Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
344
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Sie haben es ſelbſt ſo gewollt, ſagte ſie unwillig; denn ich habe Ihnen hundertfältig angedeutet, daß mein Leben abgeſchloſſen ſei. Was konnten Sie alſo noch von mir wollen nach ſolcher Erklärung?

Schon manche Frau vor Ihnen hat ſo geſprochen; wenn aber noch ein ganzes Leben vor Ihnen liegt, ſo glaubt Ihnen das Niemand. Der Moment entſcheidet dann ſtets.

Das iſt mein Fall bereits geweſen, verſetzte ſie bit ter.Sie kennen meine Vergangenheit nicht, ein ewiges Dunkel muß ſie decken; Ihnen hätte es genügen ſollen, daß ich Ihnen ein Geheimniß daraus machte, um zu ahnen, daß ich mir nichts verzeihen laſſen wollte. Leben Sie wohl!

Iſt das Ihr letztes Wort?

Mein letztes.

Der Comité erwartet mich, um mir anzukündigen, daß man Ihrer nicht mehr bedürfe. Ich wollte vor ihn hintreten und fragen: mit welchem Rechte man Sie Ihres Poſtens entſetze? Ich wollte hinzufügen, daß Sie nicht nur die Lehrerin meines Kindes ſein, ſondern deſſen Mutter werden ſollten, ſobald es Ihnen gefalle meine Hand anzu⸗ nehmen. Und Sie verbieten mir, in dieſer Stellung für Sie aufzutreten?

und er verließ mich darauf. Da ſchwor ich mir hoch und theuer, nie wieder auf die Liebe eines Mannes zu bauen, ich ſchüttelte den Staub von meinen Füßen und zog unbekannt in die Welt hinaus, um mir durch eigenen Fleiß eine unabhängige, ehrenvolle Exiſtenz zu gründen. Mein Zweck iſt, Mädchen zu bilden, welchen ihre Selbſtſtändigkeit! über das Joch einer Ehe geht welche die Männer ent⸗

ich ihn nennen, ſo würde man mich verkennen. Sie neh⸗ men Theil an mir, an meinem Streben; warum konnten Sie ſich nicht entſchließen mir Freund zu werden, warum mußten Sie gleich Anfangs darauf ſinnen eine Geliebte aus mir machen zu wollen, die von dem Lächeln Ihrts Mundes lebe! Mit der Liebe hört auch die Freiheit für uns auf. Sobald unſer Herz eine Sprache gewinnt, wer⸗ den wir die Sclavinnen des Mannes, wir ſchwören ihm

Treue vor dem Altare und wie hält er ſie uns? Welch ein buntes Seraglio iſt unſere moderne Welt, ſind unſere großen Städte für die Herrn der Erde! Nein,

nein! Ich wollte lieber noch einem Türken angehören, als

ſcheinbar die einzige Gattin eines chriſtlichen Eheherrn ſein!

Da haben Sie mein Glaubensbekenntniß, das ich Ihnen vorenthielt, ſo lange ich konnte, weil es nicht in das I Bereich einer Lehrerin gehört, ſich über die Liebe und deren

Ohne Zweifel! Sagen Sie dem Comits, wenn ich bitten darf, daß ich morgen früh meine Entlaſſung einge⸗ reicht haben würde; denn meine Reiſe nach Hamburg hatte keinen andern Zweck, als mir dort einen Beruf zu ſuchen, dem ich mit mehr Befriedigung nachkommen könnte, als es hier der Fall war, und ich habe meinen Zweck erreicht. Daß ich Ihnen ein Geheimniß daraus machte, müſſen Sie mir verzeihen. Ich bin Pädagogin aus Neigung, und jetzt ſogar noch aus Nothwendigkeit. Ich haſſe die Abhängig⸗ keit, ich will frei ſein, will Niemand etwas verdanken. Meine Eltern wollten mir nicht geſtatten dem Manne an⸗ zugehören, welchen mein Herz gewählt; ſie enterbten mich

Berechtigungen zu unterhalten. Ich achte die Männer nicht, weil ſie die Selaven ihrer Sinne ſind; ich achte die Frauen nicht, weil ſte ſich von ihnen täuſchen laſſen. Und nun leben Sie wohl.

Ich hielt ſie zurück.

Und keine Ausnahme wollen Sie gelten laſſen? fragte ich erregt.Keine?

Keine, weil ich ſelbſt keine war. Wir täuſchen oder ſind getäuſcht, wie es unſere Leidenſchaften wollen. Sie glauben in dieſem Augenblicke nur mich auf der Welt zu lieben, nur in meinem Beſitze Ihr Glück zu finden, und Ihrer Empfindung nach iſt das Wahrheit. Aber wie

Denn dort tanzte geſchmeidig mit munteren Gliedern ein Panther

Kühnlich und ſtolz, weil über dem Rücken der ſeligſte Reiter Rebenumkränzt ihm ſaß, Dionyſos mit ſtrahlendem Trinkhorn. Alſo ſchmückten den Grund ſchön dieſe Figurengebilde. Jetzo der Baſis entſtieg voll Kraft der gewaltige Erzſchaft, Anmuthreich mit dem Knauf und den Armen und ſchwebenden Lampen,

Der bis über die Bruſt dem erhabenſten Manne hinanſtieg.

Aber es war ein Pilaſter korinthiſchen Styls, und die Maske Ziert an dem Knauf ihn vorn, doch hinten ein mächtiges Stierhaupt. Und man ſah es erſtaunt, wie über dem Knaufe die Arme Schön ſich bogen, die vier ausgreifenden Träger der Lampen. So war lieblich zu ſehn ihr Spiel und die ringelnde Blattform, Prachtvoll, glänzend und kraus, wie die Blätter der Blume

. Akanthos.

Aber von jeglichem Arm hing ſchwebend an ſchimmernden Ketten Nieder ein Lämpchen, und köſtlich von goldfarb ſtrahlendem Erze Funkelten ſie, wie am ſchattigen Aſte die rothen Orangen. Kunſtvoll prangte ein jedes, verſchieden an ſinniger Bildung. Denn gleich über dem erſten erhob ſich ein ehern Gebilde

Sanft mit der blinkenden Fackel: Oneiros war es, der Traumgott, So wie ein Falter zu ſehn in der dämmernden Bläue des Abends.

Ganz war anders das zweite; da ſaßen, ein himmliſcher Anblick, Plaudernd und küſſend zumal zween junge verliebte Figürlein, Amor und Pſyche gepaart. Wie im Wald ſanft ſchnäbelnde Tauben

Koſſten ſie ſchön, und die Reizende hob in der Rechten die Fackel,

Doch mit den Armen un ſchläͤn ſie der Gott, und er küßte ſie erzlich.

Ferner die dritte der Lampen, ſie war ganz anders gebildet. Siehe, die Flügel geſenkt auf wölbendem Deckel wie ernſthaft Saß und wie klug mit den Augen ein Vogel: der Pallas Athene Nächtliche Eule; ſie hielt in den Krallen die größeſte Fackel Still vorſchauend und ernſt und erweckte den ſunenden Ernſt auch. Rührung aber erregte die letzte der Lampen und Wehmuth. Thanatos ſtand auf ihr und er löſchte die Fackel in Nacht aus; Doch ihm ſchwebte zur Seite die freundliche Hore Eirene, Schleierumwallt, in der Hand die gebogene zögernde Palme.

Zu dieſer Schilderung macht der Dichter die Bemerkung, daß er das Kunſtwerk für den Zweck ſeiner Phantaſie in Einem umge⸗

ſtaltet habe, was hier weſentlich iſt, nämlich indem er ihm Lampen

ſeiner eigenen Erfindung gab. Die ihm in Neapel anhangenden ſind anders geformt: die eine iſt bildlos, die andere mit zwei Ad⸗ lern geziert, die dritte zeigt eine halbe Stiergeſtalt, und der vierten endlich dienen als verſchönernde Griffe zwei Delphine. Der Ar⸗ chäolog, bemerkt Gregorovius, wird dieſer Willkür wegen nich entſchuldigen, wenn er weiß, daß die Lampen dem Kandelaber nicht urſprünglich angehörten, ſondern willkürlich ihm angehängt mar⸗ den ſind. Die urſprünglichen Lampen fand man nicht.

Eine Abbildung dieſer ſchönen Bronze findet man in dem Sammelwerk des Muſeo Borbonico. Bei derallgemeinen kheil⸗ nahme, die dieſe neuſte Dichtung bereits gefunden, ſollte da eine Nachbildung derEuphorions⸗Lampe unſerer künſtleriſchen In⸗ duſtrie nicht mit Erfolg anzurathen ſein?

[IV. Jahrg.

behren können. Dieſer Zweck iſt mein Geheimniß. Wollte

blie Alle daß . verla je na deni