Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
342
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Novellen⸗

es hier ſchwer iſt, ſo opfern ſie uns Frauen auch ohne Be⸗ V denken. Oder können Sie mir einen andern Grund dafür nennen?

Doch wohl! erwiderte ich nachdenkend.Ich kann nicht glauben, daß uns das Bewußtſein des Unrechtes ab⸗ geht und damit die Reue, ſondern vielmehr, daß unſere Leidenſchaften ſo ſtark ſind, daß ſie uns gegen unſern Wil⸗ len das thun heißen, was unſere beſſere Einſicht ver⸗ dammt.

Und ich glaube, daß Sie mit allem Bewußtſein unſer Glück dem Ihrigen opfern, ſagte ſie beſtimmt.Der Egoismus des Mannes fordert ihn auf, dies als ſeine Be⸗ rechtigung zu betrachten. Eva ward aus der Rippe des Adam geſchaffen. Es liegt ein tiefer Sinn in dieſer Ge⸗ ſchichte.

Aeußerungen der Art waren ihr ſchon öfter entfallen und ich konnte darum faſt nicht zweifeln, daß eine ſchlimme Erfahrung ſie hervorgerufen; welcher Art dieſe jedoch ſein mochte, darauf deutete ſie nur hin, ſo wie ſie überhaupt ihrer Vergangenheit mit keinem Worte gedachte. Mein Antheil an ihr wuchs mit jedem Tage. Ich konnte mir nicht verhehlen, daß ich ſie liebte, ſie glühend liebte und in ihrem Beſitze mein höchſtes Glück ſah. So ernſt ſie auch jeder Anſpielung auf meine Wünſche entgegen trat, ſo we⸗ nig ließ ich mich dadurch überzeugen, daß meine Hoff⸗ nungen vergeblich wären. Sie war gerne in meiner Ge⸗ ſellſchaft, ſie unterhielt ſich gerne mit mir, wir ſtimmten in vielem Bezug in unſern Anſichten und Neigungen überein, warunm ſollte ich nicht erwarten, daß die Zeit dieſem Allen auch noch eine wärmere Empfindung hinzufüge, die mir den Beſitz ihrer Hand gewähren würde? Sie ſtand allein in der Welt, Familienbande ſchienen ſie nicht zu feſſeln, die Abge⸗ ſchiedenheit, der kleine Ort, waren ihr nicht unangenehm geweſen, wer konnte ſie alſo verhindern hier dauernd ihren Wohnſitz aufzuſchlagen? Bereits waren wir das Gerede der ganzen Stadt; denn an einem kleinen Orte kann ſich

Zeitung.

ſauch nicht das unſchuldigſte Verhältniß entſpinnen, ohne

daß der Leumund ſein Gift hineinmiſche. Es fehlte nicht an Glückwünſchen, und ich fühlte wohl, daß ich es ihrer und meiner Stellung ſchuldig ſei, dieſen Schlüſſen eine Baſis zu geben, die der Welt kein Aergerniß mehr daran nehmen laſſe.

Das Oſterfeſt war indeſſen herangekommen, der Schnee vor den Thüren geſchmolzen und die ganze Natur kleidete ſich in ein freundlicheres Gewand. In der Schule hatte man Ferien gemacht und Fräulein Sturmvogel die Zeit benutzt, um eine kleine Reiſe zu machen, deren Ziel und Zweck ſie jedoch nicht nannte. Ich fand das ſonderbarz doch wollte ich ihr keinen Vorwurf daraus machen, ſo ſehr mich dies mangelnde Vertrauen auch kränkte. Nur zu ſehr empfand ich während ihrer Abweſenheit, wie ſehr ſie mir fehlte, ja, es gäb Momente, in denen ich es geradezu für unmöglich hielt, ohne ſie leben zu können, und ihr nachzureiſen auf dem Punkte ſtand. Als ſie nun wieder zurückkehrte, war ich ſo froh ſie wieder zu ſehen, daß ich in meiner Freude ihr keinen Vorwurf zu machen vermochte.

Gottlob, daß ſie nun endlich da war!

Sie war am Sonnabend zurückgekehrt und am Mon⸗ tag ſollte der Unterricht beginnen; es blieb ihr alſo noch ein Tag der Vorbereitung auf das neue Semeſter, das ſie nach einem friſchen Plane beginnen wollte. Sie ſagte mir das und auch, daß faſt der ganze Tag erforderlich, um ihre Einrichtung zu treffen, an einen gemeinſchaftlichen Spa⸗ ziergang daher nicht zu denken ſei. Ich war damit unzu⸗ frieden und äußerte, daß ſie die Sache nicht ſo ernſt nebmen ſolle, weil ihr wahrlich Niemand ihre Mühe Dank wiſſe. Sie ſah mich hierauf groß an.So ſprechen Sie? fragte ſie verwundert.Habe ich denn je Anſpruch ge⸗ macht auf Anerkennung? Doch mir ſelbſt zu genügen, da⸗ von wird mich nichts zurückhalten. Wollte nur der Him⸗ mel, daß ich ſtets ſtark genug geweſen der eigenen Stimme zu folgen, wenn ſie mich mahnte, auf meinem Wege nicht

wäre ihm eines Tages draußen in der Landſchaft Amor erſchienen im Pilgergewande und hätte ſeufzend zu ihm geſprochen:Jene Dame wird nicht nach Florenz zurückkehren, und ich bringe dir hier dein Herz, welches du ihr nach meinem Willen gelaſſen.

Dieſe Dame alſo verließ Florenz; und nun dauerte es nicht lange, ſo hatte Dante einen neuen Schirm gefunden. Da geſchah es aber, daß man in der Stadt viel über ihn ſprach wie er ſelbſt erzählt, ſprach man anders, als es die feine Sitte ge⸗ bietet; es war für ihn ein arger Schimpf. Dante berichtet über dieſe Sache nicht genau; aber es geht aus ſeiner Erzählung her⸗ vor, daß die Dame, die eben ſein neuer Schirm ſein ſollte, durch ſein indiscretes Benehmen zu leiden hatte.

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unausſprechlichen Schmerz und vielleicht iſt ſie geſtorben, ohne

ſein kann; denn er ſprach ja nie ein Wort mit ihr. Sie war übri⸗ gens, wie ich ſchon geſagt habe, ſeit längerer Zeit verheirathet

ſten Familien in Florenz; und dieſer Simon de' Bardi war wenigſtens ſpäter, nach Beatricens Tode einer von Dantes beſten Freunden.

So war Dante's Verhältniß zu jener Beatrice, die ihn zum Dichter machte, die ihn(wie er ſchreibt) über das gewöhnliche Maß der Menſchen emporhob.

Vieles in Dante's Leben wird erſt deutlich, wenn man weiß, was der Frauendienſt jener Zeit war; denn derſelbe drang aus Frankreich nach Italien und ſtand hier nach dem Charakter der Nation verändert ganz in Blüthe. Dante war nicht Bea⸗ tricens Ritter, aber er war ihr Troubadour. Beatrice war ver⸗

und zwar,

Seit dieſer Zeit grüßte ihn Beatrice nicht mehr zu ſeinem

daß eine Verſöhnung eintrat; falls hier von Verſöhnung die Rede

mit einem Edelmanne, Simon de' Bardi, aus einer der bedeutend⸗

heirathet und allem Anſcheine nach glücklich an der Seite ihres Gemahles Simon de' Bardi. Und als Dante an dem großen Ge⸗ dichte arbeitete, worin er Beatrice feiert ich meine die divina commedia war er ebenfalls verheirathet, und man kann durch⸗ aus nicht ſagen, daß er unglücklich war an der Seite ſeiner Ge⸗ mahlin Donna Gemma. Dennoch erwähnt Dante ſeine Gattin in keinem ſeiner Gedichte; und Beatrice ihrerſeits ſpricht in der di- vina commedia nicht ein Wort von ihrem Gemahl, der noch auf Erden weilte, obgleich es ihr an Gelegenheit dazu nicht fehlt. So war eben jene Ritterzeit. Der Frauendienſt hatte mit der Ehe nichts zu thun, ſondern ſtand ihr vielmehr feindlich gegen⸗ über. Ein Troubadour konnte hundert Damen beſingen, nur ni die, welche ſein Weib war; das wäre gänzlich gegen den guten Ton geweſen; und man kann völlig überzeugt ſein: wäre Bea Dante's Gattin geweſen, er würde nie eine Zeile an ſie gedichtet haben. II 6tait beau de parler de sa maitresse, de sa dame; on se taisait de sa femme.(Fauriel.) 4. t Schlagen wir die vita nuova auf, ſo finden wir, daß DPafi von tiefem und aufrichtigem Schmerz erfüllt war, als Beatui⸗ ihn nicht mehr beachtete; auch konnte er nun ſein Geheimniß mi mehr verbergen.

Wenn Dante liebte, ſo glich die angenehm flackernden, wärmenden und unter iym ſondern es war eine Gluth, die ihn völlig verzehrte. Amoriſ 8 dn ein furchtbarer Gebieter, ein Wütherich, der von ſeinem Iunemn Beſitz ergreift und nichts neben ſich duldet, alle anderen Gedan 4 und Entſchlüſſe vernichtet oder verjagt und ihn leitet wohin 1 will. Seit Beatrice ihm zürnt, vermag er ihren Anblick Ihr 8 ertragen: zwar ſucht er beſtändig Orte auf, wo er hoffen dar

ſe Empfindung nicht einem haltenden Kaminfeuer,

Beatrice

(V. Jahrg.

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