Meine Kinder werden mir ganz verrückt werden, und könnter ich meinen Mann nur dahin bringen, ſo hätte ich ſie zu Oſtern weggenommen; aber der iſt ja wie bethört von dem Frauenzimmer.— Neulich ſagte er mir ſogar, daß ich zu ihr aufſehen müſſe, ſie ſtehe weit über mir. Sonſt kommt er nie herein, wenn Damen bei mir ſind, iſt aber das Fräu⸗ lein Sturmvogel im Zimmer, ſo weicht er den ganzen Abend nicht. Und was ſpricht er mit ihr?— Solche Dinge, die Niemand verſteht und für die ſich Niemand intereſſirt.“
„Nun, das möchte ich denn doch nicht behaupten, Frau Bürgermeiſterin; die am Geſpräche Betheiligten wiſſen ſicher was ſie ſagen, und wenn Fräulein Sturmvogel ſolche Unterhaltungen über allgemeine Gegenſtände den häus⸗ lichen Fragen vorzieht, ſo iſt das ganz natürlich, da ſie ja keinen Haushalt führt.“
„Ja, ja, man weiß ſchon, daß Sie für ſie ſchwärmen!“ rief ſie noch heftiger.„Mit Ihnen darf man über den Punkt nicht reden, und ich habe das auch lange aufgegeben. Mein Mann aber ſollte vernünftiger ſein. Wer Frau und Kinder hat, dürfte andere Rückſichten kennen, als ſolchen verliebten Thorheiten Raum zu geben.“
„Sie werden anzüglich, Frau Bürgermeiſterin,“ er⸗ widerte ich und griff nach meinem Hute.„Ich bitte, daß Sie künftig Ihre Worte mit mehr Ueberlegung wählen. Ich bin ſelbſt Vater und habe eine Tochter zu erziehen, mit deren Fortſchritten unter der neuen Lehrerin ich überaus zufrieden bin. Ich empfehle mich Ihnen.“
Dieſelbe Stämmung herrſchte mehr oder weniger unter allen Frauen. Das war höchſt unangenehm, beſonders da ſich hierbei nichts ändern ließ. Gegen Neid und Mißgunſt gibt es keine Panacee.— Hier hilft nur Muth und Ge⸗ duld.
(Schluß folgt.)
Pariſer gloſfen I.
Eiſenbahnfahrt und Urzuſtände. Studentenreminiscenzen und von das Zukunftsmuſik. Vier Miniſter aus Elberfeld. Adolph Schults.
Seit drei Tagen habe ich das Ziel meiner Reiſe er⸗ reicht. Ich bin in Paris, mitten in Pariſer Leben und Treiben darinnen. Meine Wohnung iſt ausgewählt und eingerichtet, eng, doch elegant, comfortable, doch ohne die gewohnte Solidität. Von Doppelfenſtern keine Rede; die Thüre, ſehr'geſchmackvoll in die Tapeten eingereiht, ſchließt ſchlecht. Vor mir, da man durch unſere großen biederen Kachelöfen hier noch immer nicht das Arrangement des Zimmers ſtören will, brennt das Feuer lichterloh im brei⸗ ten offenen Kamin; aber während die Füße die Hitze kaum aushalten können, ſehe ich meinen Athem in großen Dampf⸗ ſäulen über das Papier blaſen. Da es trotz des Kalen⸗ derfrühlings hier noch recht kalt iſt, ſo erſcheint die Situa⸗ tion nicht übermäßig behaglich. Dabei ſchwirrt der Kopf von tauſend Eindrücken dieſer Tage, an denen jeder Schuitt faſt etwas Neues, Ueberraſchendes, Pnziehendes oder Vo⸗ wunderungswerthes darbot. Auch im Vergleich mit un⸗ ſeren größten Reſidenzen bleibt Paris doch die erſte große Stadt. Wenn der erſte Anblick des Meeres aln erſchütt⸗ ternder iſt, wie ſoll man den erſten Eindruck 1 lichen, unermüdlich dahin ſtrömenden, ewig chmäßſg wechſelnden Lebens bezeichnen, iaen ja doch wieder faſt jede Einzelheit bis ins kleinſte lichkeit oder Vollkommenheit eine ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch nehmen möchte!
Ich will über Paris nicht eher etwas notiren, als bis ich weiß, ob die nächſten Tage ſo großartige Verſprechungen halten werden, als die erſten mir gemacht. Ich will zu⸗
nächſt ein paar Gloſſen über die Tour der Herreiſe auf
Summe Rechnung zu verlangen. Endlich ſchickte er ſie doch ein.
Sie enthielt aber nur ein paar Zeilen: Einnahme— ſo viel, Aus⸗
gabe— ſo viel, folglich bleibt in Kaſſa— ſo viel; unterzeichnet:
Großherzogl. Immediatcommiſſion für Wiſſenſchaft und Kunſt,
Goethe. Als dieſe Zeilen verleſen wurden, brachen einige Abge⸗ ordnete in ein lautes Lachen aus; andere machten bittere Bemer⸗ kungen und ſchlugen ſogar vor das Geld nicht wieder zu bewilli⸗ gen, und der größte Theil des Landtages ſchien dieſen Vorſchlag um ſo mehr mit Freuden zu ergreifen, als die Meiſten glaubten, die höchſte Weisheit beſtehe im Sparen. Luden ſuchte dieſen Be⸗ ſchluß abzuwenden und rieth dagegen an dem Dichter vorzuſtellen, daß man gar nicht zweifle, die Einnahme ſei auf die beſte und zweckmäßigſte Weiſe verwendet worden, aber bei der Verwendung oͤffentlicher Gelder dürfe man nicht glauben, ſondern müſſe ſehen. Von mehreren Seiten wurden zwar Bedenklichkeiten erhoben: die Nachweiſung der Ausgaben ſei nichts, ſie dürften nur für Noth⸗ wendiges und Nützliches gemacht werden; auch war die Rede von Spielereien, von Werken des Luxus, von Begünſtigungen und ungebührlichen Beſoldungen. Indeß ging der Beſchluß durch und wurde dem Miniſterium übergeben. Obgleich die Sitzungen des Landtags damals nicht öffentlich waren, ſo machte man aus den Verhandlungen doch kein Geheimniß, und bald genug waren denn auch dieſe bekannt genug. Goethe gerieth in heftigen Zorn; ſo lange hatte er dictatoriſch gewaltet, ohne fremde Einſprache, und daß nun der Landtag ſeine Handlungen beaufſichtigen und bemän⸗ geln wollte, reizte ihn aufs höchſte. Auch waren, trotz ſeines Un⸗ rechts, der Großherzog und die Großherzogin nicht geneigt gegen ihn Partei zu nehmen. Karl Auguſt nahm mit dem Landtags⸗ marſchall Rückſprache, die Großherzogin hatte mit Luden eine
Unterredung, welche dieſer mit folgenden Worten wiedererzühlie⸗ „Sie ſprach zu mir mit derſelben Feinheit und der edelſten Ein⸗ fachheit, mit welcher ſie ſo mächtig zu imponiren, mit welcher ſie ſelbſt Napoleons Zorn zu bändigen vermochte. Es wäre doch recht übel, ſagte ſie, wenn unſere freundlichen Verhältniſſe geſtött werden ſollten. Es würde mir um ſo unangenehmer ſein, da et, wie ich fürchte, auch den Großherzog verſtimmen möchte. Der Landtag iſt unleugbar in ſeinem Rechte; aber der geheime Rath Goethe iſt gewiß auch nicht der Meinung, daß er im Unrecht ſei⸗
il durch Eigenthüm⸗
(IV. Jahrg.
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Außer oder über dem geſchriebenen Recht gibt es ja noch ein an⸗ deres Recht; das iſt das Recht für Dichter und Frauen. Der ganze
zweckmäßig verwendet worden ſei.
Landtag iſt doch wohl überzeugt, daß das bewilligte Geld wirk⸗ lich von dem Herrn geheimen Rathe verwendet worden ſei(Luden bejahte das). Alſo kann nur noch gefragt werden, ob es gut ode Nun darf man doch auch nicht vergeſſen, in welcher Stellung der geheime Rath Goethe zur Welt, zu unſerm Lande, zum Hofe, zum Großherzoge ſeit einer langen Reihe von Jahren geweſen iſt; dieſe Stellung hat natürlich auch auf ſeine Anſicht von den Dingen eingewirkt. Ich finde es dahet
ganz begreiflich, wie er wohl glauben kann, ihm ſtehe vor allet
Anderen das Recht zu über die Zweckmäßigkeit der Verwendung des Geldes, das ihm zur Verwaltung übergeben worden iſt, ſelbſt
zu entſcheiden. Ich verſtehe natürlich die Dinge nicht und bin weit entfernt Jemanden rechtfertigen zu wollen; mein Wunſch iſt nu
daß die freundlichen Verhältniſſe unter uns erhalten und dem alten Herrn geheimen Rathe eine Verdrießlichkeit erſpart werden möchte Wie das zu bewirken, weiß ich freilich nicht. 1 Landtags aber, daß andere Behörden oder deren, Vorſteher ſi ſauf dieſen Vorgang berufen und die Vorlegung ſpecieller Rechnun
Die Beſorgniß deß
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Luden ſchwe⸗
1 harp.
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