Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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partei, jetzt Docent in Göttingen. Elias Lang, einſtim⸗ mig zum Präſidenten der Verſammlungen ernannt, war eine liebenswürdige, bei tüchtigen Anlagen ſehr anſpruchs⸗ loſe und, was damals beſonders ſelten war, höchſt takt⸗ volle Perſönlichkeit; er iſt ſehr früh an den Primitien des bairiſchen Bureaudienſtes verſtorben. Auch Karl Schurz, der Kinkel's Flucht unterſtützte, war anweſend. Er wie meh⸗ rere andere Theilnehmer jener jugendlichen Verſammlung ſind nach Amerika geflüchtet, andere auch ſind in Europa untergegangen. Wir, die wir jenes für die Jugend be⸗ ſonders ſo gefährliche Jahr glücklich überſtanden haben, können nicht einmal mit Poſa von unſeren Illuſionen ſagen, ſie wären kindiſch, aber göttlich ſchön geweſen. Der Gedanke, wie eine große gebildete Verſammlung bei uns in Deutſchland ſo aller praktiſchen Tüchtigkeit entbehren könne, und wie andererſeits zehn Jahre der öffentlichen Meinung(denn ein Ausdruck derſelben war ja doch auch jene Vereinigung) eine ſo ganz andere Phyſiognomie geben können, muß uns mit Wehmuth und zugleich mit Be⸗ ängſtigung vor dem erfüllen, was überhaupt als öffentliche Meinung ſich geltend machen kann! Gerade als das Be⸗ wußtſein für die thatſächlichen Bedingungen ſtaatlichen Lebens ſich abzuklären begann, hörte die Möglichkeit dafür auf; wenn die Nothwendigkeit für daſſelbe je wieder einmal eintreten ſollte, wird dieſes Bewußtſein dann nicht von neuem verſchwunden und ſo die alte ſchlimme Schule von neuem durchzumachen ſein?

Werthvoll bleibt uns von den Erinnerungen an jene Tage allein der Gedanke an den Eifer für die öffentlichen Dinge, der in jedes Herz damals gedrungen war. So ſchwach die Einſichten und die Fähigkeiten waren, ſo ſtark und allgemein der gute Wille. Wie anders die Intereſſen, die heutzutage die öffentlichen ſind! Wenn es wahr iſt, was jener Spaziergänger ſagte: wo man ſingt, da laſſ' Dich ruhig nieder, ſo wäre es jetzt die Zeit, überall ſich ruhig niederzulaſſen. Wie damals Vaterland und

Nonefen-Seitund.- IV. Jahrg

Parlament, ſo iſt heute Muſik, Muſik das Feldgeſchrei des Tages. Aber dennoch auch bei dieſem Feldgeſchrei iſt das Ruhigniederlaſſen nicht mehr möglich. Die Sänger wollen mehr als ſingen, ſie wollen den Sängerkrieg auf der Wartburg auskämpfen in des Wortes verwegenſter Bedeutung. Es iſt nicht mehr die antike Dame im omi⸗ nöſen Berge bei Eiſenach, welche jetzt die Sänger dem al⸗ ten Evangelium abſpenſtig macht; die Revolution der Mu⸗ ſik, das Evangelium der Zukunft nimmt ſeinen Ausgangs⸗ punkt aus keiner myſteriöſen unterirdiſchen Höhle, ſondern aus dem ſtattlich und frei auf der Höhe gelegenen Schloſſe, das am Tage weithin über die lachende Landſchaft blickt und deſſen erleuchtete Fenſter heute in die nächtliche Fahrt mir herüberſchimmern. Die Phantaſie wird unwillkürlich. dem Urſprung dieſes Schimmers entgegen geführt. Ich ſehe die ſchwere Schloßthüre ſich öffnen und ſchließen. Ich ſehe den matt erleuchteten geräumigen Vorſaal. Geſchäf⸗ tige Dienerſchaft eilt unhörbar die teppichbedeckte Treppe auf und ab. Der Corridor oben öffnet ſich zu einemn fünffenſterigen, länglichen, durchweg dunkelroth tapezirten Salon; Thüren, Fenſter und Fußboden mit ſchweren Tey⸗ pichen bekleidet; eine lange Tafel, ebenfalls dunkelroth ver⸗ deckt, nimmt den hauptſächlichſten Raum ein; die hohen Seſſel, die ringsumher ſtehen, laſſen den Salon nicht als Speiſezimmer, ſondern vielmehr als ein fürſtliches Con⸗ ferenzzimmer erſcheinen. Und was mag hier nicht ſchon conferirt, geplant, debattirt und ausgeführtefhin.. Wenn wir die Tafel entlang nach der ſchmalen Seite des Zim⸗ mers zuſchreiten und, die Portière zurückſchlagend, die Thüre öffnen und eintreten dürften, ſo würden wir nebem dem dunkelrothen Salon ein Boudoir in grünem Sammet! erblicken. Das Gemach bildet genau ein Quadrat; die zwei Wände des inneren Winkels enthalten die Thüren; zwiſchen ihnen ein hoher, reich verzierter und vergoldeten Kamin; in der einen Außenwand ſind die beiden dicht ver⸗ hängten Fenſter angebracht; die vierte, unſerer Eingangs⸗

nen Arztes, des ehemaligen Vorſtehers am Trier'ſchen Inſtitute in

Leipzig, tritt hier zum zweiten Male vor das Publicum. Der Verf. hat weniger auf die Reſultate neuerer Wiſſenſchaft, als viel⸗ mehr auf ſeine allgemeinen Erfahrungen ſeine Lehren gegründet. Kaum etwas darin wird dem Leſer hyperoriginell oder paradox erſcheinen; die meiſten dieſer Vorſchriften verſtehen ſich von ſelbſt; das Wichtigſte bei ihnen, wie bei allen ähnlichen, bleibt immer, daß man ſie auch befolgt. Und das iſt des Leſers Sache.

Harald Sängerkönig. Das iſt das Lied von der Liebe Macht. Dichtung von Curt Oswalt. Leipzig, F. A. Brock⸗ haus. 1857.

In der Vorrede ſagt der Herr Verfaſſer:

Zuvörderſt bemerke ich, daß mir erſt nach vollendeter Arbeit kund geworden, daß das urſprüngliche Thema derſelben bereits vor

Wolfsherzens und deſſen Folgen; ſo iſt das Erheben des neuge⸗ wählten Königs auf einen Stein; ſo iſt das Nennen berühmter

mir, von Amalie Schoppe nämlich, zu einem Roman und von Adolf Stern epiſch verwerthet worden iſt. Doch darf ich nach nun⸗

mehr erfolgter Kenntnißnahme beider Werke bei deren weſentlich von der meinen verſchiedenen Auffaſſung des gegebenen ziemlich enggefaßten Thema's wohl hoffen, daß alle drei Bearbeitungen recht wohl nebeneinder beſtehen können.

Den urſprünglichen einfachen Stoff meiner Dichtung habe ich direct von Saxo, wo von Hjarne dieſer nämlich iſt der Ha⸗ rald meines Gedichtes die Rede iſt, entlehnt und mit eigenen Zuſätzen und Umgeſtaltungen in ein poetiſches Ganzes zu bringen unternommen.

Im Allgemeinen wird der Kenner des nordiſchen Alter⸗ thumes in meiner Arbeit hin und wieder das Beſtreben, dem Geiſte

nordiſcher Dichtung und Sage in einer dem deutſchen Publicun

verſtändlichen Weiſe thunlichſt gerecht zu werden, erkennen. Su iſt um nur des Auffälligſten zu gedenken das Genießen einet

Waffen mit Eigennamen; ſo iſt namentlich was ich zur Ver⸗ meidung einer gewiſſen Befremdung anmerken zu müſſen fürcht die im Geſ. 30 vorkommende Verwandelung zweier Götten der ſkandinaviſchen Sagenweiſe angemeſſen und findet ſich eine ſolche beiläufig geſagt u. a. in Tegner's Frithjofſage.

Endlich geſtatte ich mir noch die Vemerkung, daß ich es als einen ſchätzenswerthen Lohn meiner Arbeit erachten würde, wen

ich durch dieſelbe wenigſtens einige Gemüther auf die vom deut⸗ ſchen Publicum leider noch immer ſehr vernachläſſigten trefflichen Dichtungen und Sagen einer uns ſtammverwandten höchſt beach⸗ tenswerthen Völkerſchaft aufmerkſam gemacht hätte. Warung ſollten wir bei romaniſchen, ſlaviſchen und anderen Völkern zu Borg gehen, wenn uns das Bereich germaniſcher Geſchichte un Sage, vornehmlich aber das des alten Nordens, eine ſo ausgiebig Quelle epiſcher und dramatiſcher Stoffe bietet?

Illuſtrirte Heimathskunde für Leipzigs Kinder⸗ nen Carl Julius Simon Portius. Preis 5 Ngr. Leipzig. Sel 1 verlag des Verfaſſers. In Commiſſion der Serig ſſchen Buch handlung. d Alnden

Wir dürfen es als eine glückliche Idee bezeichnen, die Kinde durch leicht und fließend Aeſchriedene Verſe, denen zahlreiche, ri gefällige Illuſtrationen als anſchauliche Erläuterungen beigege 9 ſind, in kurzen Andeutungen mit alle dem bekannt zu machen, w

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