Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
340
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delt es ſich dabei nur um ein paar Eimer Waſſer aus dem nächſten Brunnen, welche Ihr Dienſtmädchen ſo gut her⸗ beitragen wird, wie ſich das meinige dazu verſtehen muß. Ich weiß aber wohl, daß alle Bitten und Ermahnungen in dem Bezug an tauben Ohren abgleiten. Sie wollen nicht begreifen, welch ein wichtiger Ableiter die Haut iſt, und denken nur an das Ausſehen Ihrer Kinder, wobei Ihnen dann allerdings ein rein gewaſchenes Geſicht genügt. Mir dagegen liegt daran wenig, ſobald der ganze übrige Körper nicht eine gleiche Taufe erfahren. Alſo ſprechen wir darüber nicht weiter, denn ich ſehe es wohl, Sie ſind unverbeſſerlich. Ich ging und verwünſchte auf meinem Wege nach Hauſe meine Praxis, vor allem aber dieſe wider⸗ ſpenſtigen weiblichen Patienten, welche durch nichts zu überzeugen waren.

Als Fräulein Sturmvogel am Abend zu uns kam, fand ſie mich noch ziemlich verſtimmt; doch vertraute ich ihr die Urſache meiner üblen Laune nicht an. Where ignorance is pliss, it is folly to be wise ſagte ich mir und verhehlte ihr das Mißwollen und den Tadel ihrer Mitſchweſtern. Mochte ſie ſich immerhin über das Benehmen der Menſchen

Novellen⸗Zeitung.

täuſchen, wenn es ihr möglich war. Ohnehin ſchien ſie mir jetzt in einer gedrückteren Stimmung zu ſein, als es im An fange der Fall geweſen. Ob ſie der Unterricht anſtrengte, oder ob eine geheime Sorge ſie drückte, das wußte ich nicht zu entziffern; denn ſie ſtand mir in dem Punkte nicht Rede. So oft ich darauf anſpielte, wich ſie mir im Gegentheile entſchieden aus, und als ich eines Tages eine ganz directe Frage an ſie ſtellte, erwiderte ſie mir eruſt, daß die Arbeit eine Wohlthat für ſie ſei.

Es thut mir leid, daß Sie kein Vertrauen zu mir haben, ſagte ich ihre Hand ergreifend;doch hoffe ich es mit der Zeit noch zu verdienen.

Sie wandte ſich hierauf raſch von mir ab und ſah mich mit einem faſt herausfordernden Blicke an.Hoffen Sie das nicht! erwiderte ſie finſter.Sie können, Sie dür⸗

fen mir nicht nahe treten. Verzicht.

Das kann ich nicht, verſetzte ich warm.Sie be⸗ dürfen eines Freundes. Sie ſtehen allein. Laſſen Sie mich dieſer Freund werden. Ihre Selbſtſtändigkeit kann Ihnen unmöglich ſo lieb ſein, um ſie nicht gegen einen Schutz vertauſchen zu wollen, wie ich ihn Ihnen biete.

Ich kenne das, ſagte ſie und deckte die Hand über die Augen, als habe ſie Erinnerungen zu bannen, die meine Worte in ihr wach gerufen.Wollen Sie mir einen Ge⸗ fallen erzeigen, einen wirklichen Gefallen, ſo reden Sie mir nie wieder in dieſem Tone. Es verletzt mich, beleidigt mich.

Aber, wie iſt das möglich! rief ich verwundert aus, Warum ſoll ich Ihnen gegenüber nicht eine Sprache füh⸗ ren, welche mir natürlich und gemäß iſt?

Sie ſah mich hierauf mit einem Ausdrucke des tiefſten Schmerzes an.Freilich, ſagte ſie dann und ſeußzte tief auf;ſo muß es Ihnen erſcheinen. Aber ich kann Ihnen nur das Eine ſagen: im Fall Sie nicht aufhören in mir ein weibliches Weſen zu ſehen, muß ich darauf vei⸗ zichten Ihr Haus ferner noch zu betreten.

Aber warum das? Und wie kann ich das?

Es muß ſo ſein. Das genüge Ihnen. Betrachten Sie mich als eine Maſchine, eine Lehrerin, ein nützliches Etwas, als ein Weſen, das keinem Geſchlechte angehört,

Leiſten Sie darauf auf immer

das lebt, weil es nicht ſterben kann und auch nicht ſter⸗

ben will, weil es ſelbſt auf Erden eine Hölle gibt, die das Bewußtſein heißt; betrachten Sie mich als was Sie wollen, nur nicht als Frau, die auf die Liebe Anſpruch macht; denn mir wäre ſelbſt Ihr Haß noch vorzuziehen. Denken Sie nicht daran mir Ihre Neigung zuzuwenden, denn Sie kennen mich nicht und werden mich nie ken⸗ nen. Ich muß Ihnen das ſein, was ich in der Gegenwart vor Ihren Augen leiſte und bin; verdient das Ihre Ach⸗

tung, ſo achten Sie mich. Eine andere Empfindung for⸗

Feuilleton.

OSee

Romantſche Liebe: Dante und Beatrice. Nach Hartwig Floto. (Vergleiche deſſen: Dante Alighieri, ſein Leben und

ſeine Werke. Stuttgart, Verlag von Rudolph Beſſer. 1858, ein Werk, in dem der Baſeler Gelehrte mit Gediegenheit und

Eleganz ein beziehungsreiches Bild des großen Romantikers ent⸗ wirft; die Darſtellung der divina commedia im Umriß wird na⸗ mentlich Leſern, die das Gedicht ſelbſt vielleicht nicht bewältigen konnten oder wollten, willkommene Erklärungen bieten.)

Die Familie der Alighieri, zu der Dante gehörte, war leid⸗

lich wohlhabend und gehörte zu den edelſten der Stadt; wenig⸗ ſtens geſteht Dante, daß er ſogar auf ſeiner Wanderung durch den Himmel jenesarmſeligen edlen Blutes ſich freute. Sie hatten

ſich zu den Guelfen gehalten, und Dante's Vater hatte 1260 bis

1267 in der Verbannung zubringen müſſen. Dante bekannt⸗ lich eine Abkürzung von Durante wurde im Mai 1265 geboren und war ſchon früh ein ernſtes, nachdenkliches Kind, das wenig ſpielte und viel Neigung zur Wiſſenſchaft zeigte. Das Erſte, was

wir aus ſeinem Leben genauer kennen, iſt ſein Zuſammentreffen mit Beatrice de Portinari.

Wenn ich von ſeinem Verhältniß zu Beatrice rede, ſo folge ich im Ganzen der Schilderung, welche Dante ſelbſt uns hinter⸗ laſſen hat in jener Schrift, welche vita nuova heißt vita nuova, weil dies für ihn der Anfang eines neuen Lebens geweſen wäre, da er Beatrice erblickt hätte. Dies kleine Buch iſt ein ſehr ſonderbares Werk. Als Dante es ſchrieb, war Beatrice todt; er hatte mehrere Canzonen und Sonette an ſie oder in Bezug auf ſti

gedichtet, die zum Theil dunkel waren; er ſtellte ſie nun in dieſen

Büchlein zuſammen und erzählte zugleich die verſchiedenen Anläſſe bei denen ſie entſtanden waren. Das Ganze iſt übrigens Wahr⸗ heit und Dichtung; auch vermeſſe ich mich der lung mit Dante's eigenen Worten zu reden. Ich muß ſeine Far⸗ ben beträchtlich verdünnen und abſchwächen, ſonſt würde ene ſonderbare Schilderung zu Tage fommen. Man pflegte in Florenz jährlich die Wiederkehr des Faü⸗ lings zu feiern oder wie Boccaccio in ſeinem Leben Dante ſagt:In der Zeit, wo der Himmel die Erde mit ſeinem Schmu mit Blumen und Grün bekleidet, war es Sitte in unſerer Stadt, daß Männer und Frauen in ihren Straßen geſellig zuſammen⸗ kamen. 11. Genug: am 1. Mai 1274 hatte ein ſehr edler und angeſehe

nicht, in meiner Erzäl⸗

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