„Kann immer ſein, daß ich's werd',“ verſetzte der Sohn des Gärtners.
„Warum? Weil's Dir zu wohl wird in Deiner Haut?“
„Oder zu ſchlecht— es läuft auf eins hinaus. Hat Dein Vater mit Dir gered't?“
„Wie immer. Mir iſt's noch lieber, wenn er ſchweigt.“
„Mir auch, Marianne. Auf mich hat er's nicht gut.“
„Wenn er uns beiſammen ſieht, gewiß nicht.“
„Weißt Du, Dein Vater veracht't mich.“
„Das iſt nicht wahr, das lügſt Du,“ erwiderte Ma⸗ rianne mit Wärme.„Er hat Dich immer gelobt und hält große Stücke auf Dich.“
„Und doch wirft er mir vor, ich menge mich in Weiberarbeit!“ fuhr Chriſtfried finſter fort.„Braucht er mich's fühlen zu laſſen, daß ich kein Bauernſohn bin? Ich hab' ihm nichts in'n Weg gelegt, bin ihm ſtets ehrerbie⸗ tig begegnet, und mein Vater, denk' ich, iſt als Kirchvater ſo gut angeſchrieben bei der Gemeinde als Martin Ulrich, der ſein Tage kein Gemeinde⸗Amt verwaltet hat.“
„Sei ſtill, Chriſtfried, und gib Zeit! Er hat Mucken — ich kenn' ihn— aber ſchlimm iſt er nicht, und wenn's gälte, ging' er doch für mich und Dich durchs Feuer!“
Bei dieſen Worten flog pfeifend ein Stein ſo hart an Chriſtfrieds Stirn vorüber, daß der Burſche erſchrocken zurückfuhr. Er wandte ſein Auge dem Berge zu. Da ſah er oben am Ende der Wieſe den Bauer hoch aufgerichtet ſtehen, wie er eben zu einem zweiten Wurfe ausholte. Jetzt ließ er den ſchon erhobenen Stein fallen und drohte nur mit der geballten Fauſt gegen die beiden jungen Leute.
Marianne bemerkte jetzt ebenfalls den Vater. Sie ließ ſich jedoch nicht abhalten, recht als wolle ſie dem Vater Trotz bieten, ihre Hand nochmals dem Nachbarsſohne zu reichen. Ihm zunickend ſprach ſie:
Novellen⸗Zeitung.
„Mach's wie ich, Chriſtfried, und laß Dich's nicht an⸗ fechten. Die Sonne muß noch manchen Tag ſcheinen, ehe die Saaten reifen; und was nicht biegen will, muß brechen Aber ich denk', ein Vater bleibt doch immer ein Vater, und daß er dem eigenen Kinde eine Grube graben ſollte, um ſie hinein zu ſtürzen und kaltblütig Arme und Beine drin brechen zu ſehen, will mir nicht in den Kopf. Und nun behüt' Gott und laß Dir von leeren Worten keine grauen Haare wachſen.“
Chriſtlieb ſchüttelte dem reſoluten Mädchen die Hand und ging dem Dorfe zu. Marianne war gefaßt auf eine harte Anrede ihres Vaters. Martin Ulrich jedoch ſtellte ſich als ſähe er die Tochter gar nicht. Er ſtopfte ſich, den Rain hinunterſchreitend, ruhig ſeine Flaſerpfeife, blieb dann ſtehen, um Feuer anzuſchlagen, und kehrte ſinnend nach ſeinem Hofe zurück.
3.
„Was iſt dem Vater denn auf dem Felde begegnet?“ fragte Frau Eliſabeth ihre Tochter, als dieſe gegen Mit⸗ tag ins Haus trat.„So mulk'ſch(einſylbig und ver⸗ drießlich) hab' ich ihn nicht mehr geſehen ſeit dem großen Wolkenbruche, der uns die halbe Ernter verhagelte.“
Marianne behauptete den Grund von des Vaters Ver⸗ ſtimmung nicht zu kennen, obwohl ſie recht gut wußte, daß nur ihr Geſpräch mit dem Nachbarsſohne ihn ſo ärgerlich mache. Dennoch war ſie guten Muths, und als wolle ſie dies dem Vater zu wiſſen thun, ging ſie ſingend aus der Küche in die Milchkammer, von da in die Geſindeſtube, um den Mittagstiſch zu decken, und trat endlich auch trällernd in das kleinere Stübchen, wo ſie mit den Eltern zu eſſen
pflegte.
gariſchen, in eignen und fremden Ueberſetzungen, herausgegeben von Karl Maria Kertbeny. Mit einem Vorwort von Frie⸗ drich Bodenſtedt.— Leipzig, F. A. Brockhaus. 1858.
Die Lebensſkizze, die der Herausgeber am Schluß dieſes faſt 600 Seiten umfaſſenden Bandes entwirft, gibt uns das Bild eines Dichters, deſſen Leben ſelbſt ein Gedicht iſt, und ein Gedicht, ſo abenteuerreich es iſt, ſo fremdartig uns, den Söhnen einer ſeit
Jahrbunderten herangelebten, vielleicht ſchon überlebten Cultur. Die Reife dieſes Lebens ſind dichteriſche Blüthen, über deren Er⸗
ſchließen der Dichter ſelbſt in Staunen und Entzücken geräth; die Nation, gleichfalls ſtaunend, daß ſie einen Dichter zeitigen konnte, theilt auch dieſes Entzücken und nimmt den von den Muſen ge⸗ weihten Sänger mit einem Enthuſiasmus auf, der in den Sphä⸗ ren unſerer überſättigten Bildung affeetirt oder forcirt erſcheinen würde, der in dieſer Naivetät aber einen rührenden, einen ergrei⸗ fenden Eindruck macht. Petöfi iſt am 1. Januar 1823 in einem Orte Kleinkumaniens eboren. Nachdem er die Zeit ſeines Abenteuerlebens hinter ſich hanre gibt der Herausgeber die Schilderung ſeiner liebenswürdi⸗ gen gereiften Perſönlichkeit: Petöfi war im Ganzen ein ſehr ernſter, oft trüber Menſch, doch mit einer Bruſt voll Lerchen. Er galt Vielen für grob und
dem hatte er bei allem Herben und Abſonderlichen im Umgange eine ſo bezaubernde Kindlichkeit und Poeſie des Blickes wie des Aus⸗ druckes und in gewiſſen Augenblicken ſolch tiefe Herzenstöne, daß ihm Niemand auf die Dauer gram ſein konnte. Sein Charakter harte hierin Aehnlichkeit mit jenem Byron's und auch mit dem Börne's. Das war die Perſönlichkeit jenes damals dreiundzwanzig⸗ jährigen Dichters, welcher noch kaum drei Jahre vorher ein elender Harmer Vagabund geweſen und der nun der Liebling der Natjon geworden, der populärſte und ungariſcheſte Dichter, den es je im Lande gab! Seine materiellen Verhältniſſe beſſerten ſich auch in⸗ ſofern, daß er vom Honorar für ſeine Gedichte leben unte; das erſte Beiſpiel dieſer Art in Ungarn. In den fünf Jahren ſeinen öͤffentlichen Laufbahn und hinzugerechnet den Erlös für ſeinen literariſchen Nachlaß, mögen ſeine Gedichte wohl 10,000 Gulden Honorar eingetragen haben. 1
Aber der junge Petöfi war auch, wie ſein guter alter Henf Vater, ein„harter Schädel“: er ließ ſich nicht nur in ſeiner Miſ⸗ ſion nicht irre machen, er konnte auch einmal gefaßte ſixe Ideen nicht loswerden, nämlich die Sucht des Komödieſpielens, u kaum war er im Fahrwaſſer, als er ſie neuerdings zu befriedil ſuchte. Er trat im Herbſte 1845 im„Deſerteur“ von Sziglig
miſanthropiſch, da er ſtets ſeine Meinung offen herausſagte und nicht ſehr nachſichtig in ſeinen Urtheilen war; aber Niemand konnte ihm das geringſte ſociale oder moraliſche Unrecht nachſagen. Sein herber Hohn und ſeine Bizarrerien verletzten Viele; jedoch ſein ge⸗ rader Charakter, ſeine kindliche Liebe, ſeine freundſchaftliche Opfer⸗ bereitwilligkeit, ſein leidenſchaftliches Erglühen für alles Schöne und Große geboten Achtung auch vor dem Menſchen in ihm. Zu⸗
auf der peſther Nationalbühne auf, das letzte Mal, denn der gaieri Dichter machte als Schauſpieler derart ſtilles Fiasco, daß ihm ſ immer die Luſt verging nochmals zu hamletiſiren. ai utt V Als die Märztage von 1848 kamen, begrüßte ſie Petiffne einem Jubelſchrei. Unter ſeiner Anführung beſtürmte die Ka dend hausjugend die Heckenaſt“ und Landerer'ſche Buchdruckereie uan Petöfi's„Aufruf“ wurde in Ungarn als erſtes cenſurfreies
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