Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
312
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befand, verſank er in tiefes Sinnen.Ich glaube dachte er bei ſich ſelbſt,die Zerkowsky hat es mir ange⸗ than mit Liebe oder Haß. Es iſt eine Frau von Geiſt und Charakter und wie ſchön, wie prächtig ſtolz! Alles, was ich von ihr höre, feſſelt mich. Aber welche Kluft zwiſchen ihr und mir in ihren Gedanken was bin ich für ſie, was kann ſie für mich ſein! Bah, Unſinn! Ich darf nichts hoffen. Aber Emil ſoll ſie doch vor Zeiten geliebt haben, dieſen ſchwachen, vom Augenblicke beherrſchten Mann, der ihren Werth nicht erkennt, ihre Neigung nicht einmal er⸗ widert hat. Sollte ſie auch jetzt für ihn Intereſſe hegen, hätte ſie ſich vielleicht nur deshalb um ſeine Ehe geküm⸗ mert? Pfui, ich will nicht weiter denken. Sie iſt ja doch nur ein Weib wie alle andern und treibt ihr Spiel mit den Menſchen, geiſtvoller vielleicht als Andere, aber um ſo gefährlicher. Oho, gnädige Frau, wir verſtehen uns auch auf pſychologiſche Spiele und laſſen es darauf ankommen, wer Meiſter iſt.

Frank ſtieß den ſchönen Hühnerhund, den Gefährten ſeiner Einſamkeit, welcher ſich während dieſes Selbſtge⸗ ſprächs ſchmeichelnd an ihn herangedrängt hatte, mit dem Fuße von ſich, ſo daß dieſer winſelnd in die Ecke kroch, und begab ſich an ſeinen Arbeitstiſch, wo der faſt vollendete Entwurf einer Dampfmaſchine der letzten Striche harrte. Die Arbeit widerſtand ihm heute; trotz allem Kampfe da⸗ gegen fühlte er doch, daß die beſte Freude des Lebens nicht in dem bloß Berechenbaren und Folgerichtigen zu ſuchen ſei.

Nach einigen Tagen es war noch keine volle Woche verfloſſen eröffnete Frank dem Freunde, der inzwiſchen unſäglich gelitten und zu wiederholten Malen vergeblich verſucht hatte Helene zur Mittheilung zu veranlaſſen, daß er den Aufenthalt Lina's ausgemittelt habe und daß ſich dieſelbe, große Sehnſucht nach Emil abgerechnet, auch wohl und munter befinde. Sie lebte etwa eine halbe Tage⸗

reiſe von der Stadt entfernt bei alten Förſtersleuten mit⸗

ten im Walde in einem Jagdhauſe. Wer ſie dorthin ge⸗ bracht, hatte Frank nicht erfahren können; jedenfalls aber Frau von Zerkowsky, welche ſie geſtern dort beſucht und durch deren glücklich verfolgte Spur Frank eben das Ge⸗ heimniß gelüftet hatte.

Emil, voll Feuer und Flammen, umarmte den Freund

und erklärte ſich ſofort auf den Weg begeben zu wollen,

um die ſo heiß Erſehnte zurück zu führen. Damit war aber Jener durchaus nicht einverſtanden.

Halt, lieber Freund rief er dazwiſchen,da hab' ich doch erſt ein Wörtlein darein zu ſprechen. Du biſt auf dem beſten Wege Alles zu verderben. Es genügt nicht, daß Du einen raſchen Frieden ſchließeſt; Du mußt Dir auch für die Zukunft den Frieden ſichern. Dazu ge⸗ hört Zweierlei: einmal Dein eigener beharrlicher Wille und größere Selbſtüberwindung, als Du bisher gezeigt haſt zweitens aber eine ernſte Lehre für den Gegner, der Dich jetzt im eigenen Lager angegriffen hat; ich meine die Zerkowsky. Läßt Du die Sache ſo hingehen, ſo wird ſe, ſtolz auf den erzielten Erfolg, beim erſten Anlaß von Neuem experimentiren. Du ziehſt zwar binnen Kurzen von hier fort, aber es bleibt noch immer Zeit genug übrig zu allerlei Machinationen, und auch in der Ferne bliebe ſit immer ein gefährlicher Feind. Du mußt ſie Dir ein fir alle Male vom Halſe ſchaffen, Emil, wenn Du Ruhe haben willſt.

Emil, dem jetzt ein jeder Aufſchub verhaßt und der deshalb doppelt zur Verſöhnung geneigt war, machte ven⸗ ſchiedene Einwendungen und hob beſonders hervor, daß in ja ſein eigenes Unrecht recht wohl einſehe und daß es doch am Ende auch zweifelhaft ſei, welchen Antheil Helene an Lina's Entſchließungen genommen habe.

Du irrſt erwiderte aber Frank, ohne ſich wankend machen zu laſſen,wenn Du in dieſer Hinſicht einen Zweifel haſt. Mein Kundſchafter, der Kutſcher, welcher die Zerkowsky geſtern an Ort und Stelle gefahren ein zu⸗

nur ſehr ſpärlich vererben und verbreiten. Darum wurde auch ſo viel von der Templerei gefabelt und Ungeheuerliches geſprochen.

Ein ſtrenger Unterſchied iſt jedoch zwiſchen der Templerei und den Beſtrebungen und der Politik der Großmeiſter und Capitel zu ziehen, welche letztere von, der Templerei nicht mehr wußten als unbefangene Leute von heut zu Tage auch. Die Templerei der Ritter der inneren Congregation war keine ſyſtematiſche, wie die eigentliche der gelehrten Kleriker, ſondern eine rituelle oder litur⸗ giſche und beſtand in der Veränderung der Einſetzungsworte beim Abendmahle(hoc est corpus meum), im Abſolutionsrecht des Meiſters, Verleugnung Chriſti ꝛc., was dem Leſer mitgetheilt wird und natürlich wenig Vorſprecher finden kann, da ſie das ganze ſociale Leben im Orden verpeſtete und vernichtete.

Sowie viel vom Islam in das Weſen der Kabbala überging, ebenſo gut finden wir ihn in der Templerei vertreten. Der Islam Pennt die Chriſten Götzendiener und lehrt die Einheit Gottes ſtrenge.

Die Templerei verwirft gleichfalls das göttliche Weſen Chriſti und des heiligen Geiſtes, erkennt die Jungfrau Maria nicht an, ſanden glaubt nur an einen alleinigen Gott, den Erſchaffer der

elt.

Daß die Templerkleriker einem kabbaliſtiſchen Muhamedanis⸗ mus huldigten, der den gewöhnlichen Rittern dieſes Otdens nur der Form nach mitgetheilt wurde, beweiſt die Aehnlichkeit des Templeridols mit dem Makroproſopus und dem Mikroproſopus der Kabbala.

Die Kabbala gibt uns Gott als ein Haupt, die Motive mö⸗ gen aus den Worten der Lehre ſelbſt hervorgehen. Es heißt in

derſelben: 8

Die Erde war lange öde und verlaſſen, bis das ſehnlichſt an wartete Haupt ſich ſelbſt bildete und ſeine einzelnen Theile Ein⸗ fluß auf das Ganze bekamen. 3

Dieſes längſt erſehnte Haupt iſt der Senex sanctissimus(Ma kroproſopus), der in drei Häupter zerfällt(der heiligſte Alte ſelb [corona], die verborgene Weisheit[sapientia] und das Unendlicht linfinitum]). Alles ſtrebt mit jeder Möglichkeit danach, ſich mi dem Enſoph zu vereinigen, ſelbſt der heiligſte Alte, welcher ale ein Kopf ohne Körper gedacht wird, von dem man bloß das Greiſen, geſicht erblickt, woher er auch den Namen Makroproſopus hat.

In jedem Haupte iſt die größte Weisheit vorhanden, ja dar des Greiſes iſt die Weisheit in abstracto. Der Name des heilig ſten Greiſes wird nie ausgeſprochen, als nur als ein körperloſe Haupt. Seine Beſchreibung wird genau angegeben. Die Hauſte haare ſind unzählig und gehen bis über den Nacken, Den Außs fehlen die Wimpern und Brauen. Naſe und Bart ſind einer ga ſpeciellen Beſchreibung unterworfen. 1 16

Der Makroproſopus, als ein Abſtractum und weil er nich real iſt und keine Veränderung erleidet, kann nicht erkannt werdis Ihm ſetzt die Kabbala eine ſchaffende Kraft, den Mikroproſopu an die Seite, welcher als Mannweib dargeſtellt wird., pun

Dem weiblichen Mikroproſopus fehlen im Gegentheile zun männlichen die Barthaare. Die Haupthaare des erſteren ſind dih lich und mit anderen vermiſcht, die des letzteren ſchwarz; das zu litz des weiblichen iſt roſenroth, wird aber weiß, ſobald der Alf darauf ſchaut.. V

Hinach bleibt kein Zweifel mehr vorhanden, daß die er baliſten im Makroproſopus den höchſten Inbegriff der Weishe

IIV. Jahrg. WR. M.

und Allmacht, Gott in abstracto, im Mikroproſopus aber 1

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