Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
311
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[V. Jahrg Nr. 20.]

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Ich begreife Dich nicht, Emil, daß Du nicht klarer ſahſt. Die Frauen führen Dich am Narrenſeile, ſie machen ſychologiſche Verſuche an Dir, wollen Dich mit andern Vorten erziehen, beſſern, veredeln. Die Zerkowsky, ich inne ſie ja, iſt ein verteufeltes Weib, viel zu geſcheidt für ine Frau, aber nicht klug genug zum Manne. Deine grau iſt in ihrer Macht und ſchwört jedenfalls auf ihre borte wie auf ein Evangelium. Wie ich Deine ⸗Lina aus der Ferne kenne, wäre ſie nie von Dir weggegangen ohne ſeemden Einfluß. Es iſt aber halb unrecht, halb albern, ſich die Zerkowsky in Deine Ehe miſcht. Sie ver⸗ ſeent eine Lection dafür, die übermüthige Frau. Doch was dich ſelbſt angeht, Emil, was machſt Du für Lärm? Vart' es doch ruhig ab, Deine Kleine kommt ſicher von lbſt zurück.

Du ſagſt mir nichts Neues, erwiderte Emil faſt eerletzt,aber Vermuthungen ſind noch keine Gewißheit, und Du magſt es mir glauben oder nicht: Gewißheit muß ſh über Lina haben, ſoll mich die innere Unruhe nicht auf⸗ niben. Bedenke, daß ich mir Vorwürfe zu machen habe, ich mich keineswegs frei von Schuld fühle. Willſt Du uaher als Freund an mir handeln, ſo rathe mir, hilf mir, bber erſpare Dir bei ſolchem bittern Ernſte jedes ſpöttiſche Lort.

Frank ſah den Freund, deſſen verſtörte und abge⸗ pannte Züge ihm jetzt auffielen, nicht ohne einen Anflug nom Theilnahme in ſeinem ſchmalen ironiſchen Geſichte an. bald aber verfiel daſſelbe wieder in ſeinen frühern gering⸗ ſhätzigen Ausdruck und er ſagte:

So ſeid Ihr nun, Ihr Menſchenkinder! Was ſoll nam von Euch denken? Jetzt verzehrt Euch die Sehnſucht, nougen kümmert Euch der Beſitz. Wie oft haſt Du mir orgeklagt, daß Deiner Ehe das rechte Verſtändniß fehle, unw ich habe Dir in ſofern beigeſtimmt, als Du überhaupt ſicet Muth und Charakter genug beſitzeſt, um eine Frau zu tragen. Soll ich Dir jetzt wieder beiſtimmen, wenn Du

nicht wenige Tage ohne Dein Weib ſein kannſt? Ei, hät⸗ teſt Du doch Deine Pflicht wie ein rechter Mann erfüllt, der auf ſeinem Poſten ſteht und ausharrt und kein weiner⸗ liches Geſicht zieht, wenn ihm der Platz nicht behagt und der Wind das innerſte Mark kältet; dann würde ſie Dir ſicher nicht davon gegangen ſein. Sie iſt, das weiß ich, noch von der beſſern Sorte der Frauen: kleinlich wohl und beſchränkt, aber fromm, treu und innig. Du warſt vorher ein Thor, Emil, und biſt es jetzt von Neuem. Hätteſt Du mir gefolgt und keine Frau genommen! Aber meinetwegen! Es iſt geſchehen wie das Uebrige auch. Gut alſo! Ich will Dir ſuchen helfen, und glaube mir, wir wollen bald am Ziele ſein!

Du hoffſt alſo, Frank? fiel Emil haſtig ein.Du fürchteſt nicht, daß irgend ein unwiderruflicher Schritt ge⸗ ſchehen, daß Lina auf immer

Nichts von Allem, unterbrach ihn Jener,ſprich nicht weiter, Emil. Es iſt Tollheit, ſo etwas zu denken, und nur die Leidenſchaft kann Dich entſchuldigen. Ich ſage Dir, wir werden Deine Frau finden, und freudig wird ſie zu Dir heimkehren. Dann nimm Dir, da es doch einmal ſo gekommen, eine Lehre daraus und halte ſie in Ehren; ſie iſt jetzt nur die Irregeleitete und Verführte. Aber die Zerkowsky! Ahnte ich doch nichts Gutes, als ich neulich Deine Frau zu Jener hineinſchlüpfen ſah. Die Frauen ſollen nicht ſpielen mit ſolchen ernſten Dingen; ihr Thun und Treiben iſt doch immer nur kurzſichtige Stümperei und kann zu heilloſer Verwirrung führen. Doch wir ſprechen davon weiter.

Emil dankte dem Freunde mit herzlichen Worten für den ihm zugeſicherten Beiſtand. Frank lehnte aber jeden Dank ab. Seine Freundſchaft für Emil ſchien mehr eine Sache der Gewohnheit und des geſelligen Bedürfniſſes als eine Angelegenheit des Herzens zu ſein. Er blieb kalt und beſchäftigte ſich während des ganzen Geſprächs mit einem fremden Gedanken. Als er ſich aber wieder allein

Aus der Geſchichte. Das Baffometushaupt der Tempelritter.

Wir zeigten kürzlich einen neuen hiſtoriſchen RomanSt. ceré von G. A. Luther(drei Bände. Leipzig, Hermann Schultze. 188) an, der den Untergang des Templerordens behandelt. Zu de bei dieſer Gelegenheit von uns erwähnten⸗ Verleumdungen ſeees geheimen Bundes gehört auch, daß der in die innere Con⸗ gee ation Aufgenommene bei der Prüfung habe Chriſtum ver⸗ lu nen, das Kreuz beſudeln und ein Götzenbild, das Baffometus⸗ uot, anbeten müſſen. Ueber letzteres, ein in der kabbaliſtiſchen Utwatur häufig vorkommendes Myſter, gibt G. A. Luther fol⸗ gerve Kunde, bei deren Lectüre wir freilich unſere Leſer die Vor⸗ ſth und Kritik anzuwenden bitten müſſen, die der Romanſchreiber ſeinem Intereſſe natürlich aus den Augen zu laſſen für nöthig mfimden hat..

Die Kabbala, jene im zweiten Jahrhundert nach Chriſti eimurt durch den Rabbi Akibha und ſeinen Schüler Simeon Ben ocbai gebildete und durch Traditionen fortgepflanzte angeb⸗ Lh. jüdiſche Weisheit, beſteht aus höchſt ſchwärmeriſchen Vorſtel⸗ laen, ja man kann ſogar behaupten, phantaſievollen Erdichtungen ne die Emanation des Weltalls aus dem Unendlichen(Enſoph). Die Kabbaliſten ſind jüdiſche Gnoſtiker, die mehrfach mit den chritlichen harmonirten und ſich gegenſeitig unterſtützten.

Da ſich dies durch lange Jahrhunderte fortſetzte, ſo iſt es klar, d die Kabbala mehr und mehr Fremdartiges in ſich aufnahm, aſodden urſprünglichen Charakter verlor, d. h. ſie entfremdete ſich dem Judenthume faſt gänzlich. Unter ihrem Gewande fanden die mſeiniſchen, aſtrologiſchen, naturhiſtoriſchen, logiſchen und me⸗

taphyſiſchen Kenntniſſe nicht nur der Juden, ſondern auch der ge⸗ lehrten Araber und morgenländiſchen Chriſten Eingang in Spa⸗ nien, von wo ſie ſich mit der Zeit über das geſammte Europa verbreiteten.

Nun iſt aber leicht anzunehmen, daß dieſe kabbaliſtiſchen Lei⸗ ſtungen den Glauben der damaligen Völker nicht unberückſichtigt ließen. Im Gegentheile, es bildeten ſich vielfache heimliche, dem kabbaliſtiſchen Weſen huldigende Vereine.

Ein ſolcher iſt der von Templerklerikern und gelehrten Rit⸗

tern dieſes⸗Ordens gebildete, welcher ſich im Laufe von Jahrhun⸗

derten viel mit dem göttlichen Weſen beſchäftigte. Daß ſie, unter deren Weſen und Wirkſamkeit man die ſogenannte Templerei be⸗ greift, nur eine geringe Zahl, aber ausgezeichneter Männer um⸗ faßte, iſt klar. Denn die zu damaligen Zeiten unter dem Ritter⸗ ſtande herrſchende Rohheit fand wenig Reiz an metaphyſiſchen Betrachtungen, ihre Phantaſie bedurfte im Gegentheil eines tüch⸗ tigen Anhaltepunktes; ohne den Gedanken an einen perſonificirten Gott, an unſere liebe Frauen, den Heiland am Kreuze und die vielen Heiligen und ohne einen Ritus, welcher nicht beſtändig an dieſe erinnerte, möchte ihre Frömmigkeit, die ohnedies auf ſehr ſchwachen Füßen ſtand, bald erlegen ſein.

Daß die gewöhnlichen und ungebildeten Ritter, aufgewachſen und befangen im ſinnlichen Glauben der katholiſchen Kirche, nur mit Formen der von den weiſen Mitgliedern gewonnenen Reſul⸗ tate bekannt gemacht wurden, wird nicht weiter ausgeführt zu werden brauchen.

Daher mag es auch kommen, daß man überhaupt von der eigentlichen Templerei ſo wenig erfahren. Ihre eigentlichen Leh⸗ ren waren zu wenig Auserwählten bekannt und konnren ſich daher

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