Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
388
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ſchlecht bekkommen! Ich will heuer ſelber den Wächter ielen.

b Frau Eliſabeth war von dieſer Antwort wenig erbaut. Sie hätte Martin gern von ſeinem Entſchluſſe abgebracht, das war aber eine Aufgabe, die nur dann glücken konnte, wenn man ſich der Liſt bediente. Marianne ſollte die Mut⸗ ter unterſtützen, allein das Mädchen zeigte gar keine Nei⸗ gung, in einer Angelegenheit, die ſie nichts anging und die ſie überhaupt nicht einmal für erheblich hielt, Oppoſition gegen den Vater zu machen.

So ſetzte denn Martin Ulrich ſeinen Kopf auf. Kaum ſtand der erſte abgemähte Weizen in Puppen, ſo rüſtete ſich der Bergbauer auch ſchon auf die abzuhaltende Wache. Frau Eliſabeth war aber nicht wenig erſtaunt, als ſie ihren Eheherrn von der Vorbühne herabkommen ſah, eine alte, nicht eben ſehr blank ausſehende Flinte über der Schulter, mit Pulverhorn und Schrotbeutel ganz jägermäßig be⸗

angen.

) Mkann was fällt Dir ein! rief Frau Eliſabeth, die Hände erſchreckt zuſammen ſchlagend.Du willſt doch nicht mit dem alten verroſteten Schießprügel aufs Feld gehen? Wenn der Haideläufer vom Herrenhofe drüben über'm Berge Dir begegnet, pfändet er Dich.

Martin Ulrich machte eine wegwerfende Handbe⸗ wegung.

Mich pfändet Keiner, nicht einmal der Oberförſter, ſagte er kühl.

Wozu ſchleppſt Du denn das alte Rohr mit? Bei meines Vaters Lebzeiten ſchon wollt' es nicht mehr ordent⸗ lich ſchießen.

Ich hab's inwendig geputzt, verſetzte Martin.

Du willſt alſo richtig losknallen? fiel ganz ver⸗ dutzt Frau Eliſabeth ein.Ordentlich mit Pulver und Schrot?

Na, mit Schnupftabak nicht, erwiderte Martin, Pul⸗ ver auf die Pfanne ſchüttend.

Novellen⸗Zeitung.

Aber was willſt Du denn ſchießen?,

Nichts, denk' ich. Meinſt' ich wär' ſo ein Narr und

pirſchte, wo ich kein Recht hab' zu jagen? Unter die Sper⸗ linge zu platzen, kann mir aber Keiner verwehren. Das Aaszeug ſitzt heuer in ganzen Schwärmen auf den Puppen. Knalle ich ein paar Mal unter ſie, ſo ziehen ſie ab. Und wenn die zweibeinigen Schälke ein Gewehr hören, kann's auch nicht ſchaden. Alles, was ſtiehlt, hat keine Courage.

Frau Eliſabeth war beruhigt. Sie ließ jetzt ihren eigenſinnigen Mann ungehalten aufs Feld gehen und warnte ihn nur noch, dem ſcharfen Winde ſich nicht zu ſehr auszuſetzen, damit er zuletzt von dem verdrehten Nacht⸗ wachen nicht auch noch krank werde.

Martin Ulrich war ſehr aufmerkſam. Er machte ſich Bewegung, theils um nicht ſchläfrig zu werden, theils um ſich vor Erkältung zu hüten. Beim Auf⸗ und Abgehen entfernte er ſich aber nie ſo weit von dem zu bewachenden Felde, daß er nicht Alles, was darauf vorging, bequem hätte überſehen können.

Die erſte Nacht verging ohne jegliche Störung. Es ließ ſich kein Dieb blicken, ſelbſt die Spatzen ſtellten ſich nicht in ſolcher Menge ein, daß ein Schuß unter ſie ge⸗ rechtfertigt geweſen wäre. Erſt bei Sonnenaufgang gab Martin Ulrich ſeine Wache auf und ſchlug den Rück⸗ weg ein.

Als er am Pflanzengärtchen anlangte, wo der präch⸗ tige Stand der Gurken ihm ein zufriedenes Lächeln abnö⸗ thigte, ſah er aus des Nachbars Hofraum Vater und Sohn, jeden mit einer Senſe auf der Schulter, treten. Er blieb ſtehen und glotzte recht herausfordernd hinüber. Beide Männer grüßten den Bauer, wie üblich, Martin Ulrich aber lüftete weder die Mütze, noch öffnete er den Mund zum Dank. Chriſtfried ſchien Luſt zu haben ein paar Worte an den unhöflichen Nachbar zu richten, ſein Vater aber zog ihn ſchnell fort und that wieder, als bemerke er

Feuilleton.

Die Einladung zum Diner.

Der Cardinal Richelieu hatte unter ſeinem zahlreichen Dienſt⸗

perſonal eine Art von Intendanten, ein Factotum, mit welchem er zuweilen ſchwatzte; die Lebhaftigkeit und der Witz dieſes Man⸗

nes, welcher du Caſſe hieß und aus Reole war, zerſtreuten Se. 8 Eminenz. Dieſe zwar ſeltenen Unterhaltungen gaben dem Herrn ſich über den Cardinal luſtig gemacht. du Caſſe de la Reole, wie er ſich nennen ließ, in den Augen An⸗ derer mehr Wichtigkeit, als er wirklich beſaß, und Bittſchreiben aller Art wurden ihm eingehändigt, um ſie dem Cardinal zu übergehen; doch dieſer hatte ſtreng unterſagt, daß Jemand ſeines Dienſkper⸗ ſpräche. Du mit à bemerkte zwar, zu bekennen, doch wartete er von Tag zu Tag, um für dieſen welches das zu erflehen, und errhoffte, daß Se. Eminenz ihm dieſe Lins ſuchen,

ſonals zu Gunſten irgend eines Andern zu ihm Caſſe nahm die Bittſchreiben und die Geſchenke, daß er keine Gewalt habe, aber mit einem Geſicht,

Gegentheil glauben machte, und wiederholte jedes Mal, daß ihn Se. Eminenz aus dem Dienſt jagen würde, wenn er in ihrem Na⸗ ſondern eine Gelegenheit abwarten, wo ihn d i men etwas verſpräche, doch er wolle ſehen, vielleicht fände ſich eine ſam dazu auffordere. Dieſe Gelegenheit kam endlich. günſtige Gelegenheit, nur verſprechen könne er nichts. In ſei⸗ nem Zimmer warf du Caſſe die erhaltenen Bittſchriften in ein Kohlenbecken, nahm ſeine Geige und ſpielte, während das Feuer die Bittſchriften verzehrte; wahrſcheinlich ſollten die melodiſchen

Klänge das grauſame Auto⸗da⸗fé mildern. Du Caſſe hatte für Reinen ſeiner Verwandten ſeinen ganzen Credit nöthig. 2, Sein Couſin war ein echter Gascogner, der nichts als ſeinen Degen beſaß, aber tapfer, luſtig und ein Spötter wer und, wenig⸗ ſtens für die damalige Zeit, gute Verſe machte. Unglücklicherweiſt hatte er während der Belagerung von Rochelle in einem Gedi t Der König und der Hf hatten darüber gelacht. Der Cardinal lachte zwar auch darüter aber der geiſtreiche Verfaſſer konnte keine Beförderung erhaltzn. Er blieb Cornet der Cavallerie. Zehn Jahre konnten die des Cardinals nicht entwaffnen, er war unverſöhnlich. ret Caſſe hatte es nie gewagt ſeine Verwandtſchaft mit dem Cor

Bitte

nicht abſchlagen werde, aber er wollte nicht darum na nicht abſchlag e ch doundinns 18

26. Mai 1632 wurde der Marſchall de Marillac verurtheilt und der rachſüchtige Prälat bezog deſſen Schloß Ruel. Staaßs,

Hier entzog ſich der Tardinal für einige Tage den Fuandis V angelegenheiten; er ließ du Caſſe rufen, um mit dieſem übe

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Nr. 25.]

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