Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
331
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Nr. 21.]

zeichnen, Gloſſen, ſage ich, weil ja doch Alles, was ein flüchtiger Reiſender heutzutage hier bemerkt, nichts ſein bann als Randbemerkungen zu den durch Zeit und Um⸗ ſände vielleicht begünſtigteren Skizzen, die gerade über dieſes Reiſeziel in letzter Zeit ſo zahlreich erſchienen ſind. Es ſind ja erſt ein paar Jahre her, daß unſer weſteu⸗ wopäiſches Netz vollſtändig hergeſtellt iſt, und ſo wird man einem naiven Reiſenden noch immer geſtatten können ſeiner Werwunderung über die heutige raſche, präciſe und be⸗ gueme Beförderung auf den weiteſten Touren ein paar Worte zu leihen. Zwiſchen Kaſſel und Paderborn, dicht an der weſtphäliſchen Grenze, führt die Eiſenbahn, durch riefe Durchſtiche, kühne Viaducte und maleriſche Win⸗ dungen Intereſſe bietend, über einen öden kahlen Höhen⸗ nug von theils röthlichem, theils weißem Geſtein, der ſicher ein Ausläufer des nicht gar entfernt, nördlich liegenden Teutoburger Waldes ſein muß. Dieſe Erinnerung an werhängnißvolle Zeiten deutſcher Urzuſtände mußte ſo recht lebhaft den Contraſt von heutzutage und ehedem hekvor⸗ treten laſſen. Dieſe einzige Anhöhe zu überwinden, wie hatte der eiligſte Reiſende Tage dazu nöthig; Wochen viel⸗ leicht brauchte ein Zug von Frachtwagen, gegenſeitig durch Vorſpann ſich aushelfend; welchen Gefahren, der Witterung und des Weges nicht nur, auch der romantiſchen ſocialen Zuſtände, war der Vorſichtigſte und Einflußreichſte hier gusgeſetzt! Als römiſche Entdeckungsheere mit unſäglichen Mühen pfern bis hierher endlich gelangt waren, er⸗ kang ihnen die Kunde vom Hercyniſchen Walde, dem Harze, als ein abenteuerliches Märchen; die Viadrina, die Oder, wenn ſie von ihr gehört, muß ihnen als Unmöglichkeit ge⸗ golten haben! Heutzutage, wenn der verwöhnte Reiſende durch das beim Aufſteigen auf die Höhe veränderte Tempo des Zuges aus dem Schlaf erweckt wird, reibt er ſich ver⸗ drießlich die Augen und iſt verwundert noch nicht weiter gekommen zu ſein; er deckt den Plaid, den er in Kaſſel ſo ewen ſich um die Füße gewickelt hatte, ſich ab, um gleich in

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Dritte Folge.

Paderborn ungehindert ein paar Minuten ausſteigen zu können; vom Harz und aus Thüringen weiß er von ſeiner Reiſe nichts, als daß er dieſe Nacht erſt in dieſer Himmels⸗ gegend vielleicht in irgend ein paar ſehr ſchöne Augen blicken durfte, wenn dieſe ganze Nacht und Thüringen und Hereynien nicht etwa nichts als ein Traum für ihn waren; aber daß doch Wirklichkeit daran war, ſagt ihm der Umſtand, daß er ja geſtern erſt an der Elbe, vorgeſtern an der Oder einem Freunde die Hand gedrückt hat, daß er heute noch am Rhein diniren und morgen früh( morgen früh erſt wie langſam geht das Reiſen) in Lutetia ſein Frühſtück nehmen könne!

Es ſind wenige Monate weniger als zehn Jahre her, daß ich auch ungefähr dieſe Tour, zum Theil noch mit der rothen Kutſche damals, zurücklegte. Wir waren eintau⸗ ſend und ſechshundert deutſche Studenten aus allen den faſt zahlloſen Vaterländern zuſammengekommen und hatten es unſern Herren Profeſſoren nachgemacht; ein Studenten⸗ parlament war conſtituirt, nebſt obligatem Vorparlament, mit Präſidenten, Vicepräſidenten, Secretariat, Commiſſio⸗ nen u. ſ. w. Wir hatten unſere Rechte und unſere Linke, unſer Centrum, und unter den Rednern unſere Dahlmann, Radowitz und Lichnowsky, unſere Blum, Simon, Ruge, Schlöſſel u. ſ. w. Es wurde viel Begeiſterung conſumirt in jenen ſchönen Pfingſttagen, ſehr viel Bier und, man muß es uns laſſen, auch nicht wenig Witz und Humor. Ein rechter Ernſt aber(ich glaube, die damals Anweſenden werden es heute alle eingeſtehen) ſteckte hinter all' dem En⸗ thuſiasmus denn doch nicht, und wo der Fanatismus ſich ausſchließend geltend machte, da fehlte es ihm ſo abſolut an geſundem Menſchenverſtande, daß praktiſche Reſultate von all' dieſen gigantiſchen Anſtrengungen nach keiner Seite hin zu Tage kommen konnten. Als ein klarer und ener⸗ giſcher Kopf, der als ſolcher natürlich ſtets in der Minori⸗ tät bleibt, that ſich damals beſonders ein Berliner Stu⸗ dent Aegidi hervor, ein intimer Anhänger der Profeſſoren⸗

gen verweigern möchten, iſt doch wohl auch nicht ſehr groß. Wir huben nur Einen Goethe, und wer weiß, wie lange noch; ein zweiter dürfte ſich vielleicht nicht bald wieder finden.

Iſt das nicht allerliebſt? Und dürfen wir uns wundern, daß Enden ſich überreden ließ und der geſammte Landtag zu einer Art ſcyweigender Zuſtimmung gebracht wurde? V

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rhältniſſe

Literatur.

La Reine de l'Andalousie. Souvenirs d'un Séjour à Seville V

per Paulin Niboyet. Avec Vignettes de A. du Buisson. Leip- tig. Librairie de Alphonse Dürr. 1858. Der Verfaſſer, welcher durch frühere Schriften, namentlich dirch ſeine:Enfants dsrael, Elim, La Chimère, Les Mondes rveaux etc. bereits als ein anmuthig ſchildernder und plau⸗

1 hender Touriſt rühmlichſt bekannt iſt, legt uns hier in eleganter 1s ſl sſtattung und mit zahlreichen Illuſtrationen verziert, das vor, pos er während eines zweijährigen Aufenthaltes in Sevilla der Königin Andaluf iens geſehen und gehört, erfahren und erforſcht hat. Als franzöſiſcher Conſul hatte Herr Ni het

zllegenheit ſeine Beobachtungen weiter auszudehnen, als eTou⸗ iſen gewöhnlich geſtattet iſt, zumal deren Aufenthalt ſich oft nur uf ſo viel Monate, ſogar Wochen beſchränkt, als er Jahre in Svilla weilte. Der hiſtoriſche Theil der Schilderungen iſt viel⸗ ſiht eben deshalb vorherrſchend. Ueberall ſind Anekdoten ver⸗ ihedenen Charakters eingemiſcht, welche der Schrift Abwechſelung die Beſenn Pfäbren und zugleich den Beweis liefern, daß der Verfaſſer ſich

den Vorſenn dl den Quellen der Specialgeſchichte Sevilla's fleißig beſchäftigt

1r Rech ell

haben muß. So empfangen wir denn durch ſeine Schilderung ein Bild Sevilla's, das in lebhaften Farben entworfen iſt und uns in bunter Mannigfaltigkeit zu einer Kenntniß von dieſem alten, berühmten Königsſitze führt, an dem einſt Pracht und Glanz der mauriſchen Herrſcher auf ihrer höchſten Stufe ſtanden, und den ſeiner vielfachen Reize wegen auch die chriſtlichen Sieger Jahr⸗ hunderte lang zu ihrem Aufenthaltsorte wählten. Wir werden

mit dem phyſiſchen, dem moraliſchen und dem baulichen Charakter

des modernen ſowohl als des alten Sevilla vertraut gemacht und empfangen jedenfalls in dieſer Reine de l'Andalousie eine Lectüre, die uns einige Stunden lang eine angenehme und leichte Unter⸗ haltung verſchaffen wird, wenn auch mehr dazu geeignet darin zu blättern, als uns dauernd damit zu beſchäftigen. Dabei iſt die Schreibart leicht und gewandt, und Geiſt und Beobachtungsgabe des Verfaſſers laſſen ſich überall erkennen.

Erzählungen und Humoresken von Moritz Horn. Erſter Band. Zittau, Pahl'ſche Buchhandlung. 1858.

Dieſes niedliche Bändchen enthält die Skizzen: der Sophien⸗ dukaten, die Dorfgroßmutter, Erkennungszeichen, der Dorfſchul⸗ meiſter, Weihnachksbilder. Das Büchlein iſt durch den beliebten Namen des Verfaſſers vonder Roſe Pilgerfahrt genügend em⸗ pfohlen.

Zehn Gebote der Diätetik, aufgeſtellt von Dr. Chriſt. Gottfr. Jörg. Zweite Ausgabe. Brockhaus. 1858.

Das Buch eines ſeiner Zeit ſehr angeſehenen, jetzt verſtovbe⸗

Joh. Leipzig, F. A.