Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
379
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Der ältere England, friedliebend und verſtändig, ach⸗

Dritte folge.

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der ihm ſehr befreundet zu ſein meinte. Indeß Freund⸗

ſchaft in Paris iſt ein ander Ding als Freundſchaft in

nrte nicht darauf. Er wußte, daß Ulrich Streit ſuchte, und

geerade darum wollte er Alles vermeiden, was dieſen her⸗ beriführen konnte. Er ließ ſich ſogar offenbare Ungerech⸗ tigkeiten gefallen und gab ſich das Anſehen, als habe er gar (Fortſetzung folgt.)

Pariſer gloſſen.

IV. Ein Ball im Stadthauſe.

Und warum ſollte man nicht offen eingeſtehen dürfen, duß man hier immer und immer wieder überraſcht iſt? Süttrömt nicht hier, wie kaum noch an ein paar anderen Or⸗ tan der Welt, das Meiſte und das Vollendetſte von Allem zu⸗ ſammen, was Luxus und Erfindungsgabe, Geſchmack und Geenußſucht erſinnen und zu Tage fördern können? Szar⸗ vudy ſagte mir wenige Tage nach meiner Ankunft: Am ichtundzwanzigſten(wir hatten April) iſt Ball im Stadt⸗ hauſe, dort müſſen Sie hin, bei Ihren Empfehlungen wird 6 nicht ſchwer halten Zutritt zu erlangen. Ich erwi⸗ warte, Ball ſei Ball, und ich hätte ſchon manchen Ball ge⸗ ſihen; aber der liebenswürdige College erklärte den Beſuch ſür eine Nothwendigkeit. Ich ging zu Herrn P., Banquier, der Verwandtſchaft in den höchſten Kreiſen hat; ich hatte iin ſehr dringendes Empfehlungsſchreiben eines Freundes,

nahe treten.

Berlin vielleicht oder Leipzig und Chemnitz; hier treibt ein Jeder an dem Andern ſich kalt und fremd vorüber, fragt nicht nach den zahlloſen dringenden Empfehlungs⸗ ſchreiben, mit denen Fremde, dem Banquier namentlich, hier Auch Herr X. gab mir leiſe zu verſtehen, daß man Accreditive über die Banquierspflicht hinaus nur ſchwer anerkennen könne, im Uebrigen war er ſehr verbind⸗ lich, verabſchiedete mich dann kurz, aber höflich, und zwei Tage vor dem Balle hatte ich das Zutrittsbillet.

Die Bälle des Hötel de Ville, von denen einen ich be⸗

ſuchen ſollte, gibt der Präfect im Winter alle vierzehn

Tage auf Koſten der Stadt der hieſigen Bevölkerung. Der Zutritt natürlich iſt unentgeltlich; eine Empfehlung an den Geſandten oder irgend eine einflußreiche Perſönlichkeit des Beamten⸗ oder Handelsſtandes reicht für den Fremden hin, Einlaß zu erlangen, trotz des gewaltigen Andranges. Zu dem vorletzten Balle ſollen 110,000 Erſuche eingegangen ſein, von denen nur 10,000 reſpectirt werden konnten. Eben ſo zahlreich war der geſtrige Ball beſucht. Die Ab⸗ ſicht, jene drückende Stimmung, die man nach den Ereig⸗ niſſen der letzten Monate hier vermuthen durfte, zu ver⸗ wiſchen und durch neue Luxusbedürfniſſe die Verdienſte der arbeitenden Claſſe zu heben, mochte die Veranlaſſung zu dieſer Feſtlichkeit außer der Saiſon ſein. Der Kaiſer und die Kaiſerin ſind auf früheren Bällen erſchienen; diesmal nicht; man ſagt, die Majeſtäten ſeien über den Ausfall der vorgeſtrigen Wahlen verſtimmt. Man hatte Jules Fa⸗ bre, den Vertheidiger Orſini's, zum Deputirten von Paris erwählt.

Meine Eintrittskarte lautete auf acht ein halb Uhr. Man hatte mir gerathen, erſt nach zehn Uhr mich einzufin⸗ den, um den Eindruck des Feſtes ſogleich in ſeinem Höhe⸗ puukte zu genießen. Die lange Queue der Wagen, die ich gefürchtet hatte, war verſchwunden, als ich vorfuhr. Nur

wiſeen hat aber hoffentlich die Chemie ein Ende gemacht. Hahne⸗

nunn hat ſich durch ſeine bekannte Weinprobe im Weſentlichen

ſthwefelwaſſerſtoffwaſſer vielleicht größere Verdienſte erwor⸗ en als durch ſeine vermeintliche Reform der Heilkunde. Durch des genannte Mittel erkennt man die Gegenwart des Bleies im Weine ſofort an dem ſchwarzen Niederſchlage. Seitdem war man nitht ſicher entlarvt zu werden, weshalb man dieſe Art der Ge⸗ ſämmackverbeſſerung aufgab. Aber dennoch kommen Bleivergiftun⸗ zm durch Wein nicht ſelten vor. bebrauch von bleihaltigen Metallgefäßen, rner, die aus Nachläſſigkeit beim Spülen der Flaſchen darin zrückbleiben, vergiftet. Desgleichen kann der Wein durch Kupfer en int wergifte werden, wenn er oft mit Geſchirren aus dieſen le len in erührung kommt. Die Gegenwart des erſteren er⸗ lmt Jedermann mit Hülfe eines blanken Stückes Eiſen, alſo einer Kiſerläde abe dinn letztere in den Wein, ſo ſchlägt ſich das K G 3 3 Kii, 1 j ſj j ha rotöglanzenden Sih nitder d. h. das Eiſen überzieht ſich mit Sehr nachtheilig wirkt auch Wein, der ſehr ſtark geſchwef 92Se g wirk h Wein, ſchwefelt doden iee nſehe e Schwefel häufig geringe Menaan Arſenik m eine ſchwere Lrunkenheit facht bedeuteide Kanflchmeizen

theils durch Schrot⸗

Hiſtoriſches vom Champagner.

1 Enre Art Champagner, d. h. Schaumwein, war ſchon den um, riechen und Römern unter dem Namen aiglycos(immer ſe bekannt. Man ſagt zwar, daß ſpäter ein ſolcher Wein nicht

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mehr bereitet worden und der Schaumwein erſt vor ungefähr 100 Jahren in der Champagne aufgekommen ſei, doch dieſe Behaup⸗ tung iſt vielleicht nicht ganz richtig, denn van Helmont, der 1577 zu Brüſſel geboren wurde, ſagt, daß das Gas, welches ſich bei der Gährung entwickelt, den Wein ſchäumend(kuriosa) mache, ſobald

man es mit Gewalt darin zurückhalte. Hierin beſteht noch heute

Der Wein wird theils durch den

die Kunſt der Champagnerbereitung, zu der zuerſt der Umſtand Veranlaſſung gegeben haben ſoll, daß der auf dem Kreideboden der Champagne erzeugte Wein ſchon an und für ſich ein natür⸗ liches, wenn auch geringes Mouſſeux entwickelt. Man hat ſich be⸗ müht, ſolches durch die Kunſt zu erhöhen, indem man die Nach⸗ gährung in feſt verſchloſſenen Flaſchen vor ſich gehen ließ. So einfach dieſes Verfahren auch erſcheint, ſo iſt es doch ſehr um⸗ ſtändlich.

Frères Jacquesson.

Eines der großartigſten Etabliſſements für die Champagner⸗ fabrikation iſt das der Gebrüder Jacqueſſon zu Chalons an der Marne. Die Anlage umfaßt eine große Anzahl von Gebäuden, die durch Thürme, Kuppeln und Altane verziert ſind⸗ Hier wer⸗ den nicht nur alle Operationen ausgeführt, welche zur Gewinnung der mouſſirenden Flüſſigkeit erforderlich ſind, ſondern auch alle dahin gehörigen Nebengewerbe, als Tiſchlerei, Küferei, Schloſſerei u. ſ. w. betrieben. Die Keller ſind mit großen Koſten über eine Meile lang in Felſen ausgehauen und werden durch zahlreiche Metallreflectoren überall durch das Tageslicht erhellt. Um auf dieſer beträchtlichen Ausdehnung die Communication zu erleichtern, liegt auf der Sohle des Kellers eine Eiſenbahn, auf der die mit