Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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die Straßenecken weit und breit umher waren noch mit reitenden Gensd'armen beſetzt, rings um das Stadthaus waren Füſiliere poſtirt. Unmittelbar aus dem Wagen trat der Fuß auf ſchwere rothe Teppiche. Ein paar Stufen hinauf führten in eine lange Galerie, zur Garderobe ein⸗ gerichtet, in der zugleich auf numerirten Bänkereihen die Dienerſchaft der eingetretenen Gäſte mit Mänteln und Shawls harrte. Durch koſtbare Portièren und Thüren mit Sammet beſchlagen trat man in die Vorhalle des Treppenhauſes, die den erſten unerwarteten Anblick bot. Feenhaft iſt ſonſt ein Wort, mit dem man bei uns leicht⸗ finnig umgeht, das man gern einmal anwendet, um der Beſchreibung irgend einer neuen Operndecoration über⸗ hoben zu ſein, und wenn ein gaſtfreundlicher Commerzien⸗ rath einen Ball mit neuen Gardinen und ein paar ge⸗ ſchmackvollen Lampen ausſtattet, ſo kann er dafür Jahre lang den Ruhm eines Feenfeſtes genießen. Anders hier. Deuken Sie ſich eine durch drei mächtige Etagen hinauf⸗ reichende weiße Marmorhalle, von ſchlank aufſchießenden Säulen getragen, rings bis über Manneshöhe von duften⸗ den Blumen umfaßt, den Fußboden noch immer mit dem ſchweren rothen Teppich, den wir zuerſt betreten, bedeckt, und wo der Teppich aufhört und die zweite Säulenreihe die Halle abtheilt, da iſt vor Ihren Augen plötzlich lebendiger feuchter Raſen, rings von natürlichen üppigen Blumen⸗ beeten umgeben, und dicht hinter den Beeten ein See, ein See von wirklichem quellenden Waſſer, ambroſiſche, nicht betäubende, nur erquickende Düfte ausathmend, und dieſes wirkliche, quellende, duftende Waſſer ſehen Sie vor ſich in faſt unabſehbarer Ferne, zu der die Halle ſich öffnet, hoch aus der Höhe herab, oben in flimmerndem Springbrunnen ſich gipfelnd, den eine marmorne Tritonengruppe aus ge⸗ wundenen Füllhörnern luſtig herausſpritzt, über zahlloſe Cascaden innerlich herausleuchtender Metallſtufen hernie⸗ derrieſeln. Die Blumenbeete, die bis dort oben hinauf ſich winden, ſuchen wieder und immer wieder dem Fall des

Novellen⸗Zeitung.

Waſſers Einhalt zu thun; aber auf jeder ſolchen Anhalt ſtufe ſind neue marmorne Tritonen poſtirt, die, in ihren Füllhörnern es aufnehmend, ihm neuen und wieder neuen Sprudel verſchaffen. Ein luſtiges, neckiſches Ringen der ſteinernen Waſſergötter mit den lebendigen, farbigen Flo⸗ ratöchtern entfaltet ſich vor unſern ſtaunenden Augen, Flammen, die dort oben überall hinter den Marmorſäu⸗ len verborgen ſind, verklären mit ihrem flackernden Lichte von magiſcher Helligkeit das Ganze zu einem Anblick, der für uns zum erſten Male den Begriff des Feenhaften ver⸗ ſinnlichte.

Und neben dieſem märchenhaften Zauber hier rings um uns dieſe nicht weniger bezaubernde moderne Wirklichkeit! Dort vor uns über dem ſcheinbar körperloſen ſtrömenden. Elemente die amorartigen Statuetten thronend, auf die aus den Niſchen der weißen Wände mannigfach ge⸗ ſtaltet die ewige Göttin der Liebe in der unverhüllten Claſſicität herniederſchaut, hier dicht um uns, in un endlicher Mannigfaltigkeit die Pariſerinnen, die berühm⸗ ten, ſo viel belobten und ſo viel beſchuldigten Pariſerinnen, die Pariſerinnen, von denen jede durch die Schulter oder den Arm wenigſtens uns die Erinnerung geſtattet, daß auch ſie die Aehnlichkeit des ſchönen Geſchlechts mit jener kalten, ſtolzen Griechin nicht ganz verleugnen will, die aber alle nach dem ewig ſich erneuernden Evangelium des Mode⸗ journals ſich durch Sammet und Seide, Spitzen und Bril⸗ lanten, Schnürleib und Crinoline, Flor und Blumen ſo zu verkleiden ſuchen, als wären ſie Geſchöpfe einer ätheriſchen Welt, weſenloſe Töchter der Wolken, Erfindungen nur ihrer eigenen idealen Phautaſie. Nach beiden Seiten dehnt der ſchwere rothe Teppich über ſchlanke Marmor⸗ treppen ſich hinauf, die immer noch mit Blumen und mit Lampen zwiſchen den Blumen umkränzt ſind. Zwiſchen dieſen Blumen und Lampen ſehen wir ſie ſchwebend empor⸗ ſteigen, auf den Abſätzen der Treppe ſich begrüßend, oben dann zwiſchen den graziös gewölbten Portalen verſchwin⸗

Flaſchen beladenen Wagen zur Paris⸗Straßburger Bahn oder zu dem Canale gelangen, um von hier aus den Weg zu allen Gegen⸗

den der civiliſirten Welt anzutreten. große Preſſen im Gange und 20 Maſchinerien dienen dazu, um die Flaſchen herauf⸗ und hinunterzuſchaffen; Weinkörbe und Fäſſer werden mit Leichtigkeit aus den Kellern bis in das fünfte Stock⸗ werk transportirt. Von allen Wundern, die man bei einer Wan⸗ derung durch die ausgedehnten Anlagen ſchaut, gehört die mecha⸗ niſche Flaſchenreinigungsanſtalt mit zu den intereſſanteſten. Dieſe Arbeit, die für die Erhaltung aller feinen Weine unumgänglich nothwendig iſt und mit großer Sorgfalt ausgeführt werden muß, gehörte früher mit zu den ſchwierigſten. Mit aller Anſtrengung konnte eine Frau nur täglich 500 600 Flaſchen reinigen; daher waren in der Zeit, wo der Wein auf Flaſchen gezogen wurde,

Zur Zeit der Leſe ſind 10

Tag für Tag 80 Frauen mit Flaſchenſpülen beſchäftigt. Um ſich

dieſer Laſt zu entledigen, hat man dieſe Arbeit einfachen Maſchinen übertragen, die täglich 12 bis 14,000 Flaſchen reinigen. Die Flaſche füllt ſich hierbei von ſelbſt mit Waſſer; zwei Bürſten, die durch Drehbänke in Bewegung geſetzt werden, reinigen das Innere

und Aeußere auf das Sauberſte und die letzte Arbeit verrrichtet ein Waſſerſtrahl, der aus einer Höhe von 48 Fuß herabſtürzt.

Fünf Frauen und ein Kind leiſten ſpielend dieſelbe Arbeit, die früher 30 Perſonen kaum überwältigen konnten; während damals ſelbſt die ſtrengſte Aufſicht keine genügende Sicherheit gegen die Nachläſſigkeit bot, iſt jetzt eine unvollkommene Reinigung unmög⸗ lich. Die Pariſer Ausſtellung brachte durch ein genaues Modell die ſinnreichen, einfachen und ſehr zu empfehlenden Reinigungs⸗ apparate zur Anſchauung.

Statiſtiſches.

Der Champagner wurde ſehr bald wegen ſeines Wohlge⸗ ſchmacks und ſeiner Feinheit, beſonders aber wegen des ſüßen Rauſches, der ſehr bald verfliegt, ohne ein Unbehagen zu hinter⸗ laſſen, der Liebling aller Völker; ſelbſt die Damen verehren den köſtlichen Sect nicht wenig. Aber der Raum, auf dem die köſtliche Gabe des Himmels wächſt, iſt nur ſehr klein; er umfaßt kaum Meilen im Quadrat und erzeugt im Ganzen nur 1012 Mil.. Flaſchen, von denen durchſchnittlich jährlich 7 bis 8 Mill. Flaſchen ausgeführt werden, viel zu wenig um den Gelüſten aller ſeinen Verehrer zu genügen. Die ſpeculative Induſtrie wußte ſehr bald auszuhelfen und eine bedeutende Menge von nachgemachtem Cham⸗ pagner zu liefern. So werden z. B. in Berlin jährlich ½ Mill Flaſchen Champagner vertilgt, von denen aber nur ein Viertel aus Frankreich ſtammen ſoll, während der Reſt auf Rechnung der Nachahmung zu ſetzen iſt.

Portraits. Adolf Schults.

Daß in dem Wupperthal neben der großartigen Entfaltung der Induſtrie auch die geiſtigen Intereſſen gehegt und gepfleg werden, zeigm ſich nicht nur in ſeinen bluͤhenden Lehranſtalten in Elberfeld befindet ſich ein Gymnaſium, eine Realſchule, Kins Provincialgewerbeſchule, eine Webeſchule, eine Fabrikmuſterzeich⸗ nenſchule, in ſeinem naturhiſtoriſchen Verein, ſondern au den vielen Dichtern, die daſelbſt leben und von denen einige au in weitern Kreiſen bekannt ſind. Einer der begabteſten unter den⸗

lV. Jahrg. 24.

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