334 Novellen die unter anderem als ihrem Namen im Intereſſe ihrer Partei erſcheinen.
Die weiße Marmorbüſte im grünen Boudoir ſtellt, von Rietſchel modellirt und ausgeführt, die jugendliche Prin⸗ zeſſin Tochter der Fürſtin dar, die präſumtive Erbin ihrer hunderttauſend und mehr Seelen. Ein in der Zimmerecke hängendes Portrait in Oel, gemalt von Ary Scheffer in Paris, ſtellt denſelben Gegenſtand dar. Es wird wenig Köpfe geben, die ſowohl plaſtiſch als maleriſch ſo gleich intereſſante Aufgaben tief erfaßter, künſtleriſcher Darſtel⸗ lung bieten.
Seit Dingelſtedt in Weimar iſt, ſollen die muſika⸗ liſchen Kreiſe der Altenburg neuen Aufſchwung erhalten haben. Mit Recht darf man wohl aus dem einmüthigen Zuſammenwirken der beiden genialen Franze— Liszt und Dingelſtedt— nicht nur für die ferne Zukunft, auch für die nahe Gegenwart ſchon Erſprießliches erwarten.
Doch— die Lichter der Altenburg ſind uns längſt, längſt aus dem Geſicht entſchwunden. Seit der mitter⸗ nächtlichen Weiterfahrt von Weimar iſt es Morgen gewor⸗ den und auch Mittag. Der Eintritt in das weſtphäliſche Kohlenland, der Anblick des Dortmunder Bahnhofes muß uns auf ganz andere Gedanken bringen. Wir ſind im Lande der Induſtrie. Schacht reiht ſich längs der Eiſen⸗ bahn an Schacht, Fabrik an Fabrik. Die maleriſchen Ufer der Ruhr und dann der Wupper bringen äſthetiſchen Reiz hinzu. Es iſt eine der mannigfachſt belebten Touren des deutſchen Eiſenbahnnetzes, die wir hier zurücklegen. Von Hagennab glauben wir in der Straße eines einzigen Dorfes dahinzueilen. Das Dorf wird allmählich zur Stadt und wir halten am Bahnhofe zu Barmen; wir fah⸗ ren weiter zur nächſten Station, wir fahren ſtets mitten durch die Straßen derſelben Stadt, und nach einer halben Stunde halten wir an. Bahnhof Elberfeld! Das iſt eine der eigenthümlichſten Städte, die man auf unſeren Eiſen⸗ bahnen treffen kann. Dieſe Vereinigung von Dorf und
Zeitung.
[IV. Jahrg.
Stadt, von anmuthiger Natur und großartiger Induſtrie wird man kaum anderswo finden. Elberfeld zählt über 100,000 Einwohner, darunter verhältnißmäßig viele reiche, und beſteht doch faſt aus lauter ländlichen Gebäuden mit grauen Schieferwänden und grünen Fenſterläden, von de⸗ nen die größeren kaum ein imponirenderes Aeußere als das von Fabrikſchuppen haben. Als Zeichen der Regſamkeit des dortigen Lebensgeiſtes erzählte mir ein von dort Mit⸗ reiſender mit Stolz, daß Elberfeld der Gegenwart drei Miniſter geliefert habe, von der Heydt und Simons in Berlin, von Bruck in Wien, von denen der letztere ganz von unten auf ſeine Carrière gemacht habe; auch Grammont, den die franzöſiſche Februarrevolution zum Kriegsminiſter machte, war ein Elberfelder, das Kind von Fabrikarbeitern, das durch die algeriſche Fremdenlegion zu ſolcher Carrieère ge⸗ langte. An dem Sonntag Nachmittage, an dem ich au Elberfeld vorüberfuhr, begrub man Adolph Schults, den auch in dieſen Blättern häufig mit Achtung erwähnten ly⸗ riſchen und epiſchen Dichter. Der Verſtorbene war Buch⸗ halter in einem kaufmänniſchen Comptoir geweſen. Nur die Nacht konnte er der Liebe zur Poeſie widmen. As Ernährer von ſieben Kindern hatte er ſtets mit Sorgen, oft mit Noth zu kämpfen. Bei ſeinem Leben haben ſich die induſtriellen Landsleute ſicher nicht viel um ihn bekümmert. Es war mir rührend, jetzt im Waggon von verſchiedenen Seiten lebhafte Aeußerungen der Theilnahme und der Ach⸗ tung für einen unglücklichen Jünger der ideakeneRichtung zu vernehmen. Ein herzlich gehaltener Artikel und ein empfindungsvolles Gedicht der Elberfelder Zeitung hatte mit dazu beigetragen. Man ſagte mir, daß für die Witwe und die Kinder des Dichters geſorgt ſei. Die öfters ge⸗ nannten jugendlichen Poeten des Wupperthales, zum Theile in viel glücklicherer äußerer Lage, ſollen dem ſeit Jahren leidenden ältern Landsmanne ſtets anerkennenswerth edle Geſinnung bewieſen haben. (Wird fortgeſetzt.)
aber hätte ſich dadurch ſelbſt in Gefahr gebracht, und er weigerte ſich daher auf den Wunſch des Biſchofs einzugehen. Erſt auf die wiederholten Bitten deſſelben, und als das engliſche Boot dem Schiffe ſchon ſehr nahe war, ſagte er, das einzige Auskunftsmittel ſei, Talleyrand für den Schiffskoch auszugeben, und er möge ſich daher ohne Zögern in das Coſtüm deſſelben werfen. Zwar wider⸗ ſtrebte der Gedanke dem Stolze des Prälaten, allein die Gefahr rückte drohend immer näher, und es galt daher einen Entſchluß zu faſſen. Das that denn auch der Herr von Talleyrand, indem er in die weiße Jacke des Kochs fuhr, deſſen Mütze aufſetzte, deſſen Schürze vorband und das lange Küchenmeſſer als Ehrenzeichen ſeines Standes an die Seite ſteckte. Als dem engliſchen Officier gefagt wurde, daß weiter kein Franzoſe an Bord ſei als der Schiffskoch, ließ er denſelben zwar vor ſich kommen, als aber mit der Caſſerole in der Hand und mit demüthiger Miene der arme Teufel erſchien, der noch dazu lahm war, da hieß er ihn ruhig wie⸗ der an ſein Geſchäft gehen und geſtattete dem däniſchen Schiffe ſeine Fahrt ungehindert fortzuſetzen.
So wurde denn durch dieſe Traveſtie der Biſchof von Autun aus einer großen Verlegenheit errettet, und bald darauf langte er glücklich in Amerika an. a.
Eine Erinnerung an Louis Philippe. R. Schlüter in ſeinem Buche„Aus und über Italien, Briefe an eine Freundin“(2 Bände, Hannover, Carl Rümpler, 1857) erzählt von einer Erinnerung an die Jugend des letzten franzöſi⸗ ſchen Königs, die er beim Paſſiren der Via mala von Thuſis her⸗ auf, 4000 Fuß über dem Meere, in den Alpen fand:
mit welchen ſein Ehrgeiz ſich den Weg zum Throne
„Wir hielten erſt ſpät Abends vor dem Gaſthofe im Dorß Splügen, da wir einen Theil des Tages mit der Beſichtigung ein⸗ zelner intereſſanter Punkte zugebracht hatten. Dazu gehörte auch das bekannte, wenige Stunden ſüdlich von Chur gelegene Schloß Reichenau. Eine marmorne Gedächtnißtafel iſt über dem Eingange zu der Stube angebracht, in welcher Louis Philippe 1793 während acht Monate als Lehrer des Tſchernerſchen Inſtitutes lebte. Das Innere iſt in der einfachen alten Weiſe erhalten und die ältere Vergangenheit mit der jüngeren und der Gegenwart nur durch einige Bilder der Orleans'ſchen Familie vermiſcht, welche die Kin⸗ der der Herzogin von Orleans und Louis Philippe als König zum Gegenſtande haben. Da ſehen wir ihn auf der einen Seite als Lehrer Chabot, auf der andern als König Louis Philippe, und
die 40 Jahre Zwiſchenzeit haben die Perſon dergeſtalt verändert, daß es dem Beſchauer nur mit der größten Mühe gelingt in, der
behäbigen Bankiersgeſtalt und den ſelbſtſtändigen Zügen des Herrſchers den elaſtiſchen, frei, heiter und verſtändig um ſich blicken⸗ den Lehrer von Benjamin Conſtant wieder zu finden. Welcher Abſtand zwiſchen dieſer freundlichen Einſamkeit im Parke auf dem
Schloßhügel, vor welchem Vorder⸗ und Hinterrhein ihre Waſſer vereinigen, und dem geräuſchvollen Paris, wo jedes Dentma
bourboniſcher Zeit den Bürgerkönig an die Mittel mahnen uuß, 4 geba hatte!„Chabot war meines Gatten ſchönſter Name“: ſo bemerkt die Exkönigin in dem kleinen Fremdenbuche der Lehrerſtube, in welches ſie ſich als„Marie Amélie veuve de Chabot: eingeſchrie⸗ ben hat!— Herr Schlüter ſcheint Legitimiſt zu ſein.—
bin H unmn.— 15s
Herr A
Jünes zue
einmyriſe matketen. ſihuchen. Woenbeit in aau chatan Coytet taagſſche⸗ derbehne 1nn. D. mwir ald in der d
mnas gan


