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Novellen⸗Zeitung.
(IV. Jahrg.
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Zwei Schritt von der Thür entfernt, bot ſie dem Vater tölpiſch ſein und einen freundlichen Gruß nicht in gleicher i uſes oder e
guten Abend.
Martin erwiderte den Gruß der Tochter nicht, auch änderte er nicht ſeine Stellung in der Thür.
„Wollt Ihr mich wohl durchlaſſen, Vater?“ fragte das Mädchen, erſtaunt über das Verhalten des Vaters.
„Dich?“ verſetzte Martin trocken.„Gehörſt Du denn ins Haus?“„
„Wie ihr doch ſpaßhaft ſeid! bitte, Vater laßt mich durch; ich hab' Eile.“
„Ich nicht.“
„Die Mutter zankt, wenn das Vieh nicht zu rechter Zeit beſorgt wird.“
„Werd' ſie ſchon ſtill kriegen.“
„Aber was habt Ihr denn eigentlich vor, Vater?“ be⸗ gann Marianne mit zaghafter Stimme aufs Neue in ihn zu dringen.
„Ich will mein Haus vor Unehre wahren.“
Die Augen der Tochter flammten, heiße Zornesgluth. brannte auf ihren Wangen.
„Macht' ich Euch ſchon Unehre?“
„Du willſt's!“
„Ihr thut mir Unrecht, Vater!“
„Bei Leibe nicht! Ein Kind, das dem Vater nicht ge⸗ horcht, wandelt auf Wegen, die zur Unehre führen.“
„Wann bin ich Euch ungehorſam geweſen?“
„Kann's nicht genau wiſſen, wie oft, was aber meine Augen ſehen, das laſſ' ich mir nicht abſtreiten. Hab' ich Dir nicht verboten mit Nachbars Chriſtfried zu plauſchen?“
„Wenn Einer mich grüßt, Vater, ſo dank' ich ihm,“ er⸗ widerte Marianne mit Entſchiedenheit.„Es iſt das mei⸗ nes Wiſſens Brauch unter allen Chriſtenmenſchen, und ich müßte mich doch rein ins Herz hinein ſchämen, wenn ich ſo
Plauſchen will ich nicht haben. gang für Dich.“
Weiſe erwidern wollte.“
„Grüße ſind Niemand verwehrt, auch Dir nicht, nur Chriſtfried iſt kein Um⸗
„Nicht? Sind wir nicht zuſammen Beten*) gegangen und haben allezeit mit einander gute Nachbarſchaft ge⸗ halten?“
„Wollt' ich hätt's hindern können,“ ſagte Martin fin⸗ ſter.„Die Freundſchaft zwiſchen Euch Beiden iſt mir zu dick geworden, und damit ſie nicht wächſt bis gar über die Bäume, erkläre ich Dir hiermit rund heraus: Treffe ich den Burſchen noch ein einziges Mal mit Dir im Geſpräch, ſo iſt draußen Dein und drinnen Mein! Ich hab' ihn ge⸗ warnt heut Morgen, den vorwitzigen Burſchen, der in Neſter gucken will, die nicht auf ſeinem Zaune gebaut ſind. Meine Hand iſt, Gott Lob, noch ſicher; heb' ich zum zweiten Male einen Stein auf, ſo zeichne ich ihn, daß er's im Leben nicht wieder vergißt. Und nun richt' Dich nach meiner Rede, wahr' Dich vor Schande und geh' an Deine Arbeit!“
Martin verließ ſeinen Platz unter der Thür und be⸗ deutete ſeiner Tochter durch eine gebieteriſche Handbe⸗ wegung, daß ſie eintreten ſolle.
Marianne hatte eine ſolche Begrüßung von ihrem BVa⸗ ter nicht erwartet. Daß er eigenſinnig, unbeugſam und ſtolz war, wußte ſie längſt, für ungerecht aus Eigenſinn und Stolz aber hatte ſie ihn bisher nicht gehalten. Sie begriff, daß mit der eben vernommenen Erklärung des Va⸗ ters ein neuer Zeitabſchnitt für ſie anfange. Es konnte viel Kummer, viel Unglück ſchon in nächſter Zukunft über ſie hereinbrechen, wenn ſie es nicht über ſich gewinnen konnte ihr Herz zu bezwingen. Der Verluſt des Vater⸗
*) Zum Confirmations⸗Unterricht.
Es war am 31. Juli 1849, als die Schlacht bei Schäßburg von 10 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends wüthete, wobei von einer
Seite der Flügeladjutant des Zaren, General Skariatin, den Tod fand, von anderer Seite Bem vom Pferde ſtürzte und nur mit
Mühe gerettet werden konnte, während jein Generalſtab zerſprengt 1 1 1 n9en Von allen Muthmaßungen nun ſtellt es ſich am wahrſcheinlichſten.
wurde. Unter letzterm befand ſich Petöfi. Man ſah ihn während der Schlacht an mehreren Punkten theils kämpfend, theils anord⸗ nend, und als die Attake endlich geendet, ging Petöfi mit zwei oder drei Andern quer über den Kampfplatz einem Welſchkornfelde
zu,— ſeit jenem Augenblicke hat ihn Niemand mehr geſehen, er
iſt verſchollen! Keru⁴ν Tlς τασσ νεκᷣ ς eνναα⁵αστο Gσοσσραεο!
Die Liſte jener Gefangenen, welche die Ruſſen oder Oeſtreicher machten, liegt ebenſo genau vor, als die der bei Schäßburg Ge⸗ fallenen. Daß er glücklich ins Ausland entkommen ſei und dort weilen ſollte, iſt ſchwer anzunehmen; denn erſtens läge es durch⸗ aus nicht in Petöfi's Charakter, ſobald er in Sicherheit gelangt wäre, zu ſchweigen, und da zudem von Seiten der k. k. Regierung nie ein Urtheil uͤber ihn, auch nicht in contumaciam gefällt wurde, der Generalpardon heute aber bereits ertheilt iſt, was würde ihn hindern ſich zu melden? Zweitens hat man ein genaues Verzeich⸗ niß aller im Auslande weilenden ungariſchen Flüchtlinge, Petöfi iſt nicht darunter.
Aber das Volk kümmert ſich um ſolche zwingende Logik nicht. Es iſt beſſer von der Sachlage unterrichtet, und dieſe beſteht darin, daß Petöfi noch lebt, verborgen und zwar in Ungarn ſelbſt ver⸗ borgen. Dieſe fixe Idee iſt eine ſo durchgängige, daß dem Schrei⸗ ber dieſer Zeilen ganz nüchterne hochachtungswerthe Männer ver⸗ ſicherten ihn mit eigenen Augen geſehen zu haben, ihm perſönlich
begegnet zu ſein, und ſogar ſein Verleger ließ ſich von dieſer An⸗ nahme täuſchen und harrte lange vergeblich auf die Rückkehr des Verſchollenen. Ja, es kamen ſeitdem ſchon mehrere Induſtrieritter zu ältern Freunden Petöfi's, als von ihm abgeſendet, um Hülfe an Geld und Gut zu erlangen, wurden aber genügend entlarvt.
heraus, daß Petöſi, auf der Flucht in die ſiebenbürgiſchen Gebirgs⸗ päſſe gerathen, von den ſogenannten„Bergmotzen,“ einem wilden
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. 5. 7 ſodrz 1 (Abel's„Aus der Natur. Die neueſten Entdeckungen auf lah üdäch dem Gebiete der Naturwiſſenſchaften.“ Heft 10.— Leipzig, e mloenenden lag von Ambr. Abel. 1857.)*) ten unnd —— ulld im
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*) Dieſes treffliche Sammelwerk kann nicht genug den Leſern ge⸗ hen nich Stände empfohlen werden. Das große Publicum wird Unterhaltungeete an cht nug, jeder techniſch oder induſtriell Beſchäftigte Belehrung, der eito Nen in beſte von Fach ſelbſt Anregung darin finden. Von den geruhmteſten Nanihebern s Düm N rikern hört man dieſe Sammlung loben und die Neugier nach den 5 man äßt d dieſer ſämmtlich trefflichen Artikel iſt eine verbreitete. Selten wiharſtel⸗ tan ſeſe fachwiſſenſchaftliche Gründlichkeit mit ſolcher Verſtändlichkeit der Da Ce⸗ en auch 1 lung vereinigt finden. Das vorliegende 10. Heft enthält die Aufſäßer achen den W ment und hydrauliſcher Kalk;“„Ueber die Sinne, 1V. Horen z ige Daten. tet anoeen der Warme;“„Der Wein.“ Letzterem Abſchnitt entnehmen wir obigeR.” ad er
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