Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
364
Einzelbild herunterladen

Pariſer Zloſſen.

III.

M. Wiertz, der Maler der Programme.

Iſt die Kunſt der Malerei nur dazu beſtimmt den Augen zu gefallen und angenehme Empfindungen zu er⸗ wecken? Hat ſie nicht vielmehr eine edlere Beſtimmung, die Beſtimmung das Geiſtige im Menſchen zu vervoll⸗ kommnen? Iſt der Maler nicht im Stande zu wetteifern mit dem dramatiſchen Dichter, dem Redner, dem Philo⸗ ſophen?

Dieſe Fragen hat der Maler Wiertz ſich ohne Zweifel geſtellt, und er wird mit Chateaubciand ſich geantwortet haben, daß die Gaben der Vernunft, um nicht leere Kin⸗ derſpiele zu werden, zu einem nützlichen, zu einem ſocialen Zwecke verwendet werden ſollen. Er ſchafft die Kunſt nicht nur einzig um der Kunſt willen, den meiſten ſeiner Gemälde liegt eine überraſchende, ſtets ernſte, ſtets erha⸗ bene, ſtets weſentlich chriſtliche Intention zu Grunde. Ein im höchſten Grade geſchickter Künſtler iſt zugleich inſpirir⸗ ter Dichter, tiefer Denker, und man weiß nicht, was man mehr an ihm bewundern ſoll, die Macht der Idee oder den Ausdruck der Form, in welche ſie überſetzt iſt.

Wer nur dieſe wenigen Zeilen aus der Brochüre ge⸗ leſen hat, die Herr Wiertz in Brüſſel über ſein Atelier ſich hat ſchreiben laſſen(L' Atelier de Wiertz par M. la Garde, Bruxelles 1856), weiß auch ſchon ungefähr, mit wem er es in dieſem originellſten der Maler zu thun hat. Herr Wiertz iſt urſprünglich Naturaliſt, ausgegangen von dem Naturalismus, der der niederländiſchen Schule im Allge meinen zu Grunde liegt. Das Bedürfniß nach einer ſpi ritualiſtiſcheren Richtung iſt ihm in den abſtracten Ideen

Roveſlen-Zeitung.

vermuthlich deutſcher Kunſtphiloſophie en Aus ſeinem Naturalismus ſich Hianhit entsedergetre Symboliker, und da für die auslegende Kritik bekanntlic nichts günſtiger iſt als ſymboliſche Darſtellung, ſo wurde es ſeinen Freunden oder ihm ſelbſt nicht ſchwer geiſt reiche Programme im Style des oben Citirten über ſeine koloſſalen Tableaux zu ſchreiben. Freilich war in dieſen Programmen und ihrer emphatiſchen Philoſophie Eins vergeſſen, in dem das Weſentlichſte der Kunſt beruht, näm⸗ lich, daß nicht die Intention, nicht die Sittlichkeit ode Erhabenheit des Sujets den Werth des Kunſtwerkes be⸗ ſtimmt, ſondern vielmehr allein das Verhältniß, in dem Intention und Ausführung zu einander ſtehen, die Harmo⸗ nie von Stoff und Darſtellung. Eben ſo wenig wie aus zwei Tönen, die einmal nicht harmoniſch ſind, eine Har⸗ monie entſtehen kann, wenn dieſe Töne an ſich auch noch ſo anmuthig oder gewaltig vorgetragen werden, eben ſo wenig kann aus Idee und Verſinnlichung, wenn beide nicht ganz harmoniſch in einander aufgehen, ein echtes Kunſtwerk wer⸗ den, wie geiſtreich oder koloſſal jede von beiden auch ange⸗ legt ſei. Ein beſchmutzter Stiefel von Delaroche gemalt iſt ohne Frage ein größeres Kunſtwerk als das jüngſte Ge⸗ richt eines aus viel höherer Inſpiration malenden Künſt⸗ lers, der die guten von den böſen Weſen unterſcheidet, in⸗ dem er die einen blau, die andern roth anſtreicht. Alle Kunſt deshalb, die zu ihrer Erklärung erſt des Program⸗ mes bedarf, ſie mag ſehr geiſtreich, moraliſch, politiſch oder ſocial ſehr hoch anzuſchlagen ſein, ſie iſt immer nicht die ſich ſelbſt genügende Kunſt, und daß Herr Wiertz außer dem Maler auch noch Dichter und Denker ſein will, daß er in ſeinen Bildern die Idee in die Form erſtüberſetzt hat, zeigt, wie das Ziel, das wir ſonſt als das Ziel der Kunſt anſehen, ſein Ziel nicht iſt.

Herr Wiertz iſt außer einem Phantaſten, wie es deren ja unzählige gibt, auch noch ein ſehr origineller und zu⸗ gleich recht geiſtreicher Kauz, dem einen kurzen Beſuch zu

Wein ohne Wein.

Während Gall bei ſeiner Weinveredlung nur der Natur zu Hülfe kommt, hat der italieniſche Profeſſor Grimelli ein Verfahren angegeben, den Wein künſtlich ohne Trauben zu bereiten. In Ita⸗ lien ſoll dieſes Getränk einen ſehr großen Beifall gefunden haben und namentlich bei verſchiedenen Armeen eingeführt worden ſein. Da die Beſtandtheile des Traubenſaftes, wenigſtens dem größten Theile nach, bekannt ſind, ſo iſt es allerdings möglich einen künſt⸗ lichen Wein zu erzeugen, d. h. ein Getränk, das, weil es einen weinigen Geſchmack beſitzt, dem Weine ähnlich iſt und daher auch

verbeſſerung und das Bier den künſtlichen Wein in Deutſchland

entbehrlich machen. Daſſelbe würde in Italien der Fall ſein, wenn man die Geſchenke der Natur gehörig zu würdigen wüßte. Uebrigens iſt derWein ohne Trauben nicht erſt jüngſt von Grimelli entdeckt worden; er iſt ſchon ſehr alt, und auch in Deutſchland wird gewiß manche Flaſche davon als reiner Natur⸗ wein getrunken. Ein ähnliches Getränk iſt der Meth(Honigwein),

einſt das Lieblingsgetränk der alten Deutſchen und jetzt der polni⸗

dieſen Namen verdient. Ein größeres Gewicht aber dürfen wir

dieſen künſtlichen Weinen nur inſofern beilegen, als ſie im Stande ſind den verderblichen Genuß des Branntweins zu beſchränken. In Zukunft vielleicht, wenn uns die Chemie näheren Aufſchluß uͤber die Blume, welche hauptſächlich die einzelnen Weine charak⸗ teriſirt, wird gegeben haben, da kann auch die künſtliche Weinbe⸗ reitung eine größere Wichtigkeit erlangen.

Zur Bereitung dieſes Getränkes dient ein Weinpulver, das mit einer hinreichenden Menge Waſſer der Gährung überlaſſen wird. Auf 100 Liter(87,349 Quart) Waſſer nimmt man 31 Pfd. 21 Lth. von dem Weinpulver, deſſen einzelne Beſtandtheile folgende ſind: Zucker 30 Pfd., Weizenmehl 20 Lth., Malz, geröſtete Eicheln, Weinſtein je 10 Lth. und aromatiſche Blüthen(Hollunder, Schnee⸗

ball, Baſilicumkraut u. ſ. w.) 3 Loth. IndeſſenEines ſchickt ſich

wird beim Alter ſtets beſſer.

ſchen Juden. Man kocht 1 Th. Honig mit 2 bis 3 Th. Waſſer und entfernt ſorgfältig den hierbei ſich bildenden Schaum. Die durchgeſeihte Flüſſigkeit bringt man mit Hefe zur Gährung, wo⸗ bei man allerlei Gewürze gleichzeitig mit zur Anwendung bringe⸗ Der Honigwein verlangt bei der Aufbewahrung dieſelbe Aufmerk⸗ ſamkeit wie der Rebenſaft. Er hält ſich 10 Jahre und länger und In ſeiner Jugend verräth er durch den eigenthümlichen Honiggeruch und Geſchmack ſeine Abſtam⸗ mung; allmählich aber verlieren ſich beide. Je älter der Meth wind,

um ſo mehr nähert er ſich dem Rebenſafte.

Miseellen. Die Regensburger und Raiſer Rarl IV.

[IV. Jahrg. 1

J

r. 23.]

aaben ſchon dirtz beſttzt hlgier. D hwicligt, u Heväude ve Brüſſel, an ruinenartig näher herzz als die Uel altrömiſcher len heran ſteinen zuſa rverſehen ſin [bar zu Bod

bei weitere

ttrape, die

liſt. Wir ſch

Wohnunge

angen, lau

Idas den Ei WBegriff vo transporti ſſen, zahlen ſeinem faſt zumgeben. Vier d

Kuhne Gru⸗

Als Kaiſer Karl IV. im Jahre 1354 ſich in Bayern aufhielt

nicht für Alle, und ſo hat man bei der Zuſammenſetzung des hegten die Bürger von Regensburg den Verdacht, er gehe dami

Weinpulvers einen großen Spielraum. dieſer künſtliche Wein ebenſo munden wird wie den italieniſchen, wollen wir dahingeſtellt ſein laſſen. Es ſcheint, daß Gall's Wein⸗

ſtail die ge Es ſind MTriumyhy( der Tod d Es iſt nich ſtige C eſtal ſoer Grupp eien funfzeh sügen aus

er ber 6 u; trter= ſte Ob den deutſchen Zungen um ſich heimlich oder durch verrätheriſchen Ueberfall ihrer Snndr ter find zu bemächtigen. Deſſenungeachtet lud der Rath von Reg mi Ker und 3 burg ihn zu einem Gaſtmahle ein; als er aber zu demſelben! nen 8