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zeugen.
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Indeſſen kam der Montag heran, und ich freute mich ſchon im Voraus der Ueberraſchung, wenn die Kinder am Mit⸗ tage nach Hauſe kommen und den Eltern berichten wür⸗ den, daß das emancipirte Ungeheuer ihnen in der Geſtalt einer ſchönen jungen Dame erſchienen ſei. Ich verſchob darum mehrere meiner Beſuche auf den Nachmittag, um dann aus erſter Hand dieſe Ausrufungen des Erſtaunens zu vernehmen.— Es kam indeſſen diesmal anders als ich dachte.— Die Mütter trauten dem Urtheile nicht und wollten nun um jeden Preis ſich mit eigenen Augen über⸗ Ohne ſich verabredet zu haben, führte ſie daher die gleiche Neugierde um die vierte Stunde zu Fräulein Sturmvogel, die, wohl oder übel, ſich dieſe Aufmerkſamkeit gefallen laſſen mußte, welche einer von dem Unterrichte er⸗ ſchöpften Lehrerin eine wahre Strafe iſt. Als ſie am Abend zum Thee zu uns herüberkam, was faſt täglich geſchah, er⸗ zählte ſie uns dieſen Vorfall und die ſeltſame Unterhal⸗ tung, welche dieſe Damen mit ihr gehabt. Es war augen⸗ ſcheinlich, daß man ihr nicht trauete. Einladungen erfolg⸗ ten nun, und um nicht unfreundlich zu ſein, nahm ſte ei⸗ nige derſelben an ihren freien Tagen an. Die Männer lernten ſie alſo nun auch kennen, und bei dieſen wich das Vorurtheil ſchnell beim Anblicke der ſchönen Erſcheinung. Alle zeigten ſich ihres Lobes voll, und die Folge war, daß der Neid der Frauen erwachte und ſie nun noch eine zu fürchtende Nebenbuhlerin in ihr ſahen. Wir hatten die Vorbereitungen für das„weibliche Turnen“ jetzt getroffen und mit dem Beginn der nächſten Woche ſollte ſie damit den Anfang machen. Es war den Eltern geſtattet hierbei zuzuſehen, doch wurde ihnen bemerkt, daß man wegen des Raumes darauf rechne, es würden nur wenige Perſonen auf einmal ſich einfinden. Ich war natürlich zugegen und freuete mich der ſchönen, grazievollen Körperbewegungen.
Praris bewunder In den unter
— Was ich der 82 nach gebilligt, mußte ich in der
laſſen führte ſie nun auch einige der
Noveſfen⸗Zeitung.
Fröbel'ſchen Spiele, ſo wie eine Lehrmethode ein, welcht auf Anſchauung beruhte und den Schüler zum Nachdenken
zwang. Ich war damit ſehr einverſtanden; denn das bloße Gedächtnißwiſſen fördert den Menſchen wenig, und Frauen beſonders ſind ſo abgeneigt ſich über ihr Denken und Thun
Rechenſchaft abzufordern, daß man ſie nicht genug darauf
lIV. Jahrg.
hinlenken kann. Die Mütter aber waren nicht meiner Meinung. Sie wüs i lieber etwas Franzöſiſch und
Engliſch; ſie blieben ei, daß ſolch männliches Wiſſen, ſolche Verſtandesübungen ihre Töchter unweiblich und zu Emancipirten mache. Vergeblich war hier meine Redekunſt,
nungen. Vergeblich zeigte ich ihnen in der Lehrerin ein Muſter liebenswürdiger Frauen. Sie geſtanden ihr Schön⸗ heit zu, blieben aber dabei, daß ſie ſich keine Tochter wie ſie wünſchten, weil nie ein Mann ein ſo überbildetes, ge⸗ lehrtes Weſen zu ſeiner Gattin wählen würde, und das ſit doch der rechte Beruf. Sie ſtaunten Fräulein Sturmvo⸗ gel wie ein ihnen fremdartiges Weſen an, mit dem ſie nichts gemein hätten als die Geſtalt.— Es bewies ſich nur zu wahr, daß mit der Dummheit auch ein Gott ven⸗ geblich redet.—
Der Winter kam indeſſen näher und deckte mit Schnet
die Erde. Ich wurde häufiger auf das Land gexufen und
durch meine Praxis in Anſpruch genommen; doch richtete ich es, ſo oft ich konnte, ein, die Abendſtunde Hauſe zuzubringen, und dann war die neue aeafen
Gaſt.— Ich fand ſie ſtiller als im Anfange dr Be⸗ kanntſchaft; oft ſchien ſie mir traurig zu ſein. Wann ich ſie befragte, ob ſie etwas drücke, d ſah ſie mich freund⸗ lich an und erwiderte:„Wir haben alle unſer Päckchen zu tragen, und wenn das meinige mir zu ſchwer vorkommt, ſo iſt meine Selbſtliebe daran ſchuld. Wie viele in meiner Lage würden ſich noch glücklich ſchätzen, und wenn ich es nicht bin, ſo liegt es daran, daß ich es beſſer haben möchte als Andere. Was berechtigt mich dazu?“
Und nicht wahr, Nina, das iſt doch recht empfindlich, das heißt
doch die Grauſamkeit auf die Spitze treiben, gezwungen zu ſein
den Lehrerinnen doppelte Portionen zu geben, während mein Stückchen Kuchen ganz zerbröckelte, ſo jämmerlich dünn war es.
Gütiger Himmel! da kommt Frau Werner! Wenn ſie mich beim Schreiben ertappt! So lebe denn wohl, mein Liebling. Vergiß nicht mir bald zu ſchreiben und mir recht viel vom theuren A. zu erzählen! Hat er nach mir gefragt? und oft? Sieht er blaß aus? Bitte ihn nicht zu vergeſſen
Dein getreues, aufrichtig liebendes Käthchen.
P. S. Ach— Nina! ich habe einen Todesſchrecken gehabt; noch macht mein Herz ſo gewaltige Sätze wie ein Canarienvogel, wenn die Katze unter ſeinem Bauer ſteht. Stelle Dir vor, daß die Frau Vorſteherin an meinen Schreibtiſch kam, natürlich, wie ich glaubte, um dieſen Brief zu verlangen, den ich feſt entſchloſſen war zu verſchlucken, ehe ich ihn in ihre Hände gegeben. Aber dem Himmel ſei Dank, das drohende Ungewitter ging gnädig vorüber! Sie ſagte mir nur, daß ſie meinen erſten Brief an Dich nicht er⸗ brochen habe, da er ſchon geſiegelt war; in Zukunft würde ſie meine Briefe ſelbſt ſchließen, nachdem ſie den Inhalt überblickt. Sehr verbunden! Sie ſoll ſich vergebens bemühen einen Brief an Dich aufzufangen. So ſind wir nun geſichert, und das iſt ein wahres Glück!
Zur Literaturgeſchichte. goethe— ein Abſolutiſt.
Lewes bringt in ſeinem Buche über Goethe zwn ten in Erinnerung, die Beiſpiele ſind von des Herrn M uto⸗ kratiſcher Unbeugſamkeit, die mit dem, was wir heutzutage als Liberalität eines verantwortlichen Chefs verlangen, ſchwer in Einklang zu bringen geweſen wäre. Die eine Geſchichte hat Goethe
ſelbſt mit viel Selbſtbehagen und Laune an Eckermann erzählt.
„Die Jena ſche Bibliothek befand ſich in einem ſehr ſchlechten Zu⸗ ſtande. Das Local war feucht und enge und bei weitem nicht ge⸗ eignet ſeine Schätze gehöriger Weiſe zu faſſen, beſonders ſeit durch den Ankauf der Büttner'ſchen Bibliothek von Seiten des Großherzogs abermals 13,000 Bände hinzugekommen waren, die in großen Haufen am Boden umherlagen, weil es, wee geſagt, ann Raum fehlte ſie gehörig zu placiren. Ich war wirklich dieſerhalb in einiger Noth. Man hätte zu einem neuen Anbau ſchreiten müſ⸗ ſen, allein dazu fehlten die Mittel; auch konnte ein neuer Anbau noch recht gut vermieden werden, indem unmittelbar an die Räumte der Bibliothek ein großer Saal grenzte, der leer ſtand und galt geeignet war allen unſern Bedürfniſſen auf das Herrlichſte alz⸗
helfen. Allein dieſer Saal war nicht im Beſitze der Biblioltet ſondern im Gebrauch der Facultät der Mediciner, die ihn mitunte
zu ihren Conferenzen benutzten. Ich wendete mich alſo au der Herren mit der ſehr höflichen Bitte: mir dieſen Saal für die Bi⸗ bliothek abzutreten. Dazu aber wollten ſich die Herren nicht def. ſtehen. Allenfalls ſeien ſie geneigt nachzugeben, wenn ich ihasn für den Zweck ihrer Conferenzen einen neuen Saal wolle hauen laſſen, und zwar ſogleich. Ich erwiderte ihnen, daß ich ſehr berei
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ſie prallte ab an dem eiſernen Panzer vorgefaßter Mei⸗
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