Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
365
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IV. Jah

entgegengetne reißen, wurde Kritik bekannt t Uung, ſo w cht ſchwer g

tirten üben

ſich auch noth ben ſo w beide nicht,

tes Kunſtwerk

Nr. 23.]

machen ſchon um des Amuſements willen ſich lohnt. Wiertz beſitzt in hohem Grade die Gunſt des Königs der Belgier. Dieſer hat ihm die Mittel ein Atelier zu bauen tewilligt, und der Maler hat dieſelben zu einem ſeltſamen hebäude verwendet. Außerhalb der Leopoldvorſtadt von Prüſſel, an das freie Feld grenzend, ſehen wir ein großes, runnenartiges, kahles Gemäuer ſich erheben. Wir ſteigen näher herzu und erkennen vor demſelben koloſſale Säulen als die Ueberreſte eines Triumphbogens oder Porticus im ltrömiſchen Style. Wir treten ganz nahe an die Säu⸗ in heran und wir erkennen, daß ſie aus modernen Back⸗ ſeinen zuſammengeleimt, mit Riſſen und Brüchen künſtlich zerſehen ſind. Der obere Theil der einen Säule iſt ſchein⸗ ſar zu Boden geſtürzt und theilweis in die Erde geſunken;

jei weiterer Unterſuchung entdecken wir darin eine At⸗ nape, die nichts als eine ſteinerne, gewölbte Hundehütte

ſt. Wir ſchreiten um die vordere Front des Hauſes, die zu Lohnungen eingerichtet iſt, herum und ſtehen dann an der langen, langen Seitenwand vor einem mächtigen Thore,

us den Eingang des Ateliers bildet und uns alsbald einen

begriff vom Umfang der Gemälde gibt, die hier heraus nansportirt werden ſollen. Wir pochen, werden eingelaſ⸗ in, zahlen einen halben Franken Entrée und finden uns in inem faſt thurmhohen Raume von haushohen Tableaux ungeben.

Vier derſelben werden zunächſt durch ihre reiche und üihne Gruppirung ſowie die kräftige Durchführung im De⸗ nil die gerechte Bewunderung jedes Beſchauers erwecken. es ſind zwei chriſtliche und zwei heidniſche Stoffe: Der triumph Chriſti, der Kampf der Hölle gegen den Himmel, dr Tod des Patroklus und noch ein homeriſcher Kampf. s iſt nicht zu leugnen, daß eine tiefe Phantaſie und mäch⸗ uge Geſtaltungskraft ſich hier offenbaren. Die Maßſtäbe dr Gruppirung ſind koloſſal, es gibt hier Figuren bis ge⸗ an funfzehn Fuß Länge, das Ganze iſt in den energiſchen Zigen ausgeführt, die ein ſolches Verhältniß verlangt.

Dritte folge.

ſucht.

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Dieſe vier Tableaux allein würden Wiertz zu einem ſehr bedeutenden Künſtler machen; da er aber ein ſehr bedeu⸗ tender Künſtler zu ſein, nicht zufrieden war, ſondern der be⸗ deutendſte, der einzige, der nie dageweſene Künſtler ſein wollte, wurde er mehr und darum auch weniger, als er ſein konnte, er wurde Charlatan.

Ehe wir auf des Malers Tollheiten eingehen, müſſen wir noch ein geiſtvolles Bild erwähnen, in dem viel ſym boliſirende Erfindungskraft ſich entfaltet: die letzte Kanone. Die Göttin des Friedens, ſelbſt im Streite begriffen, be⸗ ſiegt den Krieg, vernichtet ſeine Werkzeuge und zerbricht die letzte Kanone. Auch hier eine reiche Geſtaltenfülle. Die Ausführung iſt nicht in Oel, ſondern ſeltſamer Weiſe in bunten Stiften unternommen, ein trockner Weg der Ma⸗ lerei, den der Künſtler in dieſer Weiſe zuerſt eingeſchlagen haben will.

Mit den gewaltigen hier behandelten Stoffen nicht zu⸗ frieden, wollte Wiertz auch noch die übergewaltigen, die unmöglichen darſtellen, Probleme, die der Menſch kaum völlig auszudenken, geſchweige denn auszumalen im Stande iſt. Dinge, die dem rein geiſtigen Bewußtſein ſelbſt uner⸗ faßbar ſind, hat er für das Auge faßbar darzuſtellen ver⸗ So ſehen wir drei Tableaux: Die drei erſten Mi⸗ nuten eines guillotinirten Kopfes. Erſte Minute: auf dem Schaffot. Zweite Minute: unter dem Schaffot. Dritte Minute: in der Ewigkeit. Es iſt nicht etwa die anatomiſche Veränderung der Geſichtszüge, die der Maler hier darſtellen will, ſondern der metaphyſiſche Vorgang der Seelenaushauchung wird ſinnbildlich dargeſtellt. Wenn im Uebrigen der Künſtler ſonſt ſich ſo feſt darauf capricirt ein ſpeeifiſch chriſtlicher Künſtler zu ſein, ſo muß es auf⸗ fallen, in dieſem Uebergange der Seele nach dem Tode in das weſenloſe Nichts kein ſpecifiſch chriſtliches Symbol zu finden.

Eine ähnliche Hyperoriginalität iſt ein Bild: der Selbſtmörder. Es ſollen hier die traurigen Folgen des

er Haufen von Trabanten erſchien, den man zu zahlreich für ſe bloße Ehrenbegleitung fand, rief die Sturmglocke ſogleich die Birger unter die Waffen, alle Straßen wurden durch Ketten ge⸗ jert, und der arg in die Enge getriebene Kaiſer fürchtete nun merſeits einen verrätheriſchen Ueberfall. Er bat daher mit un⸗ ahehlter Angſt in das Haus des Bürgermeiſters Günther in Sccherheit gebracht zu werden. Indeß dieſem Wunſche wurde tih gewillfahrt, ſondern zwei Stadthauptleute ergriffen zu bei⸗ n Seiten die Zügel ſeines Pferdes, führten ihn unter dem lär⸗ unden Hohngeſchrei des naas und entließen ihn hier mit der Ermahnung, bei einem 1h zu erneuernden Beſuche ein minder zahlreiches Gefolge mit⸗ uhrmgen. a.

Nationale Sprüchwörter.

Die Naturerzeugniſſe oder die Gebräuche eines jeden Landes ehen ſich in den nationalen Sprüchwörtern. Die Holländer, e umphibienartige, beſonders aber ſeefahrende Nation, ſagen: Zi beſten Piloten ſind auf dem Feſtlande; Srick darf man nur leiſe an uidus Glück das Unglück;

den Topf muß man zudecken, wenn in einen Aal darin hat;

at; die großen Fiſche ſpringen aus dem ſ; wenn zwei Schafe aneinandergebunden ſind, ſo er⸗ aft eines das andere; der Erſte im Boote wählt ſich das ade; ſtehendes Waſſer ſtinkt 2c. Die arabiſchen Sprüch⸗ utte ſind reich an Löwen, Pferden und Kameelen; die Spa⸗ aſes und Italiens an Maulthieren und Eſeln.Wenn drei Sſeſinen dich einen Eſel nennen, hänge dir einen Schwanz an,

f einen mürben ziehen; auf die Fluth folgt Ebbe,

nachſtürmenden Volkes zu dem Thore

ſagen die Spanier.

Ein Eſel, der ſchreit, frißt kein Heu! iſt ein Sprüchwort des Italieners. Die Sprüchwörter Englands haben einen Ueberfluß von Füchſen, Hunden und Katzen. Der Wolf, den die Engländer ausgerottet haben, verheert noch ganz Frank⸗ reich; er zeigt ſich daher auch fortwährend in den franzöſiſchen Sprüchwörtern:die Wölfe freſſen einander nicht; ein Sprüch⸗ wort, welches beweiſt, daß die franzöſiſchen Wölfe civiliſirter ſind als die ruſſiſchen, denn dieſe werden als ihre eigenen Mitbrüder freſſend verſchrieen. Gleichwohl ſind die Franzoſen keineswegs Lobredner des Wolfes, das beweiſt ihr Sprüchwort:mach' Dich zum Schaf, ſo frißt Dich der Wolf; des Wolfes Tod iſt der Heerde Heil; mit den Wölfen lernt man heulen; gezähltes Schaf, gefreſſenes Schaf; ſpricht man vom Wolf, ſo zeigt er ſeinen Schwanz. Ein franzöſiſches Sprüchwort macht den Wolf auch zum Heuchler; da iſt mir doch das ſpaniſche lieber, welches ihn von der Gemeinſchaft der Gläubigen ausſchließt:Was der Wolf in der Woche vornimmt, hindert ihn Sonntags in die Kirche zu kommen. a.

Drientaliſche Demuth.

Wenn ein indiſcher Häuptling Jemand ſeine beſondere Ehr⸗ erbietung beweiſen will, ſo überreicht er ihm als Geſchenk ein Paar prachtvolle Pantoffel, auf deren Sohlen ſein Bild geſtickt iſt. Eine ſehr verſtändliche Anſpielung, daß er bereit ſei ſich von dem Empfänger mit Füßen treten zu laſſen.

V