Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
363
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Ein Mädchen gewöhnlicher Art, weich von Gemüth, ſchüchtern und ohne Willenskraft, würde ſich widerſtands⸗ los gefügt haben. Marianne aber war die echte Tochter ihres Vaters. Sie hatte von der Mutter ein heißes Herz, vom Vater die Willenskraft und eine faſt zu große Portion⸗ liſerner Zähigkeit geerbt, die unter Umſtänden wohl den Namen Eigenſinn verdiente.

Ihr Blut ſtockte, als ſie ſtumm an dem Vater vorüber ſhritt, um ihre abendlichen Arbeiten zu beginnen. Es war ihr lieb, daß ſie der Mutter nicht begegnete, die gern

ſiel ſprach und ſie dadurch in ihren Gedanken geſtört haben (vürde. Zerſtreute Antworten konnten dann auch Frau (liſabeth verrathen, daß ihr etwas Ungewöhnliches begeg⸗ ſet ſei. Und nachher gab es ein Examen ohne Ende, lder die Mutter wendete ſich wohl auch direct an den Later.

Marianne überlegte reiflich, was ihr zu thun obliege.

dSie dachte dabei nicht an das, was die Menſchen gewöhn⸗

cch weltliches Glück nennen, ſondern fragte nur ihr ange⸗

ornes Rechtlichkeitsgefühl. Was ſie vor ihrem Gewiſſen jerantworten konnte, was ihr Herz billigte, das allein war Marianne zu thun entſchloſſen.

Die Zeit macht ihn wohl gefügiger, tröſtete ſich das ſeüngſtigte Mädchen, während ſie Plan auf Plan entwarf. Chriſtfried muß unterrichtet werden und ſich ſo halten, daß der Vater Reſpect vor ihm kriegt. Bös iſt er ihm ſicht, wenn er nur keines Gärtners Sohn wäre! imd wir ſind doch zuſammen in die Schule gegangen und

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haben uns immer ſo lieb gehabt! Nicht einmal haben wir uns gezankt! Wie oft überhörte mich Chriſtfried auf dem Schulwege, und wenn ich nicht ganz feſt war, und einen Liedervers oder Bibelſpruch nicht firm aufſagen konnte, da hat er nicht nachgelaſſen mit Vorſagen, bis ich Alles ohne Anſtoß konnte. Und nach der Confirmation, ſchenkte er mir da nicht von allen jungen Burſchen die erſte Zimmtnelke? Ich hab's nicht vergeſſen droben im Beikäſtel der Lade liegt ſie noch zwiſchen den Pathenbriefeln. Sie hat den Geruch noch nicht ver loren, und ich freue mich jeden Sonntag, wenn ich mich zur Kirche anziehe. Nein, das weiß ich, der Chriſt⸗ fried iſt ein richtiger Kerl, und ich laſſe mir ihn nicht ſchlecht machen, von keinem Menſchen nicht! Das muß der Vater einſehen, und wenn er's doch nicht thut? wenn er's wirklich nicht thut? Nun gut, dann will ich ihm zeigen, daß ich ein ſtrammes Mädel bin und eine Batzen⸗ oder Balkenwand eben ſo wenig fürchte wie der Vater. Hat er nicht geſagt: es kommt auf den Kopf an, ob man damit durch die Wand rennen kann oder nicht? Mein Kopf iſt, rechn' ich mir, nicht gar viel weicher als der meines Vaters. Ich werd's alſo wohl müſſen darauf ankommen laſſen.

Nach dieſem Entſchluß kehrte Mariannen die ihr ange⸗ borne Ruhe und Zuverſichtlichkeit wieder. Sie ließ ſich gegen Niemand im Hauſe etwas merken, und da es nicht Martin Ulrich's Art war, über Dinge zu reden, die ihn vorzugsweiſe angingen und die er am beſten ſelbſt erledi⸗ gen konnte, ſo erfuhr auch Frau Eliſabeth nichts von der ernſten Unterredung des Vaters mit der Tochter.

(Fortſetzung folgt.)

Künſtliches Bouquet.

Außer der bekannten Gall'ſchen Methode(der in der Quelle ſeſſer Mittheilung eine eingehende, empfehlende Darſtellung ge⸗ nidmet iſt) beſteht eine andere Veredlung des Weines darin, daß nan das Bouquet des Weines verbeſſert. Wir wollen ganz davon ihſehen, daß es der Wiſſenſchaft gelungen eine Menge von wohl⸗ ſechenden Verbindungen, die in den verſchiedenen Weinen vor⸗ immmen und zum Theil mit zu dem Bouquet beitragen, künſtlich unzuſtellen. Wo die Natur uns ſelbſt die Mittel in die Hand ttt, thun wir beſſer dieſe zu benutzen. Schon Linné hat darauf afmerkſam gemacht, daß das geeignetſte Mittel zur Aufbeſſerung s Bouquets die Weinblüthe ſei. Bei uns hat Niemand darauf zachtet, während man in Griechenland ſchon ſeit langer Zeit dem iſte allgemein die Traubenblüthe beifügt. Erſt in ganz neueſter ei hat man den deutſchen Weinbauer auf dieſes natürlichſte und a üglichſte Gewürz aufmerkſam gemacht und angerathen die hfillenden Traubenblüthen fleißig zu ſammeln, am beſten in den Komdſtunden nach einem warmen Tage, wo ſie am ſtärkſten duf⸗ n und im getrockneten Zuſtande bis zum Herbſte aufzubewahren. Beim Parfümiren des Moſtes darf man jedoch die Weinblü⸗ ten nicht mit zu freigebiger Hand ſpenden. Man bereitet ſich da⸗

kram beſten eine ſogenannte Bouqueteſſenz, indem man einen hal⸗

ün Ohm Moſt beſonders mit ½ Pfd. der Weinblüthen gähren liß, Dieſe Eſſenz verwendet man dann als Füllwein. Doch muß ann auch hier die Vorſicht anwenden, von dem vierten Auffüllen an ſen Wein zu koſten, damit man des Guten nicht zu viel thue. Leangegebene Menge Bouqueteſſenz reicht aus, um wenigſtens Zu 4 Fudern der geringen Weine die mangelnde Blume zu ertheilen.

Ausleſe der Trauben.

Außerdem hat Gall noch eine Menge Verbeſſerungen bei der Weinbereitung eingeführt, die jedoch, wie z. B. die geſchloſſene Gährung, die Füllflaſche, das Ausleſen der reifen Trauben ec., nicht neu ſind. Sie alle bieten ſo große Vortheile, daß ein geſun⸗ der Menſchenverſtand die gänzliche Vernachläſſigung, die ſie allge⸗ mein in Deutſchland erfahren, nicht begreifen kann. Das einfache Ausleſen der reifen Trauben wird dem deutſchen Weinbau einen ungeaunten Aufſchwung geben. Einzelne Weinbauer haben daraus ſchon ſeit langer Zeit enorme Vortheile gezogen. 1828 erzielte ein Weinbergsbeſitzer am Neckar durch das einfache, ſo nahe liegende Mittel der Ausleſe der reifen Trauben ein Stückfaß Wein, welches der Gegenſtand der Bewunderung der ganzen Gegend war. Für daſſelbe wurden ihm 2000 Gulden gezahlt, während ſeine Nach⸗ barn keinen höheren Preis als 250 Gulden erzielten. Außerdem gewann er aus den weniger reifen Trauben noch 2 ½ Stückfaß, die allerdings mit 550 Gulden, alſo durchſchnittlich pro Stück nur mit 220 Gulden bezahlt wurden, etwas weniger als ſeine Nachbarn erhielten. Aber dennoch war ſein Gewinn bedeutend größer; für 3 ½ Stückfaß wurden ihm 2550 Gulden gezahlt, wäh⸗ rend ſeine Nachbarn für dieſelbe Menge ihres beſten Weines ſich mit 875 Gulden begnügen mußten. Ein anderer Weinbergsbeſitzer gewann 1825 auf dieſelbe Art 2 Fuder Bouquetweine, wofür er 1240 Thlr. einnahm, und 4 Fuder guten Tiſchwein, die er zu 800 Thlr. verkaufte, während der höchſte Preis, den ſeine Nach⸗ barn erhielten, 230 Thlr. pro Fuder nicht überſtieg und alſo für 6 Fuder nicht 2040, ſondern nur 1380 Thlr. betrug.