346
auf, dem ich als liebenswürdigem Berather für meine hie⸗ ſige Einrichtung empfohlen war; ich finde die Nr. 18 der Rue Labruyere, frage die Concierge: M. Gathy demeure- t=il ici?— Non, M. Gathy ne demeure pas ici.— Mais, — M. Gathy avait demeuré
je crois— voilà l'adresse. ici, mais ne demeure pas ici, il m'existe plus. Er war am ſelben Morgen zu Grabe getragen.
So flüchtig ich auch am Kölner Dom diesmal vor⸗ üͤber eilte, mit ein paar Worten muß ich dennoch ſeiner ge⸗ denken. Die Fortſchritte, die der Bau ſeit zehn Jahren zurückgelegt hat, ſind enorm. Der Plan des Ganzen tritt aus dem Vorhandenen klar entgegen und das bis jetzt Voll⸗ endete läßt keinen Zweifel mehr an der Vollendung des Ganzen. Die neu angebrachten Glasmalereien machen einen Totaleindruck möglich. In den alten Fenſtern der Nordſeite, nach Dürer, muß ich den Mangel an Klarheit der Gruppirung nicht verſchmerzen zu können mich für bornirt genug erklären; glücklicher in der Compoſition erſcheinen mir nun einmal die Cornelius'ſchen Entwürfe, wenn über die Haltbarkeit ihrer Farbenpracht auch die Jahrhunderte noch zu entſcheiden haben.— Als ich bei magiſcher Abendbeleuchtung all' dieſe architektoniſche und maleriſche Pracht in ihrem großartig ſeltſamſten Zauber erblickte, mußte ich des Gefühles denken, das den Meiſter, der den überkühnen Plan entwarf, bewältigen müßte, wenn er nun den Plan vollendet oder doch nahe der Vollendung erblicken könnte. Es iſt der Menſch zwar ein armſeliger Wurm, und nur eine kleine Spanne Seins iſt ihm ver— liehen; wenn er ſein Sein aber ſo recht erfaßt, wie es frei— lich unter Millionen immer nur Einem Erwählten beſchie⸗ den iſt, wie kann er der kleinen Spanne doch eine verhält⸗ nißmäßig unermeßliche Ausdehnung geben!
Von Köln ab begann der große Strom der fremden Touriſten ſich geltend zu machen. Franzoſen, Engländer, Italiener in allen Ecken der Coupés. Von Aachen ab, der deutſche Reiſende eine Ausnahme. Die großen Wunder
Novellen⸗Zeitung.
ſind. Trotz des hellen Mittages hatte man in Aachen dbe Lampen im Wagen angebracht; die Nothwendigkeit derſel⸗ Gelt ben ſtellte ſich heraus, als Tunnel auf Tunnel den Weg u
verfinſterte; dieſe Strecke iſt bekannt als eine der koſtſpie⸗
(V. Jahrg.
des kleinen belgiſchen Induſtrielandes fangen an. Die Tour im Allgemeinen hat Aehnlichkeit mit den Thälern der Ruhr und Wupper, nur daß die Ausdehnung dieſer Indu⸗ ſtrie-Anlagen noch größer, die einzelnen Etabliſſemente z. B. das der Vieille-Montagne, noch bedeutender und die Reize der Gegend mannigfaltiger und vielleicht grotesker
ligſten Baue der Welt, weil zum großen Theile unterir⸗ diſch; Lüttich mit all' ſeinen Vorſtädten und Nebenſtädten, durch die wir auf einem einzigen weit ausgebreiteten Bahn⸗ hofe wohl eine Stunde lang dahinfuhren, bietet von der freien Ausſicht der Hauptſtation aus einen äußerſt male⸗ riſchen Anblick. Im blauen Nebel des weiten offenen Tha⸗ les verſchwimmend, lag das reiche und fleißige Liege ſtol und freundlich vor unſeren Augen.
Hinter Lüttich iſt der Höhenzug erreicht, von dem aus die Gegend in ſchiefer Ebene allmählich und ununterbrochen dem Meere ſich zuneigt. Es wurde Nacht. Wir fuhren bergab und reißend ſchnell. Gegen neun Uhr waren wir in dem künſtlichen Tage der Brüſſeler Gasflammen. Brüſ⸗ ſel imponirt als große Stadt und als erſte Stadt von völlig franzöſiſcher Phyſiognomie. Ich blieb drei Tag
Sittenverderbniß, die Todten reden, ſo ſollten ſie auch hier, von demſelben Spruche wach gerufen, eine Antwort ertheilen, und— wenn ſie auch noch nicht ſchriftlich eine ſolche überſandt— ſo ver⸗ ſichert man dafür, daß man ſich mündlich ganz gut mit ihnen zu verſtändigen wiſſe. So geht denn Dresden auch hierin wieder den übrigen großen Städten Deutſchlands voran⸗ wie vor einigen Jahren, als das Tiſchrücken in die Mode kam. Damals bedurfte es nur einer Nachricht von Dr. Karl André über dieſen Gegen⸗ ſtand, und ſogleich drehte die ganze Stadt; heute bedarf es in ähnlicher Weiſe nur eines Wortes von Paris, und man eilt an die Särge ſeiner begrabenen Freunde.— Die Räthſel des Daſeins zu ergründen, wird aber darum wohl Keinem hier beſchieden ſein. Vor der Paſtrana und den Todten hat das wichtige Ereigniß des Wechſels eines Theaterintendanten in den Hintergrund treten müſſen, und dieſe allerdings große Begebenheit iſt auch jetzt noch nicht beſeitigt.— Ob die Wahl einen f wird, der von der Bühne nur das verſteht, was ihn ſelbſt unter⸗ hält, iſt noch die Frage!— Daß ein ſo bedeutendes Inſtitut, wie das Theater in Dresden iſt, der Beaufſichtigung eines Kenners entbehren ſoll, iſt eine harte Sache, beſonders hart auch für den Bühnendichter, welcher ſich einem Urtheil unterwerfen muß, das er nicht für maßgebend anerkennen kann. Sein Stück wird ver⸗ worfen, und er hat keinen Gerichtshof, an den er appelliren kann. Wer in Dresden lebt, für den iſt ein ſolches Verdammungsurtheil doppelt ſchmerzlich, weil die Kritik ihm dagegen nicht einmal eine Waffe in die Hand gibt; denn leider! wie wir Deutſchen in allen Dingen gerne hadern, ſo iſt es auch hierin der Fall, und eine ge⸗ rechte, unparteliſche Würdigung iſt in unſerer Literatur nicht zu
erlangen. Die Freunde loben, was ſi
V
V
e nicht loben ſollten, und die
armen Edelmann treffen
in Brüſſel. Ich fand eine Menge Eindrücke, die mich feſ⸗ ant ſelten und die mir der Aufzeichnung werth erſchienen; aber ieſ Paris hat das Alles verwiſcht. Was Goethe von Leipzig in mit Unrecht ſagte, weil er Paris nicht kannte, gilt im vol iei ſten Maße von Brüſſel: es iſt ein Klein⸗Paris. Paris, ſin a aber im Kleinen. Was wir dort geſehen, wiederholt ſich druck hier und in größerem Maßſtabe. Eigenthümlich für Brüſ⸗ ders ſel bleibt nur der alte Marktplatz mit dem Höotel de Ville dafür und den politiſchen Conſequenzen, die ſich für Vergangen⸗ groß. heit und Gegenwart daran knüpfen. Das iſt denn freilich lallabe nicht wenig. Hier iſt der Ort, auf dem Egmont und Hornſich au 4 b— Feinde tadeln, was ſie nicht tadeln ſollten; aber immer iſt das dn un Loſungswort Freund oder Feind.— Der Dichter erträgt dieſes oügen. Verhältniß wie ein Dichter, d. h. er läßt ſich dadurch auf Mo⸗ RN mente himmelhoch erheben und ſinkt dann wieder in die tiefſte Mäddh Muthloſigkeit zurück. Tadel verträgt er eigentlich gar nicht denm lich unſ der Tadel iſt fuͤr ihn ein Abſchneiden der Mittel zu ſeiner Exiſtenz⸗ dine vor folglich eine Lebensfrage. Unſere Dichter ſind zu abhängig vot der En dem Erfolg ihrer Arbeiten, als daß ſie ruhig eine tadelnde Krill Gr erſ hinnehmen könnten, welche nicht ſie allein, ſondern auch Weib und Najah Kind zugleich mit trifft. Das iſt eine üble Sache; denn eine ſolche lndes Rückſicht hemmt entweder die Feder, der Wahrheit die Ehre zu ge frte, ben, oder auch veranlaßt ſie den Schreibenden, Rückſichten zu ge⸗ auch G. horchen, welche auf eine Täuſchung des Publicums hinauslaufen cen zu die eben ſo wenig zu rühmen iſt.— Ein anderer Uebelſtand in ſit ſh noch, daß bei uns die Kritik die Namen nennt, während in Eng, dend, land z. B. alle achtbaren Blätter hoch bezahlen, ſorgfältig wählm, unterit aber ihre Mitarbeiter nicht errathen laſſen. Dadurch vermeide ſch fn ſie eine Menge kleinlicher Beziehungen und Rückſichten, an dem wir ſo ſehr leiden; denn bei uns wird ein Urtheil über ein Bus Gomge zu einer Perſönlichkeit, die man allenfalls mit einer Herausfon geit n rung rächen könnte und in gewiſſem Sinne auch rächt..(lauer Amely Bölte. inzan —— nan di 4 z gade Zur Länder⸗ und Völkerkunde. de . 1 don Die Bajaderen. 89 d 3„ s n V In Nr. 13. d. J. brachten wir einen kleinen Artikel über da⸗ ni u Weſen der Bajaderen. Dieſem laſſen wir hier einige Worte ün 1 bon 1l 1 —— QAl
*


