Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
382
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Läden und Privatſalons es hier allgemein verſteht be⸗ ſchränkten Räumlichkeiten den Schein überraſchender Aus⸗ dehnung zu leihen. Plafond und Niſchen dieſes Saales waren mit neuen Fresken geſchmückt, hier ſchaute das ge⸗ malte Ideal des antiken Modejournals, die ſchon in der Vorhalle erblickte ſchönſte Frau der Claſſicität, ihre Reize ſtolz von allen Seiten offenbarend, wohlwollend auf die vergnügten Pariſer hinunter, während ihr ſchelmiſches Söhnchen zwiſchen jedem Säulenpaar einen Winkel fand, von dem herab es mit ſeinen dicken roſigen Beinchen dem Vergnügen hier unten ſeinen Beifall zuſtrampelte.

Der zweite, größere Saal war ein Oblongum des ſchönſten Verhältniſſes; während in jenem vier Säulen, den Tanzraum unſchließend, die gewölbte Decke trugen, ruhte hier der gerade Plafond, in Quadrate älterer ver⸗ goldeter Holzſchnittarbeit eingetheilt, auf den Wänden. Louis Napoleon in Lebensgröße zu Pferde, in Oel gemalt, zierte die eine kürzere Wand, während die andere von einem ſchlanken Kaminſims, der in hohen Blumenvaſen bis zur Decke ſich gipfelte, geſchloſſen war. Grüne Vorhänge ſchloſſen auf der einen langen Seite die Fenſterniſchen. Ihnen gegenüber waren die Felder von großen Fresken eingenommen, Paris ſymboliſch in den verſchiedenen Jahr⸗ hunderten darſtellend.

Der größte Tanzſaal endlich war eine langgeſtreckte Galerie. Schlanke, vergoldete, den Seitenwänden einge⸗ fugte Säulen trugen die kühn gewölbte Decke; rothe Vor⸗ hänge bekleideten die Zwiſchenwände. Vierzehn koloſſale Kronleuchter, jeder ſicher mit achtzig bis hundert Lich⸗ tern, hatten an jeder der beiden Seiten Platz. Den ſel⸗ tenſten Anblick bot dieſer Raum, als wir aus dem Portale des Ausganges ſeiner ganzen Ausdehnung entlang die zweihundert Paare der Quadrille einander zueilen und wieder davoneilen ſahen, über denen das Orcheſter am entgegengeſetzten Ende, hoch oben zwiſchen den Säulen der Galerie, in weiter Ferne zu verſchwinden ſchien.

Rovellen Zeitung.

Von den übrigen Gemächern ſei eines erwähnt, in dim ein Bildniß des erſten Napoleon in dem antiken Krönungst coſtüm hing, in dem ihn Louis David gemalt hatte. Die Decke dieſes Gemaches war mit ymboliſchen Geſtalten alll der Hauptſtädte ausgeſtattet, die er unterworfen hatte; wir nennen nur Wien, Berlin, Kairo, Neapel. Der Teppich des Fußbodens darunter zeigte in der Mitte das große N8 mit Blumen und Lorbeer umflochten; zwiſchen den Em⸗ blemen des Randes waren die Großthaten des erſten Kai⸗! ſers genannt, neben ſeinen gewonnenen Schlachten der Code

Napoleon.

In den übrigen Zimmern waren die Stylarten der Jahrhunderte vertreten, denen ſie ihre Entſtehung verdanke ten. Auch ein Gemach mit holzgeſchnitzten Wänden, aus dem ſechzehnten Jahrhundert trefflich erhalten, oder doch kunſtreich wiederhergeſtellt. Andere waren zu Blumen⸗ gärten mit traulichen Lauben verwandelt. Ein Corridot führte zu Cabinets für zwölf Whiſttiſche in dunkelblauet Velours mit ſchweren doppelten Portieren. Gewiß mit Recht ſagt man, daß dieſe Räume, welche die Stadt ihrenn Seine⸗Präfecten ausgeſtattet hat, damit er ihre Mandatin bei feierlicher Veranlaſſung würdig vertrete, an Glanz, Reichthum und Geſchmack alle fürſtlichen Schlöſſer Franf⸗ reichs überrage. Auch das Urtheil der ſachverſtändigen Landsmännin, die ich hier umherführen durfte, konnte nicht Staunen genug äußern über dieſe Pracht und Koſtbarkuüt der Stoffe, namentlich auch in Teppichen und auf Möbeln⸗ Die Verſchwendung, ſo ſcheint es, iſt eine nothwendige W⸗ dingung Frankreichs; der Luxus iſt das Fieber, das allein den Lebensproceß dieſer modernen Welt aufrecht erhalte Um Störungen ſeines Stoffwechſes zu vermeiden, mußf man verſchwenden; und doch wieder die Verſchwendung was wird ſie endlich zur Folge haben?

Wir brauchten ein paar Stunden, die Localitäten nun oberflächlich zu überſchauen. Erſt als die Geſellſchaft ſitt ſchon zu vermindern begann, vermochten wir die anweſenden

Im Jahr 1855 hielt er wieder wie 1850 Vorleſungen, doch dieſesmal über Schiller und Goethe, vom phrenologiſchen Stand⸗ punkte aufgefaßt, und gab ein größeres EposLudwig Capet in der Bädeker'ſchen Buchhandlung(A. Martini& Grüttefien) in Elberfeld heraus, von welcher jetzt Exemplare deſſelben, die zum Beſten der Hinterlaſſenen des Dichters verkauft werden, zu 15 Sgr. zu beziehen ſind.

Daß Adolf Schults trotz einer nun eintretenden und anhal⸗ tenden Kränklichkeit der Dichtkunſt treu blieb, beweiſt ſeinHarf⸗ ner am Heerd, der dieſes Jahr bei Böhlau in Weimar erſchienen iſt und worin die Leiden und Freuden des häuslichen Heerdes mit einer Innigkeit und Wärme des Gefühls beſungen werden, wie ſich dieſe Eigenſchaften ſelten bei einem Dichter finden.

Eben ſo ehrenwerth wie das geiſtige Streben unſres Dichters unter oft drückenden äußern Verhältniſſen war der perſönliche Charakter deſſelben, denn er war einer der edelſten Menſchen, ein liebender Gatte, ein ſorgſamer Vater, ein aufrichtiger Freund, un⸗ ter allen Verhältniſſen ganz offen, wahr und ohne Falſch, und ſein Verluſt iſt für ſeine Familie ein unerſetzlicher und für ſeine Freunde ein ſehr ſchmerzlicher. C.

Misecellen. Ein ſchlauer Betrüger⸗

Kürzlich ſtarb in Verſailles eine Perſon, welche ſeit einer langen Zeit unter weiblicher Kleidung daſelbſt gelebt hatte und allſeitig als Dame betrachtet worden war, von der ſich aber nach ihrem Tode und vor der Beerdigung herausſtellte, daß ein Mann

ihr jede Rückſicht und Gefälligkeit zu Theil wurde.

ſich derſelben bedient hatte, um ſich ein ſorgenfreies Leben zt ſichern.

Dieſe falſche Dame nannte ſich Gräfin de Solège de Langt, den letzten Sprößling einer gräflichen Familie. In ihrer angel⸗ lichen frühern Eigenſchaft als Superiorin eines Kloſters trug ſia eine klöſterliche Kleidung, welche die Verkleidung begünſtigte, und als ſolche bezog ſie eine jährliche Penſion von 6000 Franken, die ohne Zweifel der Hauptgrund einer ſo kühnen Liſt geweſen ſein mag.

Der Abenteurer, der anſtatt der wahren Gräfin dieſes Na⸗ mens, die vermuthlich als Emigrirte im Auslande geſtorben war- und deren Papiere er ſich bemächtigt hatte, aufgetreten war, ſat dieſe Rolle ſeit länger als vierzig Jahren geſpielt, ohne ſe den

leiſeſten Verdacht zu erregen und ohne daß irgend ein Vorfall eu

verrathen und ſeinen Betrug entſchleiert hätte. uus Die angebliche Gräfin lebte ſehr zurückgezogen, doch keinet⸗ wegs abgeſchloſſen, denn ſie ſtand zu der Ariſtokratie in Verſaille in vielen Beziehungen, von der ſie eine hohe Achtung genoß un Ein Jeder del⸗ beugte ſich tief vor ihr, wenn ſie in ihren Nonnenſchleier und chen eingehüllt vor ihm vorüberſchritt. Niemand vermuthetence dieſer Kleidung einen Mann und überdies ſtand die auſanahr Priorin in einem Alter, wo das Geſicht das Geſchlecht nicht verräth. 4 Auceite Einige Familien trieben die Aufmerkſamkeit für ſie ſo de daß ſie ihr die erſten Erzeugniſſe und das ſchönſte Obſt aus Gärten ſandten. Am eifrigſten geſchah das von Seiten der Herzogin von B..., der Frau Gräfin S.., dem Marquix der Marquiſe de C..., dem Grafen J.., der Frau Baroain wins Das Geheimniß, womitk dieſes Abenteuer umgeben iſt,

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