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Nr. 23.]
Der Vater tadelte ihr dieſe unwürdige Geſinnung, die ihm nicht lange verborgen bleiben konnte, faſt täglich. Seine Worte legte er dabei nicht auf die Goldwage, auch klang ſeine Stimme hart, und ſelten gönnte er der hübſchen Tochter einen freundlichen Blick. So entſtand, ohne daß beide Theile es ahnten oder gar wollten, eine gereizte Stimmung zwiſchen Vater und Tochter, die eine höchſt bedenkliche Wendung nehmen konnte.
Martin fand immer etwas an dem Kinde zu erinnern, und Marianne ſchlug jedes väterliche Monitum in den Wind. Oft gab ſie gar keine Antwort, wenn der Vater ſie in ſeiner Art zurecht ſetzte, noch öfter lautete die Ant⸗ wort protzig. Die Mutter redete immer zum Guten, ohne daß es fruchtete, und ſo nagte im Schoße der reichen, an ſich von ſeltenem Glück begünſtigten Bauerfamilie ein Wurm, der großen Schaden anſtiften konnte, wenn man nicht rechtzeitig ein Mittel fand ihn zu tödten.
Als Marianne in das Alter trat, wo ſie den einzigen Ort im Dorfe, an welchem Tanz und Spiel geſtattet iſt, beſuchen durfte, ließ dies Martin unbehindert geſchehen. Es war ja ein hergebrachter Brauch, was alſo hätte er da⸗ gegen haben ſollen! Nur verlangte er von ſeiner Tochter, ſie ſollte, um Mägden und Knechten ein gutes Beiſpiel zu geben, ſtets vor zehn Uhr wieder im väterlichen Hofe ſein. Andere Vorſchriften, welche das Verhalten im Kretſcham zum Gegenſtand hatten, dem jungen Mädchen zu machen, oder ihr gute Regeln mit auf den Weg zu geben, fiel Mar⸗ tin nicht ein. Was ſich für die einzige Tochter eines Bauers, der volle zwei Hufen Ackerland, einen Berg mit Wald be⸗ ſtanden und einen Vogelheerd beſaß, ſchicke, das mußte ſie wiſſen. Ihr das noch beſonders einprägen zu wollen, heitte ausgeſehen wie eine Beleidigung.
Bald aber gewahrte Martin, daß ſeine Tochter, was Sitte und Brauch anbelange, ganz und gar aus der Art ſchlage. Die Zeit des Heimkommens hielt ſie nie pünktlich ein, und im Umgange mit jungen Burſchen wurde ſie im⸗
mer weniger wähleriſch, es kam dem bauerſtolzen Vater ſo⸗ gar vor als gehe Marianne mit Gärtnersſöhnen lieber, wenigſtens freundlicher um, als mit den heranwachſenden jungen Erben alter Bauern. Das machte ihn mürriſch, brachte ihn auf und veranlaßte ihn zu den unliebſe
ſamen Bemerkungen bei der abermals zu ſpät erfolgenden Heim⸗ kehr der Tochter.
Marianne erwachte ſehr früh. hatte ſie erquickt, und als ſie in ihrer Alltagstracht, mit dem Rechen auf der Schulter, den Weg nach der Bergwieſe einſchlug, ſah ſie wirklich aus wie eine aufbrechende Mai⸗ roſe. Man konnte es den jungen Burſchen nicht verdenken, daß ſie das friſche, fröhliche Kind gern hatten und mehr wie Einer ihm zu Liebe ein paar Feldwege umging.
Den Vater ſprach Marianne bloß beim Frühſtück. Die Unterhaltung war ſehr einſylbig. Später, als die Tochter den Hof verließ, ſtand Martin unter dem Holzſchuppen, beſchäftigt einen neuen Heubaum vollends mit dem Schnitz⸗ meſſer zu glätten, eine Arbeit, die jeder rechte Bauer ſel⸗ ber thut.
Dem leicht davon er ſelbſtgefällig:
„Flink iſt ſie und ſauber dazu, und was Ordentliches gelernt hat ſie bei der Mutter, das muß ihr der Neid laſſen, wenn ſie nur nicht einen ſo verdammt ſteifen Nacken hätte, das Blitzmädel!“
Martin traf ſich mit dieſer Rede ſelbſt am härteſten, was er wohl hätte fühlen können, wenn er nicht von der Vortrefflichkeit ſeiner Eigenſchaften ſo ſehr eingenommen geweſen wäre. Denn gab es unter den Bauern irgend einen, dem man Steifnackigkeit, unbeugſames Weſen in
Ein geſunder Schlaf
ſpringenden Kinde nachblickend, ſprach
ſtändig. Fragen wir uns aber, ob wohl auch da g. Fragen wir uns aben uch Jahrhunderts den Schöngeiſtern, welche in i
bin ihre Werke ſchufen, ſo fruchtbar geweſen wäre,, w
enn nicht Rahels Salon beſtanden hitte? Faſt möchten wir es bezweifeln, denn der Einfluß deſſelben iſt für unſere Nationalliteratur unberechenbar geweſen.
Vergeſſen wir es nicht: in Deutſchland conſtituirte ſich die Geſellſchaft in derſelben Zeit, in welcher das öffentliche Leben und Denken ſchwieg und ein Kreis ausgewählter Geiſter die Schätze ſämmelte, von denen wir noch immer mit Stolz und Dankbarkeit nitzen; ſie conſtituirte ſich vornehmlich in Norddeutſchland, von Berlin aus, vom Salon und unter der Aegide Rahels. Ihre Elemente waren aufs Reichſte vorhanden: die Specul die Philoſophie war glorreich vertreten und lebte, blitzte und zündete; eine gäſterte Jüngerſchaar überw
geehrt; der Gedanke ſtolze Literatur und eine dafür be⸗ 1 og den öffentlichen indifferenten Geiſt, ünd die Kunſt, beſonders die Muſik, wetteiferte mit den Schöpfun⸗ 3 der Poeſie. Das Alles waren Elemente der Geſellſchaft, die h erſt nützlich und werthvoll machten durch die Politur des Sa⸗ ſons; dort ſchliffen ſie ſich, amalgamirten ſich und brachten jene wunderbare Harmonie hervor, die Reſultat des ſocialen Lebens ard Fühlens war. Durch den Salon, den man aufſuchte, wurde ſas Wort, die Sprache, der faßliche Gedanke mit einer niegekann⸗ ſe Autorität bekleidet. Das Wort gab Allem Leben, trieb Alles lut Blüthe; es vereinte, was ſich ſonſt nie vereint; es erzeugte Gedanken, die ſonſt nie entſtehen; es erquickte, es geſiel, weil es tas Neues war— das Wort und das freie Sprechen, dieſes löthſte verbindende Element der Geſellſchaft, lebte zum erſten Male Deutſchland auf, in ſeiner vollen Majeſtät und ohne Vulgarität.
Man verſtehe wohl recht. Ich meine das Wort als Austauſch
s erſte Viertel dieſes der Gedanken, als
ation und gen 1 irdiſch, aus dem Geiſt an den Gei
V
und danach ſtreben eine Converſation
per denkt. Rahel, welche drückt ſich in einem
ſönliche Communication deſſen, was man an dieſem Verdienſte eminenten Antheil hat, Briefe, 1816, hierüber folgendermaßen aus: „Wir, die Deutſchen, haben noch keine Sprache, ſo durch alle Ge⸗ ſelligkeitsröhren getrieben, wie es die franzöſiſche iſt, in der man ſich dem Geringſten im Faubourg verſtändlich machen kann. Es liegt aber eine ſolche in unſerer bereitet da; man braucht ſie nur fertig zu machen, nur die Wortſtücke dazu auszuſuchen— auch ich kann dergleichen, weil das Tagesleben, wie bei den Franzoſen, mein Kunſtſtoff iſt.— Es gab aber in unſerm Lande keine Gelegenheit zum Sprechen als die Kanzel. Alle übri⸗ gen Gedanken müſſen ohne Ton, Geberde, unperſönlich, zu über⸗ ſt wirken. Alſo langſam, künſt⸗ lich und dann plötzlich. Es werden Verhältniſſe uns auch eine Lebensgeſelligkeit in Worten ſchaffen. Ich weiß es. Ol lebt' ich nur lange genug, da ich das Andere zu lang erleben mußte! Ganz plan und klar und deutlich muß geredet werden...“ Es iſt kein Zweifel darüber, daß wir die Wichtigkeit des freien, ſinnvollen, aber, wenn ich ſagen kann, belebten Wortes einſehen sſprache zu ſchaffen. Rahel hat dafür Bedeutendes geleiſtet. Sicher in einer tiefen, deutſchen Bildung und empfänglich für die der Franzoſen; ernſt und launig, gemeſſen und witzig, beſaß ſie Alles, um einen deutſchen Salon und eine nationale, ihm nothwendige Converſationsſprache ins Leben zu rufen. Sie führte damit nicht etwa einen gefaßten Vorſatz aus und that es nicht, um einem Ehrgeiz oder einer Eitelteit zu genü⸗ gen; ſondern die Bildung dieſer Neuerung des deutſchen und lite⸗ rariſchen Lebens lag einfach in dem allgenieinen Bedürfniß, dem vorzuſtehen Rahel die geeignetſte Perſönlichkeit war.


