Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
358
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358 Novellen⸗

jeder Beziehung, Stolz auf ſeinen Stand und obendrein Jähzorn bis zur Wuth mit vollem Recht vorwerfen durfte, ſo war dies Martin Ulrich.

Nach beendigter Arbeit im Schuppen ſtieg Martin auf den Heuboden, um hier den Platz auszuſuchen, wo der erſte Ertrag der beſten Wieſe, die er beſaß, untergebracht wer⸗ den ſollte. Dann zündete er ſich ſeine Flaſerpfeife an, die er ſich aus Reichenberg mitgebracht hatte, wohin er auf Umwegen bei finſterm Nebelwetter und entſetzlichem Schnee⸗ treiben im vorigen Winter ein paar Malter Roggen ſchmug⸗ gelte, eine That, deren er ſich gern rühmte, weil ſie nicht ohne Gefahr war. Beiläufig bemerkt, hielt Martin das Paſchen für erlaubt, weshalb er es auf alle Weiſe unter⸗ ſtützte.Schlagbäume und Zollſtellen ſind Einrichtungen, die nicht unſer Herrgott, ſondern ſein leibhaftiger Wider⸗ ſacher erfunden hat, pflegte er zu ſagen.Wer ſie zu umgehen ſucht, der thut ein gutes Werk. Sie füllen bloß den Pachtjuden den Säckel, und der Gulden, den ich frei⸗ willig dem Juden gebe, ſoll dreimal verflucht ſein!

Gemüthlich rauchend verließ nun Martin den Hof, ging zuerſt nach dem Pflanzengarten, der mit geflochtenen Strohbündeln künſtlich eingezäunt war, ſah hier nach dem Stand ſeiner Gurken, deren er ziemlich viele erbaute, und ſchlenderte dann den Feldweg hinaus nach der Bergwieſe.

Schon von weitem ſah er, daß ſeine Leute ſich tüchtig rührten. Marianne war Allen voraus und ſah ſich kaum um. Ihr rothes Kopftuch leuchtete wie eine Flamme.

Drei Feldlängen von der Bergwieſe entfernt kamen ihm die Mäher mit blitzenden Senſen entgegen. Es waren ſeine drei Knechte und zwei Arbeiter, die Martin Jahr aus Jahr ein in der Erntezeit und wenn er ihrer ſonſt bedürf⸗ tig war, hielt. Hätte er einen Sohn gehabt, ſo würde die⸗ ſer ihm jetzt entgegengekommen ſein. Daß Gott ihm keinen Erben geſchenkt hatte, entlockte dem ſtarken, keineswegs empfindſamen Manne in dieſem Augenblicke einen Seufzer.

Das gibt heuer ein Heu wie ſeit Jahren nicht, ſagte

Zeitung.

der erſte der Knechte zu Ulrich.Es riecht itzund ſchon, als hätte ein Apotheker über Nacht ſeine Büchſen drüben ausgegoſſen.

Martin nickte wohlgefällig, ertheilte ſeinen Leuten noch ein paar Aufträge, die ſie nach genoſſenem Frühſtück zu vollziehen hatten, und ſchritt jetzt raſcher der Wieſe zu. Auch der Nachbar, Gärtner England, hatte gemäht. Wäh⸗ rend aber auf Martins gewaltiger Wieſe fünf Perſonen in voller Arbeit waren, ſah man auf dem viel kleineren Felde des Nachbars nur zwei, einen jungen Mann und eine ſtämmige Magd, arbeiten.

Martins Mund zuckte ſpöttiſch und er ſpuckte haſtig aus.

Schade um den Burſchen, ſagte er dann;'s wär' ſchon ein ganzer Kerl, wenn er ſtatt ſeiner lumpigen drei Kühe zwei braune Wallachen anzuſchirren hätte. Rührt den Rechen wie ein Weibſen pfui Teufel! Und müßt, ich ſchimmlig Brod eſſen, ich litt's meiner Seel' nicht, wär' ich ſein Vater! Aber der lange England iſt ein Knicker ge⸗ weſen ſein Lebtag, wenn er Lohn zahlen ſollte der Narr! Hilft ihm doch nichts, und gewänne er ein Vier⸗ tel vom großen Looſe in der Lotterie! Aus einem Gärtner⸗ jungen wird in der Ewigkeit kein richtiger Bauer! Aber ein fixer Kerl iſt's, das muß wahr ſein, und die Arbeit ſteht ihm

fleißig? Wird's häufeln?

Der junge England, des Nachbars Sohn, lüftete ſeine Mitze, legte den Rechen in die Hohlung des linken Ar⸗ mes, nahm die lange Schmehle, die er zwiſchen den Zähnen hielt, aus dem Munde, und erwiderte freundlich:

's wird ſich machen, denk' ich; freilich ſo ſtark iſt der Graswuchs auf unſerm Wieſenfleckel nicht, wie bei Cuch, Nachbar Ulrich.

Martin nickte, wie das ſeine Art war, zur Beſtätigung wieder mit dem Kopfe, hob eine Hand voll des duftenden, vom Thau noch feuchten Graſes auf und ging mit der Be⸗

merkung weiter:Mußt' was mehr auf Dich halten,

Viele Umſtände kamen der Conſtituirung des Salons und der Converſationsſprache weſentlich zu Hülfe: die franzöſiſche In⸗ vaſion war von dem bedeutendſten Einfluß, und einige Perſönlich⸗ keiten, welche zur Zeit der franzöſiſchen Regierung in Berlin den Rahel'ſchen Salon beſuchten, trugen unendlich viel zur Conſoli⸗ dirung bei. Selbſtverſtändlich mußte der geiſtreiche und zugleich herzliche Ton im Rahel'ſchen Hauſe von der mächtigſten Einwir⸗ kung auf alle Beſucher ſein und, da die meiſten derſelben entweder der Literatur angehörten, oder ihr doch Pflege angedeihen ließen, auch weiter in die verſchiedenſten Kreiſe ſich verbreiten. Der fort⸗ währende Briefwechſel, in welchem die Verehrer und Freunde Ra⸗

hels mit ihr ſtanden, dehnte dieſen Salon weit über Berlin aus,

denn man führte im Briefe dieſelbe Sprache wie in der Conver⸗ ſation. Daraus kann man bemeſſen, welchen Einfluß und welches Verdienſt dieſe ausgezeichnete Frau um unſere Literatur und unſere, beſonders nahoarufſche, geſellſchaftliche Bildung gehabt hat. Mit ihr entſtand in Deutſchland eine geſprochene Literatur.

Zur Länder⸗ und Völkerkunde.

Die afrikaniſchen Kriegerinnen.

Die Ereigniſſe in Indien haben natürlich die Aufmerkſamkeit auf die Sitten und Gebräuche jener Gegenden gelenkt. Unter dieſen Gebräuchen iſt die Gewohnheit einiger Hindu⸗Fürſten, die Sicherheit ihrer Perſon einer weiblichen Leibgarde anzuvertrauen, wahrlich nicht das, was das geringſte Staunen erregt hat. Im Orient iſt indeß dieſer Gebrauch häufiger, als man glaubt. So

beſitzt zum Beiſpiel einer von den Königen des ſüdlichen Sudan, nämtlich der von Dahomay, mehrere Regimenter, welche lediglich aus Weibern beſtehen und ein Armeecorps von fünf⸗ bis achttau⸗

ſend Kriegerinnen bilden. Aber thätiger als die der trägen Rajahs,

haben die afrikaniſchen Amazonen in ganz Sudan einen wohlver⸗ dienten kriegeriſchen Ruf errungen. Unter einem General und Officieren, welche ſie aus ihrer Mitte wählten, auf europäiſche Weiſe in dem Gebrauch der Waffen geübt, halten ſie nicht nur Manöver und Parade mit bewundernswerther Genauigkeit ab,

einer Kaltblütigkeit, wie man ſie nur von den kampfgeübteſten Soldaten verlangen kann. Ihre Keuſchheit iſt durchaus vorwurfs⸗ frei, was man von den Amazonen früherer Zeiten keineswegs ſagen konnte. 2 Die Amazonen von Dahomay rechnen es ſich zum größten Ruhme von allen Zeichen weiblicher Schwäche und Gebrechlich⸗ keit frei zu ſein. Blutdurſt und Kampfbegier haben in ihren See⸗ len die Stelle ſüßerer weiblicher Neigungen eingenommen. 3 ſind Männer, ſagen ſie,und keine Weiber. r Die, welche einen Augenblick dieſen männlichen Chauakt vergeſſen, klagen ſich ſelbſt zuerſt an und nennen ihre Betfühlis obgleich dies ſich ſelbſt und ihre Mitſchuldigen dem Tode Pr geben heißt. juer Man muß hinzufügen, daß dies Cölibat nicht von edige Dauer iſt. Nach einigen Jahren des Dienſtes finden die Aulaz 1r nen entweder eine Zufluchtsſtätte in dem königlichen Palaſteze 4 ſie nehmen, je nach ihrem Alter und ihrer Schönheit, eine S 55 in dem Harem ihres Gebieters ein, oder ſie werden zu Frauen der höhern Staatsbeamten beſtimmt. Kann einer von dieſen

an wie Einem! Guten Morgen, Chriſtfried! Schon ſo

(IV. Jahrg.

ſondern ſie kämpfen auch, ſie geben und empfangen den Tod mit 6 V

Rl. 23.

Phriſtfried Arbeit als das Dem Worten vfindlich fuͤhlt. einem gelähm herab! Wieſen Ma Worte. melte e Schwal weiß er paßt ne meinen der Sch Erf Wieſe Tochter, ſcherzha nung u- und beg Be denken) und ſh ganzen ſ Vachtel und dan Denkſt weil in Meinſt b wundern

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