Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
348
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auch ein wenig monoton und im zu oft wiederkehrenden

NM.

IV. Jayrg

den Künſtler darzuſtellen, dem das abgeht, was dem Ma⸗ dur Ba

ten alle Wahrheit und in ſeiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obſchon mit dem Zuſatze, mich immer und ewig zu irren, verſchloſſen hielte und ſpräche zu mir: Wähle! ich fiele ihm mit Demuth in ſeine Linke und ſagte: Vater, gib! Die reine Wahrheit iſt ja nur für Dich allein. Der Verfaſſer der vorliegenden, ven uns ſchon in erſter Auflage angezeigten Vor⸗ hofklänge gibt ſeinen Standpunkt an, indem er neben dieſes Citat die Bemerkung ſetzt:Der in dieſen Worten des großen Denkers bemerkbare Widerſpruch zwiſchen aufrichtigem Streben nach der vollen ewigen Wahrheit und ihrer Ablehnung im Falle ſie uns auf einmal und unzweifelhaft dargeboten würde, wird aufgehoben durch die demüthige Ahnung, daß unſer Geiſt, wenn nicht zuvor entſprechend erweitert, zu ihrer Aufnahme viel zu klein, völlig unzulänglich ſein werde.

Noch ein anderes Citat charakteriſirt die Intention dieſer Dichtungen. Der Verf. ſagt mit Feuchtersleben:Ich habe ſtets dafür gehalten, daß man Geſpenſtern nicht aus dem Wege gehen

und dieſe, wo nicht löſen, doch ausſprechen ſoll. Ich liebe nur Leſer, die lieber angeregt als geſchulmeiſtert ſein wollen. Das Zweifelhafte ſcheint mir intereſſanter als das Ausgemachte; ſchreite Jeder mit ſeinen eignen Füßen durch die Gefilde, wohin ich deute!

und Problemenicht verſchweigen, ſondern jenen ins Antlitz ſchauen

Profil gehalten; das große Publieum wird durch den Stoff ler das Lebenselement iſt, der Sinn für die Welt des Lich⸗ Kunſtt dieſes Bildes vornehmlich begeiſtert. Am Gallait'ſchen tes. Herr De Kaiſer hatte dabei zwei große Schwierig⸗ lismus Gemälde mußte ich unter den Einzelheiten dieſen Kaiſer keiten zu überwinden: er mußte einmal Milton das Augen⸗ Känſtt Karl vor Allem bewundern. Mit welch hiſtoriſchem In⸗ licht ſichtbar nehmen, um die Situation des Erblindetſeins fehlen ſtincte, dabei mit welcher künſtleriſchen Anſpruchsloſigkeit, erkennen zu laſſen, und er konnte des Augenlichtes ſeines der ni ſo ohne alle theatraliſche oder maleriſche Prätenſion iſt der Sujets andererſeits nicht entbehren, weil ihm ſonſt das Idee diplomatiſche Weltbeherrſcher hier gezeichnet! In der Hin⸗ Hauptmittel für den Ausdruck geiſtigen Lebens in der ande fälligkeit des Alters, die an der übermäßigen Aufgabe ver⸗ Phyſiognomie entging. Der Weg, der zur Erreichung ein? zagen muß, ein ſo wunderbar einfaches Gegenſtück gegen beider Zwecke hier eingeſchlagen iſt, iſt ein ſehr glücklicher, a den plaſtiſchen, herausfordernden, in der Blüthe ſtehenden von der Meiſterſchaft des Künſtlers zeugend, der jede Si⸗ allei Karl V., den Geef in der Vorhalle des Palais de la Re⸗ tuation beherrſcht. Neben dieſem Milton hat De Kaiſer ſitt préſentation in Marmor aufgeſtellt hat.(Wir können nicht zwei andere Elegien aus dem Dichterleben angefangen, länd unterlaſſen den Mangel der Aufführung der beiden Tableaux Dante und Taſſo im Unglück. Wie eigenthümlich, daß gran in BädeckersParis und Umgegend zu rügen, einem der Künſtler, der ſich ein elegantes comfortables Wohnhaus Guide, dem wir ſonſt mit Vortheil gefolgt ſind.) in einer parkartigen Beſitzung erbaute, dem der Staat ein Wir ſind ſomit bei der belgiſchen Malerei angelangt. prächtiges Atelier errichtet hat(De Keyſer iſt Director der Drei Tage in Brüſſel und einer in Antwerpen, läßt ſich da Antwerpener Akademie), die Poeſie des Künſtlerthums über eine große Schule, die ſo groß iſt, daß ſie nicht ein- wieder und immer wieder im Unglück ſucht! mal Schule ſein will, Ergründendes in Erfahrung bringen? Herr Moſcheles, ein junger talentvoller Maler, Sohn Ich hatte noch dazu Unglück mit meinen desfallſigen Ver⸗ des berühmten Componiſten der claſſiſchen Richtung am ſuchen; Gallait war nicht in Brüſſel, die Ateliers von Leipziger Conſervatorium, machte es mir möglich, außer Slingeneier und Portaels wollten dem flüchtigen Reiſen- dieſem noch einige andere der Ateliers von Anvers kennen den ſich nicht öffnen. Juͤ Antwerpen aber war vor wenigen zu lernen. Zwei noch im aufſtrebenden Lebensalter befind⸗ Wochen die Ausſtellung geweſen und die Künſtler waren liche Künſtler, Lys und Vanlerius, haben frühe und reiche eben im Begriffe, für die nächſte Neues zu beginnen. Nur V Anerkennung gefunden. Doch weder ſie noch Leys, der bei bei De Kaiſer ſah ich ein fertiges Bild, der erblindete greiſe uns auch genannt wird, hatten etwas Fertiges bei ſich. Milton mit ſeinen ſchönen Töchtern. Das Gemälde iſt Von Letzterem bekam ich nur Fresken zu ſehen, einen figu⸗ brillant, dabei zart und elegant gemalt, wie alles, was renreichen Kirchgang am Neujahrsmorgen, durchaus im wir von dieſem Künſtler in Deutſchland geſehen haben. Style der alten deutſchen Schule gehalten, womit er ſein Er iſt ein Virtuoſe des Pinſels, auf dieſem Bilde gerade prächtiges, theils mittelalterlich, theils chineſiſch ausgeſtat⸗ in ſo hohem Grade Meiſter der Farbe, daß das, was er tetes neues Haus verziert hat. malt, hier nur ſpiritueller Lichteffect zu ſein ſcheint, kein Eine maleriſche Originalität blieb mir bei der Rüc⸗ Stoff, keine Farbe mehr, aber auch keine faßbare Natur. kehr nach Brüſſel noch zu ſehen. Die niederländiſchen Mi⸗ Im Uebrigen läßt ſich von dieſem Werk viel Schönes noch ler ſind noch heute vor allem Coloriſten; wie De Kaiſen ſagen. Es liegt viel Elegie in dem Gedanken des Malers in ſeiner Art, ſo ſind auch die anderen in ihrer Art groß in ; Auſer. Zweite verbeſſerte Auflage. Ein Sohl ftesr Literatur. der Zet 3 4 hähiten wmn Berkeſrne u M Irinſ vot dg Vorhofklänge. Von einem Wahrheitsſucher. Carl Siebel. Iſerlohn, Julius Bädeker. 1858. luaäͤr al Verbeſſerte und vermehrte Auflage. Barmen, W. Langewieſche. Carl Siebel iſt einer der begabteſten unter den begabten Dich⸗ thotu 1858. tern des Wupperthales. Dieſe Dichter ſcheinen ſämmtlich die relieezern Leſſing hat bekanntlich geſagt:Wenn Gott in ſeiner Rech⸗ giöſe Richtung, die als eine Eigenthümlichkeit dieſes Fabrikdiſtric⸗ dnnufalle

tes auftritt, nicht ganz zu theilen.

Die Dichtungen von Cal anlänte Siebel ſcheinen zum T

beil aus der Oppoſition gegen dieſe Rich tung hervorgegangen zu ſein. Der Druck, ſagt man, ruft de Gegendruck hervor, und je ſtärker jener, um ſo gewaltſamer ma wohl dieſer ſein. Vielleicht war es die Schuld jenes Druckes, u er En⸗ in die Poeſien Carl Siebel's dies und jenes miſchte, das un

fremdartig, übertrieben oder überflüſſig erſchien. Indeß die Zii enngelte

hat auch dieſes noch ſo jugendliche Talent ſchnell und vortheilhif Se gereift. Bei demTannhäuſer hier ſehen wir in dieſer zweitt ſtiche d Auflage, was uns in der erſten auffiel, ſorgfältiger behandelt iliche Die daran geknüpften Aphorismen aus der Gegenwart, die he haft ſ

zum erſten Male erſcheinen, bieten uns, oh Beimiſchung, etwas von echt liebenswürdiger Lebensanſchauung, würdigſte Haltung und kün

ohne irgend eine ſtörem lli Poeſie, verſöhl ſtleriſch ſorgfältthr a

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3. lgreich

Ein Lord als Räuberhauptmann.

Die Romantik verſchwindet immer mehr und mehr. Tragen at de

davon die verwünſchten Eiſenbahnen die Schuld, oder n e

ten ſie nur weſentlich zu andern Gründen mit? Wer will oder katſſon rej