376 Novellen⸗Zeitung.[IV. Jahrg. N 1 abende ward Nachfrage nach Marianne Ulrich gehalten, Dorfe ſich erzählen. Der Chriſtfried iſt dem Bergbauet aa al 1 und mehr denn Einer ging Chriſtfried ſcharf zu Leibe. zu klein für ſein Mädel.“ und w Anfangs lachte der junge England dazu und gab allerhand„Und wenn er dreimal ſo reich wäre, und wenn er um bar t ausweichende Antworten. Das ging aber nicht lange, denn eine Grafſchaft feilſchen könnte und bei Kaiſer und Reich te it er fing ſich in ſeinen eigenen Reden. Nun fehlte es nicht anhielt um ein Adelsbriefel, ſeine Tochter würde doch eine an Spaßvögeln, und dem Gefoppten ſtieg das Blut zu Gärtnersfrau!“ betheuerte, die Fauſt auf den Tiſch ſchlau tei Kopfe. Ein Glück, daß ihm ſein Stahl fehlte, er würde gend, der erhitzte England. G ihn ſonſt gewiß hervorgeholt und zähneknirſchend damit„Nicht locker laſſen hilft,“ meinte Einer der Zuhörer. beiif 1 auf den Tiſch geſtoßen haben, daß er einen Viertelzoll tief„Du wirſt aber wacker ziehen und Dich feſt anſtemmen iggt ins Holz gedrungen wäre. Wo das Ding geblieben war, müſſen, wenn Du den Ulrich zwingen willſt mit Kopfnickenic wußte er nicht. Er hoffte ihn immer wieder zu finden, Ja zu ſagen.“ 1 darum ſchaffte er ſich keinen neuen an.„Werd' ihn gar nicht fragen,“ verſetzte Chriſtfried. V „Erhitze Dich nicht,“ redete dem Gereizten einer der„Ich kenne Marianne und weiß, was ſie von mir hält.“ vertrauteſten Kameraden zu;„daß einem ein Mädel erſt„Du kannſt ſie aber doch nicht heirathen ohne des Va⸗ V zulacht und nachher hinter dem Rücken Mänche ſticht*), ters Einwilligung.“ 1 kommt alle Tage vor. Darüber läßt ſich ein richtiger Kerl„Er ſoll und wird ſie geben.“ 1 kein graues Haar wachſen. Sie wieder anführen und mit„Der? Eher beißt er ſich ſelber die Naſe ab.“ einer andern freien, das iſt das Beſte.“„Und ich ſag' Euch, er ſoll!“ donnerte Chriſtfried. „Marianne aber führt mich nicht an und will mich„O ja, auf den Nimmermehrstag!“ lachten ein paar der nicht anführen,“ betheuerte Chriſtfried. Ungläubigſten. „Dann biſt Du bange,“ warf ein Anderer ein. Chriſtfried ſtand jach auf und trat ihnen entgegen. „Der trifft ins Schwarze,“ rief ein Dritter.„Seit„Was gilt die Wette,“ rief er,„vor Advent noch bin Anfang der Ernte ſchon hat Chriſtfried den Hof Ulrich's ich verlobt mit Marianne und zum Neujahr mache ich a mit keinem Fuße mehr betreten.“ Hochzeit!“ Et „Und die Marianne ſieht immer rücklings aus dem„Wir geben Dir ein Freibier, wie man's ſeit Menſchen⸗ cten Fenſter, wenn er vorbeigeht.“ gedenken bei uns nicht erlebt hat!“ ſam „Ja ja, der Alte, der Alte!“ meinte der Erſte wieder.„Topp, es gilt!“ ſagte der junge England. Alle Gel „Wer kennte den Bergbauer nicht mit ſeinem Eigenſinn! ſchlugen ein und der Friede unter den leicht erregbarendid Den Kopf trägt er ſo hoch und ſteif, wie ſein Berg auf⸗ Burſchen, eine Zeit lang ernſtlich bedroht, war wieder hereactt ſteigt über der Nachbarn Felder und wenn er die rauche geſtellt. hauf Pudelmütze aufſetzt zund Abends nach Sonnenuntergange Seit dieſer Unterredung gewahrten die Aufmerkſamſten, es n zum Müller geht, um mit ihm zu politiſiren, ſieht er gerade daß Chriſtfried ſehr ſtill ward. Den Kretſcham beſuchte derte aus wie ein wandelnder Berg, deſſen oberſter Hübel ſo eine er faſt gar nicht mehr. Er ſaß zu Hauſe, als ſei er längſt ſehen Nebelkappe trägt!'s iſt nicht anders, als wie alle Leute im über die Jugendjahre hinaus. 12e für e — Martin Ulrich ſeinerſeits ſchlug ebenfalls eine eigen⸗ der *) Rübchen ſchabt. thümliche Strategie ein. Er trat ſtolzer und übermüthiger ein ſe —— meine Roſenſpenderin fand ich nicht mehr dort. Sie war mit ihrer fühlen uns um ſo mehr verpflichtet, ſolche dem Leſer aufzudecken, weſen ganzen Familie nach den Goldgräbereien von Californien gegan⸗ da es ſehr noth thut das alte eingefleiſchte Vorurtheil„Natur⸗ mann, gen. a. wein“ ganz abzuſtreifen. Man begnügt ſich nicht damit untrink⸗ dhne 7¹ 7 bare Weine mit beſſeren zu veredeln, ſondern man bedentſch in nc . der Regel eines eigens zu dieſem Zwecke bereiteten künſtlichen das g. Aus der Natur. Weines, der von den Weinhändlern mit dem jüdiſchen Namen Len U WAne. n„Neloche“ getauft worden iſt. Die Bereitung iſt folgende: man nicht om Weime. I. ſetzt dem Moſt eine große Menge Roſinen, Zucker, Alkohol(häu⸗ ſchua (Abel's„Aus der Natur. Die neueſten Entdeckungen auf fig den reinen Fuſel) und Gewürze zu, un einen ſehr ſtarken, ſüßen bnd dem Gebiete der Naturwiſſenſchaften.“ Heft 10.— Leipzig, Ver⸗ und aromatiſchen Wein zu gewinnen. Solche Gemiſche verur⸗ Pülr lag von Ambr. Abel. 1857.) ſachen einen höchſt unangenehmen Katzenjammer, während der oine 3 Lerſ 1 reine und gute Wein keine Beſchwerden zurückläßt. Sehr häufig zuni Vom Verſchneiden. dient auch der Eider(Obſtwein) als Beimiſchung, um den Wen dn. Ein Mittel, das noch heute in großer Blüthe ſteht, iſt der billiger zu machen, d. h. nicht zum Vortheil des Conſumenten, kra ſogenannte Verſchnitt, d. h. die Kunſt, aus der ſauerſten Brühe ſondern des Producenten. Nebenbei beſitzt der Weinhändler auf unt „einen guten, ganz reinen Naturwein“ zu ziehen. Dadurch wird die Kunſt, eine große Zahl ausländiſcher Weine, die ſich eines gro⸗ Kuſ es den Weinhändlern möglich, die beſten Weinſorten, die von der ßen Rufes erfreuen, aus dem beſten Rachenputzer zu bereiten⸗ ufe Natur nur mit karger Hand geſpendet werden, aus einem uner⸗ Manche Flaſche Burgunder, Medoc, Malaga, Muskat, Canarien⸗ ſchöpflichen Born fließen zu laſſen. Nur dieſer Mißbrauch iſt zu ſect, Madeira und Portwein wird mit Behagen hinuntergeſchluckt tadeln, ſonſt iſt der Verſchnitt, d. h. die Zuſammenſtellung zweier ſollte dieſer Wein aber ſeinen Geburtsſchein beibringen, ſo würde oder mehrerer Weine aus demſelben Bezirk und nicht zu ſehr im wir nur zu oft einen Bruder Grüneberger, Pfälzer u. ſ. w⸗ in 3 Alter differirend, nicht allein ein erlaubtes Mittel, ſondern ſogar haupt ſtatt des Fremdlinges einen wohlbekannten Landsmann 34 unumgänglich, um den Forderungen der Trinker entſprechen zu kennen. knna da dieſe nicht immer von der Natur erfüllt werden. Das rlaubte genügt aber dem Weinhändler nicht; man miſcht die; heterogenſten Weine zuſammen und fügt ſogar fremde, der Ge⸗ Weinvergiftung. eu02 1 ſundheit nachtheilige Zuthaten bei, ſo daß man nicht von einem Bis vor nicht langer Zeit gingen die Weinhändler in lbue la E Verſchnitt, ſondern nur von einer Verfälſchung reden kann. Unverſchämtheit ſo weit, den ſauern Geſchmack der Weine d 9 ſe 6 Dieſe Kunſtſtücke ſind heute keine Geheimniſſe mehr. Wir Bleizucker, eines der gefährlichſten Gifte, zu verſüßen. Dieſem Un W —
Jahrgang
01-26 (1858)
Seite
378
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