klappermühle, machte al⸗ lerhand Faxen, die indeß Marianne recht gut zu verſtehen ſchien, und ſtieg, als ſeine Zeichenſprache freundlich erwi⸗ dert ward, befriedigt von ſeinem ruftigen Sitze herab.

Martin Ulrich brummte und räſonnirte über unnütze Spielereien, als er dies Geklapper vernahm und die Mühle auf dem Kirſchbaume im Garten des Nachbars gewahrte. (Er hätte ſie gern durch einen Steinwurf zertrümmert, aber

Verſchönerung ſeines neuen Eigenthums zu ſprechen. Als dieſer äntrat, rief der Cardinal:Nun, Meiſter du Caſſe, ich muß Dir mine Zufriedenheit bezeigen; Du haſt hier alles hübſch erhalten. Mein gnädiger Souverain hat mich mit neuen Gunſtbezeigun⸗ zen zu beehren geruht, und ich will, daß ſich mein ganzes Haus

grüber freue; ſage deshalb meinen Leuten, daß ich Jedem einen

zoöhrgehalt ſchenken werde, und wenn Du eine Gnade gewährt

ſaben willſt, ſo bewillige ich ſie Dir im Voraus.

Ach, gnädiger Herr, ſagte du Caſſe,dies iſt das erſte Mal, das Ew. Eminenz nicht Wort halten wird.

Wie ſo?

Ew. Eminenz werden mir mein Bittgeſuch abſchlagen.

Laß ſehen, um was handelt es ſich?

Ew. Eminenz erlaubt mir alſo zu ſprechen?

Ich befehle es.

Nun wohl, gnädiger Herr, ich habe einen Verwandten, einen rrven und loyalen Soldaten, welcher ſeit zehn Jahren nicht beför⸗ ſett worden iſt. Ich bitte Ew. Eminenz, ihm eine Compagnie eichter Reiter zu geben. Im Regiment der Königin iſt eine Com⸗ ſa nie frei.

Wenn es weiter nichts iſt Du biſt ſehr beſcheiden, ſagte

e Cardinal und nahm eines von den zahlreich auf dem Tiſch

ſehenden Patenten.Hier, ſchreibe ſelbſt den Namen Deines

Spützlings darauf ich will es dann unterzeichnen.

Du Caſſe beeilte ſich zu ſchreiben; und nachdem der Cardinal zanterzeichnet hatte, gab er es du Caſſe zurück und machte ein geſhen, daß dieſer ſich entfernen ſolle; aber der Diener blieb unbe⸗ ſeilich und mit geſenkten Augen ſtehen.

Was machſt Du da? fragte der Cardinal.

Dies iſt nicht alles, gnädiger Herr.

Was willſt Du noch?

Ich wage es nicht.

Sprich!

Ich könnte mir dadurch die Ungnade Ew. Eminenz zuziehen.

Ich verzeihe Dir im Voraus.

Ach, gnädiger Herr, rief du Caſſe und warf ſich dem Car⸗ dinal zu Füßen,Ew. Eminenz iſt nicht nur der größte Mann unſers Jahrhunderts, ſondern auch der großmüthigſte. Der Sol⸗ dat, für welchen ich die Gnade erhalten habe, hatte vor zehn Jah⸗ ren, damals ein unbeſonnener Jüngling, das Unglück Ew. Emi⸗ nenz durch einige Verſe zu beleidigen.

Sein Name? fragte der Cardinal.

Louis du Caſſe de la Reole.

Ich kenne Niemand dieſes Namens, über welchen ich mich zu beklagen hätte.

Nein, gnädiger Herr, er nannte ſich damals Louis de Ly⸗ rac; aber damit dieſer Name die Ohren Ew. Eminenz nicht belei⸗ digte, erlaubte ich ihm den meinigen anzunehmen. Doch es hat zu nichts gedient; er iſt nie befördert oder ausgezeichnet worden.

Genug, ſagte der Cardinal,was geſchehen, iſt geſchehen. Schreib' dem Capitän, daß er kommen ſolle, und ſtelle ihn mir vorn

Du Caſſe entfernte ſich.

Richelieu he allein, brachte mehrere Male die Spitze ſeiner Zunge an die Bppen, rieb langſam die Hohlung ſeiner rechten Hand mit dem Daumen der linken und heftete einige Minuten lang ſeine Augen auf das Fenſter; dann nahm er mit ſcheinbarer Ruhe ein Buch.

Der Brief des alten du Caſſe hatte eine magiſche Wirkung.